Frage von uigo79, 81

Wie kann ich ihr schnellstmöglich helfen?

Hallo alle zusammen

Ich schreibe heute hier aus einem sehr dringenden und wichtigem Grund.

Eine Kollegin von mir öffnete mir vor einigen Tagen ihr Herz und mir kamen echt die Tränen. sie erzählte mir, dass sie in ihrer ehe Geschlagen, gedemütigt und sexuell misshandelt wurde. sie hat schon jegliche Therapien in verschiedensten Arten ausprobiert UND durchgezogen. Doch ein Problem bleibt trotz allem.....

Sie erzählte mir, dass sie nichts mehr fühlen kann, weder Liebe, Hass, Freude noch Trauer und sie leidet extrem darunter. Sie sagte mir dass sie so lange Wut und Schmerzen erleiden musste, dass sie sich innerlich total verschlossen hat.

Also der Schlüssel der Ihre Gefühle verschloss heißt Wut. Meine Idee war, dass es eventuell Therapien gibt die mit Wut arbeiten da ich denke dass Wut auch wieder der Schlüssel sein könnte um ihre Gefühle wieder zu "befreien". Leider habe ich nach tagelangem Suchen absolut nichts derartiges gefunden. Jetzt zu meiner Frage....

Kennt jemand solche Therapie-Arten oder hätte jemand noch bessere Ideen oder sogar selbst Erfahrungen in dieser Art gemacht? Sie braucht wirklich dringend Hilfe. Bitte helft mir damit ich ihr helfen kann. Ich will nicht einsehen, dass dies bei ihr ein Dauerzustand bleiben soll. sie war immer so ein humorvoller und charakterstarker Mensch, das darf einfach nicht sein.

Sie ist übrigens seit Jahren von ihm getrennt.

Im voraus an alle die hier mithelfen ein großes Dankeschön!!!

Liebe Grüsse: Uigo79

Antwort
von Netie, 19

Der leidende Mensch braucht Trost, aber keine billigen Sprüche, wie ich sie in Krankenzimmern häufig gehört habe, etwa: "Es wird schon wieder besser werden ..." "Unkraut vergeht nicht ..." "Nur den Mut nicht verlieren ..." usw.

Damit ist noch niemanden in echter Weise geholfen worden.

Trost, Beistand, Stützung und Stärkung beginnt da, wo der Leidende seine ganz Befindlichkeit, alle seine Gefühle zulassen kann.

Der Weg durch das Leid ist nämlich immer der Weg hindurch und niemals der Weg drumherum. Darum ist es gut, wenn der Leidende alles äußern darf, was er erlebt (äußern=von innen nach außen setzen)

Alles, was im Innern bleibt, werden wir nicht los. Wir können es nur wieder wegschieben bzw. verdrängen.

Was aber von innen nach außen gesetzt wurde - durch das sich Äußern - davon können wir uns langsam distanzieren.

Wenn ich gesagt habe, dass der Leidende alles äußern darf, dann meine ich auch wirklich ALLES.

Wenn ihm zum Weinen zumute ist, darf er weinen, wenn er wütend ist, darf er wütend sein, und wenn er sein ganzes Nichtverstehen Gott vor die Füße werfen will, dann darf er das auch.

aus: Seelsorge von Friedhelm Sticht

Aus eigener Erfahrung kann ich das nur bestätigen.

Wenn du deiner Freundin helfen willst, dann schenke ihr ein offenes Ohr und ein mitfühlendes Herz. Lass sie weinen, schreien und wie ihr noch zumute ist ...

Aber dräng sie nicht zu solchen Schritten, dahin sollte sie alleine kommen ...

Alles braucht seine Zeit.

lg

Kommentar von uigo79 ,

Vielen Dank für deine mitfühlende Hilfe. Ich dränge sie natürlich zu nichts. Ich bin hier weil sie mich um Hilfe bat ob ich nicht eine Therapie kenne die ihr helfen könnte. SIE WILL Therapie machen, sie will an sich arbeiten und natürlich höre ich ihr immer zu, so oft ich nur kann. Nochmals Danke für alles und ich nehme mir all deine Tips zu Herzen.

Antwort
von mrDoctor, 40

Wenn bei einem Haus, das Dach undicht ist, flickst du auch nicht den Fußboden, sondern das Dach!

Was ich damit sagen möchte: nicht sie soll zur Therapie, sonder ihr Ehepartner.

Als erstes muss sie die Plage loswerden, bevor sie sich um sich kümmern kann.

Kommentar von uigo79 ,

Ok ich vergas zu schreiben dass sie ihn schon seit 2 Jahre losgeworden ist. aber die Probleme mit der Gefühlslosigkeit sind immer noch da. Sie hat auch schon etliche Therapiearten versucht wie sie mir sagte. Glaube mir, wenn sie noch mit dem zusammen wäre, hätte er jetzt ein Problem. Leider ist er unauffindbar.

Kommentar von mrDoctor ,

Gut zu wissen!

Auch wenn Sie ihn zum Glück, schon zwei Jahre los ist, könnte es doch sein, dass sie sich noch nicht bereit fühlt.

Eine Therapie kann nur funktionieren, wenn die betroffene Person dies auch zu 100% möchte.

Was ihr vermutlich am meisten nützen würde, was auch du machen kannst, ist einfach nur für sie da zu sein. Nicht über irgendwelche Therapien sprechen, sondern das tun, was freunde miteinander tun.

Jedoch denke ich, dass sie möglicherweise eine andere Vertrauensperson hat und dich nicht "benötigt". Denn du sprichst von einer Kollegin und nicht von einer Freundin. zudem hast du erst zwei Jahre nachdem sie sich von ihm trennte erfahren, was wiederum dafür spricht, dass sie auf dem Weg zu Besserung ist.

Nimm mir das nicht übel, allenfalls liege ich auch komplett falsch.

Kommentar von uigo79 ,

Ich nehme dir gar nichts übel, du hilfst und das ist wunderschön. Ich bin hier nur auf der Suche nach einer Therapie weil sie mich darum bat ;) Ansonsten sprechen wir fast täglich zusammen seit ich das weis und ich höre soviel zu wie sie es zulässt ohne sie dabei unter druck zu setzen.

Vielen Dank für deine Hilfe

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