Frage von Ever8deen, 66

Wie kann ich erfolgreich das gelernte zurückhalten?

Ich bin zur Zeit bei meiner Besten Freundin für 3 Wochen zu Besuch (sie wohnt in nem anderen Bundesland). Das sie Probleme mit ihren 2 älteren Kindern hat wusste ich ja schon, hab auch vieles am Telefon mitbekommen, aber das es so schlimm ist, wusste ich nicht. Vor allem, weil nicht die Kinder die Übeltäter sind, sondern eigentlich die Eltern. Sie schnauzen die Kids an (9 und 5) ohne das sie überhaupt was gemacht haben, sie suchen direkt nach Gründen um zu meckern. Das die Kinder sich dadurch natürlich auch dementsprechend benehmen, ist kein Wunder. Sie bekommen überhaupt kein positives Feedback. #traurig die tun mir so leid, suchen nach Aufmerksamkeit und Liebe. Das hab ich ihr heut auch gesagt, ihr Kommentar war ja wie soll ich auch Liebe für jemandem aufbauen, der sich so schi...e benimmt, ich bin noch sehr zurückhaltend gewesen, aber mit der Zeit platz ich glaub ich, allein weil ich täglich mit Kindern arbeite (Erzieherin) und hab das schon als Reflex drin, wenn man Kids unfair behandelt werden...dabei empfinde ich die Kinder gar nicht als so schlimm, die Eltern dramatisieren alles extrem...fürs 3. Kind (6 Monate) haben die allerlei Verständnis, für die Älteste Tochter (9) konnte sie ja noch nie wirklich Zuneigung empfinden, dabei hatte sie nicht mal Wochenbett oder was ähnliches. Sie findet einfach, die Tochter ähnelt zu sehr ihrer Schwester (Tante)... ich weiß gar nicht mehr was ich machen soll, vor allem weil ich in dieser Hinsicht immer einen Blick kassiert bekomme der aussagt red du nur, ich weiß es eh viel besser

Antwort
von vonGizycki, 12

Grüß Dich Ever8deen!

Ich glaube das wohl eines Kindes hat mehr Gewicht als die Verärgerung Deiner Freundin. Als Gelernte solltest Du schon aus fachlichen und damit auch aus humanistischen Gründen Dein Wissen nicht zurückhalten.

Du solltest ihr erklären, dass sie die Probleme hat und überfordert ist. Das dies seine Gründe und Ursachen hätte und dass die herausgefunden werden müssen. Sie solle sich an professionelle Hilfe wenden und zwar ihretwegen, damit sie mit den Kindern fertig wird. Das sollte ihr gesagt werden, denn nur so kann sie sich mit sich selbst auseinandersetzen. Das erscheint mir hier dringend notwendig, da liegt wohl der Hase im Pfeffer! 

Wenn die Freundin das verärgert und aufgebracht als Belehrung auffasst, dann kannst Du nichts machen. Aber Du hast wenigstens Dein Gewissen entlastet. Platze nicht, denn emotional zu werden, verschlimmert die Situation. Versuche professionell zu sein und distanziere Dich innerlich von der Situation. Das wirkt auf die Freundin erholsam, denn es verhindert bei ihr aufkommendes Gefühl der Unzulänglichkeit und möglicherweise auch des Nichtgemochtwerdens und der Ablehnung. Das ist eine schwierige Übung, ich weiß es sehr wohl!

Ihr zu sagen, das Du damit die Kinder schützen willst, würde ich nicht sagen, denn das könnte so aufgefasst werden, das sie als Rabenmutter gebrandtmarkt wird. Das scheint mir kontraproduktiv und wird emotional negativ auf Dich übertragen

Wenn die Freundin Hilfe für sich findet, dann wird das Problem mit den Kindern auch gelöst. Das hängt natürlich zusammen. Es dauert nur seine Zeit und sie muss das Problem erkennen und Hilfe wollen. Sonst wird das nichts und Du kannst da dann auch nichts machen. 

Sollte das geschehen, dann nehme Abstand von ihr. 3 Wochen Besuch könnten für Dich ja auch emotional zu lang sein und 2 Tage oder auch 3 müssen dann langen. Sei aber, wenn sie Dich um Hilfe ersucht, für sie da. Ein professionelle Hilfe solltest Du aber nicht durchführen. Eine neutrale Instanz ist da besser.

Herzlichen Gruß

Rüdiger

Kommentar von Ever8deen ,

Hallo Rüdiger

Genau das was du schreibst hab ich anfangs gemacht. Sowohl persönlich, als auch übers Telefon. Sie sagt selber von sich das sie überfordert ist. Hat mich auch um Hilfe gebeten - mehrmals. Doch wenn ich es tue dann geht das ins eine Ohr rein und aus dem anderen wieder raus. Sie macht den Anschein, als würde sie denken, 3 Wochen reichen, um die Kinder wieder *grade zu biegen* - so wie die meisten Eltern in meiner Einrichtung. Bin da schon professionell ran gegangen und persönlich. 

Das sie professionelle Hilfe braucht, weiß sie selber, genauso wie ihr Mann, denn beide hatten eine tief gestörte Kindheit. Doch die wollen sie nicht nutzen. 

Wenn ich mit ihr alleine rede, dann kommt sie langsam zur Einsicht, wie vorgestern z.B. und sagt selber, dass die ständige schlechte Laune von ihrem Mann, sie runter zieht, denn das kennt sie aus ihrer Kindheit. Und ihr Mann ist durch die Kinder (die nicht von ihm sind) genervt wegen jedem Mucks und immer wegen fehlendem Sex (da reicht schon 4 Tage Abstinenz aus). Doch gestern beim gemeinsamen Abendessen (wo man schon gemeckert hat, das sich die Kinder setzten), war sie wieder still bzw hat mit gemeckert, wo es völlig unangebracht war. Sie gibt ihm zwar auch Konter, doch will auch hauptsächlich gefallen, weil sie ein Mensch ist der nicht allein sein kann. Wie sehr sie vereinsamt war, kann ich an meinem Besuch erkennen. :-( 

Vor allem ist sie ein sehr sturer Kopf, weiß das was falsch läuft, erkennt aber oft nicht, das es ein MUSS ist es zu ändern bzw das es an ihr liegt. Ihre Tochter stößt sie in meinen Augen komplett ab und da diese 1 Jahr bei ihrer Tante wohnte, gibt sie ihr die Schuld an ihrem Benehmen. 

Sie ist an sich ein total lieber Mensch, sonst wär sie nicht meine BF, doch für Kinder (und das sagte sie selber, obwohl sie ein 3. bekam #Augenverdreh) ist sie nicht geeignet. 

Kommentar von vonGizycki ,

Grüß dich Ever8deen!

Ich fürchte, da bist Du machtlos und musst es aushalten. Und wenn Du das nicht kannst, dann solltest Du Dir selbst die Grenze setzen. Du hast auch ein Anrecht auf seelische Ausgeglichenheit.

Dein Gewissen hast Du erleichtert und hast alles gemacht, was man tun könnte. Für den Rest bist Du nicht mehr verantwortlich. Nur die beste Freundin. Wenn sie Rat braucht, erteile ihn, mehr aber nicht. Auf sie einreden nützt nichts. Vielleicht fällt ja irgendwann der Groschen?

Vielleicht ist es auch besser, sie trennt sich vom Partner in der Hoffnung, das sie dann zu sich selbst findet. Für die Kinder ist das nicht gut, aber immer wohl noch besser als so weiter zu machen. Aber eben nur dann, wenn sie nach der Trennung zur Therapie geht und die Kinder in sie einbindet, in Absprache mit dem Therapeuten/der Therapeutin.

Und dann noch was: 

Es gibt immer wieder Situationen im Leben, denen man einfach machtlos gegenübersteht und sich absolut hilflos fühlt. Da kann ich mitreden. Da brauchst Du dann selbst jemanden, mit dem Du Dich aussprechen kannst!

Herzlichen Gruß

Rüdiger

Antwort
von hourriyah29, 9

Hallo ED,

ich kann Dich sehr gut verstehen! Ich wollte selbst gerne mit Kindern arbeiten, weil ich ein Herz für Kinder habe. Habe dann schon beim Praktikum gemerkt, dass ich das nicht kann. Ständig dieses durch Eltern verursachte Elend!

Für die Situation mit Deiner Freundin....

Deine Freundin ist vermutlich kein schlechter Mensch. Sonst wäre sie wohl nicht Deine Freundin. Ich denke es gibt Gründe, warum sie ihre Kinder nicht gut behandelt und sie hat vermutlich auch den Wunsch eine gute Mutter zu sein, oder?

Gründe könnten sein: Überforderung, Konflikte mit dem Vater der Kinder, Konflikte innerhalb der Famlilie, negative Erfahrungen in der eigenen Kindheit, Beziehungsstörungen innerhalb der Familie.

Als Freundin könntest Du versuchen mit ihr über die Gründe zu sprechen und Lösungen zu finden. Dann geht es auch den Kindern besser.

Im Allgemeinen:

Ein Mensch kann sich nur selbst ändern. Von außen kann man Veränderungen anstoßen, aber nicht erzwingen. Die Kunst ist zu erkennen, wann es sich lohnt zu kämpfen und wann man sich zurück nehmen sollte. Google hierzu einmal das "Serenety Prayer".

Mir persönlich hilft es mir bewust zu machen, dass ich nicht die Verantwortung trage und dass es so viel Elend und Leid auf der Welt gibt, dass alles was wir tun nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist.

Mir hilft es auch daran zu denken, dass wenn die Kinder auch leiden sie doch das Glück haben in einem sicheren Land in relativem Wohlstand aufwachsen zu dürfen, die Chance haben zur Schule zu gehen, Freunde und andere Menschen kennenzulernen und später irgendwann die Lasten ihrer Kindheit abzuwerfen.

LG und Dir alles Gute!

Hourriyah

Antwort
von nuesschen80, 14

Hallo,

ich kann verstehen, dass du dich mit deiner besten Freundin nicht streiten willst und Kritik zu äußern ist immer ein problematisches Thema. Doch wenn du wirklich davon überzeugt bist, dass die Kinder zu sehr darunter leiden, solltest du etwas unternehmen und nicht weg schauen. Vielleicht schreibst du ihr einen Brief-das ist für viele einfacher anzunehmen als Wörter, die ins eine Ohr rein und aus dem anderen rausgehen. Ich würde auch kein Blatt vor den Mund nehmen, sondern ihr mit aller Ehrlichkeit und Härte sagen , was du denkst. Auch wenn deine Freundin dann vielleicht erstmal etwas sauer auf dich ist, seid ihr wirklich gute Freunde übersteht ihr das. Du willst ihr ja schließlich nichts böses damit, wenn du sie diesbezüglich kritisierst, sondern eigentlich nur ihr Glück.

Antwort
von loema, 14

Lass dich anrufen, dass zu Hause eine Notsituation eingetreten ist, die dich vorort benötig. Und dann packe deine Koffer und reise traurig ab.
Sonst platzt du bald.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community