Frage von VerenaS97, 61

Wie kann ich mein Pferd während des Sehnenrisses fit halten?

Hallo :)

mein Wallach hatte vor einem Monat einen Sehnenriss an der Beugesehne. Tierärztin sagt Spazieren gehen, vor allem auf hartem Boden. Sie meint aber auch, dass er dringend abnehmen muss, um die Sehne nicht zusätzlich zu belasten und die Heilung schneller zu ermöglichen und weitere Verletzungen zu verhindern.

Was kann ich außer Spazieren gehen noch mit meinem Pferd tun?

Danke im voraus :)

Antwort
von beglo1705, 20

Zum einen: Nix überstürzen und der Genesung Zeit lassen, denn ein Sehnenriss kann sich durchaus wiederholen, darum unbeding überlegen, wie man mit dem Pferd nach der Genesung weiter macht.

Zum anderen: Abnehmen. Achte unbedingt auf gutes Heu, wenn es möglich ist suche nach dem ersten Schnitt Heu, dieser enthält viel Eiweiß und Raufaser. Mit dieser hat der Pferdemagen lange zu tun und dein Pferd ist länger gesättigt, als mit Grummet, also Zweitschnitt der im Normalfall auf unseren Wiesen mehr Klee und Fett enthält ( da ursprünglich für Weidevieh und Hochleistungsmilchkühe angedacht war).

Auch noch wichtig ist das Stroh. Gib bestenfalls pro Heugabel Heu eine Hand voll gemulchtes also kurzes Haferstroh dazu und mische es so drunter, dass dein Pferd nichts "aussortieren" kann. Das hat den großen Vorteil, dass der Magen animiert wird, mehr zu tun, somit mehr Magensäure produziert wird, der Magen/Darmtrakt saniert sich selbst, da durch das harte Stroh die Magenwände gepiekts werden.  Haferstroh ist für Pferde allein schon wegen dem geringen Zucker/Kohlehydratgehalt die erste Wahl.

Wähle zudem ein gutes Mineralfutter, gerne auch eines mit Grünlippmuschelgritt oder gib letzteres separat (nach Absprache mit dem TA) dazu. Um Knochen und/oder Sehnen wieder zu regenerieren, gebe ich auch unseren Arthrosepatienten im Stall den Muschelgritt und habe bisher nur gute Resonanzen/Ergebnisse damit eingefahren. MiFu hab ich übrigens das von IWEST.

Ansonsten musst du deinen zukünftigen Trainingsplan überdenken: Springen oder jegliche extreme Belastung sind unbedingt zu unterlassen. Wert solltest du vor allem auf die Elastizität und Nachgiebigkeit der Muskeln/des kompletten Bewegungsappartes legen, das geht am Besten mit korrekten Longiereinheiten, Bodenarbeit und Zirzensik. Natürlich erst nach der Genesung. 

Auch Rotlicht wirkt sich positiv unterstützend auf Muskelbeschwerden aus (ca. 20 Minuten täglich), denn das lockert eventuelle Verkrampfungen und hält den Muskel geschmeidig und locker.

Bis dein Pferd wieder gesund ist, halte dich daran und führe dein Pferd auf hartem Untergrund spazieren, vermeide zu enge Wendungen und dass dein Pferd das Bein überbelastet (passiert gerne mal in Schrecksituationen zb). 

Biete zu dem Kopfarbeit an: Wickel Möhren- oder Apfelstücke oder Gurkenstücke in ein Geschirrtuch und lass das dein Pferd auspacken/suchen. Oder nimm einen Eimer besser einen großen Bottich mit Wasser und lege einen Apfel hinein, den dein Pferd herausfischen muss, das ist ein riesen Spaß für beide und bei den derzeitigen Temperaturen kommt das dem Pferd 100%ig entgegen. 

Gute Besserung für dein Pferd und dir wünsche ich Geduld dass du das auch durchstehen kannst mit deinem Wegbegleiter an der Seite.

Expertenantwort
von Sallyvita, Community-Experte für Pferde, 37

Kein Kraftfutter und keinen Hafer füttern. Heu und Stroh reicht alle Male plus etwas Mineralfutter. Und dann wirklich jeden Tag 2 mal eine Stunde auf hartem Boden führen, Enge Wendungen vermeiden und ebenso Stressituationen, in denen das Pferd sich aufputscht und rumtänzelt. 

Auf jeden Fall wünsche ich Dir Geduld und Durchhaltevermögen und Deinem Pferd gute Besserung und vollständige Genesung!

Antwort
von xxCamarguexx, 7

Meine Stute hatte auch fast die komplette tiefe Beugesehne durch. Sie hing nur noch an einzelnen Fäden aneinander.

Sie durfte auf keinen Fall toben, kam nur noch abgetrennt von den anderen raus. Dann sind wir täglich 2 bis 3 x mit ihr für wenige Minuten über harten, ebenen Boden gelaufen. Die Zeit haben wir ganz allmählich gesteigert. Nach 7 Monaten waren wir bei 60 Minuten. Nach Ultraschallkontrolle durften wir allmählich wieder anfangen zu reiten. Nach insgesamt 14 Monaten war sie wieder so fit dass man ein wenig galoppieren konnte.

Ich würde es immer wieder so langsam angehen lassen. Die Verletzung ist jetzt 5 Jahre her und meine Stute hat nie wieder gelahmt.

In deinem Fall würde ich das Pferd auf keinen Fall mehr bewegen als abgesprochen. Du riskierst sonst die Sehne wieder oder noch weiter zu schädigen.

Ich würde das Heu in Netzen geben und abwiegen. Dann mehrmals täglich füttern und so dass keine stundenlangen Fresspausen entstehen. Man kann auch auf energiearmes Heu achten. Später erster Schnitt ist da zu bevorzugen. Auf alles außer Heu und evtl Mineralfutter verzichten. Am Besten auch so gut wie keine Weide.


Ich wünsche dir ganz viel Glück und Geduld. Der Weg ist lang und hart bei Sehnenverletzungen.

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