Frage von Eidolon150, 70

Wie kann ich meine Bindungsangst austricksen?

Zur Vorgeschichte: 1. Kindheit: als meine Schwester geboren wurde, war ich drei Jahre alt. Sie war von da an das Lieblingskind meiner Oma (väterlicherseits) und meines Vaters. Ich wurde sozusagen zum Anhängsel und später auch Sündenbock degradiert. Meine Oma war das heimliche Familienoberhaupt. Sie schreckte auch nicht davor zurück, mich emotional zu erpressen: "Wenn Du das nicht machst, mag Dich die Oma nicht mehr!". Meinem Vater konnte ich nichts recht machen. Ich sollte ihm oft bei Heimwerker- und Gartenarbeiten zur Hand gehen - was ich nicht gerne tat. Mein Vater war es auch, der verhinderte, dass ich in den Kindergarten kam. Ich war oft allein. Für meine Mutter war ich stets der "Kummerkasten", dem sie alle Gemeinheiten von Vater, Schwägerin und Oma anvertraute. Sie sagte oft, dass sie gerne davonlaufen würde, es aber nicht könnte, weil ihr gesamtes Vermögen im Haus steckte, das allein auf meinen Vater als Eigentümer eingetragen war. Und dann wusste sie nicht, wohin bzw. wie sie dieses Umfeld ändern könnte. Während meine Familie meiner Schwester das Selbstwertgefühl, bzw. das Selbstbewusstsein "wie Puderzucker in den Popo blies", waren meine Empfindungen nicht relevant. Ich habe mich immer wie ein Mensch zweiter Klasse gefühlt. 2. Jugendzeit: Wegen meiner Kurzsichtigkeit konnte ich ab dem 9. Lebensjahr die Tafel im Klassenzimmer nicht mehr richtig lesen und bekam eine starke Brille verpasst. Die Brillen wurden im Laufe der Jahre immer dicker. So kam es, dass ich permanent die Hänseleien der Mitschüler/-innen ertragen musste. Es gab Freundschaften - aber keine mit Mädchen. Ich war das hässliche Entlein, das keine haben wollte. Als ich einmal von einer hübschen Mitschülerin in den Arm genommen wurde (nur scherzhaft und kumpelmäßig), habe ich mich da rausgewunden. Es war mir irgendwie unangenehm, obwohl ich sie mochte, und mich eigentlich hätte freuen sollen. Immerhin merkte ich da schon, dass bei mir etwas nicht stimmte. 3. Erwachsenenalter: Anfangs bin ich immer an die Falschen geraten. Einmal habe ich Freundlichkeit (nur Freundlichkeit im engeren Sinne) mit Zuneigung verwechselt und mich unsterblich in diese Frau verliebt. Ein anderes Mal hielt ich die Kälte einer Kommilitonin für ein bewundernswertes Selbstbewusstsein. Bei anderen Frauen dagegen war es oft so, dass sie für mich immer uninteressanter wurden, je mehr sie sich bemühten. Die Schüchternen, die mich angehimmelt haben, habe ich ignoriert. Den eher selbstbewussten, die mich angesprochen haben, habe ich einen Korb gegeben. Das gilt auch für Frauen, die ich für sehr attraktiv gehalten habe - bevor sie sich um mich bemühten. Und so glaube ich, dass ich zu den Bindungs-/Beziehungsphobikern gehöre. Als Jugendlicher ging ich davon aus, dass sich wohl niemals eine Frau für mich interessieren könnte.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von DODOsBACK, 38

Ja, deine Kindheit war Sch... Und ja, du hast nie gelernt, dich selbst zu respektieren.

Ja, du warst überfordert und hast zu wenig Unterstützung bekommen.

Aber das kannst du sowieso nicht mehr ändern, also hör auf, dir selbst leid zu tun! Es gibt andere, denen es wesentlich schlimmer geht!

Du klingst genau so, wie du deine Mutter beschreibst - "Ich würde ja gerne, ABER..."... Willst du werden wie sie? Dich von anderen in eine Lage bringen lassen, die du dann "tapfer erträgst"? Weil du zu faul und zu feige bist, um zu kämpfen???

Tu, wozu du Lust hast. Wenn das nächste "Aber" kommt - ignorier eseinfach!

Es ist zwar nicht leicht, die Dinge, die man als Kind oder Teenager lernen sollte, erst im Erwachsenenalter anzugehen. Aber es ist auch nicht unmöglich.

Du solltest endlich anfangen, zu vergeben - nicht nur dir selbst (denn irgendwo gibst du dir die Schuld an allem, was passiert ist), sondern auch deinem Umfeld. Wirklich alles, was du an anderen kritisierst, machst du kein Stück besser! So wie deine Oma deine Schwester lieber mochte, lehnst du schüchterne Mädchen ab.

Du hättest andere Mitschüler ebenso gemobbt, wie du gemobbt wurdest. Nur damit man DICH in Ruhe lässt. Außerdem lässt du heute kein gutes Haar an deiner Familie...

Deine Mom war/ ist unglücklich in ihrer Beziehung, und dein Vater stand/ steht unter der Fuchtel seiner Mutter mit einer Frau, die keinen Bock auf ihn hatte/ hat...

Und auch deine Schwester hatte garantiert ihre eigenen Kämpfe auszufechten. Wahrscheinlich ist sie einfach ein anderer Typ Mensch, positiver und "widerstandsfähiger" - aber das ist sie nicht, um dich zu verletzen!

Vielleicht hätte sie sich sogar für Heimwerken und Garten interessiert und "durfte" nie??? Vielleicht hat sie nur deshalb zuhause immer gelacht, weil alle anderen permanent mies drauf waren?

Alle sind Opfer - aber jedes Opfer hat die Wahl, in der Rolle zu bleiben oder etwas zu ändern.

Du stehst noch ganz am Anfang deines Lebens und solltest die Chance nutzen, etwas daraus zu machen. Je länger du verbittert nach hinten schaust, desto weniger nimmst du die Möglichkeiten "vort dir" wahr. Und irgendwann ist es wirklich zu spät!

Natürlich wirst du verletzt werden, und natürlich werden wahnsinnig peinliche Situationen entstehen, wenn du aufhörst, vor allem wegzulaufen.

Aber es wird besser! Niemand steht dir mehr im Weg außer dir selbst. und je länger du dich "blockierst", desto mehr verachtest du dich...

Also hör auf damit, und fang an, dir dein Leben zu "erlauben". Setz dir kleine Ziele, und arbeite daran. Du musst ja nicht gleich mit der Nächstbesten ins Bett springen, aber mal einen Kaffee trinken oder einen Film anschauen, das könnte doch möglich sein.

Usw. - Schritt für Schritt!

Kommentar von Eidolon150 ,

Der Anfang meines Lebens war vor über 50 Jahren. Meine Oma und mein Vater sind schon lange tot. Aber: Dass in dieser Familie im Prinzip jeder ein Opfer gewesen ist - dieser  Blickwinkel ist für mich neu! Danke

Kommentar von DODOsBACK ,

Ich hab auch lange gebraucht, das zu begreifen. Aber glaub mir: nichts hilft so sehr gegen "Minderwertigkeitskomplexe" wie die Erkenntnis, dass andere auch nicht besser/ stärker/ schöner/ klüger/ glücklicher sind...

Mach deinen Frieden mit der Vergangenheit, und dann gönn dir ein bisschen Zukunft!

Antwort
von Nashota, 21

Hat es deiner Schwester gefallen, immer Zucker in den Hintern geblasen zu bekommen? Oder hat sie vielleicht auch mal etwas tun oder lassen wollen, was nicht andere für sie entscheiden?

Hast du deine eigene Stimme nie gefunden, insbesondere, als du älter und erwachsener wurdest? Man merkt doch, wer einem gut tut und wer nicht. Das Trennen von diesen Personen geht nicht unbedingt über Nacht. Aber man kann ihnen trotzdem immer sagen, wo und wenn es einem reicht.

Wusstest du jemals, was du suchst, was du willst, besonders auch auf Beziehungsebene? Hast du deinen Teil dazu gegeben?

Man kann seine Vergangenheit mithilfe einer Therapie beackern. Aber man kann und muss sich auch selbst helfen, indem man sich bewusst macht, was man will und was nicht.

Kommentar von Eidolon150 ,

Meine Schwester hat immer gemacht, was Sie wollte. Einmal sollte Sie fegen und hat meinem Vater den Besen hinterhergeworfen.
Als junger Erwachsener war ich total traurig und habe drei Therapien gemacht, die mir aber nichts eingebracht haben. Mit dem wichtigsten Thema, das Du da anreisst: Was ich suche, was ich will, was ich dazu beitragen kann, habe ich mich früher nicht so recht beschäftigen können als Folge meiner Minderwertigkeitsgefühle.
Heute weiss ich ziemlich genau, was mir fehlt, und was nicht.

Kommentar von Nashota ,

Dann kannst du doch jetzt damit anfangen, dir das zu suchen, was du willst?

Du darfst nur nicht den Fehler machen, in eine Frau etwas hineinzuprojizieren, was nicht stimmt.

Wer für sich eine Chance will, muss sie anderen auch geben. Darauf warten, dass "Miss Perfect" an der Türe steht, funktioniert schon aus dem Grund nicht, weil kein Mann Mister Perfect ist.

Antwort
von ElfeLegolas, 42

ich würde sagen, das du zum Therapeuten gehen solltest, um das was früher in der Familie war, auf zu arbeiten. weil das was du erlebt hast, können lebenslang spuren hinterlassen.

Antwort
von Alfredom44, 25

Den Gedanken man würde nie im Leben ein/e Freund/in finden, haben doch nicht wenige Jugendliche? Nur ist das ein gesellschaftliche Vorstellung die man haben soll. Als "Außenseiter" ist es eben schöner

Kommentar von Eidolon150 ,

Danke für Deine Antwort! Nur, die Sache mit dem Außenseiter verstehe ich nicht wirklich. Was ist schön daran, wenn man ein
Außenseiter ist?

Kommentar von Alfredom44 ,

Dass man (möglicherweise) die Struktuten der anderen, die "gleich" sind, durchschaut ;)

Kommentar von Alfredom44 ,

Aber Ponyhof ist es nicht...vor allem wenn man psychische Schäden davon trägt Aber das ist natürlich

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