Frage von Dropsii, 46

Wie kann man einen jungen Hund sozialisieren?

Folgendes Problem:

Meine Schwester hat vor 5 Monaten einen Hund (Rüde, Chihuahua) übernommen. Dieser ist fast 2 Jahre alt.

Das Problem ist, er wurde wohl vom Vorbesitzer nie richtig sozialisiert. Wenn Sie auf der Straße läuft, bellt er jeden Hund an. Ist sie auf der Hundewiese, ist das komischerweise nicht mehr der Fall, da ist der Hund ( wahrscheinlich weil dort so viele Hunde sind) ruhig und eher zurückhaltend. Auf der Hundewiese kann er ohne Leine laufen, traut sich aber nicht an fremde Hunde ran. Er lässt sich nicht am Po schnuppern, (rennt weg oder dreht sich weg, manchmal schnappt er - aber ohne tatsächliche biss absicht)

Leider haben wir keine Hundeschule in der Nähe und ein Trainer ist auch ziemlich teuer, sollte der letzte Ausweg sein. (Bitte daher keine blöden Kommentare diesbezüglich)

Was können wir tun um das Verhalten des Hundes zu ändern? Wie können / sollten wir uns verhalten und reagieren?

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Antwort
von skjonii, 44

Also für mich klingt das nach sehr viel Unsicherheit

Wenn der Hund Angst hat, hat er genau 2 Möglichkeiten zu reagieren. Flucht oder Angriff. 

An der Leine kann er nicht fliehen -> also bellt er rum und versucht den Gegner zu "verjagen".

Ohne Leine sagst du ja selbst, ist sehr zurückhaltend und hat Angst. Ich würde den Hund in dem Zustand keinesfalls mit auf die Hundewiese nehmen, das ist der pure Stress.

Viele Leute sind ja immer der Ansicht "die regeln das schon" und ein "gut sozialisierter Hund" verträgt sich mit jedem. Der Meinung bin ich überhaupt nicht. Ich mag auch nicht jeden und komme nicht mit jedem gut aus. Aber das muss ich auch nicht. Ich muss nur anständig genug sein, diese Leute dann zu meiden. 

Eigentlich bist du als Halter dafür zuständig, dem Hund Sicherheit zu geben. Das bedeutet ihn in Situationen, die ihn ihm starke Angst auslösen, "zu beschützen". Er muss lernen, dass du dafür sorgst, dass andere Hunde ihm nichts tun und er deswegen auch nicht ängstlich sein muss. Dann wird sich das Problem gut lösen lassen.

Das bedeutet ganz konkret: 

Wenn euch andere Hunde beim Spaziergang an der Leine begegnen, nicht stehen bleiben und die Hunde "hallo sagen" lassen. Das kann für Hunde durchaus eine sehr stressige Situation sein, weil die Möglichkeit zu Fliehen durch die Leine nicht gegeben ist. Übertrieben gesagt schickst du deinen Hund damit ganz bewusst aufs Schlachtfeld und das sollte man natürlich vermeiden.

Zweitens sollte ihr den Besuch auf der Hundewiese sein lassen. Auch Hunde können manchmal asi sein und sich gegenseitig mobben. Vor allem kleinere Hunde, die ohnehin unsicher sind, werden gerne geärgert. Da darf man sich nichts schön reden! Du setzt ihm damit einem ziemlichen Stress aus und jedes Mal, wo in ein anderer Hund ihn (in seinen Augen) bedroht und du als Halter ihm nicht hilfst, verliert er noch mehr das Vertrauen in dich und hat noch mehr das Gefühl auf sich allein gestellt zu sein. 

So etwas zu kurieren dauert. Und nicht jeder Hund hat überhaupt Interesse daran mit anderen Hunden zu spielen. Es ist überhaupt nicht ungewöhnlich, dass das Interesse an anderen Hunden eigentlich rein sexuell ist und ansonsten nicht viel an sozialem Wert hat. Viele Halter sehen das nur nicht und sind der Meinung, der Hund sei ja so happy wenn er über die Hundewiese gejagt wird. 

Wenn ihr andere kleine(!) Hunde in eurem Bekanntenkreis habt und wisst, dass er mit denen besser zurecht kommt, ist das in Ordnung. Aber größere Hunde würde ich auf jeden Fall (erstmal) von ihm fernhalten solange er da nicht sehr viel sicherer geworden ist.

Expertenantwort
von jww28, Community-Experte für Hund, 37

Hi, 

So wirklich nachträglich sozialisieren funktioniert leider nicht, die Sozialisierungsphase geht bei Hunden ja nur von der 8-12. Woche. 

Man kann ihn mit viel Geduld und Zeit höchstens beibringen was der Mensch von ihm bei Hundebegegnungen verlangt und neue Lösungsstrategien anbieten bei Problemen oder wenn er Angst hat, wichtig ist da dann 100% Vertrauen zum Halter. Würde vorschlagen zunächst mal ein Hund zu suchen mit den er sich versteht und erstmal nur mit den zu üben, wenn da mal das Eis gebrochen ist kann man im Zweier Rudel es auch mal mit anderen Hunden versuchen. Aber es wäre halt wichtig das er es erstmal schafft mir nur einen anderen Hund umzugehen um auch Vertrauen zu bekommen und sich auch etwas auszutesten.

Allerdings sind die Probleme die hier benannt werden zu uneindeutig, es kann auch vieles anderes hinter den Verhalten stecken. Da ich wichtig finde dabei die Körpersprache des Hundes zu sehen, würde ich eben vorrangig zum Trainer raten, es ist ja schon eine Investition für mindestens ein Jahrzehnt und lohnt sich bei so jungen Hunden eben schon und es sollte nicht als letzter Ausweg sondern als eine zweite Chance erkannt werden ;) 

Kommentar von Einafets2808 ,

*** die Sozialisierungsphase geht bei Hunden ja nur von der 8-12. Woche.***

So ist deine Antwort super. Aber das der Hund innerhalb von 4 Wochen nur sozialisiert wird. Ist Quatsch,hat meine Trainerin damals gesagt. 

Ein Hund lernt nicht in 4 Wochen wie er sich im Alltag zu benehmen hat. Oder in 4 wie er mit Hunden kommuniziert. 

Sowas dauert bis Hunde sich an neue Situationen gewöhnen. Ebenso das der Hund weiß wie ich mich gegenüber Artgenossen zu verhalten habe. Lernt ein Welpe nicht in 4 Wochen. 

Kommentar von jww28 ,

Naja ich sehe das so in der Prägephase lernt der Welpe Mensch und Hund kennen und gewinnt Vertrauen was ich mal mit den Urvertrauen bei Menschen gleichsetzen würde. In der sozialisierungsphase lernen sie die Umgangsformen und Problemlösungsstrategien, so Welpen probieren sich da ja viel aus, erfahren was passiert wenn er was macht, zb zu wild wird etc. Ein Hund der sich nicht ausprobieren konnte hat nun mal Hemmungen und fehlende Lösungen die man ihn mit viel Geduld auf Menschenart beibringen kann, so das der Hund den Halter vertraut den richtigen Spielkumpel ausgesucht zu haben. So das kein 100% Vertrauen zu anderen Hunden gebraucht wird. Es sind in meinen Augen zwei verschiedene Lösungen für das Problem, entweder man setzt von Anfang an auf selbstständiges Lernen in der sozialisierung oder man führt den Hund aktiv, so das er nix selber lösen muss.

Kommentar von skjonii ,

Ich glaube innerhalb der 4 Wochen wird mehr eine Art "Grundeinstellung" vermittelt, als eine Sozialisierung wie man sie anhand des Wortes verstehen würde. 

Also, die 4 Wochen entscheiden, wenn man nicht später gezielt daran arbeitet, darüber, ob der Hund seinem Umfeld gegenüber (sowohl Hunde als auch Menschen) erstmal positiv neugierig oder zurückhaltend reagiert. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. 

Antwort
von uwe4830, 13

euer Hund hat ein territorieles Problem, in seinem Gebiet, wo er ja nun tagtäglich makiert ist er der Oberrüde, denkt er auf jeden Fall. Das er sich nicht beriechen lassen will ist ein Indiez dafür, das er der dominantere ist, wie du beschreibst macht er schon Drohangriffe, wenn er beschnüffelt werden soll. Irgendwann kommt er sozusagen mal an den Richtigen und wird einen drüber bekommen.

Im Straßenzug solltest du es ignorieren, ohne Kommentar ohne Worte weitergehen, so gibt sich das Problem meistens von alleine. 

Auf der Hundewiese nimmst du deinen Hund so, dass er nicht weg kann, du drehst seinen Po in Richtung des anderen Rüden und lässt diesen den deinigen beschnüffeln. So kannst du deinen anderen vorstellen. Es sollte nicht lange dauern und er hat es verstanden, wie man sich anständig benimmt, 

Antwort
von SelinaPatrick, 34

Wir hatten auch das Problem. Am besten hat es geklappt wenn wir den Hund einfach immer häufiger in Kontakt mit anderen gebracht haben. Wenn Sie dann gezickt und den anderen Hund angebellt hat haben wir sie machen Lassen. Hunde regeln das unter einander. Wenn ein anderer Hund dann zurück schnappt oder bellt fördert das den Respekt und dein Tier wird sozialer

Kommentar von skjonii ,

Es gibt Fälle in denen man eventuell sagen kann, Hunde regeln das untereinander. Aber bei einem Chihuahua auf der Hundewiese, ist das ganz bestimmt nicht der Fall. Er hat doch rein körperlich überhaupt keine Möglichkeit da irgendetwas zu "regeln". Die Auffassung ist nicht mehr ganz zeitgemäß...

Antwort
von maroc84, 45

Einfaches googlen brachte mir folgenden Link:

http://www.tierfreund.de/sozialisierung/

Kommentar von Dropsii ,

 Ich habe bewusst hier gefragt um mit anderen Leuten in Kontakt zu kommen die vielleicht das selbe Problem haben/hatten oder mir wertvolle Tipps geben können ...

Antwort
von Saisonarbeiter2, 46

und ein Trainer ist auch ziemlich teuer,

sowas überlegt man sich, ehe man ein "nicht sozialisiertes tier" als anfänger übernimmt

Kommentar von Dropsii ,

Das wusste sie im Vorfeld nicht. Der Hund sollte ins Tierheim und sie hat ihn übernommen.

Kommentar von Saisonarbeiter2 ,

man/n sollte schon wissen, was man übernimmt.. soviel verantwortung sollte sein.

Kommentar von SusanneV ,

Ja, ein Hundetrainer ist ziemlich teuer. Nicht jeder kann sich 50€ die Stunde leisten.....

Kommentar von skjonii ,

Die Preise sind teilweise schon wirklich jenseits von gut und böse. Und Fakt ist leider auch: Nicht jeder Trainer ist das Geld wert. Am Ende hat man 500€ ausgegeben und ist trotzdem kein Stück schlauer. 

Nicht jedes Problem braucht jahrelanges Training beim Vollprofi. Oft reicht es auch sich mit dem Thema Hund und Psychologie auseinanderzusetzen und einfach zu verstehen, wo genau der Schuh drückt. Zumal viele Hunde auch sehr schnell begriffen haben, wann sie im Training sind und wann im Alltag. 

Kommentar von SusanneV ,

Ich war mit meinem Hund mal in so einer teuren Hundeschule. Der Training hat sich selber gerne reden gehört und hat nicht gewaltfrei gearbeitet. Jetzt sind wir in einem Verein und das ist , denke ich, auch für Hundehalter erschwinglich, die nicht ganz so viel Geld haben......

Kommentar von Dropsii ,

Danke! Genau dieser Meinung bin ich auch... es muss nicht immer ein teurer Trainer sein! Wertvolle Tipps würden hier mehr Sinn Theben als dummes rumgewaffel!

Kommentar von SusanneV ,

Unseren Verein gibt's seit 75 Jahren. Da wird das Wissen von Generation zu Generation weiter gegeben. Der Alttrainer, der wirklich sehr erfahren ist, kümmert sich um die neuen und um die Problemhunde. Bei uns musst man zweimal eine Zehnerkarte kaufen, die jeweils 50€ kostet. Danach bist Du Mitglied und zahlst einen Jahresbeitrag von 50€. Google mal, ob es einen Verein in Eurer Nähe gibt. Nicht abschrecken lassen, wenn Du Schäferhundeverein liest. Da dürfen alle Hunde mitmachen. Wir hatten schon mal zwei Zwergpinscher. Ich hab einen Dobermann....

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