Wie kann ich minderwertigkeitsgefühle und das Gefühl nicht in diese Welt zu passen überwinden?

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5 Antworten

Das Leben ist ja kein Wettbewerb, wer es in seiner Jugend am schlimmsten hatte.
Über die schlimmsten Aspekte meiner Kindheit will ich Gras wachsen lassen, und bin nicht glücklich darüber, dass meine Kinder auf Umwegen davon Kenntnis erlangt haben.

Ich dachte, all die Schuld, nicht meine, würde mit meinem Tod aus der Welt verschwinden.

Vielleicht ist es auch gut so, ich weiß es nicht.

Was ich aber weiß, ist dass ich mich in gewissem Sinne selbst am eigenen Schopf aus diesem Sumpf gezogen habe.
Oder genauer gesagt natürlich mit Hilfe, aber die bestand eher darin, mir zu zeigen, dass es ein Leben außerhalb des Sumpfes gibt, und dass es ein erstrebenswertes ist.
Das bedeutet nicht mal, das ich es damals als etwas erreichbares erkannt habe.

Mein Leben selbst zu gestalten, habe ich erst in den letzten Jahren gelernt, und ich etwa 3mal so alt wie du.

Das heißt nicht, dass ich nicht vorher mein Leben gelebt habe, ich habe studiert, gearbeitet, eine Familie gegründet, auch wenn die Frau nicht mehr mitspielt. Meine Kinder sind inzwischen erwachsen.

Aber zu mir selbst gefunden habe ich erst vor einiger Zeit.
Dass ich mein Leben gestalten kann.
Dass ich auf die Menschen zugehe, anstatt abzuwarten.
Dass ich Fragen anspreche, anstatt ängstlich oder verschämt zu schweigen.
Dass ich das Risiko eingehe, durch Spontaneität einen Menschen zu verschrecken, aber zehn Menschen zu gewinnen.

Und ich kann nicht mal sagen, dass ich unglücklich bin, dass mir all das erst so spät gelungen ist. Ich bin einfach glücklich, dass es mir gelungen ist.

Das Alter ist recht merkwürdig. Die Zähne fallen aus, mein Haupthaar ist recht stabil, und zusätzlich wachsen Ungetüme aus Brauen, Ohren und Nase.
Und ich brauche für jeden Zweck eine eigene Brille. Die für den Monitor ist etwas zu schwach für Zeitschreiften, und völlig unpassend zum Autofahren.

Und was macht all das? Sehr wenig, solange ich noch ich bin, gebildet, interessiert, kommunikativ, der Jugend verbunden und auch dem Alter (alt bin ich noch nicht).

Wenn du jetzt diese Fragen stellt, wirst du in 5 oder 10 Jahren die Antwort nicht nur erkannt, sondern gelebt haben. Ich hoffe, du verstehst den Unterschied.

Eine Familie ist nichts gottgegebenes, sondern muss sich immer wieder neu bilden.
Zu meiner Familie gehören meine Kinder, an allererster Stelle, meine Geschwister und Tanten/Onkel und Cousains/Cousinen eines Zweiges.
Meine Eltern aber nicht.
Ich liebe meine Eltern nicht, schon lange.

Seinen Wert oder Platz in der Welt hat man einfach, und man kann ihn "steigern" oder einfach annehmen.
Dass du nicht so sein darfst, wie du bist, dass ist das schlimmste Erbe deiner Erziehung.
Bei aller Liebe, dass ist genau das Gegenteil einer liebevollen Erziehung, dass man sich Liebe verdienen muss.

Man liebt Menschen, nicht Verhalten.

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Mal ehrlich, du fühlst dich minderwertig? Wenn ich mir vorstelle, was es an Entschlossenheit und geistiger Stärke braucht, um einen Entschluss wie deinen zu fassen und das auch durchzuziehen, dann brauchst du dich in keiner Weise minderwertig zu fühlen. Du bist stärker als der Rest, der einfach weiter mit macht. Du hattest die Entschlossenheit, um einen Schlussstrich zu ziehen und jetzt dein eigenes Ding zu machen. So etwas respektieren die meisten Menschen in der echten Welt, meinen Respekt hast du dafür.

Wenn du nirgends dazugehörst, ist das erst mal ok. Das kommt erstens nicht von heute auf morgen, zweitens ist es auch nicht schlimm, nirgends dazu zu gehören, wenn man sich dabei gut fühlt. Du musst dich ja nicht länger anpassen, kannst ganz du selbst sein. Jeder der irgendwo hin zieht, wo er ein neues soziales Umfeld suchen muss, steht vor diesem Problem.

Einen Sinn kannst du auf die eigene Faust suchen, musst du aber nicht. Nicht wenige Menschen suchen ihr ganzes Leben lang nach einem Sinn und finden ihn nicht, Andere denken dass es gar keinen geben muss und das ein schönes leben als Sinn ausreicht. Der Sinn muss  auch nicht das ganze Leben lang der Gleiche sein, viele Menschen orientieren sich zwischendurch neu.

Du bekommst den Sinn jetzt nicht mehr diktiert, also kannst du so frei sein und überlegen was dir wichtig ist, welche Werte du selbst für richtig hältst und was du mit deinem Leben anfangen willst, ob du es jemandem oder einer Sache/Idee oder sonst was widmen willst. Du bist nach allem was ich gelesen habe schon mal auf einem guten Weg.

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Kommentar von Verwirrter015
11.05.2016, 18:49

Ja schon, ich kann es nicht wirklich erklären. Jetzt wo ich den Text selbst lese, merke ich dass ich doch auf einiges stolz sein kann, was ich bisher geschafft habe. Es hat mir schon geholfen, das alles mal aufzuschreiben :)

Ich denke dass die Jahre des Versteckens, in denen ich nie zu dem stehen konnte, was ich bin und denke, ihre spuren bei mir hinterlassen haben. Ich war sehr eingeschränkt darin eine gefestigte Persönlichkeit zu entwickeln, viele Entscheidungen und viel Denken wurde mir abgenommen und so bin ich wohl ohnezunaechst etwas hilflos ^^

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Du bist auf dem besten Weg den Sinn des Lebens herauszufinden. Das Leben hat einen Sinn, Stichwort "Nirwana". Frage dich bitte einmal, warum du nach einem Sinn im Leben suchst. Und dann frage dich bitte einmal, ob du dir ein Paradies oder einen Himmel vorstellen könntest, in dem du eine Ewigkeit (was ziemlich lange ist ;-) leben möchtest. 

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aufrecht halten zu können. Mir wurde klar, dass ich ein wirklich freies und glueckliches Leben nur wuerde fuehren koennen, wenn ich mich endgueltig davon loeste. Zu dieser erkenntnis brachte mich auch eine schnell gescheiterte Beziehung mit einem mädchen, diesmal aus der "neuen" Welt- wir waren zuvor sehr gut befreundet, doch kurz nachdem ich ihr die wahrheit ueber mich erzaehlte war es vorbei, ich glaube das alles war ihr doch zu abgedreht.

Naja, um mal zum Abschluss zu kommen, ich habe meinen Entschluss umgesetzt, bin ausgetreten und trage nun alle konsequenzen: Ich habe meine Familie, die Hlfte meiner verwandten und alle kindheitsfreunde verloren, zumindest haelt mein Bruder zu mir, der insgeheim so denkt wie ich.

Nun stehe ich recht verloren in einer für mich neuen Welt, habe jegliche Orientierung, die mir die Religion gab verloren - mittlerweile habe ich keine Zweifel mehr daran, dass es alles Schwachsinn war- und fühle mich trotz neuer Freunde fast nirgendwo zugehörig, minderwertig gegenueber Menschen, due nicht so einem gewaltigen mist aufgesessen sind und ihr Leben mit ihm verbrachten. Hat jmd von euch ähnliches erlebt und kann mir rat geben, wie ich das alles ueberwinden kann und wieder einen Sinn finden?

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Wow, das ist eine ziemlich bewegende Geschichte... Schonmal daran gedacht sie aufzuschreiben?

Reisen ist eine Horizonterweiterung und mit jeder neuen (positiven) Erfahrung wirst du selbstsicherer. Nach dem Physik-Bachelor/Master 1/2 Monate ins Ausland?

LG Tobi

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