Frage von Nightwallker, 43

Wie kann man elektrostatische Aufladung bei organischem Material verhindern oder beseitigen?

Hallo zusammen!

Im speziellen geht es um getrocknete Keimlinge verschiedener Pflanzenarten.

Diese sind in einem "Bett" aus Amaranthsamen gelagert und getrocknet und müssen nun, unter einem binokuaren Mikroskop, von anhaftenden Samen befreit werden, um anschließend mit einer Feinwage deren Trockenmasse zu bestimmen.

Das große Problem dabei ist jetzt, dass aufgrund elektrostatischer Aufladung, kleine Exemplare und abgebrochene Teile an der Pinzette und Nadel, manchmal sogar an der Wägeschale haften bleiben oder beim Versuch sie aufzunehmen, abgestoßen werden, was die Präzision der Arbeit stark beeinträchtigt. Zudem scheint die Ladung leichte Inerferenzen mit der Waage zu verursachen und damit die Ergebnisse zu verfälschen.

Inzwischen bin ich, soweit möglich, dazu übergegangen sämtliche Kunstoffmaterialien zu vermeiden und ein Wägeschälchen aus Alumium zu verwenden. Pinzette und Nadeln entlade ich regelmäßig an einem geerdeten Rohr, aber es scheint als sei auch das Pflanzenmaterial selbst geladen.

Hat von Euch jemand Erfahrung oder eine Idee, wie ich diese elktrostatische Aufladung beseitigen kann ohne die zu untersuchenden Stücke zu beschädigen? Könnte ein in der Nähe bewegter, starker Magnet das Problem lösen?

Vielen Dank und beste Grüße aus der Nacht

Antwort
von Sempaloniki, 38

Lasse einen Luftbefeuchter laufen. Stelle einen Luftbefeuchter in den Raum.


Durch den Luftbefeuchter ist die Umgebungsluft nicht zu trocken (Trockenheit begünstigt eine statische Aufladung).

Ihn dort aufstellen, wo die Messungen stattfinden, hält die Luftfeuchtigkeit dort
so hoch, dass das Entstehen von elektrischen Ladungen verhindert wird.

Kommentar von Nightwallker ,

Vielen Dank!

Daran hatte ich auch schon gedacht. Aber dabei ist das Problem, dass die Proben selbst sehr leicht und stark Luftfeuchtigkeit binden (hat eine eigene vorherige Versuchsreihe gezeigt) und damit ihr Gewicht verändern. Das muss aber verhindert werden um brauchbare Ergebnisse zu bekommen (die Masse ist teilweise unter 0,5 mg, da spielt so ne Verändernung eine entscheidende Rolle).

Es ist sowieso ein Problem, dass die trockenen Keimlinge in 24- Titrierplatten sind und bis ich beim letzten Well der Platte angekommen bin schon eine Veränderung stattfinden würde. Deshalb kommen die Einzelproben aus dem Trockenschrank direkt in einen Exsikkator mit Silikagel um jegliche Luftfeuchte zu vermeiden. Und vor dem Wägegang nehme ich sie dann aus eben diesem Exsikkator, damit Proben und Luft auch wirklich furztrocken sind.

Trotzdem Danke und noch einen schönen Tag!

Kommentar von Sempaloniki ,

Dann teste halt vorher genau wie viel % schwerer sie werden bei einer gewissen Dauer der Luftbefeuchtung und rechne diese Gewichtszunahme dann beim richtigen Wiegen anschließend heraus!

Dann sollte es wieder sehr genau sein.

Kommentar von Nightwallker ,

Dann müsste ich bei jedem einzelnen Keimling die Zeit stoppen und die Luftfeuchtigkeit jedesmal neu ermitteln. Und jedes Exemplar verhält sich leicht anders, je nachdem welche Art und welches Stadium vor dem Trocknen erreicht war und wie weit die Kotyledone entwickelt sind (also ob das Protein des Samens schon in Cellulose der Keimblätter umgewandelt war). Das würde doch zu starken Ungenauigkeiten führen, nicht wahr? Außerdem könnte ich den benötigten Zeitaufwand nicht stemmen! (Es sind ca. 1.200 Proben und das Labor ist stark frequentiert)

Kommentar von Sempaloniki ,

Jetzt interessiert mich aber, was du genau herausfinden möchtest mit dem Experiment =)  Grundlagenforschung oder der Versuch ein Ergebnis zu replizieren? :-)

Kommentar von Nightwallker ,

:-)

Grundlagenforschung. Es geht um den allelopathischen Einfluss von Impatiens gladulifera (Indisches Riesensprinkraut) auf das Keimverhalten einheimischer Pflanzen, die im selben Lebensraum vertreten sind (also Salix fragilis, Filipendula ulmaria....).

Dafür hab ich die Keimlinge auf Agar mit verschiedenen Konzetrationen von Blattmasse und anderen Allelopathie-Stoffen gezogen und nach 6 Tagen Klimakammer die länge der Radicula  sowie den Abstand zwischen Basis und Keimblättern vermessen. Jetz fehlt nur noch die Trockenmasse und dann gehts an die geliebte Statistik.

Freut mich zu lesen, dass auch andere sowas interessant finden :-)

Kommentar von Sempaloniki ,

Wissenschaft interessiert mich in nahezu JEDEM Bereich!   Also leistest du direkt/indirekt einen Beitrag zur Bekämpfung dieser invasiven Gattung in unseren Regionen??   :-)

Kommentar von Nightwallker ,

:-)

Nur sehr indirekt. Es gibt einige Neophyten (z.B. Fallopia- oder Elodea-Arten), die bei uns weitaus schwerwiegendere Probleme verursachen und nicht so leicht zu bekämpfen sind, wie die Impatiens-Arten. Eigentlich soll mit der Versuchsreihe (nicht nur der Teil von mir) geklärt werden, ob eine aktive Bekämpfung überhaupt notwendig ist, oder ob sich die Vegetationsvielfalt in  betroffenen Gebieten im Laufe der normalen Sukzession wieder erholt. Hauptsächlich gedeiht es ja nur an Standorten mit Bodenstörung.

Ganz werden wir die Art eh nicht mehr los, also mal sehen ob sie wirklich starke Schäden anrichtet....

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