Frage von omi007, 48

Wie kann ich sagen, was ich meine?

ich mache mir zur zeit gedanken darüber, dass ich manche sachen nicht aussprechen kann. manchmal weiß ich selbst nicht genau, was ich eigentlich sagen will und dann versuche ich es zu umschreiben, aber ich kann dann in dem moment nie genau das sagen, was ich meine. liegt es daran, dass die sprache zu ungenau ist und wir neue wörter erfinden müssten? liegt es daran, dass ich zu unpräzise denke? ist es eine sinnestäuschung? habt ihr ähnliche erfahrungen gemacht, dann gebt mir bescheid. über eine antwort freue ich mich sehr! danke!

Antwort
von Ottavio, 21

Du wirfst eine sehr tief schürfende Frage auf. Das Problem ist ja nicht selten, und die Gründe sind vielfältig.

Die häufigsten sind trivial, und ein Lehrer ist in der Schule immer wieder damit konfrontiert: Ich will es mal so sagen: Die Antwort ist nicht ad usum delfini, sie ist für diese Publikum nicht geeignet, weil sie zu komplex ist oder politisch unerwünscht. WORÜBER WIR NICHT REDEN KÖNNEN,  DARÜBER MÜSSEN WIR SCHWEIGEN, Wittgenstein, tractatus.

Ein anderer Grund ist, dass die Sprache tatsächlich zu ungenau ist. Da nutzen auch Lexikondefinitionen nicht viel - der Sprachgebrauch hält sich einfach nicht daran. Sone Sauerei ! Außerdem benutzt die Definition oft Begriffe, die selbst schlecht definiert sind. Nun lehrt derselbe Wittgenstein, man könne auch mit schmutzigem Wasser schmutziges Geschirr sauber waschen. Naja ...

Wörter neu zu erfinden, ist in der Wissenschaft üblich, weil man sie dort auch verbreiten kann. Das kann aber in die Hose gehen. Erfindet man völlig neue Ausdrücke, dann verstehen nur wenige Fachleute überhaupt etwas. Benutzt man einen, der eigentlich schon anderweitig vergeben ist (z.B. "nachhaltig") wird man leicht missverstanden.

Das gemeinte Wort zusätzlich zu umschreiben, ist nicht die Schlechteste Lösung. Die chinesische Sprache arbeitet viel damit. Sie hat zu wenig Wörter, viele Wörter sind mit mehreren verschiedenen Begriffen besetzt. Das gibt es im Deutschen natürlich auch ganz oft.

Natürlich können wir auch die Möglichkeit nicht Ganz ausschließen, dass Du (oder wer immer etwas sagen will) tatsächlich gerade zu unpräzise denkt, weil er die Krücke einer präzisen Sprache nicht hat oder erst noch lernen muss. Das geht denkenden Menschen bis ans Lebensende so.

Antwort
von OlliBjoern, 10

Ich denke, ich weiß schon, was du meinst. Manchmal ist die Sprache tatsächlich zu mager, um genau das auszudrücken, was man meint. Ich kenne dies vor allem aus Diskussionen, die sich um Glaube/Religion/Weltanschauung drehen. Man spricht über "Gott", und stellt sich etwas darunter vor, und der andere stellt sich aber was ganz anderes vor. Natürlich kann man andere Wörter benutzen, umschreiben, usw., aber auch dann ist man nie vor Missverständnissen gefeit.

Jeder interpretiert die Begriffe aus seiner eigenen Erfahrung heraus, und unsere Lebenserfahrungen sind nun mal sehr verschieden (und somit auch unser Verständnis der Begriffe).

Antwort
von jogibaer, 9

In solchen Fällen sage ich wie ich mich fühle. Das ist einfacher und der Andere wird diese Sprache leichter verstehen. Gefühle sind international verständlich, da wir irgendwie alle Verwandt sind. Die Sprache ist schon viel komplizierter und zudem können sich sogar Manschen mit der gleichen Sprache falsch verstehen. Da funkt noch das Vorstellungs Vermögen dazwischen.

Wenn ich z.B. Auto sage, schon sind die Probleme da. Jeder wird sich ein anderes Auto vorstelle. Allso sage ich z.B. Porsche, so sind schon weniger Varianten möglich. Sage ich dann noch den Typ xxx und in blau, und Caprio, und und und, dann kommt vielleicht die Antwort, dass man diese Auto nicht kennt. Oder ja, ich weiss was du meinst, ich kenne diese Auto. Auch Frauen und Männer sehen die Dinge verschieden. Darum die grossen Probleme, sobald man dem Andern was erklären will.

Und drittens, hat das Gegenüber meistens den Kopf ganz an einem andern Ort, und will jetzt nicht gestört werden. Also hört er nur "Bahnhof" und reagiert diffus.

Darum ist es besser, die Menschen nicht anzuquatschen mit seinen Gedanken. Besser ist, zu warten bis der andere mit einem Thema daher kommen und Fragen stellt. So weisst du, wo sein Kopf im Moment ist. Jetzt ist es an dir, deine Gedanken auf sein Thema zu lenken und Antwort zu geben. Also: Halte deine Antworten zurück bis zu diesem Moment. Dann wird es was..

Oder du hälst einen Vortrag, dann kommen nur jene her, die daran interessiert sind und auch grad Lust darauf haben. So funktioniert es besser. So verstehen sich die Menschen besser.


Antwort
von Flutschikato, 4

Im Grunde handelt es sich um ein Flaschenhals Problem.

Der Umfang des gesamten Gedankenkonstruktes, welches Du kommunizieren willst, ist so ausladend, dass die Komplexität kaum einen optimalen Weg mehr zulässt, um es in seinem Gesamtumfang darzustellen.

Mir hilft es, wenn ich grundlegende Einzelaspekte mit passenden Schlagwörtern identifiziere, und diese zuerst notiere, dann in eine Reihenfolge bringe. Danach fülle ich die Lücken, d.h. ich konzentriere mich darauf, die Einzelaspekte in Zusammenhang zu bringen. Somit entsteht das Gesamtbild, aus mehreren Einzelbildern. Es ist immer einfacher diese isoliert zu behandeln, und erst später den Gesamtzusammenhang zu überarbeiten.

Kleine Schritte sind einfacher zu handhaben und führen schneller zu Erfolg.

Ich hoffe ich konnte Dir helfen !

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