Frage von Ever8deen, 49

Wie kann ich ihm helfen ohne zu schaden?

Meine Familie ist (in meinen Augen) total kaputt. Meine Therapeutin wundert sich gar nicht wieso ich unter Depressionen leide. Wir sind 3 Kinder, ich (33) und 2 jüngere Brüder, 30 und 24 . Bevor der Jüngste zur Welt kam, war mein Vater noch gewalttätig. D.h. wir haben, wenn was in ihren Augen nicht ok war, mit nem Ast auf den Hintern bekommen. Oft hab ich versucht meinen Bruder (mittlerer) zu schützen. Meine Mutter hat dies geduldet, war sogar dafür. Doch sie leugnet es bis heute noch, das es je passiert ist, hat versucht mir einzureden, ich würde mir das eingebildet haben. Meinem Vater tut es mittlerweile leid, deswegen kann ich ihm eher vergeben als ihr. Aber vergessen - niemals. Als der Jüngste dann kam, hörte alles auf. Er hat nie (als Kind) was davon mitbekommen. Wir wurden nicht wirklich ERzogen, sondern mehr GROSSgezogen, aber nach dem typischen Kastenprinzip. Der Jüngste hatte immer ne Art goldenen Löffel im Mund, egal was er tat, es war ok. Hätte ich mir jemals das erlaubt, was er tat, wäre Ärger vorprogrammiert. Er war also ziemlich privilegiert in der Hinsicht. Der Mittlere wurde oft vernachlässigt und gleichzeitig für vieles verantwortlich gemacht. Ich als Älteste, übernahm mit 9 schon eine Mutterrolle (Schlüsselkinder), ging als Teeny und auch später zu vielen Veranstaltungen/Gesprächen in der Schule/Kita. Meiner Mutter war das nicht so wichtig, was man ihr ansah, doch sie verbarg das mit dem Argument, sie verstehe nichts davon. Dennoch tat sie so und tut es immer noch, als wäre alles ihr verdienst gewesen, das es geklappt hat. Ich wurde für ALLES verantwortlich gemacht, so lang, das es mir irgendwann egal war. Meine Brüder haben die Schule grade so geschafft, ich machte die Mittlere Reife, als einzige ne Ausbildung. Hilfe hatten wir alle 3 dabei nicht. Beim Jüngsten war das nicht so schlimm, der mittlere - na ja, da war natürlich alles seine Schuld. Er hätte damals schon viel Hilfe gebraucht, die er nicht bekam. Er und ich sehnten uns sehr nach elterlicher Liebe. Doch ich kam damit besser zurecht. Mein Leben lang, hab ich versucht meine Brüder zu schützen, ihnen vieles abzunehmen, was heute dazu führte, das ich ein kompletten Helferkomplex habe, d. h. ich empfinde es als schlimmer, wenn er leidet, (auch wenn erßs selbst verschuldet) als wenn es mir schlecht geht. Wars halt so gewohnt. Meine Mutter hingegen, kann bis heute, obwohl sie wirklich versagt hat, die Mitleidsschiene super spielen. Sie versucht/e immer alles mit Geld zu regeln, dann aber sagen wir wären nicht dankbar genug und hält sich weiterhin für eine gute Mutter, weil sie ja so (Zitat) Großherzig ist. Ich glaube ihr das sie das glaubt. Und obwohl sie für einen Großteil meiner Schmerzen verantwortlich ist, ist sie meine Mutter, was die Gefühle noch verwirrter macht. Aber genau das alles führt mich zum eigentlichen Problem, musste das aber erwähnen, damit ihr den Hintergrund versteht. Fortsetzung unten als Kommentar: Sorry das es so viel ist

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von huldave, 16

Will er deine Hilfe?
Machst du seine Probleme zu deinen?
Pass auf dich auf, dass du nicht in die Schöne eines Co-Abhängigen rutscht. Bei deinem Beruf und einem Helferkomplex kann das leicht passieren.

Du beschreibst und blickst die Situation sehr gut, aber irgendwo sind Grenzen, da kannst du dann nichts machen.
Das einzige was du wirklich machen kannst ist auf dich aufzupassen, und auch wenns egoistisch klingen sollte, du bist dir die Ñächste. Sorge für dein Wohlergehen.

Kommentar von Ever8deen ,

Das ist ja das Problem, es ist leichter gesagt, als getan. Ich würde es zu gern können. Denn sollte er sich wirklich was antun, würde ich glaub ich daran zerbrechen und denken *wieso hab ich ihm nicht geholfen*

Alles für ihn zu machen, ist natürlich auch keine Hilfe, das weiß ich. 

Kommentar von huldave ,

das klingt jetzt hart, ist aber so: nicht du bringst ihm um, das macht er selbst, es ist seine Verantwortung

Kommentar von huldave ,

danke für das Sternchen

Antwort
von Ever8deen, 26

Fortsetzung von oben: 

Er ist 30, hat 2 Kinder (5 u 3), getrennt, nicht verheiratet, hat sein Leben in den Tag gelebt. Verantwortung, Zuverlässigkeit und Co. alles was ein Erwachsener Mann haben sollte, hat er nicht. Für seine Kinder interessiert er sich auch nicht so, wie es angemessen wäre. Stattdessen hat er alle paar Monate eine neue *Liebe*. Er ist in meinen Augen verzweifelt auf der Suche nach Liebe, aber nur solange, wie es nach seiner Nase läuft. Kommt ein Problem auf, läuft er weg und gibt gleichzeitig allen anderen die Schuld. Er ist ein notorischer Lügner und noch dazu ein sehr schlechter. Wenn er Arbeit hat, hört diese bald auf, wenn er mal Ärger mit dem Chef hat. Hat Probleme mit Autoritäten, rastet schnell aus (verbal) und wird laut, verlangt aber gleich (ohne was geleistet zu haben) ordentlichen Lohn. Er hat keine Ausbildung, kein Job und wohnt momentan beim Jüngsten, der schon die Schnauze voll hat, weil er sich wie ein Assi benimmt. Schnorrt an allem, zahlt nix, läd aber ständig seine Freundin zu was ein, Wohnungshygiene gleich 0. Lässt überhaupt nicht mit sich reden, hält sich an keine Regeln. Ihm gehört im Endeffekt nichts, aber stellt Ansprüche an allem. Der Jüngste will ihn natürlich bei so nem Verhalten vor die Tür setzen. Ich wieder rum weiß nicht wie ich handeln soll. Ich heule schon beim schreiben :-( 

Einerseits hat er es ja nicht wirklich gelernt von den Eltern und ich selbst war zu jung und hatte zu wenig Einfluss um ihm vieles bei zu bringen. Und andererseits ist er 30 und sollte schon langsam mal (durch logisches Denken) anfangen, etwas zu regeln und erkennen, das man nichts umsonst kriegt. Als Erzieherin weiß ich bei Kindern, das manchmal *Nichts tun* mehr Hilfe ist, als es dem Kind abzunehmen. Schließlich muss es einiges selber lernen. Natürlich mit vorheriger Hilfestellung z. B. wann sag ich danke und bitte, wie mach ich die Jacke zu, hab da sehr viel Geduld dabei...auch bei ihm habe ich Hilfestellung gegeben, hab mit ihm zusammen Bewerbungen geschrieben, Wohnung gesucht etc. doch im Nachhinein wars umsonst bzw hab ich es komplett für ihn übernommen. Im Gegensatz zu den Kindern, fällt es mir bei ihm aber schwerer *nichts* zu tun. Denn die Vorstellung, er ist obdachlos oder so, zerreist mit das Herz, auch wenn ich weiß, das er durch seine Einstellung selber dran schuld wäre. Manche sagen, er müsse erst richtig am Boden liegen, doch da er schon wegen Schulden im Knast war, frag ich mich, wie tief er denn noch liegen muss, um zu erkennen, das er mit dem Verhalten nicht weit kommt. Ich würde ihn manchmal zu gerne einweisen lassen, weil er definitiv psychiatrische Hilfe braucht und mehr als nur einen Schubser. Doch er ist 30 - also Null Chance. Jegliches Reden ist absolut sinnlos - er ergreift die Flucht und wird wütend.

Habt ihr Ideen, wie ich ihm helfen kann? Kann ich ihn evtl doch zur stationären Behandlung gegen seinen Willen zwingen? (allein der Gedanke zeigt, wie verzweifelt ich bin) vor allem weil er immer gleich denkt, alle würden ihn im Stich lassen, wenn es nicht nach seiner Nase läuft und manchmal hab ich echt Angst, er würde sich was antun. Denn Verzweiflung sehe ich ihm an, doch er überspielt das immer mit Heiterkeit. Und das ist ne gefährliche Mischung.

Antwort
von adianthum, 11

Du hast als Kind ihm gegenüber die Mutter- und Beschützerinnenrolle übernommen und hast sie noch immer.

Dadurch war er nie genötigt erwachsen und verantwortungsvoll zu werden, weil- die große Schwester wirds schon richten.

Lass ihn los, damit er erwachsen werden kann- du bist nämlich die Schwester, nicht die Mama!

Antwort
von jessica268, 16

Ich kenne das Problem. Wurde als Kind auch geschlagen und sogar noch mißbraucht. Vergeben kann ich inzwischen, weil ich einfach meinen inneren Frieden gefunden habe und endlich zu mir finde.

Ich war auch depressiv, ist aber vorbei. Mir hat jemand geholfen es in Griff zu kriegen.

Weißt Du warum ich Frieden fand? Therapie, Seelsorge und Abbruch des Kontaktes. Meine Eltern fanden es auch normal Kinder zu schlagen. In der Therapie lernte ich besser mit meiner Vergangenheit umzugehen. Therapie machst Du ja. Mir hat Seelsorge sehr viel gebracht.

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