Frage von minaflowers, 80

Wie kann ich mich für mehr Chancengleichheit in der Bildung einsetzen?

Kommt man aus einer ärmeren, "bildungsferneren" Schicht, hat man nicht diesselben Chancen, eine gute Bildung erreichen, wie Kinder aus Akademikerhaushalten. Viele schaffen es nicht zum Abitur und zum Studium oder sie sind dabei völlig auf sich alleingestellt, können nicht auf die Erfahrung und die Unterstützung der Eltern zurückgreifen, haben wenig Ansprechpartner etc. Ich könnte noch lange die Misstände und Benachteiligungen fortführen, aber ich will auch selbst etwas tun. "Sei du die Veränderung, die du sehen willst in dieser Welt." Na dann....Wie kann ich mich dafür einsetzen, dass der Zugang und der "Genuß" von Bildung gerechter wird. Welche Organisationen/Gruppen, Ansprechpartner etc. gibt es? Ich kenne z.B. Arbeiterkind.de. Habt ihr Ideen und Erfahrungen?

Antwort
von EinNarr, 44

Organisationen und Gruppen sind meist regional - einen Anhaltspunkt findest du dementsprechend dann am ehesten, wenn du schaust, was in deinem Umfeld in der Hinsicht zu finden ist. Allerdings gibt es auch eine handvoll national tätiger Organisationen wie diese hier:

http://www.stiftung-bildung-und-gesellschaft.de/home.html

Helfen kann man auf verschiedenste Art und Weise. Am einfachsten, sofern man das nötige Kleingeld hat, ist natürlich Spenden. Diese Organisationen brauchen Geld um das Projekt auch finanzieren zu können - Spenden ist kein wirklicher Aufwand aber sehr effektiv und auch wichtig.

Weiterhin kannst du dich erkundigen nach regionalen Projekten bei dir in der Nähe. Helfende Hände werden eigentlich immer gebraucht und vielleicht kann man dir dort auch konkrete Anregungen geben, wie du dich einbringen kannst.

Eine weitere Möglichkeit ist es Nachhilfe anzubieten für ärmere Familien. Nachhilfe ist unglaublich kostenintensiv. Nachhilfelehrer sind meist sehr teuer und fallen deswegen für viele aus. Gleichzeitig liegt dort auch ein weiteres Problem der Schüler. Viele bleiben ab einer gewissen Klasse hängen, kommen mit dem Stoff nicht mehr hinterher und schleifen ihre schlechten Noten von Jahr zu Jahr. Mit einer guten Nachhilfe lässt sich dieser Werdegang in eine andere Bahn lenken. Es gibt Internetseiten auf denen man sich als Nachhilfelehrer anbieten kann. 

http://www.nachhilfenet.de ist eine der Seiten, auf denen man sich anbieten kann, als Nachhilfelehrer.

Zum Schluss noch etwas, was gerne unterschätzt wird. Informiere dich. Wie kommt es zu diesem Missstand? Was müsste verändert werden? Was sind die Konsequenzen? Wenn du dich informierst und dein Wissen weiter gibst, dann hilfst du. Desto mehr Menschen auf etwas aufmerksam werden, informiert werden, desto eher kann man ein Problem angehen. Wenn du noch zur Schule gehst, dann kannst du vielleicht mal ein Referat dazu halten oder deinen Lehrer in einem entsprechendem Fach fragen, ob man dieses Thema nicht einmal für ein oder zwei Stunden behandeln könnte - ich denke da an Ethik, Sozialkunde oder welches Fach du vielleicht auch hast.

Ich habe bis jetzt die Erfahrung gemacht, dass sich gerade finanziell schwächere Familien sehr freuen, wenn man sich als Nachhilfelehrer anbietet und je nachdem wie man diese gestaltet, haben auch die Schüler Spaß. Ich selbst hatte auch meinen Spaß dabei und das war dann tatsächlich doch mehr wert, als Geld.

Ich wünsche dir viel Glück bei deinem Unterfangen und finde es schön, dass du dich dafür einsetzen möchtest.

Liebe Grüße.

Expertenantwort
von Fortuna1234, Community-Experte für Bafög, 48

Hi,

frag mal beim Bundesministerium für Bildung nach. Man muss schon vorab eingreifen und auch während der Schule schon eingreifen. Und da gibt es genug Projekte (eben aber auch regional unterschiedlich).

Möchtest du ehrenamtlich dort helfen oder ist das etwas, was du wirklich als Beruf machen möchtest?

Kommentar von ErsteHilfe123 ,

Nachhilfe oder Förderangebote gründen, welche speziell auf Kinder und Jugendliche aus Arbeiterfamilien ausgerichtet sind und die Unterstützung ermäßigt bzw. viel günstiger anbieten.

Antwort
von DerKleineRacker, 32

Klar gibt es eine geringere Wahrscheinlichkeit dass ein Kind aus einem bildungsfernen Milieu studieren wird. Muss man dann aber gleich davon sprechen, dass solch ein Kind "weniger Chancen" hat? Ich glaube viel entscheidender ist hier die anerzogene Einstellung zur Bildung. 

Von meinen Eltern konnte ich damals auch nicht viel erwarten. Aber Schulunterricht, Zugang zu Bibliotheken und Schulbücher waren kostenlos. Und das war alles noch vor der Zeit als das Internet boomte und man sich überall Tutorials anschauen konnte. 

Und das Abiturniveau ist auch nicht mehr wirklich hoch, der Schulunterricht ist in der Regel so gestaltet dass Nachhilfeunterricht nicht von Nöten sein sollte solange man im Unterricht konsequent aufpasst. Klar, Kinder reicher Eltern haben quasi einen "Bonus" in der Hand, falls sie in der Schule nicht aufpassen, aber daraus den Umkehrschluss zu ziehen, die anderen wären benachteiligt... ich weiß ja nicht. Ein bisschen ist vielleicht was dran, aber ich würde es nicht so dramatisch ausdrücken.

Antwort
von will1984, 25

Generell ist zu sagen, dass man sich in verschiedener Form engagieren kann.

Zunächst kannst du dich gemeinnützigen Organisationen anschließen, die sich für Chancengleichheit in der Bildung einsetzen.

Darüber hinaus kannst du politisch aktiv werden, indem du einer Partei beitrittst, denen ein fairer und gleichberechtigter Zugang zu Bildungsmöglichkeiten wichtig ist.

Weiterhin kannst du das Gespräch mit entsprechenden Kommunalpolitikern suchen, mit denen du über die besagte Problemlage sprechen kannst.

Wie es hier schon angeführt wurde, besteht die Möglichkeit, Petitionen bei entsprechenden politischen Institutionen einzureichen.

Antwort
von HansH41, 20

"Wie kann ich mich dafür einsetzen, dass der Zugang und der "Genuß" von Bildung gerechter wird?"

Anders herum:

Was ist daran ungerecht, wenn sich Eltern um die Bildung ihrer Sprösslinge kümmern und diese dann erfolgreicher sind?

Kommentar von minaflowers ,

Es müsste einen Ausgleich geben, dass die Kinder, deren Eltern sich nicht um die Bildung ihrer Kinder kümmern können, genauso erfolgreich werden können.

Kommentar von Nunuhueper ,

Die Eltern müssen sich kümmern. Für die Bedingungen, dass sie es auch können, ist der Staat zuständig.

Antwort
von Deepdelver, 35

Geh dem/der Kultusminister/in deines Bundeslandes auf die Nerven: schreib ihm/ihr und frag, was denn gegen dieses Problem getan wird.

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_amtierenden_deutschen_Landesminister_f%C...

Starte eine Petition für mehr Bildungsgleichheit auf change.org, die du wenn genug stimmen beisammen sind, dem Minister offiziell übergibst.

Mach dasselbe immer wieder, wenn nichts passiert. :)

Wähl Die Linke, dass sind die einzigen die an diesem Problem wirklich etwas ändern wollen!

Antwort
von NewKemroy, 18

Die Ursache hierfür ist eine verfehlte Wirtschaftsordnung. Solange Du die nicht änderst, kannst Du Programme und Initiativen fahren noch und nöcher und gelangst trotzdem nicht ans Ziel.

Kommentar von minaflowers ,

Aber auch dafür wird es Ansatzpunkte geben, wie man sich aktiv für eine Änderung einsetzen kann. Genau sowas suche ich.

Kommentar von NewKemroy ,

Es gibt ein Konzept für eine andere Wirtschaftsordnung, was man vielleicht als Neue Physiokratie bezeichnen kann. Darin enthalten Ansätze von Henry George, Silvio Gesell, Pierre Proudhon. Ein Kennzeichen ist dabei das Äquivalenzprinzip oder die Reziprozität, welches zwar auch heute gefordert wird, doch völlig unzureichend umgesetzt ist. Steigt man hier tiefer ein eröffnen sich vollkommen neue Freiräume, welche dann auch ermöglichen dass sich jeder nach seiner Facon entwickeln kann. Das alles ist allerdings sehr komplex und lässt sich nicht in 2 Min. erklären. Aber wenn Du willst versuch ich es.

Kommentar von NewKemroy ,

Die Forderung nach Chancengleichheit muss ja nur erhoben werden, weil es an bestimmten Punkten nicht klappt. Zum einen ist da die Armut, welche die Möglichkeiten junger Leute einschränkt, zum anderen ist GUTE ARBEIT rar bzw. sehr limitiert.

Würde die Armut zurückgehen und von selber Vollbeschäftigung entstehen, und obendrein noch gute Löhne bei vergleichsweise geringen Arbeitszeiten gezahlt, dann würde sich die Frage nach der Chancengleichheit überhaupt nicht stellen..

Sagst Du nicht selber, man muß dort ansetzen, wo es einem direkt vor der Nase liegt? Es sind alleine die derzeitigen Rahmenbedingungen, welche die Frage der Chancengleichheit aufwerfen. Sie gilt es zu ändern. Alles andere ist Flickschusterei.

Kommentar von minaflowers ,

Sehe ich auch so. Was hilft es immer die Symptome zu bekämpfen und sich dabei aufzureiben, anstatt mal an der Wurzel anzusetzen.

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