Frage von mikey96, 115

Wie kann ich meinem Freund mit seinen Verlustängsten helfen?

Hi, ich hoffe, jemand kann mir helfen. Ich bin am Ende. :( Mein Freund und ich sind schon seit 2 Jahren zusammen. Wir haben fast alles überstanden. Seien es die Beleidigungen oder dass er mal zusammengeschlagen wurde, weil wir ja "Schwuhteln" sind. Aber wie gesagt, nur fast alles. Vor etwa 3 Monaten haben meine Eltern herausgefunden, dass ich schwul bin. Mein Papa hat ne große Firma und hat gedacht, dass irgendwas schlimmes passiert, wenn irgendjemand rauskriegt, dass er so einen "missratenen" Sohn hat. :( Als ob das nicht schon schlimm genug ist, mussten wir umziehen, weil er gedacht hat, alles wird wieder "normal", wenn ich meinen Freund nicht mehr sehen kann. 3 Monate (!!!!!) habe ich ihn nicht gesehen. Vor 2 Wochen ist er 18 geworden und ich hab beschlossen, mit ihm abzuhauen. Vor 1 Woche hab ich meinen Eltern gesagt, dass es mir reicht und ich weggehe und nicht mehr wiederkomme, bis die sich wieder eingekriegt haben, was wahrscheinlich nie passieren wird. Sie haben gesagt, dass ich überhaupt nicht mehr wiederkommen muss, weil es ihnen auch reicht. (Was denn???) Ich bin dann zu ihm gefahren und wir haben uns gesagt, dass wir mal eine Auszeit von der ganzen Scheie brauchen. Dann sind wir durch halb Deutschland gefahren und wohnen jetzt für eine Weile bei Freunden von mir.

Den ersten Tag war er total anhänglich, was ich ja auch verstehen kann. Immerhin waren wir eine Ewigkeit getrennt. Aber es ging immer so weiter. Er hat Angst, dass ich noch mal abhaue. Ich versuche ja schon, vieles mot ihm zusammen zu machen, aber manches geht wirklich nicht. Ich kann und will ja nicht zusammen mit ihm auf Toilette. Alles andere geht ja. Wenn ich aufstehe, kommt sofort "Wo gehst du hin?" Er kann auch nicht mehr gut schlafen, weil er anscheinend Angst hat, dass ich mich dann davonschleiche. Aber ich liebe ihn über alles. Ich werde ihn niemals verlassen. Wenn ich auf Toilette bin, steht er vor der Tür. Dann dauert es eben nich länger ... ich könnte noch nichtmal aus dem Fenster flüchten, ist viel zu hoch. Und wenn wir zusammen im Bett sind und ich Andeutungen mache, Sex haben zu wollen, lässt er sich alles gefallen, aber ich nutze das nicht aus. Keine Angst. Ich merke ja, dass er manchmal gar keine Lust hat oder so. Dann lasse ich es. Aber das passiert eher selten.

Es vergeht keine Sekunde, in der er mich nicht umschlungen festhält (außer im Bad, wie gesagt).

Es nervt mich nicht, ich mache mkr einfach supergroße Sorgen. So kann es doch nicht weitergehen. Das ist doch kein normales Leben für ihn.

Wie kann ich ihm helfen? Was soll ich tun?

Antwort
von Matahleo, 70

Hallo Mickey69,

na, ihr habt ja eine ganz schöne Odysee hinter euch, schade, dass deine Eltern nicht hinter dir bzw.  euch stehen können.

Dass dein Freund Verlustängste  hat kann ich ein Stück weit nachvollziehen. Das was euch jetzt am meisten hilft werden Gespräche sein.

Rede mit ihm. Frag ihn gezielt nach seinen Bedürfnissen und erklär ihm, dass du dich auch mal 2 m ohne ihn bewegen können musst. Er kann nicht immer an dir drankleben, er muss mal loslassen.

Versuche mit ihm Abwesenheiten zu vereinbaren, nach denen du dann wieder kommst und er es aushalten muss. Du musst versuchen ihm klar zu machen, dass er dir vertrauen kann.

Wenn Gespräche mit dir nicht funktionieren, dann versuche eine  Person eures Vertrauens mit in die Gespräche einzubeziehen.

Viel Erfolg beim Aufbau eures Vertrauens.

LG Mata

Antwort
von randomhuman, 33

Deine Situation ist sehr bedrückend und es ist wirklich schade, dass es immer noch Eltern gibt die so handeln.

Zu deinem Freund: Ich würde dir raten einen Psychologen aufzusuchen wenn er damit einverstanden ist, weil er wohl an einem Trauma leidet. Ich finde es gut, dass du zu ihm stehst und ihm Halt gibst. 

Ich hoffe das Beste für euch und versuch deine Eltern zu vergessen. Manchmal geht es einfach nicht anders. Liebe Grüße und viel Erfolg ;)

Antwort
von Ostsee1982, 47

Ich kann das Verhalten von ihm nachvollziehen. Ihr habt keine richtige Perspektive, keinen ordentlichen Wohnsitz, kein festes Einkommen. Das man sich da an den Menschen klammert der einem wichtig ist und vorallem noch da ist, kann ich verstehen, andererseits finde ich das ungesund. Ihr werdet noch häufiger im Leben auf Menschen treffen die eure Lebensweise nicht gut finden. Ihr könnt nicht jedesmal wegrennen wenn es schwierig wird. Ich finde, ihr solltet beide zurück in euer gewohntes Umfeld kehren, die Scherben aufsammeln, Verantwortung übernehmen und für klare Verhältnisse sorgen. Zum Amt gehen mit allen Unterlagen und euch erkundigen ob euch eine eigene Wohnung zusteht, die Auseinandersetzung mit den Eltern klären und auch gucken, dass ihr finanziell auf einen Nenner kommt.

Antwort
von loema, 27

Es ist ja so: Wenn er so weitermacht, dann drehst du irgendwann durch, weil er so stark an dir klammert, dass du nicht mal auf dem Kloo deine Ruhe hast.
Irgendwann wird dich das aggressiv machen und du wirst abhauen, weil du mit den Nerven am Ende bist.
Das kannst du ihm so sagen.
Es ist jetzt seine Aufgabe, sich wieder als eigenständige Person wahrzunehmen. Er hat vor dir auch gelebt. Er kann selbst atmen, laufen, essen, leben.
Es ist deine Aufgabe ihm zu erklären, dass du ihn zwar verstehst, aber sich etwas ändern muss, weil du sonst über kurz oder lang verrückt werden wirst.
Verbiete ihm, dir auf Toillette zu folgen. Grenze dich energisch ab.

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