Frage von FrailEssence, 104

Wie kann ich ihm nur helfen und ihm die Wahrheit entlocken?

Hallo ihr Lieben,

bitte verurteilt niemanden nachdem ich diese Frage gestellt habe und vor allem bitte nur ernst gemeinte Antworten.

Ich bin seit über 3 Jahren mit meinem Freund zusammen. Letztes Jahr sind wir zusammen gezogen und haben seit Dezember eine wunderschöne erste gemeinsame Wohnung, davor bin ich ja quasi einfach nur zu ihm gezogen.

Wir hatten eigentlich von Anfang an als wir uns kennenlernten eine wirklich tolle Beziehung zu einander. Noch bevor wir zusammen waren haben wir uns alles erzählt und er war immer für mich da. Er hat genau wie ich eine harte Vergangenheit hinter sich, er war Drogenabhängig, wollte sich zuletzt durch die Depressionen das Leben nehmen und machte daraufhin eine Therapie und einen Entzug.

Nun fiel mir letztes Jahr auf das er sich anders benimmt zeitweise, also fing ich an nach dem Grund zu suchen. Ich fand ein Tablett auf dem ich eindeutig Drogen gefunden habe. Ich trage dieses Geheimnis nun schon ein paar Monate mit mir rum, ich schaffe es einfach nicht ihn darauf anzusprechen. Ich habe durch viele Briefe und Gespräche immer versucht etwas aus ihm rauszulocken, mit so Dingen wie ich bin froh das du das alles geschafft hast und es dir nun gut geht und das er aus Fehlern gelernt hat. Aber all das hat nichts gebracht... Ich selbst hatte damals mit Drogen zu tun und weiß auch wie verlockend so etwas ist, aber ich habe gedacht ich hätte ihm auch irgendwie geholfen. Ich bin auch kein Unschuldsengel gewesen und bin es mit Sicherheit jetzt auch nicht, aber ich bin doch einfach verwirrt und auch traurig.

Was soll ich tun? Eine direkte Konfrontation, selbst wenn ich ruhig bleibe kriege ich einfach nicht hin, ich schaffe es nicht mal einen Brief zu schreiben in dem es um das Thema geht.

Wie kann ich ihm helfen? Ist das jetzt ein richtiger Rückfall oder nur so eine Phase?

Ich bin um jede Antwort dankbar.

Antwort
von Turbomann, 30

@ FrailEssence

Du hast das schon viel zu lange für dich behalten. Du hat mit Drogen Erfahrung und solltest deshalb auch am besten die Veränderungen bemerken, falls er doch wieder rückfällig geworden ist.

Hier musst du das offen zur Sprache bringen, ansonsten hilfst du ihm nicht.

Sollte es so sein bei ihm, dann kennt er den Weg und weis, welche Schritte er gehen muss, so hart das klingt und das weist du sicher auch..

Das soll auch keine Verurteilung sondern nur eine Beurteilung nach deinen Zeilen sein.

Du hilfst ihm nicht dadurch, dass du deine Befürchtung länger mit dir herumträgst.

Helfen kannst du ihm nur dadurch, dass du Tacheles redest. Er ist sicher keine 13 mehr und somit für sein Leben selber verantwortlich. Aber du hast deine Erfahrungen damit hinter dir und auch du könntest dadurch in die Gefahr geraten, doch wieder zurückzufallen.

Du kannst ihm nur helfen, indem du ihn ermunterst, dass er sich in Fachhände begibt, sollte er wieder Drogen nehmen. Coabhängigkeit ist auch keine Lösung und wenn du das weiterhin unterdrückst, wird es nicht besser.

Kommentar von FrailEssence ,

Du hast Recht, ich habe es auch nicht als Verurteilung aufgefasst.

Was mich immer verwirrt ist einfach die Tatsache das er sich mit mir hinsetzen kann und mir zum Beispiel sagen kann das ich bestimmt noch einmal eine Therapie machen muss um bestimmte Dinge aufzuarbeiten.

Ich war in meiner Vergangenheit essgestört, habe Abführmittel missbraucht und die Drogen damals dafür genutzt um kein Hungergefühl zu haben.

Mir sind schlimme Dinge passiert die warscheinlich deswegen so ein Verhalten hervorgerufen haben.

Dennoch habe ich mittlerweile was diese Dinge angeht einen relativ klaren Verstand um zu wissen das es keine Lösung ist, sondern dich nur wieder in etwas rein reißt.

Natürlich ist die Gefahr auch auf mich bezogen nun extrem hoch.

Ich weiß wo er das Zeug aufbewahrt und ich weiß wie ich rankommen kann.

Was mich nun durch seine Fehler zu einem perfekten Opfer macht.

Ich bin leider jemand der nie gut im Reden war.

Bei Streitereien ergreife ich eher die Flucht oder kriege kein Wort mehr raus.

Ich bin besser im Schreiben.

Aber grade bei diesem Thema funktioniert irgendwie nichts von all dem...

Kommentar von Erklaerbaer17 ,

Dann solltet ihr beide euch dringendst professionelle Hilfe suchen. Nicht irgendeine sondern da wo ihr euch wohl fühlt sonst macht das keinen Sinn. Du hast richtig erkannt, das er dich wieder mit runter zieht, die Gefahr ist gegeben und nicht zu unterschätzen. Noch mal alles gute :) 

Kommentar von Turbomann ,

@ FrailEssence

Da du auch einige Baustellen noch offen hast ( haben viele andere sicher auch), was würde denn dagegen sprechen, wenn du dich mal mit einem Psychologen unterhältst?

Dort kannst du dir Hilfe suchen, wie du mit deinem Freund evtl. über sein verstecktes Problem reden kannst.

Du kannst ihm nur helfen, wenn du selber starkt und ein Durchsetzungsvermögen besitzt, denn das wird deine ganze Kraft kosten. Ansonsten wirst du nicht in der Lage sein, ihn zu unterstützen.

Ich weiß wo er das Zeug aufbewahrt und ich weiß wie ich rankommen kann.

Will jetzt nicht vorgreifen, aber bist du dir sicher, dass das Zusammenleben unter den Umständen das richtige für dich ist, wenn du schon weist, wo er seine Drogen aufbewahrt?

Gerade weil er und du Probleme habt, besteht die Gefahr doppelt, wieder zu Drogen zu greifen um das Problem nicht zu sehen.

Auch wenn du im Schreiben besser sein magst, ersetzt das keine Gespräche gerade wenn es um solche Dinge geht.

Dennoch habe ich mittlerweile was diese Dinge angeht einen relativ klaren Verstand um zu wissen das es keine Lösung ist, sondern dich nur wieder in etwas rein reißt.

Dann solltest du dich erst recht mit einem Fachmann unterhalten, der dir aufzeigt, was für dich besser wäre.

Ob er mitgehen würde keine Ahnung, dann mache das alleine, es geht auch um dein Leben und er ist alt genug.

Kommentar von FrailEssence ,

@ Turbomann

Du hast Recht, das ersetzt kein Gespräch wenn ich alles aufschreiben würde.

Für mich kommen einfach grade irgendwie tausende von Faktoren zusammen die mich einfach unsicher und klein machen.

Ich werde eure ganzen Antworten jetzt einmal sacken lassen und mich dann noch einmal mit mir selbst auseinander setzen.

Denn eins weiß ich ganz sicher, egal wie schlimm es ist und egal wie schlimm es wird, ich würde diesen Mann niemals einfach so aufgeben und ihm sein Schicksal überlassen.

Antwort
von Josi120699, 43

Mhmmm das ist natürlich eine schwierige Situation, weil man nie wissen kann, wie er reagiert.
Trotzdem denke ich, dass eine direkte Konfrontation am meisten Sinn macht, weil du durch seine Reaktion erfahren kannst, was die Wahrheit ist. Meistens ist es so, dass die Menschen sehr laut werden und eingeschnappt sind, sich womöglich noch mehr verschließen, wenn es die Wahrheit war und er diese nicht zugeben will. Natürlich würdest du riskieren, dass er sauer auf dich ist, wenn er nichts mehr mit Drogen zu tun hast, aber auch er wird merken, dass du es nur gut gemeint hast.

So etwas wie hinterherspionieren würde ich lassen. Das gibt nur ärger.

LG und Viel Erfolg :-)

Kommentar von FrailEssence ,

Danke für deine Antwort.

Da hast du Recht, hinterher spionieren ist eigentlich sowieso etwas was ich nicht machen wollte.

Aber irgendwie war es immer die einzige Möglichkeit zumindestens einen kleinen Überblick darüber zu behalten.

Ich frage mich allerdings ob er nicht merkt das ich etwas weiß, so oft habe ich das Thema sonst nie angesprochen.

Und natürlich frage ich mich am meisten wieso er es wieder macht, was der Auslöser dafür ist.

Kommentar von Josi120699 ,

Reden, reden, reden. Nur so kannst du es herausfinden. Ich weiß, dass es leichter gesagt ist als getan, aber das wäre die beste Methode. Wenn er es zugibt, überrede ihn zu einer Therapie. Auch wenn er zunächst beleidigt sein sollte oder es nicht einsieht, irgend wann wird er es einsehen und dir danken. bis dahin wünsche ich dir viel Kraft und Erfolg :)

Antwort
von Erklaerbaer17, 35

Ich habe Beruflich viel mit Abhängigen zu tun aller Art.

Das beste was du machen ist ihn wirklich auf den Kopf zusagen das du genau weis das er wieder Dr..gen nimmt. Und ihn mit deinen Beweisen zu konfrontieren. Dabei versuchen nicht Vorwurfsvoll zu klingen. Er soll hören das du es weist und das leugnen nichts mehr bringt.

Ihn Hilfe anbieten, ihn auch mal stützen wenn er down ist.

Holt euch professionelle Hilfe es ist nicht leicht und eigentlich unmöglich alleine damit umzugehen.

Früher hab ich Abhängigen auch nur immer über den Kopf gestreichelt wenn sie mit ihren tausend Gründen kamen warum sie Abhängig sind.

Heute weis ich, damit helfe ich ihnen nicht. Die Tausend Gründe mögen alle richtig sein. Aber sie dauernd nur zu erwähnen und sie von anderen beweihräuchern lassen bringt nichts.

Aber zu sagen "Ja du bist Süchtig aus welchen Grund ist mir aber egal. Lass uns lieber überlegen was wir gegen deine Sucht machen können und wenn wir die Körperlich in Griff haben können wir zusammen überlegen wie wir die deine Gesamtsituation ändern können das du keinen Grund mehr hast Dr..gen zu nehmen!" 

Alles spricht übrigens wieder um einen Rückfall.

Kommentar von FrailEssence ,

Da hast du wirklich Recht, dieses verhätscheln und schön reden bringt nix, dann macht es nicht Klick im Kopf.

Ich wünschte mir das es einmal so auffällig wäre das ich es einfach so raushauen kann.

Aber ich hab bis jetzt diese Gelegenheit nie bekommen.

Ich hab mir die unmöglichsten Szenarien ausgemalt, ausgedacht und vorgestellt...

Ich bin keine Hilfe wenn ich schweige und ihn denken lasse ich weiß von nichts.

Auf der anderen Seite weiß ich aber auch nicht ob ich eine Hilfe bin wenn ich etwas sagen würde, denn dann steht eine Sache zwischen uns, wovon ich eigentlich dachte sie wäre weg.

Weißt du wie ich meine?

Kommentar von Erklaerbaer17 ,

Klar weis ich das! :) Deshalb habe ich gesagt es darf nicht als Vorwurf kommen. Das ist nicht leicht ich weis das nur zu gut. Den sobald er es als Vorwurf sieht wird er sich sperren. Andersherum wenn ich es ihm zu süßlich sag suhlt er sich weiter in seinen Ausreden und Selbstmitleid. Es gehört viel Diplomatie dazu das er das richtig auffasst.

Beispiels Dialog

"Du hast doch wieder was genommen man, sehe doch an deinen Augen mir kannst nix vormachen. Bitte sei ehrlich ich will dir nur helfen!"

Antwort
von lifeisblah, 7

Ich denke einfach, dass du da über deinen Schatten springen musst und ihn wirklich konkret drauf ansprechen solltest.

Weil durch so Sätze wie, ich bin stolz, dass du es geschafft hast und und und, fühlt er sich wahrscheinlich noch schlechter, weil er es eben nicht geschafft hat und rückfällig geworden. 

Und um dich nun nicht zu enttäuschen und zu verletzen, erzählt er es dir wahrscheinlich nicht, für ihn ist es ja bestimmt auch unangenehm, dass er wieder konsumiert 

Antwort
von 16Denis, 35

Setz dich mal mit ihm an den Tisch schön mit Kerzen abends und einen Snack umd besprich es mit ihm. Fang erst mit anderen Themen an und dann gehst du darauf zu (also quasi redest du um den heißen Brei rum und lässt ihn Antworten )

Kommentar von FrailEssence ,

Deine Idee ist gut, aber ich scheine mir das im Moment nicht einmal selber zuzutrauen.

Ich weiß wie wichtig es ist ihn am besten gestern schon drauf angesprochen zu haben, weil ich ihm so nicht helfen kann.

Aber mir fehlt der Mut...

Antwort
von Maprinzessin, 33

Vereinbare eine Stunde beim Psychologen  und locke ihn dort hin

Er braucht eindeutig professionelle Hilfe

Kommentar von FrailEssence ,

Funktioniert das so einfach?

Das ich bei einem Psychologen anrufe und dort nach einem Termin aus dem und dem Grund frage?

Ich kenn mich da ehrlich gesagt gar nicht so aus.

Kommentar von Maprinzessin ,

Ja natürlich, kann sein das du mit langen Wartezeiten rechnen musst

Such dir im Internet welche in deiner Umgebung raus und rufe einfach mal an

dafür sind sie ja da um zu helfen :)

Schau dich auch mal nach einer Selbsthilfegruppe um

Kommentar von Erklaerbaer17 ,

Das Funktioniert nicht weil du keinen Volljährigen zu irgend jemanden jemanden zu gehen zwingen kannst!

Kommentar von Maprinzessin ,

Zwingen nicht, aber man kanns ja mal mit hinlocken veruchen und wer weis vielleicht lässt er sich drauf ein

Kommentar von Turbomann ,

@ FrailEssence

Du hast doch Erfahrungswerte und dann weist du sicher auch, dass es noch mehr Hilfestellung gibt, wo du dich hinwenden kannst. Da bin ich mir sicher.

Du kannst dir ganz sicher bei jeder Drogen - Beratungsstelle vorerst mal Hilfe suchen und die werden ganz sicher auch Anlaufstellen für dich haben. Adressen findest du im Netz.

Wäre zumindest für die Zeit bis ein Therapeut einen Platz frei hat, eine Option für dich.

Kommentar von FrailEssence ,

Darüber habe ich auch nachgedacht.

Ob ich mir selbst erstmal einen Termin in einer Beratungsstelle mache und mich informieren lasse.

Klar, es gibt einige Anlaufstellen, ich kenne auch viele davon, ich glaube ich hab einfach nur Angst.

Es gibt niemanden dem ich das erzählen kann, einfach aus aus Schutz ihm gegenüber.

Antwort
von Juergenotto1972, 27

Jeder weitere Kontakt mit Drogen ist nach einer Abhängigkeit ein Rückfall.

Direkte Konfrontation würde ich raten mit Angebot deiner Hilfe um das ganze zu sensibilisieren.

JEDOCH - Du bist nicht sein Klemptner - Er braucht therapeutische Hilfe. Leider geht das nur wenn er es einsieht.

Kommentar von FrailEssence ,

Genau das ist der Punkt.

Offensichtlich scheint er sich ja selbst etwas vorzumachen wenn er bei mir sagt er hätte aus seinen Fehlern gelernt und er hätte viel mit seiner Vergangenheit kaputt gemacht.

Doch wirklich gelernt hat er anscheinend nicht wenn er es wieder tut.

Ich möchte für ihn da sein, ich möchte ihm auch grade jetzt eine Stütze sein, schließlich bin ich seine Freundin und da durch liebe ich ihn nicht weniger.

Doch diese Konfrontation fällt mir grad noch viel schwerer als wenn ich irgendwas beichten müsste.

Kommentar von Juergenotto1972 ,

Ich muss dich enttäuschen. Seine Zukunft liegt nicht in deiner Hand. Mehr als ihn in den Arm zu nehmen wird nicht funktionieren.

Kommentar von Turbomann ,

@ FrasilEssence

Auch ich muss dich enttäuschen, du kannst ihm nicht helfen und in deinem Inneren weist du das auch.

Egal ob du jetzt seine Freundin bist oder eine Ehefrau wärst, ER muss den Schritt tun, etwas gegen den Rückfall zu machen und auch das weist du.

Du unterstützt ihn damit in keinster Weise, du unterstützt ihn dadurch, indem du ihm klipp und klar sagst, entweder er macht was dagegen oder du bist weg.

Hört sich auf den ersten Blick brutal und unmenschlich an, aber das ist der einzige Weg: entweder er kommt zur Vernunft oder er landet da wo er schon mal war und könnte dich mitreissen. Damit ist keinem gedient. Ws wäre denn dann mit eurer gemeinsamen Wohnung und eurer Zukunft?

Drogenabhänge und Alkoholkranke müssen erst "unten" sein, damit sie aufwachen, so hart das ist, das wird dir jeder Facharzt und jeder der mit diesen Themen zu tun hat, bestätigen.

Kommentar von FrailEssence ,

Ihr habt Recht, abstreiten kann ich das nicht.

Ich halte mich ja im Endeffekt selbst grade hin und mache mir etwas vor.

Ich kann es einfach nicht verstehen und nicht nachvollziehen, egal aus welchem Grund man im Endeffekt rückfällig wird, man hat die Erfahrung doch schon einmal gemacht und ich finde das ist die beste Abschreckung.

Die Abschreckung zu wissen was ich schon einmal durchmachen musste, wie es mir ging und was ich erlebt habe...

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community