Frage von 120grammButter, 441

Wie kann ich Homosexualität besser nachvollziehen?

Beispiele:

Es gibt Lesben die auf Frauen stehen, die aber möglichst männlich sein / aussehen müssen. Warum aber nicht weiblich, wenn sie auf das eigene Geschlecht stehen? Wär dann nicht ein Mann in einem solchen Fall optimal? Viele Lesben wirken auch sehr maskulin, obwohl man doch mehr Weiblichkeit erwarten würde, oder?

Das gleiche bei Männern: Es gibt Schwule die auf möglichst feminines Aussehen bei einem Mann stehen. Warum aber nicht auf maskulines Aussehen, wenn sie auf das eigene Geschlecht stehen?

Und wenn man auf das eigene Geschlecht steht, fühlt man sich automatisch mehr sexuell zu sich selbst hingezogen und hat einen höheren Drang sich selbstzubefriedigen? Weil man ja vom eigenen Geschlecht sexuell erregt wird.

Und welchen Sinn hat Homosexualität in der Evolutionstheorie? Die Natur basiert auf der Reproduktion von Lebewesen um die Existenz und Verbesserung der eigenen Spezies zu sichern. Ist Homosexualität ein Evolutions-Aspekt um eine Überbevölkerung zu verhindern?

Hoffentlich kann mir das jemand sachlich erklären, damit ich das besser nachvollziehen kann. Danke. :)

Antwort
von Tellensohn, 252

Salue

Du musst die Frage mal andersrum stellen. Du bekommst neue Nachbarn. Du siehst den Mann im Garten arbeiten. Er arbeitet intensiv, hat eine gute Figur und auf Distanz siehst Du eher ein "weiches" offenes , sehr sympathisches Gesicht.

Beim näheren Kennenlernen allerdings stellt es sich heraus, dass es eine Frau ist. Diese hat zudem eine sehr positive Aura und erweist sich als Mensch, den man einfach mag.

Könntest Du Dir eine sexuelle Affaire mit ihr vorstellen ? Vermutlich nicht, denn es ist einfach das "falsche" Geschlecht für Dich.

Ich lebe schwul. Ich behaupte, dass sehr weiblich wirkende Männer es im "Markt" der Begehrlichkeiten der Gays eher schwer haben. Schwule suchen sich ihre Partner genau nach den gleichen Kriterien aus, wie Du es als heterosexuelle Frau es auch machst. Die Geschmäcker sind da eh sehr verschieden! Aber Du als Frau kannst dies 1 : 1 nachvollziehen.

Wie viel Interesse hättest Du an einem Mann, der völlig tuntig heranmarschiert? 

Verlieben kann man sich nur in andere Personen. Selber hat man die Tendenz, sich selber eher als unattraktiv zu sehen. Das Leben zeigt dann, dass eben die Geschmäcker doch, im positiven Sinn, unterschiedlich sind.

In der Tierwelt helfen homosexuelle Individuen der Gesellschaft, besser zu überleben. Sie übernehmen dabei Funktionen für alle, profitieren aber nicht unbedingt direkt davon. Als Beispiel helfen sie mit, Nachwuchs aufzuziehen und können aber ihre eigenen Gene nicht weitergeben.

Schweizer reden ja angeblich gern vom Geld, also:

Als Gay bezahlte ich Steuern, übrigens ganz schön happig, um damit unserer Gesellschaft Schulen, Universitäten, Sozialleistungen, Subventionen und andere Dinge zu finanzieren.

Auch hier resultiert, wie bei den Tieren, eine Verbesserung für die ganze Gemeinschaft. Von der Evolution her also keine dumme Sache!


Es freut mich sehr, falls es mir einigermassen plausibel gelungen ist, Dir die Zusammenhänge aufzuzeigen.

Es grüsst

Tellensohn

Kommentar von LinnSarma ,

Sollte ein  ⬆  sein ^^

Antwort
von randomhuman, 149

Die ersten beiden Absätze von dir basieren auf Vorurteilen, weil es einen nicht korrekte Pauschalisierung ist. Es gibt sehr wohl viele Lesben, die klassisch weiblich sind und es gibt auch viele Schwule, die klassisch männlich sind. Allerdings sind das nur Formen in die man durch die Gesellschaft reingepresst wird. Es heißt nicht, dass diese das eizig richtige darstellen. Menschen sind sehr individuell.

Deinen 3. Absatz kann ich zumindest aus eigener Erfahrung verneinen. Es mag sicher Leute geben die sich selbst anziehend finden aber das gibt es in jedem Lager.

Zu deinem vierten Abschnitt gibt es bisher mehrere Theorien aber im Endeffekt ist es doch egal, was Homosexuelle für einen Sinn haben, solange die Menschen glücklich sind.

In diesem Sinne hoffe ich dir weitergeholfen zu haben. ;)

Antwort
von voayager, 118

In der Natur steckt kein Sinn dahinter, da setzt sich als Tendenz vielmehr eine Zweckmäßigkeit durch. Da nicht alle männl. und weibl. Tiere für gegengeschlechtlichen Kontakt zum Zug kommen, bieten sich eben auch Ausweichmöglichkeiten an, um den Trieb zu befriedigen. Dann isses auch so, dass ein Teil der Tiere, wozu ja auch wir Menschen gehören, eine hormonelle Abweichung aufweisen, also ein Zuviel an Testoteron bei mweibl. Geschlecht, ein Zuviel Östrogene , oder Testosteronmangel beim männl. Geschlecht, was dann hinführt in Richtung Vermännlichung oder Verweiblichung. Auch sonstige Gründe führen bei Menschen und sonstigen Tieren mehr zu einer aktiven oder passiven Haltung.

Antwort
von howelljenkins, 95

maennlich wirkende lesben und weiblich wirkende schwule sind lediglich ein sehr kleiner teil der tatsaechlich homosexuellen bevoelkerung. da diese aber die einzigen sind, die von otto normal-hetero als homosexuelle erkannt werden, entsteht der eindruck, dass sie einen grossen anteil an der gesamtzahl der homosexuellen ausmachen.

wieso sind frauen lesbisch, wenn sie auf maennlich wirkende frauen stehen?

die klischee-macho-lesbe steht meistens gar nicht auf ihr spiegelbild und hat eher eine weibliche klischee-lesbe an ihrer seite. aber auch hier bestaetigen ausnahmen die regel. mitunter fuehlt man sich auch hingezogen zu menschen, mit denen man sich gut identifizieren kann. 

"gleich und gleich gesellt sich gern" oder "gegensaetze ziehen sich an" gilt beides auch bei homosexuellen.

homosexualitaet ist keine evolutionstheoretisch erklaerbare sexuelle ausrichtung sondern, sofern sie ueberhaupt genetisch verankert ist, was meiner ansicht nach unwahrscheinlich ist, eine spontane mutation die haeufig auftritt.

davon abgesehen machen meiner ansicht nach die meisten menschen den fehler zu glauben, dass sexualitaet und sexuelle befriedigung ausschliesslich der zeugung von nachkommen dient. wenn das so waere, haetten menschen nicht so haeufig sex und insbesondere frauen nur dann lust, wenn sie fruchtbar sind. 

sexualitaet hilft im idealfall stress abzubauen und ist bei einigen tierarten daher ein mittel in einer gruppe den frieden zu erhalten. dabei werden auch haeufig unter tieren homosexuelle handlungen beobachtet.

dass menschen sich nicht nur sexuell sondern auch emotional zu vertretern ihres eigenen geschlechts hingezogen fuehlen, ist nach meiner einschaetzung ein hartnaeckig missverstandener umstand. 

menschen fuehlen sich zu menschen hingezogen. menschen haben unterschiedlich ausgepraegtes verlangen nach naehe, geborgenheit, zaertlichkeit. ich fuele mich hingezogen zu jemandem, der meine beduerfnisse in dieser beziehung befriedigt. sexualitaet ist ein anderer aspekt.

Antwort
von Garlond, 140

Geschmäcker sind einfach verschieden, man muss sich in unserem Zeitalter, in dem es schon sehr viel toleranter zu geht und man an vielen Orten keine Verfolgung mehr fürchten muss, nicht mehr verstecken. Daher gibt es scheinbar auf einmal so viele Homos oder sonstige Randgruppen.

Sie waren schon immer da, aber in einer Welt, in der man fürchten muss gesteinigt zu werden, weil man schwul ist, behält man seine sexuellen Bedürfnisse lieber für sich.

Der Punkt ist hier, es gibt immer weniger stereotype und daher gibt es eben nicht nur klassisch männlich oder klassisch weiblich, sondern alle möglichen Abstufungen dazwischen. Individuelle Menschen verweigern sich einfach mehr und mehr dem Schubladendenken, dass die Welt zwar einfacher macht, aber eben nicht annähernd die Realität wiedergibt.

Es gibt nichts dass es nicht gibt. Und so wie es tatsächlich Leute gibt, die ihre sexuelle Erregung aus platzenden Luftballons ziehen, gibt es auch mehr oder weniger männliche Männer oder weibliche Frauen und Leute, die auf das eine oder andere stehen. Es gibt ja auch Frauen die nicht auf den typischen Machomann stehen, sondern eher auf einen feminineren Typ.

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Selbstbefriedigung und sexuelle Interaktion stehen in keinem Zusammenhang. Daher kann man die Frage, ob man als Homosexueller einen höheren Drang zur Selbstbefriedigung hat klar verneinen. Das würde im Umkehrschluss auch bedeuten, dass sich Heterosexuelle Männer bei der Selbstbefriedigung vor sich selbst ekeln.

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Evolutionstheorie beschreibt die Veränderung einer Art über einen Zeitraum. Homosexualität hat sich aus ganz unterschiedlichen Gründen entwickelt. In der Natur geht es nicht vornehmlich um Reproduktion, sondern um Artenerhaltung. Ständige ununterbrochene Reproduktion führt unter idealen Umständen zu einer Überpopulation. Das gewährt nicht zwangsläufig ein Überleben der Art.

Homosexualität, kann einerseits einer Überpopulation entgegenwirken, wie du schon selbst bemerkt hast, aber es sorgt auch auf andere Weise zum Artenerhalt. Zum Beispiel dadurch, dass Waisen besser großgezogen werden können, wenn sich ein kinderloses Paar um sie kümmert. Nachgewiesen wurde das zum Beispiel bei Enten, bei denen sich homosexuele Paare um Kinder verstorbener Artgenossen kümmern.

Aber auch Sex allgemein sorgt nicht nur durch Reproduktion zum Erhalt einer Art. Es dient auch zur sozialen Interaktion, um Spannungen zu vermeiden, Stress abzubauen und einfach ein intimeres Verhältnis zu schaffen. Die Menschen wehren sich ja mit Händen und Füßen gegen natürliche Abläufe, aber bei den Bonobos funktioniert dies ziemlich gut.

Kommentar von Octuline ,

Das mit den Enten finde ich interessant, und wie du den Sinn in der Evolution erklärst. Aber wenn ein homosexuelles Paar aus zwei Männern besteht, wie soll es dann ein zurückgelassenes Kind säugen? Das kann es doch gar nicht? 

Kommentar von Garlond ,

Nun ja, Enten säugen ihren Nachwuchs auch nicht. Und diese Verhaltensweise wurde bisher halt primär bei Enten beobachtet.

Wie gesagt, es gibt halt nicht nur einen Grund für Homosexualität, und keiner behauptet, dass immer alle Gründe erfüllt sein müssen.

Das Gebiet ist halt noch nicht annähernd ausreichend erforscht. Die frage ist nur, wozu sollte man es erforschen? Was bringt es für einen Nutzen zu wissen, ob Homosexulität sinnvoll ist oder nicht, wenn wir sowieso nicht genug toleranz aufbringen um andere neben uns bestehen zu lassen?

Antwort
von najadann, 144

Homosexualität, gibt es auch in der Tierwelt und ist eine normale Quer-Entwicklung der Evolution, eventuell sorgt sie für ein Ausgleich.

Das Rollenverhalten bleibt jedoch bestehen, Gegensätze ziehen sich an.
In der Homosexualität gibt es sowohl den weiblichen Part wie auch den männlichen Part, ....beim gleichen Geschlecht versteht sich.

Antwort
von Virginia47, 53

Das sind wieder Pauschalisierungen, die nicht unbedingt zutreffen müssen. 

Die Geschmäcker sind nun mal verschieden. 

Genauso gut gibt es Frauen, die eher auf feminin wirkende Männer stehen. Oder Männer, die eher auf maskulin wirkende Frauen stehen. 

Das kann man also so nicht sagen, dass es so sein muss, nur weil sie homosexuell sind. 

Antwort
von Wiesel1978, 128

Ich gehe jetzt nur auf den Evolutionsaspekt. Ein wenig Halt der Reproduktion ist auf keinen Fall schädlich. Des Weiteren können homosexuelle Paare tolle Eltern sein und ich vermute mal, die Kids wachsen behutsamer auf

Antwort
von NIKL02, 103

Fall 1: Lesben stehen auf das eigene Geschlecht, weil sie manchmal (nicht immer)selber ein mann sein wollen, daher kleiden die sich so, wie gesagt nicht immer ist das so.

Fall 2: ist wie Fall 1

Fall 3: Man fühlt sich nicht zu sich selbst angezogen ( bei manchen ist das so ).

 Nicht immer, man möchte das gleiche fremde Geschlecht bei anderen sehen, man weiss ja wie aussieht, doch wie ist der Penis von ... - das erregt manch einen, aber nicht immer dauerhaft. 

Die Anzahl der Masturbation ändert sich glaube ich nicht. 

Fall 4: Das kann ich nicht genau erklären, klar gibt das keinen sinn aber hey ist das so schlimm, klar die Anzahl der menschen verändert sich, doch Heteros gibt es immer noch.

LG NIKL02 

Kommentar von 120grammButter ,

Ja, ich denke auch mit weiteren Milliarden von Homosexuellen würden wir Heteros uns bei dem aktuellen relativ globalen Wohlstand weiterhin massiv vermehren.

Btw. Gute Anwort. :)

Kommentar von NIKL02 ,

Danke - das Thema beschäftigt mich auf eine andere art

Antwort
von DreiGegengifts, 52

Die einen Heten/Homos stehen auf eher feminine, andere Heten/Homos auf eher maskuline Typen.

Dass du meinst, das müsste bestimmten Stereotypen folgen (Heten bevorzugen Ähnliches, Heteros Andersartiges)  ist eine Illusion.

Und wenn man auf das eigene Geschlecht steht, fühlt man sich automatisch mehr sexuell zu sich selbst hingezogen

Nein automatisch nicht. Aber Heten wie Homos können ihre Körper geil finden unter Umständen.

Vielleicht kommen sie gerade vom Sport und die Haut glänzt vom Schweiß und es kribbelt vor lauter Endorphinen - man fühlt sich gut und geil. Oder man spürt, wie Schwanz, Sack, Brüste schwer in der Kleidung wiegen. Man fühlt sich dann sexuell potent und wird von sich selbst sexuell erregt.

Daraus kann Selbstbefriedigung aber genauso auch Sex mit einer Person folgen.

Antwort
von skyberlin, 106

Wende Dich mit dieser Frage an das Magnus-Hirschfeld-Institut in Berlin und an das Magnus-Hirschfeld-Zentrum in Hamburg. Die kennen sich auch wissenschaftlich aus. In diesem Forum gutefrage bekommst Du assoziative und persönlich geprägte = tendenziöse Antworten.

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