Frage von FailOverflow, 94

Wie kann ich meine Essstörung bekämpfen?

Guten Abend

Die meisten von euch verstehen bei Essstörung, dass Personen die darunter leiden extrem dünn sind. Bei mir ist es anders herum, ich leider eher unter Esssucht. Ich habe schon alle Möglichkeiten ausprobiert um dagegen anzukämpfen. Ich esse in der Anwesenheit meiner Eltern vollkommen normal und süßes esse ich auch nicht zu häufig. Ich habe damit angefangen, weil ich wegen meiner Depression aus Frust essen muss.

Das ständige Mobbing der anderen wegen meinem Gewicht hat alles schlimmer gemacht und meine Essstörung wird immer schlimmer. Kaum sind meine Eltern weg esse ich automatisch schon aus Langeweile :(. Ich nehme reflexartig eine Flasche mit Zucker mit hoch und trinke diese, dabei will ich das nicht. Ich kann einfach nicht widerstehen.

Es ist so als ob mein Körper und meine Psyche gegen mich arbeitet. Jedesmal wenn ich dagegen kämpfe scheitere ich

Ich passe perfekt in die Kategorie der Binge Eater "Binge Eater haben ein Problem mit heftigen Fressanfällen. Essen bis einem schlecht wird und darüber hinaus: in kürzester Zeit werden tausende von Kalorien hineingeschaufelt, natürlich nur im Geheimen. In der Öffentlichkeit hingegen lässt sich diese Essstörung gut verheimlichen, man scheint ein recht normales Essverhalten zu haben. In dunklen Stunden hingegen werden Vorräte geplündert."

"Die Anerkennung von Binge Eating als Essstörung steckt noch in den Kinderschuhen. Selbst Psychologen wissen teilweise nicht zwischen Binge Eating, Ess-Sucht oder gar Zuckersucht zu unterscheiden. Wobei natürlich auch fraglich ist, inwiefern diese verschiedenen Formen einer Ess-Fresssucht im Rahmen einer psychologischen Beratung überhaupt relevant sind. Zumal mögliche Ursachen und Therapie wohl recht ähnlich aussehen"

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Philipp59, 17

Hallo FailOverflow,

zuerst einmal sollst Du wissen, dass Du mit Deinem Problem nicht allein dastehst. Essstörungen sind ein Problem, vor dem weltweit Millionen Erkrankte, vorwiegend Frauen (90%) stehen. Betroffen sind sowohl Ledige als auch Verheiratete und auch alle Altersgruppen.

Du fragst Dich womöglich, warum es so schwer ist, mit den Essanfällen aufzuhören. Es reicht jedoch nicht, einfach davon loskommen zu wollen! Es müssen vielmehr die zugrunde liegenden psychischen Probleme erkannt und angegangen werden. Dabei ist professionelle Hilfe sicher unabdingbar.

Was könntest Du denn selbst tun? Auch wenn Du das Problem gern vor anderen verbirgst, wäre es doch gut, das offene Gespräch mit Deiner Familie zu suchen. Möglicherweise haben Deine Angehörigen und andere unbewusst zur Entstehung Deiner Essstörung beigetragen. Sollte das auch in Deinem Fall zutreffen, dann müsste Deine Familie ihre Einstellung überdenken. Du sollst auch wissen, dass die meisten Essgestörten Perfektionisten sind. Sollte das auch auf Dich zutreffen, dann denke daran, dass Fehler zum Leben gehören und nicht Deinen Wert als Person bestimmen. Niederlagen sind normal, gehen vorüber und können auch überwunden werden. Wenn Du Dir das bei einem der nächsten Fehlschläge bewusst machst, wirst Du wahrscheinlich nicht so sehr am Boden zerstört sein.

Versuche auch, Dich als ein Individuum zu sehen, dass sich nicht in die von anderen ausgedachte Form pressen lässt. Das fördert Deine Selbstachtung und Dein Selbstwertgefühl. Du weißt ja auch aus eigener Erfahrung, dass Essgestörte leicht zu Frustessen neigen. Das kann daher kommen, dass sie nicht gelernt haben, frei Ihre Meinung zu äußern, vor allem auch dann, wenn sie von anderen nicht gern gehört wird. Wenn es Dir auch so ergeht, dann lerne, Deinen Ärger nicht einfach herunterzuschlucken. Offen seine Meinung zu äußern bedeutet ja nicht unbedingt, Dampf abzulassen oder seine ganze Wut herauszulassen. Es bedeutet, offen und deutlich das zu sagen, was man denkt. Tust du das nicht, dann mag es sein, das Dein Drang zu ungesundem Verhalten zunimmt. Du stürzt Dich quasi in eine Essattacke, wenn sich Frustration in Dir aufstaut.

Wenn Du noch bei Deinen Eltern wohnst, dann mache ihnen klar, dass es sehr auf Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung ankommt. Wenn möglich, halte zu Ihnen einen offenen Gedankenaustausch und sensibilisiere sie für Deine Erkrankung. Sollte das jedoch trotz aller Bemühungen nicht möglich sein, dann such Dir Hilfe von anderer Stelle. Du kannst Dich z.B.an den sozialpsychiatrischen Dienst wenden, den es in jeder Stadt oder Gemeinde gibt.

Viele, die wegen eines Problems verzweifelt sind, übersehen leicht, dass die Bibel eine einzigartige Quelle des Rates und Trostes ist. Die Bibel geht zwar nicht auf das Thema Essstörungen ein, doch zeigt sie, dass Gott an jedem einzelnen interessiert ist und sehr viel für die Leidenden empfindet.

Folgender Text aus der Bibel stammt von dem berühmten König David, der in seinem Leben viele Höhen und Tiefen erlebte und der wusste, was es bedeutet, verzweifelt und manchmal sogar ausweglos zu sein. Rückblickend auf seine Erfahrungen, die er mit Gott gemacht hatte, schrieb er einmal: " Ja, auf Gott warte still, o meine Seele, Denn von ihm ist meine Hoffnung. Ja, er ist mein Fels und meine Rettung, meine sichere Höhe; Ich werde nicht zum Wanken gebracht werden. Auf Gott beruht meine Rettung und meine Ehre. Mein starker Fels, meine Zuflucht ist in Gott. Vertraut auf ihn zu allen Zeiten. Vor ihm schüttet euer Herz aus. Gott ist uns eine Zuflucht" (Psalm 62:4-8).

Obwohl Gott diesen David nicht durch ein Wunder aus seinen Bedrängnissen befreite, machte er dennoch die Erfahrung, dass Gott ihm zur Hilfe kam und ihn mehr als einmal aus Todesgefahren rettete. David konnte diese Erfahrungen nur deshalb machen, weil er selbst auch etwas tat: Er wandte sich an Gott im Gebet und er schüttete ihm sein Herz aus. Die Psalmen sind voll von seinen innigen Gebeten zu Gott.

Diese kleine Exkursion in die Bibel kann Dir etwas Nützliches sagen: Auch Du kannst Dich in Deiner Not an Gott wenden und ihm all Deine innersten Gedanken mitteilen. Wenn Du seine Nähe und seine Freundschaft suchst, dann kann er Dir dabei helfen, manches in Deinem Leben zu bewirken, was ohne seine Hilfe nicht möglich gewesen wäre.

Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass es Dir gelingt, Deine Krankheit Stück um Stück zu besiegen und ein Leben zu führen, dass wieder lebenswert ist.

LG Philipp

Kommentar von Philipp59 ,

Vielen Dank für den Stern!

Antwort
von Schnurrzel97, 38

Oft muss man erst seelische Dinge 'aufbrechen' und dem auf den Grund gehen, um einen Weg aus dieser Ess-Sucht herauszufinden. Da lastet etwas sehr schwer auf einem, was weg gehört!

Falls es das nicht ist, also es keine seelischen Gründe gibt, müsste man erstmal herausfinden, warum man sich sonst derart zuckersüchtig verhält, und warum man das dann auch verheimlicht.

Hattest Du schon einmal eine Therapie? Oder manchmal reicht auch ein Coach oder Ernährungsberater, um in seinem Leben etwas umzukrempeln, wenn man keine Unterstützung von anderer Seite hat oder das nicht mag!

Alles Gute und viel Erfolg. LG, Schnurrzel ^^

Kommentar von FailOverflow ,

Die Ursache kommt eher wegen meinen psychischen Problemen 

Antwort
von Tatitutut, 41

Du schreibst du isst sobald du allein bist und dir langweilig wird..

Zusätzlich zu dem Rat über dich über deinen seelischen Zustand auszusprechen, rate ich dir vor allem Ablenkung: rausgehen, Freunde treffen, (neue) Hobbies, Beschäftigung suchen. 

Beobachte dein Gefühl bei deinem Essverhalten weiterhin und schaue wie du diesen " Essfallen" entgehen könntest.

Oft wird der Durst mit Hunger überspielt. Trink viel - und zwar Wasser. Zuckerhaltige Getränke treiben den Insulinspiegel in die Höhe und rufen kurze Zeit später neues Hungergerfühl hervor.

Mach dir bewusst welch negative Folgen deine Ernährung mit sich bringen kann. 

Wer Sport macht, fördert einen gesunden Stoffwechsel.

 Allgemein für einen geregelten Alltag sorgen mit festen Esszeiten. 

Wenn du isst, solltest du dich aufs Essen konzentrieren - nicht nebenbei etwas anderen tun (selbst nicht lesen) und auch schon gar nicht nebenbei während anderen Beschäftigungen essen. 

Sorge für feste Gewohnheiten und einen geordneten Alltag, der dich beschäftigt hält und dir Spaß macht. 

Antwort
von Fairy21, 32

Eine Essstörung kann sowohl in die eine als auch in die andere Richtung ausschlagen.

Deines nennt man "Binge-Eating-Disorder".

Obwohl eine Essstörung auch in deine Richtung ausschlagen kann, also in die Entgegengesetzte Richtung von Magersucht, so sind doch die Ursachen für beide Richtungen meist , trotzdem, immer die selben. 

 Das heißt im Klartext, suche dir psychologische Hilfe. 

Geh zu einem Psychologen/Psychotherapeuten. 

Kommentar von FailOverflow ,

Ich war bei einem schon in Behandlung wegen meiner Depression und Selbstmord Gedanken, aber Danke für deine Antwort :)

Antwort
von veronicapaco, 28

Du müsstest dir bewusst machen was du alles am Tag isst. Schreibe dir auf was du isst. Vielleicht hilft dir die App lifesum die schreibt dir alle Werte auf. Und wenn du alles brav einträgst.. wird es besser. Wegen deines seelischen Zustandes solltest du außerdem einen Therapeuten aufsuchen. Und zur Aufmunterung: mein Therapeut sagt immer das frustfressen weggeht wenn der Frust verschwindet. Dann isst man wieder völlig normal. Also lass dir helfen.

Expertenantwort
von bodyguardOO7, Community-Experte für Ernährung, 16
Antwort
von FelinasDemons, 22

Unter Essstörung verstehe ich bestimmt NICHT nur "dünn sein" ist ja Quatsch. Und die anderen bestimmt auch nicht. Also warum behauptest du so was direkt? Nicht jeder hat so ein primitives Schubladendenken.

Such dir Hilfe in Form einer Therapie.

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