Frage von BesteProfilEy, 208

Wie kann ich sicher sein, dass die Geschichtsbücher die Wahrheit sagen?

Früher habe ich einfach immer alles schön geglaubt, auswendig gelernt usw. Aber mittlerweile frage ich mich, wie ich mir da sicher sein kann, dass das alles stimmt ? Wegen der paar Fotos von "Quellen" ? Kann man fälschen. Urkunden / alte Schriften ? Kann man fälschen. Sogar Fotos und Videos kann man fälschen. Wie konnte ich nur so gutgläubig und naiv sein....

Antwort
von dirksowieso, 53

Ich kann dich sehr gut verstehen und bringe dazu gleich mal ein Gegenbeispiel. Es lief vor einigen Jahren eine Art Serie über Hemingway.
Das ganze war in Sechs Teilen und war wie eine Art Spielfilm aufgezogen. Nachdem sie zu Ende war schrieb ein Zuschauer ja genau so war er.
Und ich fragte mich ach du kanntest ihn persönlich?

Fakt ist er hat wohl nie Paris ist eine Frau gelesen, (geht um dieses Buch https://www.amazon.de/Paris-war-eine-Frau-Gertrude/dp/3499242249)

wo Hemingway auch skizziert wird, zumindest ein paar seiner Stationen und wenn man ein wenig über seine Vita Bescheid weiß macht das was über ihn gesagt wird ebenfalls Sinn d. h. es steht Aussage gegen Aussage, denn Hemingway hat natürlich alles dementiert denn er hätte ja ansonsten an seinem späteren Mythos gesägt.

Ich glaube übrigens den Ausführungen in dem Buch und halte Hemingway seitdem für eine aufgeblasene Witzfigur.

Nimmt man jetzt aber die Historie muss man unterscheiden zwischen dem was von Chronisten aufgeschrieben wurde oder aber später von Archäologen zutage gefördert wurde.
D. h. heute ist es so das wir eigentlich alles dokumentieren, vor hunderten von Jahren jedoch nicht und selbst das was wir heute über jemanden hören oder lesen können ist m. E. fraglich denn wer sagt uns denn das er so dachte usw. weil der, der das über ihn verfasst ja vielleicht ein Verehrer ist und das ganze so darstellt um sein Idol ins rechte Licht zu rücken.
Es kann also durchaus sehr einseitig sein was man zu lesen bekommt und somit ein falsches Bild von der Person entstehen, die insbesondere bei denen, die ihn/sie wirklich kannten Fragen aufwerfen könnte.
Aber vor Jahrhunderten war das nicht anders, denn die Chronisten wurden entweder vom Staat, der Kirch oder aber selbst von einer der Personen über die man schreiben sollte beauftragt um sich der Nachwelt zu erhalten.
(Nimm dich doch dich selbst mal als Beispiel und befrage mal 8-9 deiner Freunde/Bekannten wie sich dich sehen. Nimm dazu ein Blatt wo Fragen und Antworten drauf stehen und du wirst feststellen jeder denkt ein bisschen anders über dich das ist kein Makel aber soll nur zeigen das jeder eine andere Wahrnehmung hat)
Gab es keine direkten Auftraggeber, sondern ein Staat oder die Kirche, ging man auf Spurensuche und trug teilweise über Jahre alle Informationen über eine Person und die Lebensumstände zusammen und schrieb dann alles mühsam auf.

Das wird im Film der Name der Rose gut verdeutlicht, da sind etliche Mönche die nichts anders tun als schreiben.
Beim Film Bravehart z. B. wo es um William Wallace geht haben auch Chronisten der englischen Krone und vielleicht auch schottische Bürger zu seinem Mythos beigetragen - übrigens ist der Film nur ein Film und entspricht nicht im mindesten den Tatsachen, wenn man die Geschichte über ihn nachliest aber, als seine Armee irgendwann zerschlagen wird und er sich verstecken muss ranken die Legenden um ihn in die Höhe und ab da wird klar das schon damals vieles hinzugedichtet wurde, denn niemand wird die gleiche Story erzählen, also das er 5 Leute eigenhändig erschlagen hatte, sondern immer hinzudichten.
Und vor diesem Problem standen die Chronisten damals natürlich auch und mussten dann irgendwann abwägen was entspricht der Wahrheit und was nicht - und d. h. sie haben sicherlich so einige 100 Leute befragen müssen (so genannte Zeitzeugen) bis sie zu einer ungefähren Aussage gekommen sind und das was sich immer wieder deckte dann am Ende niedergeschrieben haben.

Anders ist es bei Funden aus der Antike wo verschiedene Leute verschiedene Ansichten über Fundstücke haben und sich oft uneins sind was welche Bedeutung gehabt haben kann und was ich übrigens megaspannend finde, weil es auch uns Laien Raum für Spekulationen offen hält.

Klar kann man auch das ein oder andere versuchen zu fälschen aber das lohnt sich ja nur bei wenigen Dingen wie Kunstwerken oder Zertifikaten
wo am Ende vielleicht ein mysteriöser Käufer steht aber bei einer Fundstätte (und wir haben in Deutschland so einige) wäre der Aufwand irgendwas zu fälschen zu groß weil wir heutzutage über Techniken verfügen die bis auf ein paar Jahre das Alter einer Sache bestimmen können. Ganz egal ob bei Bildern oder alten Speerspitzen. Und die Sachen später ohnehin der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden d. h. es gibt dafür auch keine Unsummen an Kohle wofür sich der Aufwand lohnen würde.
Früher als es noch eine Sensation war, wie die Pharaonengrabstätten zu entdecken, war das sicherlich noch was Besonders denn bis dahin war Archäologie nicht so bekannt wie heute und ab da wurden ja auch einige Schätze von Grabräubern gestohlen aber was man heute findet ist zwar interessant aber selten aus purem Gold und daher nur zeitgeschichtlich wertvoll.

Es ist also mit Sicherheit nicht alles gefälscht und erlogen was uns heute bekannt ist.
Interessant ist es aber allemal, weil es immer wieder Historiker gab und gibt die bestehende Thesen anzweifelten und später auch durch entsprechende Beweise widerlegen konnten.

Man muss also einfach nur kritisch durchs Leben gehen und sich nach allen Seiten informieren anstatt sich auf eine von vielen möglichen Erkenntnissen zu berufen.

Antwort
von Realisti, 42

Dann lese so viele Informationen zu einer Sache, wie du in die Finger bekommen kannst. Es hat noch nie geschadet eine Sache oder ein Problem aus verschiedenen Blickrichtungen zu betrachten.

Antwort
von NewKemroy, 37

Ich sag nur vorsicht! Es gibt da Leute die erzählen alles was in der Tagesschau läuft sei gelogen und was in Geschichtsbüchern steht sei auch gelogen und wenn sie dich dann soweit haben, dass du gar nichts mehr glaubst, wenn sie dich von deinen bisherigen Informationsquellen vollkommen entkoppelt haben, dann gießen sie dir ihr verfälschtes Weltbild ein.

Lange Rede kurzer Sinn: Ich würde mich nicht vor Tagesschau oder Geschichtsbüchern ängstgen, auch wenn da vielleicht maaal was nicht ganz richtig ist. Aber vor solchen Leuten, die mir eine Gehirnkomplettwäsche verpassen wollen, vor denen würde ich mich hüten.

Antwort
von XY123XY123, 45

Du kannst nicht sicher sein. Kein Mensch kann wissen, wie es früher wirklich war. Was man in der Schule so lernt, wird halt allgemein als Wahrheit angesehen. Ob aber irgendwelche Beweismaterialien, die das Gegenteil von den historischen "Fakten" aussagen würden einfach nur nie gefunden wurden, weiß niemand.

Kommentar von Gustavolo ,

... nie gefunden oder unterdrückt wurden.

Kommentar von XY123XY123 ,

Ja. Oder natürlich auch, ob "Beweise" gefälscht wurden. Oder ob sie eigentlich was anderes aussagen, als Wissenschaftler denken. Gibt vieles, was zu falschen Schlüssen führen kann.

Antwort
von oetschai, 17

Wie kannst du sicher sein, dass du hier ernstgemeinte Antworten auf deine Beiträge erhältst, wenn du GF und dessen User bloß für deine ganz persönliche "PA-PA-PADEY" missbrauchst?

Antwort
von honigtopf3239, 83

Na klar. Niemand hat jemals behauptet das die Geschichte in den Büchern 100% stimmt. Vieles was wir über die alten Römer vermeintlich wissen würden die als totalen Unsinn erkennen.
Aber, der momentane Stand ist nunmal der beste den wir haben. Vieles wird auch richtig sein.

Und Quellenbewertung (wie vertrauenswürdig sie sind) ist ein großes Thema in der Geschichtswissenschaft. Wenn viele ein Ereignis aus unterschiedlichen Regionen ähnlich beschrieben haben, ist das schonmal ein Zeichen.

Kommentar von BesteProfilEy ,

und woher weiß ich, dass das Zeitzeugen früher so beschrieben haben ? Vielleicht ist diese Notiz der Zeitzeugen eine Fälschung ?

Kommentar von honigtopf3239 ,

Vielleicht ja. Wie gesagt, man weiß es nicht. 
Aber man muss sich auch fragen - Wem nützt es? 
Das die Sieger die Zahlen der eigenen Verluste in Schlachten immer schön niedrig halten z.B. ist wohlbekannt, aber wem nützt es ob nun der und der im Jahre 214 vor Christi oder 213 vor geboren wurde?

Kommentar von honigtopf3239 ,

Aber das ist generell ein Thema. Alles was wir "wissen" ist nicht komplett und nicht 100% sicher. Man kann nicht etwas WIRKLICH wissen. 
Das einzig vernünftige ist sich daran zu halten, was die besten Argumente und Beweise hat. Und das Produkt, der momentane Stand, ist das in deinen Büchern :)

Antwort
von JBEZorg, 19

Du musst NICHTS glauben. Du kannst VIELES über- und gegenprüfen.

Antwort
von RoSiebzig, 17

Wenn Du eine schwerwiegende Fälschung entdeckt hast nud beweisen kannst, kannst Du berühmt werden. Deshalb wird, was noch aufgedeckt werden kann, auch vielleicht aufgedeckt. Beispiele dafür gibts endlos - besonders, wenn und wo ohnehin Lug und Trug herrschten.

Antwort
von PWolff, 66

Spätestens in der Oberstufe ist genau diese Frage eins der Themen im Geschichtsunterricht.

Ganz annahmenfrei ist dies nicht (das ist übrigens keine Wissenschaft), aber man kann u. a. durch Vergleich verschiedener Quellen doch abschätzen, wer ein Interesse an welcher Darstellung gehabt haben könnte und in welche Richtung die Quelle daher vermutlich gefärbt ist.

Nicht umsonst ist Geschichtswissenschaft kein Einmaleins, sondern ein Studienfach.

Antwort
von billowe, 20

Menschen haben schon immer gerne geschrieben. Vieles kann man ganz einfach nachlesen und dann alte Artefakte suchen die es belegen, es gibt aber auch andere Quellen.

Antwort
von nachdenklich30, 39

Gar nicht.

Es gibt keine absuluten Wahrheiten. Jedes Geschichtsbuch bietet eine Interpretation dessen, was der Autor oder die Autorin meint, an Geschichte wahrgenommen zu haben. Das trifft die "Wahrheit" immer nur mehr oder weniger Annäherungsweise.

Darum gibt es in der Geschichtswissenschaft immer den Grundsatz "Ad fontes", zu den Quellen, also möglichst die Originaldatei oder den Originalort zu sehen und zu bewerten. Aber selbst die können ja schon die "Wahrheit" verfälscht haben, weil sie selber auch schon Interpretation waren.

Darum sollte man sich immer auch aus unabhängigen Quellen informieren und versuchen, sich ein eigenes Bild zu machen. Wo man das nicht selber kann (schon allein aus Zeitgründen), muss man Vertrauen in den Autor haben und trotzdem immer kritisch bleiben.

Es ist sehr verhängnisvoll, wenn es in der Öffentlichkeit heißt, "die Wissenschaft hat festgestellt". Die Wissenschaft ist nicht unfehlbar, sondern besteht aus einer ständigen Auseinandersetzung mit Irrtum und Zweifel. Kein Ergebnis ist endgültig, sondern gilt immer nur so lange, bis man ein genaueres Ergebnis findet.

Also: Immer hübsch kritisch bleiben. Anders geht es nicht.

Antwort
von Skronk, 6

Da musst du nachgucken ob du die Daten oder Aussagen noch in anderen Quellen auftauchen oder nachsehen woher die information stammt. Wende dich zur Not an Professoren oder andere gebildete Leute Tip: sih nicht auf Wikipedia nach da kann jeder etwas reinschreiben Was nicht stimmt verlass dich auchnicht immer auf antworten hier auf GuteFrage.net

Antwort
von RoSiebzig, 12

Würdest Du die Fernbedienung vom TV fälschen? Vielleicht ein paar Tasten vertauschen, aber nicht zB die Elektronik fälschen, ein anderes Infrarot einbauen. Würdest Du Deine Schuhe fälschen? Eine Brille tragen, durch die Du nix siehst?

Das macht meistens (sowas von überhaupt) keinen Sinn.

Außerdem ist Fälschen viel Arbeit, das macht man nicht zwischendurch aus 'ner Laune 'raus oder aus Langeweile.

Antwort
von Ollamasi, 65

Der Zweifel ist der Anfang aller Wissenschaft. Die Hypothese ist der erste Schritt.

Wenn ich ein Foto vom Eiffelturm betrachte, kann ich ihn in meine Pläne Paris zu besuchen miteinbeziehen. Wenn ich in Paris bin und keine Zeit habe, ihn selbst zu fotografieren, fehlt mir immer noch ein Beweis seiner Existenz. Ich kann nun mit anderen die Übereinkunft treffen, dass der Eiffelturm in Paris zu finden ist. Jemand macht ein aktuelles Foto und bestätigt, ja, da ist er. Wird dies nun angezweifelt, benötigt man eine Wiederholung des Experiments. Jemand fährt nach Paris, fotografiert und bestätigt es.

Mit der Zeit ergibt sich so ein Wissen, das stets überprüfbar ist, wissenschaftliche Wahrheit, die jedoch jeder jederzeit anzweifeln und durch das Experiment erneut bestätigen kann. Genau diese art Wissen findet man oder sollte man in Geschichtsbüchern finden.

Kommentar von Andrastor ,

Eigentlich wollte ich selbst zu der Frage antworten, aber du hast schon alles gesagt was es dazu zu sagen gibt. Respekt, Daumen hoch und weiter so!

Antwort
von imakeyourday, 67

Es gibt verfahren mit denen man die exhtheit der quellen überprüfen kann,zb materialanalyse.
100% richtig ist bestimmt nicht alles, aber das ist auch unmöglich, gerade bei mündlicher überlieferung.

Kommentar von BesteProfilEy ,

und woher weiß ich, dass das Ergebnis der Materialanalyse nicht gefälscht wurde ? 

Kommentar von imakeyourday ,

frag dich mal nach dem sinn. wieso sollte es gefälscht werden?

Kommentar von PWolff ,

Deshalb fragt man hier (wie in der Kriminalistik) "Wem würde es nützen?"

Antwort
von pritsche05, 13

Sehr gut !! Du bist auf dem richtigen weg !

Antwort
von RoSiebzig, 22

Unser Wissen über die Geschichte ist abhängig von Überliefertem. Man forscht studiert und entdeckt (wieder neu) was von der Vergangenheit übrig ist an Quellen, Infos, Hinweisen, Indizien, Beweisen.

Wenn was gefälscht wurde, dann kann auch das erforscht und vielleicht enthüllt werden. Dann ist das eben die Geschichte, daß es gefälscht wurde.

Man erhält Voraussagen in die Vergangenheit ("Retrognosen"), Ausschnitte aus der Vergangenheit. Welches Bild man daraus strickt, ist eine andere Frage: denn auch die Interessen und Wichtungen ändern sich - was früher unwichtig war, langweiliger Alltag oder unbedeutende Personen, wurde auch nicht dokumentiert - will man das heute rekonstruieren, ist es umso schwieriger.

Wie verläßlich alte Quellen sind, kann man abschätzen und auch das erforschen.

Eine einzige Wahrheit gibt es nicht, nur eine Vielfalt an Informationen oder fehlender Informationen - je nachdem, um welches Geschichtchen, wen, was, wie, früher, es genau geht. Und dann trägt jeder eine andere Brille durch die er die Dinge anders betrachtet, damals und heute. Im Gemisch ist das eben keine ``exakte´´ Wissenschaft, sondern Forschung, oft Gesellschaftswissenschaft.

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