Frage von PlayerEbayer, 52

Wie kann man mit Hilfe unvoreingenommener Denkprozesse Lösungen zu realen Problemen erreichen?

Fast jeder Mensch besitzt voreingenommene Denkprozesse. Wir haben Vorurteile gegenüber gewissen Dingen, Tendenzen, Vorlieben und die Neigung Dinge verzerrt wahrzunehmen. Diese Verzerrtheit entsteht genau aus diesen oben aufgeführten Beispielen.

Um aus dem Käfig der Subjektivität zu entkommen muss man bereit sein seine bisherigen Denkweisen und -Prozesse aufzugeben. Probleme kann man niemals mit der selben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.

Ich bin mittlerweile an dem Punkt angelangt, dass ich mich selbst herausfordere, indem ich überprüfe inwiefern meine Denkprozesse der Richtigkeit entsprechen. Es handelt sich dabei natürlich um ein vielschichtiges Problem. Zuerst einmal besteht doch in vielen Bereichen ein Mangel an Wissen um überhaupt seine Annahmen und Denkweisen zu überprüfen.

Aber wie kann ich Annahmen treffen, die nicht nachweislich wahr sind? Es reicht meines Erachtens nicht aus, dass eine Annahme wahr sein könnte, weil wenn meine Denkweise auf Spekulationen aufgebaut ist kann ich direkt eine Münze bei jeder meiner Entscheidungen treffen.

Das andere Problem besteht auch darin, dass man zu keinem guten Ergebnis kommt, wenn man seine verzerrte Wahrnehmung mit der selben verzerrten Wahrnehmung hinterfragt.

Die richtige Schlussfolgerung ist also seine bisherigen voreingenommenen Denkprozesse abzulegen und quasi bei 0 anzufangen. Das ist verbunden mit einem offeneren Umgang mit uns und unserer Umgebung,

An einem Punkt hapert es jetzt aber. Es ist ja schön und gut sich bewusst zu machen, dass man nichts weiß, aber so wirklich weiter kommt man dadurch ja nicht. Man braucht ja schon noch ein Konzept um reale Probleme zu lösen.

Allein das Wort Problem ist schon ein Wort das zum Nachdenken anregt, weil man rein vom Konzept her natürlich definiert haben muss was ein Problem ist. Und irgendwie kommt man dann natürlich auch so ein wenig zu der Sinnfrage. Was ist der Sinn des Lebens wirklich? Wenn ich wahrhaftig keinen Sinn im Leben sehe, dann ist es wahrscheinlich auch kein Problem für mich wenn mich jemand erschießt.

Also wenn wir von Problemen in der realen Welt reden gehen wir davon aus, dass das Leben einen Sinn hat. Ich denke eine gute Herangehensweise ist, dass man hergeht und sagt der Sinn des Lebens ist es glücklich zu sein. Glück kann man aber nicht messen. Also wirft das weitere Fragen auf...

Nichtsdestotrotz gibt es aber Probleme in unseren Köpfen, die objektiv betrachtet vielleicht keine Probleme sind. Wie ist also allgemein die richtige Herangehensweise diese Probleme zu lösen wenn man unvoreingenommen an die Sache rangeht?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von berkersheim, 14

Ganz epikureisch: Wir sind nicht zum Denken geboren sondern zum Leben und Denken ist nur ein Hilfsmittel, die Probleme des Lebens zu meistern. Die wirklichen Lebensprobleme stellst nicht Du in Deinem Elfenbeinkopf, die stellt dass Leben selbst. Deine Fragen haben sich schon die alten Griechen gestellt und sich dann gezofft, wie ein "guter Geist" und eine Seelenruhe zu definieren und zu erreichen sind. Die Frage ist immer wieder aufgegriffen worden, ob von Descartes, von Hume oder Kant und allen weiteren. Die französischen Existentialisten haben wieder die epikureische Antwort aufgegriffen: Leben lernt man nicht durch lesen und denken - das kann helfen - aber leben lernt man durch achtsames Leben. Manche, die sich in Büchern vergraben, vergraben sich in Lebenslösungsvorschläge anderer, statt es kritisch gegen das eigene Leben zu halten. Doch dazu muss man die eigene Nase in den Wind des Lebens halten, das weder nur vor dem PC noch vor Buchdeckeln und im eigenen Saft des Kopfkinos stattfindet. In Deinem Leben geht es darum, die richtigen Antworten zu finden, die ein erfülltes Leben jetzt möglich machen, egal ob sie die absolute Wahrheit zurück bis zu Steinzeit sind und vor bis zum letzten Post-post-post-transhumanisten. Du bist wie Mogli, der glaubt, im Denkurwald seinen alle Denktiere das einzig wahre, bis Dir große Mädchenaugen zeigen, dass es außer Denken auch Emotionen gibt.

Kommentar von berkersheim ,

Den Beitrag oben vergessen. Hier die Korrektur:

Ganz epikureisch: Wir sind nicht zum Denken geboren sondern zum Leben und Denken ist nur ein Hilfsmittel, die Probleme des Lebens zu meistern. Die wirklichen Lebensprobleme stellst nicht Du in Deinem Elfenbeinkopf, die stellt das Leben selbst. Deine Fragen haben sich schon die alten Griechen gestellt und sich dann gezofft, wie ein "guter Geist" (das ist etwas anderes als das schlecht übersetzte "Glück") und eine Seelenruhe zu definieren und zu erreichen sind. Die Frage ist immer wieder aufgegriffen worden, ob
von Descartes, von Hume oder Kant und allen weiteren.

Die französischen Existentialisten haben wieder die epikureische Antwort aufgegriffen: Leben lernt man nicht durch lesen und denken - das kann helfen - aber leben lernt man durch achtsames Leben. Manche, die sich in Büchern vergraben, vergraben sich in Lebenslösungsvorschlägen anderer, statt es kritisch gegen das eigene Leben zu halten. Doch dazu muss man die eigene Nase in den Wind des Lebens halten, das weder nur vor dem PC noch zwischen Buchdeckeln oder im Saft des eigenen Kopfkinos stattfindet.

In Deinem Leben geht es darum, die richtigen Antworten zu finden, die ein erfülltes Leben jetzt möglich machen, egal ob sie die absolute Wahrheit zurück bis zu Steinzeit sind und vor bis zum letzten Post-post-post-transhumanisten. Du bist wie Mogli, der glaubt, im Denkurwald seien alle Denktiere das einzig wahre, bis Dir große Mädchenaugen zeigen, dass es außer Denken auch Emotionen gibt. Weil wir als Menschen die überlebenswichtigen Emotionen haben, gibt es kein unvoreingenommenes Denken, weil sich die verflixten Emotionen, die Kant schon nicht ausstehen konnte, überall einmischen.

Antwort
von MaxNoir, 27

Das was du sagst stimmt leider nicht ganz. Entscheidungen aufgrund von Annahmen zu treffen ist nicht dasselbe wie eine Münze zu werfen. Jede Annahme hat eine Wahrscheinlichkeit, dass sie wahr ist. Diese Wahrscheinlichkeit ist unterschiedlich ausgeprägt. Erfahrung und das bewusstsein über Biases und Errors helfen dabei, Annahmen mit höherer Wahrheitswahrscheilichkeit zu treffen.

Antwort
von jogibaer, 6

Die besten Antworten erzeugt man nicht durch nachdenken. Es ist nun mal so, dass einem plötzlich was einfällt. Es kommt scheinbar aus dem Nichts. Solche Eingebungen bringen dich weiter, als das ganze Philosophieren.

Doch Eingebungen lassen sich erzwingen. Bleib locker und freue dich am Leben. Vertraue auf die Eingebungen, die dann schon kommen, wenn man sie braucht. Sei dankbar für alles was du schon weisst.

 Ob glücklich sein das Ziel ist, bezweifle ich. So etwas in dieser Richtung schon, aber glücklich ist ein etwas zu hoher Begriff meine ich.

Antwort
von talla1976, 30

Hm, geht es dir um "Lösungen zweiter Ordnung"

Kommentar von PlayerEbayer ,

Jap das ist das was ich suche:)... aber mehr im Sinn einer Bedienungsleitung "vom Konzept zur Lösung der zweiten Ordnung"

Antwort
von Matahleo, 3

Hallo,

eine vollkommen unvoreingenommene Sichtweise kann keiner erlangen, da jedes Denken von den Erfahrungen des Einzelnen abhängen und damit zusammenhängen. 

Eine allgemein gültige Lösung für komplexe Denkweisen gibt es also nicht. 

Aber, du kannst selbst an dir, und nur an dir, arbeiten, damit du möglichst vielschichtige Ansichten eines Problems erhältst.

Für mich ist es zum Beispiel so, dass, egal, vor welcher Art von Problem ich stehe, ich erst einmal intuitiv reagiere. Der nächste Schritt ist dann immer, und er ist für mich unerlässlich, dass ich mich versuche auf die "andere Seite" zu stellen. 

Das heißt, ich frage mich, wie es mir jetzt mit dieser Situation und auch mit dieser Antwort gehen würde. 

Dabei kann es durchaus vorkommen, dass ich meinem Gegenüber in diesem Moment aus seiner Warte Recht geben muss, was noch lange nicht bedeutet, dass ich meinen Standpunkt deshalb ändere.

Kann ja schließlich sein, dass ich meinen Standpunkt mag. Dann bleib ich dabei, muss aber eine "Abwertung" meiner Meinung nicht persönlich nehmen, da ich den anderen durchaus verstehen kann. 

Gleichzeitig versuche ich immer möglichst wertfrei zu bleiben, was mir natürlich nicht immer gelingt, und dem Problem oder anderen gegenüber trotz allem wertschätzend entgegenzutreten.

Auch das gelingt nicht immer, und ich komme nicht immer zum Ziel, aber ich verlaufe mich gedanklich nicht mehr so viel in Vermutungen.

Was das Wissen anbelangt, kann ich, neben allgemein bekannten und anerkanntem Wissen, auch nur  aus meinen eigenen Erfahrungen schöpfen.

Nur, weil eine Erfahrung nicht wissenschaftlich überprüft wurde heißt das nicht, dass sie falsch ist. 

Wissen ändert sich. Erkenntnisse bleiben. Die Richtigkeit von Erkenntnissen wird ständig überarbeitet. Bestes Beispiel ist der medizinische Bereich. 

LG Mata

Antwort
von josef050153, 6

Wie kann man mit Hilfe unvoreingenommener Denkprozesse Lösungen zu realen Problemen erreichen?

Überhaupt nicht, da kein Denkprozess unvoreingenommen ist. Wenn jemand das von sich behauptet, zeigt er nur, dass er von sich selbst absolut voreingenommen ist.

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