Frage von roflrofl07, 56

Wie kann ich lernen, länger über Züge nachzudenken?

Hallo alle zusammen,

mir wird im Verein oft gesagt, dass ich viel zu schnell ziehe und ich dadurch die Spiele verliere. Ich will aber lernen, mehr über die Züge nachzudenken und überlegter zu spielen, nur wie kann ich es lernen?

Antwort
von DedeM, 13

Moin,

der sehr starke Großmeister Paul Keres (*1916 - †1975) hat einmal den Ratschlag gegeben, man soll auf seinen Händen sitzen! - Damit meinte er das wahrscheinlich nicht im wörtlichen, sondern im übertragenen Sinne, nämlich dass man nicht sofort auf den Zug des Gegners reagieren solle (also nicht à tempo ziehen). Aber natürlich kannst du den Ratschlag auch so interpretieren, dass du dir deinen Antwortzug erst reichlich überlegen solltest.

Die anderen Antworten hier stimmen natürlich und sind richtig. Aber wenn du trotzdem noch wissen willst, wie man das Untrainierbare trainieren könnte, oder wie man die "Wartezeit" bis zur Ausführung deines Gegenzuges sinnvoll nutzen könnte, so sei dir folgendes geraten:

Jeder Zug verändert die konkrete Situation auf dem Brett. Bevor du ziehst, solltest du ergründen, wodurch sich diese Veränderung auswirkt. Stell dir die folgenden Fragenkomplexe in der vorgegebenen Reihenfolge:

Fragenkomplex 1) Was droht mir? - Kann er demnächst meinen König angreifen oder gar mattsetzen? Sind meine Figuren oder Bauern bedroht? - Wenn du eine Drohung erkennst, solltest du dir geeignete Gegenmaßnahmen überlegen (decken, den Drohstein beseitigen, die Bedrohung abwehren...). Erkennst du keine Bedrohung für dich, gehst du zu Fragenkomplex 2 über.

Fragenkomplex 2) Sind alle meine Steine schon optimal postiert? Ist meine Königsposition sicher? - Wenn nicht, dann sichere deinen König (zum Beispiel durch eine Rochade). Habe ich bereits alle Figuren entwickelt? - Wenn nicht, dann entwickle sie. Wirken meine Streitkräfte zusammen? - Wenn nicht, lass sie zusammenwirken und richte sie auf ein gemeinsames (Zwischen-)Ziel aus. Wenn aber dein König genügend sicher steht, deine Figuren entwickelt sind und deine Streitkräfte zusammenwirken, gehe zu Fragenkomplex 3 über.

Fragenkomplex 3) Gibt es im gegnerischen Lager schwache Punkte, die ich schon angreife oder angreifen kann? Steht sein König sicher? Kann ich seinen König sinnvoll angreifen? - Hat er ungeschützt stehende Figuren oder Bauern? Kann ich sie bedrohen oder gar direkt oder durch eine Kombination erbeuten? Gibt es schwache Felder in seinem Lager, die ich mit einer meiner Figuren besetzen kann?

Wenn du diese Fragenkomplexe jedesmal durchgehst, vergeht einige Zeit und du wirst hoffentlich nicht mehr so oft überhastet ziehen und dabei deine Partien verderben.

Bedenke noch, dass du die Reihenfolge beachtest. Es nützt dir nichts, wenn du seine Dame schlägst (Fragenkomplex 3), wenn er dich dafür in den nächsten zwei Zügen mattsetzt (Fragenkomplex 1). Es ist auch nicht gut, wenn du einen Entwicklungszug machst (Fragenkomplex 2), wenn er dir dann eine ungedeckte Figur rausschlägt (Fragenkomplex 1).
Denke nach folgendem Schema: Was droht mir? - Was kann ich an meiner Stellung verbessern? - Was kann ich ihm antun?
Schach ist allerdings kein schematisches Spiel. Das soll heißen, dass es natürlich Ausnahmen von den Regeln dieses Ratschlags hier gibt. So ist meine Königssicherheit völlig irrelevant, wenn ich meinen Gegner sofort mattsetzen kann. Aber im Allgemeinen ist es wohl nicht verkehrt, sich an das Schema zu halten...

Ansonsten steckt viel Wahres in den anderen Antworten. Du solltest Partien von großen Meistern nachspielen, um zu lernen, nach welchen Kriterien sie ihre Partien aufgebaut haben. Du solltest Kombinationen lösen, um die taktischen Möglichkeiten nicht zu übersehen (weder die deines Gegners noch deine eigenen). Du solltest versuchen, in jeder Partie dafür zu sorgen, dass deine Züge mit einer konkreten Idee oder besser noch mit einem Plan verbunden sind. Das humorige Sprichwort: "Ein schlechter Plan ist immer noch besser als gar kein Plan!" enthält ein Körnchen Wahrheit (wie es so oft der Fall ist bei derartigen Sprichwörtern). Ansonsten gilt: Übung macht den Meister...

Ich wünsche dir (mehr) Erfolg und viel Spaß beim Entdecken deiner Möglichkeiten...

Lieber Gruß von der Waterkant.

Antwort
von wolfgang1956, 21

Im Grunde ist es unmöglich jeden Zug vorherzusehen. Schon in der Grundstellung haben Schwarz wie Weiss 20!! Zugmöglichkeiten. Wie soll man die „vorhersehen“?

Das eigene Stellungsgefühl entwickelt sich durch viel Spielpraxis. Ob diese Entwicklung schneller oder langsamer vonstatten geht, hängt vom persönlichen Talent eines Spielers ab.

Aus kommentierten und unkommentierten Meisterpartien kann man ebenfalls lernen, wie Partien aufgebaut werden sollten und wie sich Stellungen entwickeln. Setz' dich einfach hin, und spiele die Partien „langsam“ nach, indem du auch mal darüber nachdenkst, wie du in der gegebenen Stellung agieren würdest. Wenn sich dir dabei der „Sinn“ eines Zuges erschließt, gewinnst du mehr, als wenn du die langweiligen Ratschläge manches älteren Vereinskollegen befolgst.

In 99 % aller Stellungen ist es normal, dass man beim Figurentausch zurückschlägt. Auch wenn man statistisch in Turnierpartien 3 Minuten Zeit für seinen Zug hat (120 Minuten für 40 Züge), heißt das nicht, dass man für jeden Zug 3 Minuten nachdenken muß. Die Stellung „sagt“ einem irgendwann, jetzt solltest du mal tiefer nachdenken und mehr Zeit investieren.

Es ist ja nicht mit längerem Nachdenken getan. Es sollte beim Nachdenken auch was sinnvolles herauskommen. Über einen Zug, der die Dame oder andere Figuren einstellt, sollte man gar nicht erst nachdenken. Viel schwieriger ist es, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie sich die Partie wegen der Eröffnung weiterentwickelt. Manches Mal gerät man in einen Königsangriff, ohne dass man dies so hätte vorhersehen können und muß sich über längere Phasen verteidigen. Ein anderes Mal hat man eine Stellung, die zwar „besser“ ist, die aber einer technischen Behandlung bedarf, bevor man den ganzen Punkt verbuchen darf.

Manches lehrt einen nur die Erfahrung und dieses „Erfahrungen machen“ kann niemand „beschleunigen“.

Kommentar von wolfgang1956 ,

Habe völlig die Eingangsfrage vergessen:

Wie kann ich lernen, länger über Züge nachzudenken?

Gar nicht, das muß man sich angewöhnen und antrainieren. Manches Mal bringt es was; aber weder bei jedem noch bei jeder Stellung … :-)

Antwort
von Cynnamon, 7

Also ich trainiere im Verein eine Gruppe jüngerer Kinder und ich nehme das mit dem auf den Händen sitzen einfach wörtlich wenn man die Hände nicht in der nähe des Bretts hat kommt man auch nicht in Verlockung zu ziehen einfach draufsetzten dann wird zumindest die eigene Faulheit dich zum nachdenken anregen

Antwort
von FSD21, 40

Ich denke mal du sprichst von Schach.

Wenn dein Gegenüber einen Zug macht, dann reagiere nicht sofort darauf, sondern hinterfrage wieso er diesen Zug gemacht hat. Versuche zu erahnen was er von dir erwartet.

Viele Züge im Schach sind darauf ausgelegt, dass du vorschnell handest und somit einen Fehler machst.

Außerdem musst du dir ja noch überlegen, wie du den Gegner in die Enge treibst, ohne dass er es selber merken kann.

Wenn du über all das nachdenkst, dann werden deine Züge zwar länger, dafür aber auch besser, weil du dich so auf viele potentielle Züge vorbereiten kannst.

Antwort
von NinWorld120, 17

Überlege dir was für möglichkeiten du hast rechne jeden deiner Kandidaten Züge sorgfältig durch und entscheide dann welcher zug für dich am besten ist. Ich denke du meinst eine Langzeitpartie also 2h und beim 40 Zug +1h pass einfach auf dass du nicht zulange an einen Zug überlegst wenn du nur noch eine Halbe Stunde übrig hast solltest du Nätürlich etwas schneller spielen. Wenn du schon weist wie du dich eröffnen Sollst kannst du Natürlich gut zeit Sparen. Bei mir im Verein wird das auch die Ganze zeit gesagt. (SK Bebenhausen)

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