Frage von tanjaknuddel, 75

Wie kann ich meine Freundin davon abhalten, eine Dummheit zu begehen?

Meine beste Freundin ist völlig am Ende. Sie ist seit 3 Jahren arbeitslos, ihr Mann ist ständig krank und ihr Vater ist schon 90 und wurde vor kurzem ins Pflegeheim gebracht. Sie hatte total viel Stress mit der Wohnungsauflösung und jetzt geht sie auch jeden 2. Tag ins Heim. Ihr Vater ist dement und merkt gar nicht mehr, wie es um sie steht. Zwar hat sie noch einige Ersparnisse, von denen sie lebt, aber es ist eine Frage der Zeit, wann diese aufgebraucht sein werden. Staatliche Unterstützung lehnt sie ab, was ja auch momentan so richtig ist. Nun kommt auch noch ihr Sohn hinzu, der vor kurzem aus dem Ausland zurückgekehrt ist und obdachlos wurde. Er wohnt in einer Obdachlosenunterkunft und kommt mit seinem Leben offenbar auch nicht klar. Ständig versäumt er seine Termine beim Jobcenter, wird sanktioniert und steht dann bei meiner Freundin vor der Tür und erwartet Hilfe von ihr. Meine Freundin hat schon einen Haufen Geld für ihn ausgegeben. Wenn sie ihn kritisiert, wird er pampig und diskutiert stundenlang mit ihr rum, bis sie wieder "weich" geworden ist. Ich schätze, das alles ist langsam zuviel für meine Freundin. Neulich hat sie schon davon gesprochen, entweder spurlos zu verschwinden, oder sich umzubringen. Wie kann ich ihr helfen?

Antwort
von EinNarr, 16

Wichtig ist, dass sie sich deine Unterstützung bewusst ist und du ihr, so wie wahrscheinlich jetzt auch schon, mit Gesprächen zur Seite stehst. Ihr verständlich zu machen, dass sie da nicht ganz alleine durch muss kann ein entscheidender Halt für sie sein. Neben den Gesprächen und vielleicht auch ein paar ausgelassenen Stunden, zum Beispiel in einem Café, braucht sie eines:

Einen Plan und eine Idee von der Zukunft.

Ihre Suizidgedanken sind das Resultat einer Planlosigkeit, einer fehlenden Perspektive. Wenn es geht, dann setzt euch zusammen und sortiert dieses Chaos und arbeitet Ideen aus, was wann erledigt werden muss.

Da wäre zum einen die Wohnungsauflösung. Was wird genau noch benötigt und welcher Papierkram muss noch ausgefüllt werden und so weiter. Schaut euch das zusammen an und gebe ihr eine Idee davon, wie sie das strukturiert durchgeht, im Sinne von "Am Montag dort anrufen und einen Termin machen, am Dienstag diese Unterlagen dort hinschicken, Mittwoch dort anrufen [...]". Wenn dort eine Struktur hinter steht an der man sich entlanghangeln kann, dann wird die Arbeit zwar nicht weniger aber sie ist bei weitem nicht mehr so stressig. Das gibt ihr die Möglichkeit Morgens aufzustehen und eine Idee davon zu haben, was sie an diesem Tag erledigen muss - ohne in eine Überforderung zu geraten.

Der nächste Punkt ist ihre finanzielle sowie arbeitstechnische Situation. Hier ist es wirklich wichtig, dass deine Freundin zum Amt geht und sich ihrer Lage entsprechend beraten lässt. Es gibt viele Möglichkeiten dort eine Perspektive zu erhalten und sich zumindest mal beraten zu lassen und Informationen einzuholen sollte im Bereich des Möglichen liegen. Darüber hinaus wird sie auch an dieses Thema entspannter und strukturierter herangehen können, denn ein Weg wird sich auf jeden Fall finden. Hier ist deine Unterstützung auch hilfreich - insbesondere um ihr verständlich zu machen, dass es keine Schande ist zeitweise Geld vom Amt anzunehmen, insbesondere wenn man sich nebenher darum bemüht (zusammen mit dem Amt) wieder in das Arbeitsleben einzusteigen.

Als dritter Punkt das Umfeld. An der Situation mit ihrem Vater wird man leider nichts mehr ändern können. Die einzige Möglichkeit die ich dort sehe, ist einen Ausgleich zu schaffen. Andere Gedanken aufkommen lassen, eben durch einen Cafébesuch wie ich zu Beginn schrieb. Ansonsten ist das eine Situation die sich aushalten lassen muss. Bei dem Sohn sieht das allerdings anders aus und auch hier ist eine Idee davon, wie es weiter gehen soll wichtig. Es ist mehr als verständlich das sie ihrem Sohn immer weiter unterstützt aber an der Situation lässt sich etwas ändern. Ob in schriftlicher oder verbaler Form müssen ihm, durch sie, Regeln und Grenzen gesetzt werden. Will heißen - er soll seine Termine wahrnehmen und sich auch um sein Leben so kümmern, wie deine Freundin es auch (hoffentlich) vor hat. Ihm dann ab und an unter die Arme zu greifen ist okay aber gebe ihr über Gespräche mit auf den Weg, dass sie diese Regeln durchsetzen muss für ihren Sohn und stehe ihr bei, denn leicht ist sowas sicherlich nicht.

So hätte man jetzt drei Themenblöcke.

Wohnungsauflösung. Arbeitsleben. Familie.

Für alle drei lassen sich Ideen und Pläne entwickelt, beispielhafte Ansätze schrieb ich dazu bereits. Setze dich also mit ihr zusammen und erarbeite einen solchen Plan und unterstütze sie bei ihrem Weg dadurch, sofern du auch diese Kraft aufbringen kannst und möchtest. Es ist nicht leicht jemanden in solch einer Lage zu helfen und es kann auch Nervenzehrend sein aber wenn du dich darauf einlassen möchtest - dies wäre meine Idee. Achte aber trotzdem immer auch auf dich und schaue, ob du die Belastung soweit gut verkraftest oder ob es für dich zu einer nervlichen Zerreisprobe wird - an diesem Punkt muss du auch Grenzen ziehen für dich.

Ich hoffe du konntest einen brauchbaren Gedanken für dich mitnehmen und wünsche dir und deiner Freundin viel Erfolg.

Liebe Grüße.

Antwort
von DODOsBACK, 15

Tritt ihr in den Hintern. Mit Anlauf! Sie hat sich entschieden, den Kopf in den Sand zu stecken und auf bessere Zeiten zu warten. Ihr Vater kann sich nicht mehr ändern, ihr Sohn will es nicht und von ihrem Mann ist momentan wohl auch nichts zu erwarten. Also muss SIE etwas unternehmen. Für sich selbst.

Wenn sie Hilfe braucht, muss sie darum bitten. Ob sie einen Therapeuten aufsucht, einen Termin im Arbeitsamt macht, zu einer Selbsthilfegruppe geht, zu einer Sozialberatungsstelle oder ein "richtiges" Gespräch mit dir oder anderen Freunden führt.

Es steht jedem frei, es alleine zu versuchen - allerdings sollte man dann auch nicht jammern. Diese "Opfermentalität" dient vor allem dazu, sich vor Entscheidungen zu drücken.

Wenn sie zum Amt geht, muss sie wieder arbeiten. Oder einen Amtsarzt davon überzeugen, dass sie momentan nicht dazu in der Lage ist. Vielleicht kann sie aber auch Geld für die Pflege ihres Mannes beantragen???

Wenn sie einfach zuhause bleibt, wird sie ihr Geld jedenfalls früher oder später aufgebraucht haben und muss DANN zum Amt. Ob das besser ist?

Auch ihren Sohn wird sie nicht ewig durchfüttern können. Sie hilft ihm auch nicht, wenn sie ihm immer wieder unter die Arme greift. Daran geht sie auf Dauer kaputt und er lernt es nie. Auch das kann sie jetzt kapieren oder erst, wenn es schon (fast) zu spät ist.

Und sie muss sich neue "Ziele" setzen - ihr bisheriges Leben ist Geschichte! Sie muss nicht nur ein neues Verhältnis zu Vater, Sohn und möglicherweise auch ihrem Mann aufbauen, sondern auch ein neues Selbstbild. Vermutlich wird sie auch beruflich und finanziell deutlich zurückstecken müssen. Und wieder: je eher sie sich damit auseinandersetzt, desto besser.

Setzt euch zusammen und dröselt die Probleme auf: solange alles ein Riesenberg ist, sieht sie einfach keinen Ausweg. Aber jedes Problem für sich ist durchaus lösbar!

Sie sollte die Dinge nach Dringlichkeit ordnen und dann so schnell wie möglich abarbeiten. Egal, wie schwer es ihr erst mal fällt, sie muss wieder selbst aktiv werden. Handeln, statt immer nur reagieren. Einfach nur abwarten ist meistens die falsche Entscheidung!!!

Kommentar von tanjaknuddel ,

Sie kann doch gar nicht zum amt gehen, solange die noch eigenes geld hat! Und vom arbeitsamt habe ich beispielsweise noch nie einen job vermittelt bekommen. Mit 58 wird man in "zwangsrente" geschickt. Schon mal was davon gehört? Von kopf in den sand stecken kann da keine rede sein. 

Antwort
von HalloHalloHi, 21

Zeig ihr, dass du für sie da bist. Lenk sie ab, hör ihr zu und erinnere sie immer daran, dass du da bist. Erzähl ihr, dass du sie vermissen würdest, und dass sie mit einer solchen Entscheidung viele Menschen ins Unglück stürzen würde, dich zum Beispiel. Viele würden sich Vorwürfe machen, warum sie es nicht verhindern konnten. Selbstmord ist eine permanente "Lösung" für ein vorübergehendes Problem. Wenn du meinst, dass es wirklich immer schlimmer wird, dann versuch, sie zu einer Therapie zu bewegen.

Antwort
von Narave, 8

wieso wäre es falsch, in dieser situation staatliche unterstützung anzunehmen???? dafür muss sich niemand schämen der so viele probleme auf einmal hat. damit wäre jeder überfordert. den sohn sollte sie nicht unterstützen, da muss ein ultimatum her sowie ein sogenannter "alltagsbegleiter", der mit ihm beamtengänge usw macht und ihm hilft, struktur in seinen alltag zu bringen. sie muss sich um einen job kümmern. in diesem land muss niemand 3 jahre lang suchen. eine arbeit ist nicht nur anstrengend, sondern hat auch ne stabilisierende wirkung für die psyche, könnte sie im moment gut brauchen. wenns ne gute arbeit ist gewinnt sie daraus sicherheit.

Antwort
von LuluLala123456, 17

Fahr mit ihr vielleicht mal 1 Wochen in ein Wellnesshotel oder zur Cur ? :)

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