Frage von Patrickson, 265

Wie kann man als feinfühliger und emphatischer Mensch mit der Härte der Wirklichkeit und mit der Härte anderer Menschen gesund klar kommen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von berkersheim, 187

Die Wirklichkeit war nie weniger hart als heute. In früheren Zeiten eher schlimmer. In der Antike waren die Menschen noch mehr auf sich selbst gestellt, auf die eigene Familie und Freunde. Das ist - neben den sozialen Strukturen - der Hauptgrund, warum in der antiken Philosophie die Freundschaft so sehr betont wird. Das gilt auch heute noch. Sich einen Freundeskreis Gleichgesinnter schaffen ist der "sicherste Hafen". Der Epikureismus hat das gepflegt mit Meditation, mit Freundesgesprächen zu zweit und in der Gruppe, mit gemeinsamem Feiern. Das diente der gegenseitigen Stärkung. Die Kirche hat das später mit den Glaubensgemeinschaften aufgegriffen. Goethe z.B. hat Freundeskreise gepflegt und ist dafür von Frankfurt nach Darmstadt zu Fuß gelaufen und zurück. Sich allein in die Fluten anbrandender Vereinnahmung stützen braucht viel Kraft. Man braucht immer vertrauenswürdige Menschen, mit denen man sich auf gleicher Wellenlänge austauschen kann. Viel Glück dabei.

Kommentar von Patrickson ,

Deine Antwort ist sehr wohlwollend und gut! Manchmal bin ich mir dessen zu wenig bewusst, dass es sich jederzeit lohnt für freunde auch lange zu laufen um sie zu treffen! Manchmal bin ich zu faul dazu: Dein Rat ist gut! 

Kommentar von berkersheim ,

Ich hatte das in Safranskis Biographie "Goethe" gelesen und war beeindruckt, wie dieser große Mann eben nicht nur ein einsamer Fels in der Brandung war sondern sich sehr wohl bewusst war, wie wichtig und auch inspirativ gute Freunde sein können. Und er hat richtig in Freundschaften investiert. Ich habe das als Beispiel und Ermunterung gedacht. Eine gute Freundschaft muss nicht bedeuten, dass man in allem gleicher Meinung ist. Man muss sich respektieren und einander - auch trotz manchmal gegensätzlicher Meinung - wohlwollend sein. Das braucht Menschen mit gereifter Persönlichkeit, die es nicht nötig haben, sich über den anderen zu erheben. 

Kommentar von Patrickson ,

Es ist schön, dass du dein Gesicht zeigst, in diesem Forum! Danke! 

Antwort
von Dxmklvw, 118

Sowohl als Christ und auch als Nichtchrist oder als Atheist kann man sich noch einmal bewußt damit auseinandersetzen, was Jesus unter "dem Nächsten" verstanden hat und welcher Sinn in seinem Gleichnis mit dem barmherzigen Samariter wirklich steckt.

Danach ist in bezug auf "liebe deinen Nächsten" eben nicht der nächstbeste gemeint, den einem über den Weg läuft, sondern ausdrücklich nur jemand - egal welchen Glaubens er ist oder nicht - der einem auch uneigennützig hilft, wenn es notwendig wird. Dasselbe hat auch eine Umkehrbedeutung, nämlich, daß man auch selbst zum "Nächsten" werden kann oder auch nicht.

Macht man sich diese Gegebenheit bewußt, dann fällt es deutlich leichter, sich stark vermehrt solchen Menschen zuzuwenden, die auch selbst uneigennützig anderen Unterstützung gewähren, und sei es nur durch ein freundliches Gespräch.

Je mehr man sich solchen Menschen zuwendet, desto sensibler wird man dafür, auf solche Menschen aufmerksam zu werden. Gleichzeitig tritt das Wahrnehmen solcher Menschen stark in den Hintergrund, die sich durch Egozentrik auszeichnen.

Die Folge ist nicht, daß man nun automatisch mit jedem und allem bestens klar kommt, sondern die, daß man aufhört, dem Unpassenden ständig einen überhöhten Stellenwert zuzuschreiben, und daß man immer mehr Brauchbares findet, das dann auch Zufriedenheit zurückliefert.

Ein weiterer Punkt ist das Verstehen. Es reicht nicht ganz aus, sich aufgrund vorhandener Empathie in andere hineinzufühlen, sondern es ist notwendig, unter Berücksichtigung möglichst vieler ganz anderer Umstände, denen andere Menschen ausgesetzt sind, zu verstehen, warum sie sich so und nicht anders verhalten. Dies führt dazu, alles viel gelassener zu sehen.

Auch wer eine Ader für so etwas hat, wird aber mit großer Wahrscheinlichkeit auch erst in einem fortgeschrittenen Lebensalter in der Lage sein, andere nicht einfach nur zu verstehen, sondern sie auch richtig zu verstehen.

Kommentar von Patrickson ,

Danke! Du sagst wirklich wesentliches aus! Ein fortgeschrittenes lebensalter ist für emphatische und feinfühlige menschen sicher von grosser zufriedenheit geprägt. 

Kommentar von Patrickson ,

Ich erlebe es genauso: meine kinder, mein sohn 26 jahre, und meine Tochter, 28 jahre lieben mich. Meine exfrau schätzt mich als freund und ich sie auch. Meine freunde mögen mich von ganzem herzen und ich sie auch. Darum geht es aber bei meiner frage nicht! Scusi! Wie komme ich mit harten Menschen gesund klar? 

Kommentar von Patrickson ,

Meine kindlichkeit und mein humor helfen mir sehr, aber ich suche nach weiterem rat in dieser sache! 

Kommentar von Dxmklvw ,

Es ist die Umgewöhnung. Du denkst und bewertest die Dinge mit den Mitteln, die gegenwärtig in dir sind. Wenn du aber einige hinderliche Ansichten findest und diese korrigierst, dann denkst und bewertest du ab diesem Augenblick bereits wieder mit anderen Werkzeugen und kommst dadurch auch zu einem anderen Ergebnis.

Darin steckt ein Problem. Solange du nicht woanders hinschaust, siehst du nur das, worauf du schaust, und kannst dir auch nicht wirklich vorstellen, wie es sich anfühlt, auf anderes zu schauen.

Ich vermute, daß du vieles so sehr persönlich nimmst, daß du dir dadurch von dir selbst unbemerkt manches zum Problem machst, was gar nicht dein Problem ist. Könnte da etwas dran sein?

Wenn sich andere dir gegenüber ruppig und kalt verhalten, dann ist das nicht gegen dich gerichtet, sondern die anderen haben ein Problem, nämlich zu sehr auf sich selbst fixiert zu sein und deshalb nicht zu verstehen. Wer ruppig und kalt ist, fühlt sich dabei nicht wirklich wohl, sondern ist stets auf der Suche nach Kompensation. Doch das ist nicht dein Problem, sondern das derer, die so sind.

Für dich ist vorrangig wichtig, daß du dich wohl fühlst mit dem, was in dir ist. Wenn du Probleme anderer zu deinem Problem machst oder zu vieles auf dich selbst beziehst, das bei logischer Betrachtung gar nicht auf dich bezogen ist, dann baust du dir Konflikte auf, durch die du dich unwohl fühlst.

Das, was ich hier schreibe, ist jedoch nur meine persönliche Meinung, die aus dem gebildet ist, was in mir ist. Das, was du schreibst (eben die Schriftsprache), wäre selbst dann zu wenig, um mich vollständig in dich hineinfühlen zu können, wenn du ganze Enzyklopädien schreiben würdest.

Ich kann also nur versuchen, überwiegend auf blauen Dunst hin einen passenden Denkanstoß zu liefern. Möglicherweise haben andere Teilnehmer auch eine für dich brauchbarere Antwort.

Doch übrig bleibt, daß du die - zugegeben ziemlich schwere - Aufgabe ganz alleine schultern mußt, alles das, was du als problematisch ansiehst, aus vielen verschiedenen Blickwinkeln heraus und vielleicht auch aus ungewohnten Blickwinkeln heraus erneut zu untersuchen.

Was du hier angeboten bekommst, sind keine Lösungen, sondern nur angebotene Blickwinkel, die du auch als eine Brille zum Ausprobieren ansehen kannst, sofern du sie probeweise aufsetzt.

Kommentar von Patrickson ,

Ich bin sehr froh um deinen Rat, du gibst ehrliche und aufrichtige Anstösse. Ich mache oftmals die Probleme anderer Menschen zu den meinigen, doch gerade in dem ich dies mache, kann ich manchmal auch tatsächlich helfen: wäre mir alles egal, hätte ich diese Auseinandersetzungen mit mir selber nicht, doch bin ich ja gerade dazu da, damit mir dieses nicht egal ist. 

Kommentar von Dxmklvw ,

Hier hast du etwas sehr wichtiges über dich ausgesagt.

Du sagst, daß du ja gerade dafür da bist, daß dir diverse Dinge nicht egal sind.

Wenn das zu deiner Wesensart gehört, so wie deine Arme zu deinem Körper gehören, dann könnte sich ein Verlust dieser Eigenschaft wie eine Verstümmelung auswirken.

Wenn dir aber die Folgen deiner Wesensart als zu hart erscheinen, dann bleibt eigentlich nur noch übrig, daß du einen Weg findest, es anders zu bewerten und soviel Gefallen daran zu finden, daß du damit gut leben kannst.

Bedenke auch einmal die Blickwinkel derer, die dich lieben und mit denen du bestens zurecht kommst. Sie lieben dich deshalb, weil du so bist, wie du bist. Wärst du ganz anders, dann würden sie dich vielleicht nicht lieben.

Kommentar von Patrickson ,

So ist es! Ich bin froh um deine Ermutigung! Es ist gut, einander zu ermutigen! 

Kommentar von Patrickson ,

...wie gross ist deine Liebe? ... Bis an den Horizont, und noch viel weiter! ... 

Kommentar von Dxmklvw ,

Wie groß meine Liebe ist? Ich weiß es nicht wirklich.

Auch ich habe Liebe in mir, aber mein Umgang mit Menschen besteht darin, möglichst oft zu versuchen, andere zu verstehen. Wo es mir gelingt, da empfinde ich meistens Sympathie für diese, selbst wenn sie mir zuvor gegen den Strich gingen.

Klar, solches Verstehen gelingt mir (gefühlt) auch viel zu oft nicht, weil ich auch einige Prinzipien habe, die nicht verhandelbar sind. Doch ich zähle nicht die Mißerfolge, sondern ich fühle die Erfolge.

Manche Eigenschaften habe ich nicht und kann mich auch nicht erinnern, diese jemals gehabt zu haben. Wie sich z. B. Eifersucht,  Neid oder Rachegelüste anfühlen, das weiß ich nicht und kann mich in solche Empfindungen auch nicht gut hineinversetzen, weil mir davon nur die theoretischen Definitionen bewußt sind.

Doch zurück zur Eigenschaft Liebe.

Für Menschen, die ich besonders mag, kenne ich keinen Maßstab. Da gibt es für mich nur das bedingungslose Pro in der Art, daß ich dabei auch spüre, wie es mich immer mehr aufbaut, wenn ich das maximal mögliche gebe oder auch Folgen von Fehlern anderer mit trage, wenn ich es vermag. Wo dann durch andere auch einiges zu mir zurück kommt, da empfinde ich es als (mehr unerwartetes) Geschenk und nicht als Quasibezahlung für etwas.

Ist auch das Liebe? Ich weiß es nicht, aber es fühlt sich gut an.

Antwort
von Nashota, 60

Das Leben ist, wie es ist und die Menschen sind, wie sie sind. Man muss es ganz einfach akzeptieren und lernen, damit umzugehen.

Das Heer der Arschlöcher muss aber keiner vergrößern, der noch nicht verlernt hat, auch auf andere zu achten. Man sollte sich sein Wesen bewahren und den Menschen, die es verdienen, damit Gutes tun.

Ich für meinen Teil versuche, mich von allem, was mit nicht guttut, zu trennen, weil ich nicht die Gelassenheit eines Stuhles besitze und auch nicht besitzen will, mit jedem Arsch zurechtkommen zu müssen.

Antwort
von othmarione, 81

Mir hilft es zu verstehen, weshalb die Welt so funktioniert. Ich bin der Meinung, dass die meisten Menschen eine gewisse Feinfühligkeit besitzen, sie jedoch im Laufe des Lebens nicht wahrnehmen wollen und somit auch blockieren.

Schau dir mal das Leben in der Natur an. Es ist hart, weil wir alle überleben wollen. Wenn du z.B das Leben eines Wildvogels mal anschauen würdest, erkennst du dahinter ein reiner Überlebenskampf. Auch die (Schutz)Mechanismen, welche Menschen aufbauen, dienen lediglich der Biologie. Ebenfalls Emphatie und Feinfühlvermögen sind überlebenswichtig.

Ein Mensch der keine Gefühle zulässt und der Welt absichtlich schadet, ist selbst gebrochen. Und hinter all diese Ignoranz, damit das "Ungerechte" auch wirklich geschehen kann, steckt meistens eine Flucht von der Realität, weil es oft nicht getragen werden möchte.
Also im Endeffekt sind die meisten Hochsensibel, lassen es aber nicht zu oder lernen Strategien es zu umgehen.
Das ist jedenfalls meine Meinung. :)

Kommentar von Patrickson ,

Sich zu verteidigen finde ich völlig in ordnung, aber die Verhältnismässigkeit muss gewahrt bleiben. Wenn mein Gegner am boden liegt, haue ich ihm nicht noch meinen Schuh ins Gesicht! 

Kommentar von Nashota ,

Also im Endeffekt sind die meisten Hochsensibel, lassen es aber nicht zu oder lernen Strategien es zu umgehen.

Ja, mit Wegrennen. Nur übersehen sie dabei, dass sie rennen können, bis der Arzt kommt - die Probleme sind ausdauernde Marathonläufer.

Vor der Wahrheit oder den Realitäten kann keiner davonlaufen, er wird immer verlieren.

Antwort
von DreiGegengifts, 88

Sich selbst akzeptieren. Das beinhaltet auch, dass man sich nicht nach fremden Maßstäben richtet. Gut ist außerdem, wenn man ausreichen Kontakt zu ähnlich strukturierten Menschen hält.

Kommentar von Patrickson ,

Danke für deine Antwort, dreigegengifts! Ich akzeptiere mich selber in recht gutem masse, frage mich jedoch manchmal, ob es ausser der selbstakzeptanz nicht noch andere möglichkeiten gibt, um gesund mit mir selber und mit meinen mitmenschen umgehen zu können. 

Kommentar von Patrickson ,

Vorallem, was mache ich, in den momenten und erlebnissen, wo ich mich nicht vollständig selber akzeptieren kann, weil ich halt auch ein fehlerhafter mensch bin? 

Kommentar von DreiGegengifts ,

Kommt drauf an welche Probleme du genau hast. Ich sehe es so: Der eigene  Standpunkt mag weiter entfernt sein als zwischen anderen Menschen, aber man vertritt  ihn halt genauso, wie andere den ihren. Die eigene Denkweise und die eigenen Idealen sollte man "eiskalt" überall mit einfließen lassen.

Vorallem, was mache ich, in den momenten und erlebnissen, wo ich mich nicht vollständig selber akzeptieren kann, weil ich halt auch ein fehlerhafter mensch bin?

Was sind das für Situationen?

Kommentar von Patrickson ,

Ich nehme persönliche dinge als persönlich. 

Antwort
von Ringerman, 16

Das frage ich mich auch jeden Tag. Du solltest bemüht sein, dir deinen Humor und deine Authentizität nicht nehmen zu lassen - vor allem immer bewusst die guten Dinge im Leben beachten, die es durchaus gibt.

Antwort
von KleinerWuuki, 4

Einen Großteil ignorieren, sich dann darüber aufregen und abends ab 00:30 kalte Pizza essen, das sorgt für einen ausgeglichenen Geist.

Antwort
von Illuminaticus, 42

Du kannst leichter damit klarkommen, wenn du deine Eigenschaften, die du denkst zu haben, nur als Illusion betrachtest und die Haerte des Lebens genauso.

Du hast dein Leben und betrachtest es. Dann kreiert dein Verstand eine Story darum, denn dein Verstand analysiert alles, was ihm vor die Flinte kommt, d.h., alles was du betrachtest.

Aber dein Verstand ist ein grosser Luegner, er fuehrt dich immer hinters Licht, aber bevor du das erkannt hast, sind schon wieder neue Gedanken da, pausenlos!

Erkenne die Gedanken als interessanten Film, genauso wie dein Leben, viel Drama, aber illusionaer. Viel Erfolg!

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten