Frage von Blattteich, 41

Wie kann ich mit der leichten Depression meiner Mutter umgehen?

Hallo zusammen,

ich (17) schreibe hier, weil ich allmählich wirklich verzweifele. Seit etwa drei Monaten hat meine Mutter eine psychische Störung entwickelt. Dies wurde durch einen Krankheitsfall in ihrer Familie ausgelöst. Ihre Mutter musste ins Krankenhaus und da die Situation im Elternhaus ohnehin bereits sehr kompliziert ist, trägt meine Mutter die Verantwortung für alles (oder denkt das).

Seit sie im April eine Vollmacht für ihre Mutter unterschreiben musste, ist sie aber wirklich nicht mehr dieselbe. In ihrem Kopf sind nur noch Probleme und Sorgen. Das Leben scheint unüberwindlich. Winzige Alltagsprobleme, die sehr leicht gelöst werden könnten, scheinen ihr wie eine riesige Hürde. Zudem kommen richtiggehende Angstattacken, Panikanfälle, oftmals über Nichtigkeiten. Jedes noch so kleine Problem wird aufgebauscht.

Mein Vater und ich leiden gleichermaßen darunter, unter den Panikattacken sowie unter der permanent negativen Einstellung, die sie auch deutlich zeigt. Dabei meint sie die ganze Zeit, wir würden ihre Probleme nicht verstehen und ihr nicht zuhören. Dies stimmt nicht, wir hören ihr zu, aber es erscheint einfach so lächerlich, dass man oft wirklich nicht anders kann als wütend zu werden. Auch ihre ganzen Aktivitäten (Hobbys sowie Berufliches) hat sie aufgegeben, da sie meint, rund um die Uhr verfügbar sein zu müssen, um zu ihren Eltern fahren zu können.

Vor kurzem habe ich dann für sie einen Termin beim Psychologen ausgemacht, dieser meinte, sie hätte eine leichte Depression und es wird dringend eine psychiatrische Therapie empfohlen. Das Problem ist nun (natürlich), dass meine Mutter nicht einsieht, dass sie krank ist und professionelle Hilfe braucht. Sie organisiert auch nichts, rein gar nichts, alleine. Ich komme mir vor, als wäre ich die Mutter und sie die Tochter.

Ich weiß wirklich nicht mehr weiter. Ich habe mein letztes Schuljahr vor mir, bevor ich ausziehe, und ich kann wirklich nicht mehr so weitermachen. Ich habe früher kaum geweint, und jetzt breche ich fast jeden Tag in Tränen aus (wenn auch alleine in meinem Zimmer). Das Ganze macht mich auch deswegen umso trauriger, weil meine Mutter vorher immer ein sehr positiver Mensch war. Sie war immer schon recht ängstlich und unentschlossen, aber dabei immer sehr fröhlich und wir hatten immer ein sehr gutes Verhältnis. Jetzt merke ich, dass ich wirklich gereizt und angespannt bin, ich fahre viel öfter aus der Haut als früher.

Zwar habe ich einen Freund und auch Freunde, die mir sehr helfen und zu denen ich immer kommen kann, wenn ich Hilfe brauche oder einfach nur jammern muss, aber ich kann so wirklich nicht mehr lange weitermachen. Es macht mich fertig.

Ich denke schon, dass ich ein starkes Mädchen bin und ich bin trotz allem immer noch fröhlich und an anderen interessiert und habe viele Hobbys, trotzdem merke ich, wie das Ganze an mir zerrt.

Kann mir jemand einen Rat geben, wie ich damit zurechtkommen kann? Vielleicht hat jemand ähnliche Erfahrungen?

Antwort
von Xirain, 12

Du kannst deine Mama nicht zwingen...

ich habe es ähnlich durch, nur mit dem Unterschied, dass ich selbst auch in Therapie war.

Meine Schwester ist 2013 gestorben, ich wollte sofort eine Trauerbegleitung machen, was aber nicht möglich war, halbes Jahr später der komplette Zusammenbruch meinerseits, ich ging dann also zur Therapie.

Meine Mutter war da ein andres Kaliber, bzw meine Eltern, sie nahmen keines der Angebote der Klinik an um mit jemandem zu reden, sie gingen nicht zum Treffen verwaister Eltern, oder sonstwas...
Sie wollten zwar über meine Schwester reden, aber konnten nur schwer damit leben, was ja klar ist...Es ist nunmal schlimm ein Kind zu verlieren...
Dann noch ein halbes Jahr später ich, die auf einmal am Telefon meinte, sie geht jetzt zur Therapie und hat Depressionen...

Ich habe meiner Mama oft gesagt, wie gut es mir tut, diese Therapie zu machen, jemanden zu haben, mit dem ich meine Probleme durchgehen kann etc.
Sie brauche sowas nicht.

ich war mir sicher, es würde ihr guttun, denn sie weinte immernoch jeden Tag stark, mein Papa war schon immer mehr der rationale Typ mensch...
Bei meiner Mama machte ich mir aber Sorgen, sie schlief noch schlechter und ich war schon immer der Meinung, dass sie relativ leicht überreagiert usw. und sich übernimmt mit Arbeit...

Erst als ihre Herzärztin sie auf ihren unkontrollierbaren Blutdruck ansprach, wurde sie zu einer Psychiaterin geschickt.
Sie wollte das immernoch nicht, sie war ja nicht verrückt...

Aber ab da bekam sie dann Psychopharmaka, der Blutdruck normalisierte sich und die Psychiaterin sprach eine Psychosomatische Reha an.

Die machte meine Mama auch und sie tat ihr so gut, dass sie lernte auch Grenzen zu setzen und Aufgaben abzugeben.
Seit dem geht sie 1 mal im Monat zur Therapie und sie ist viel entspannter geworden und schläft besser.
Auch die Trauer um meine Schwester kann sie nun besser bearbeiten, wir können wieder lustige Anekdoten über sie loswerden usw.

Was sollst du jetzt aus dieser Geschichte ziehen...
Vermutlich einfach, dass du sie nicht zwingen kannst, entweder sie fängt sich von selbst wieder, oder es geht ihr irgendwann so schlecht, dass sie selbst einsieht, dass sie Hilfe brauch.

Das was du machen kannst ist, sie zu unterstützen, wenn sie sich nicht entscheiden kann, sag ihr deine logische Lösung auch wenn dir das Problem klein und lächerlich erscheint.

Vielleicht wäre es ja auch gut wenn ihr bei den Eltern halt was macht und der Mama kleinigkeiten abnehmt.

Ansonsten kann nur den Leuten wirklich geholfen werden, die auch Hilfe wollen...

Ich würde vllt noch dazu animieren den Hobbies wieder nachzugehen, das kann einem wirklich viel Kraft geben...

Antwort
von glitzerqueeen, 13

Hmm vllt kannst du ja mal zu deiner Mutter gehen und ihr alles erklären und sagen,dass diese Therapie für sie besser wäre und dass sie nicht immer für alle da sein muss,sondern dass auch sie mal Hilfe braucht.

Antwort
von daniduerr, 10

Schau dir mal dieses Video an. Villeicht könnte dir das helfen, was die richtige Herangehensweise betrifft.

Viel Glück :)

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