Frage von Jwerner97, 39

Wie kann man mit der Ethik Kants das Kaugummiverbot an der Schule erklären?

Hat vielleicht jemand eine Idee ?

Antwort
von berkersheim, 31

Ja, selbstverständlich! Man braucht dazu die passenden Ausgangshypothesen. Man muss dazu eine "allgemeine" Bewertungsposition beziehen, die eher der der Schulleitung entspricht und dann funktioniert das. Man kann es auch ohne Kant machen und die Schüler solange nicht aus der Schule entlassen, bis alle Kaugummireste entfernt sind, die die Lehrer bei geduldigem Suchen finden. Dann verbieten sich die Schüler nach zwei Tagen selbst gegenseitig das Kaugummiknatschen. Nicht das Kaugummikauen ist das Problem, sondern die anschließend achtlos hinterlassene klebrige Masse.

Kommentar von Jwerner97 ,

Können Sie mir das Beispiel vielleicht mithilfe der Kant'schen Handlungsprinzipien erklären ? :-) Diese muss ich mit einbauen, also pflichtwidrigen/pflichtmäßige Handlungen..

Kommentar von berkersheim ,

Hier Kant:

"Kant hat diese Unterscheidung (pflichtgemäß contra aus Pflicht), ... , in der Metaphysik der Sitten so zusammengefasst:»Man nennt die bloße Übereinstimmung oder Nichtübereinstimmung einerHandlung mit dem Gesetze, ohne Rücksicht auf die Triebfeder derselben, die Legalität (Gesetzmäßigkeit); diejenige aber, in welcher die Idee der Pflicht aus dem Gesetze zugleich die Triebfeder der Handlung ist, die Moralität (Sittlichkeit) derselben.« (AA VI, S. 219)

Ein Handeln, das der Moralität folgt, ist ein Handeln aus Pflicht. Schon dieser Terminus bringt zum Ausdruck, dass es nicht dem subjektiven Belieben des Einzelnen überlassen werden kann, was moralisches Handeln ist. Vielmehr liegt das Handeln aus Pflicht genau dann vor, wenn dem Willen eine Maxime, also ein subjektives Prinzip des Wollens respektive eine oberste Handlungsregel zugrunde liegt, von der sich sagen lässt, dass sie von persönlichen Vorlieben frei und widerspruchsfrei verallgemeinerbar ist."

www.schattauer.de/.../978-3-7945-2448-8_Musterseiten_023-026.pdf

D.h. wenn der Schulleitung von Staats wegen zur Sauberkeit der Schule ein Erlass gegeben ist, dass Kaugummi in der Schule verboten sind, dann ist es nur ein pflichtgemäßes, ein legales Handeln der Schüler, wenn sie diesem Gesetz folgen. Das reicht nicht für den guten Willen.

Wenn sich aber ein Schüler klar macht, dass er für sich zuhause auch nicht gern hätte, dass Mitschüler ihre abgekauten Kaugummis im Hausflur, in der elterlichen Wohnung und in seinem Zimmer als Klebeinitialen hinterlassen, die er dann mühsam entfernen muss, dann kann er aus dieser Einsicht in "gutem Willen" auf Kaugummi in der Schule verzichten.

Kommentar von Jwerner97 ,

Vielen vielen Dank !! :-)

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