Frage von JuliaHutarm, 68

Wie kann ich einem Kind sein Verhalten aufzeigen?

Hallo,

Ich brauche bitte ein paar Meinungen: Mein Freund und ich haben in Erziehungsfragen den Ansatz verfolgt, dass wir unserem Sohn (4) immer versuchen alles Ge- und Verbote kindgerecht zu erklären. Prinzipiell versteht und hört er auch sehr gut. Er ist ansich nicht frech, sondern hilfsbereit und sensibel. In letzter Zeit fällt uns aber auf, dass er sich nur seinen Eltern gegenüber zunehmend "im Ton vergreift" oder auf jede Ansage/Bitte mit einer Verneinung reagiert - auch, wenn er es trotzdem befolgt. Hier ist unabhängig, ob es für ihn nachteilig ist, oder nicht. Er hat auch oft einen nicht angebrachten Tonfall.

Bsp: hilfst du bitte den Tisch decken? Nein, auf keinen Fall 

Bsp: oh, du hast morgen Geburtstag? Nein, stimmt ja gar nicht. - Als wir dann erwähnt haben, dass es dann auch keine Geschenke bekommt, hat er uns doch Recht gegeben :)

Jedes Mal, wenn ich ihn direkt darauf hinweise, ist es ihm unangenehm und ich weiß, er versteht mein Anliegen. Ich will ihn jetzt nicht bestrafen, wenn er sich so verhält (eben weil es kein böser Wille oder Trotz ist), aber dies ist kein normaler Umgangston/Miteinander.

Hat jemand eine ähnlicher Erfahrung oder Idee, wie wir damit umgehen können?

Dankeschön?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von autmsen, 22

Jo. Natürliche Ich-Entwicklungs-Phase. Immer noch falsch Trotzphase genannt. 

Euer Sohn ist also aktuell dabei, sich gefühlsmäßig von Euch ein Stück weit zu lösen. Und zwar so weit, dass die Wahrnehmung und Erforschung eines eigenen Ichs möglich wird. 

Für das Kind ist es eine Zerreißprobe. Denn einerseits fühlt er sich noch in seiner Wahrnehmung mit Euch verbunden, auf der anderen Seite meldet sich eine eigene Persönlichkeit zu Wort. Diese will sich erst mal zu Wort melden, sich austesten. 

Fassbar ist nur das Begrenzte. Das bedeutet im Umkehrschluss, nur wenn Euer Sohn die Möglichkeit hat, den Grenzverlauf zwischen einem Du und seinem Ich zu erforschen, dann wird er für sich selbst und damit schlussendlich auch für Euch fassbar. 

Es macht in dieser Phase absolut keinen Sinn, ihm gegenüber negative Gefühle aufkommen zu lassen. Diese nimmt er sehr genau wahr. Bleibt bitte liebevoll aber bestimmt. Bitte textet ihn nicht zu. Damit ist er jetzt überfordert. 

Diese Phase ist Ausdruck einer wesentlichen körperlichen Umbauphase. Zu ihr kann durchaus auch gehören, dass sich seine Ernährungsgewohnheiten ständig verändern. In dem Fall baut sich der Verdauungstrakt auch um. Es handelt sich also auch hier nicht um einen tatsächlichen eigenen Willen wie er uns Erwachsenen bekannt ist, sondern um natürliche Entwicklung. Bezogen auf Ernährung kann es da tatsächlich zu - teilweise stündlich wechselnden - Unverträglichkeiten kommen. 

Gut wird ihm tun, ,wenn Ihr ihm folgende Möglichkeit hier und da bietet: 

Sorgt für einen Raum, wo kein zerstörbarer Gegenstand ist und keiner, der herunter geschluckt werden kann oder mit dem er sich verletzen könnte. Legt auf den Boden einen Teppich oder eine Decke. Legt dazu verschiedene Gegenstände wie einen großen Schlüsselbund, Duplo-Steine, so Holzpyramidensteine, vielleicht noch ein Paar Schuhe, eine alte Tasche und so fort. Wesentlich ist, dass die Gegenstände aus unterschiedlichen Materialien sind. Diese mag er nach ihrem Klang, ihrer Form, ihrem Geruch und dem Gefühl hin erforschen. Lasst ihm dazu reichlich Zeit. Denn in der Regel entwickeln sich jetzt die Sinne in einem beachtlichen Schub. 

Gerne geht mit ihm auch in die Natur und lasst ihn da in Ruhe forschen. Wurde keine Chemie aufgetragen, schadet ihm die eine und die andere Kostprobe aus der Natur absolut nicht. Natürlich ist darauf zu achten, dass keine giftigen Sachen in der Nähe sind. Aber das versteht sich. 

Zur Thematik findet Ihr online reichlich kostenlose Hilfe. Da ist youtube mit seinen von Fachleuten erstellten Kanälen für Eltern, da gibt es kostenlose Foren für Eltern in Massen, es gibt von Fachleuten erstellte Beiträge welche sich online finden lassen.... .

Noch mal: Achtet auf Eure Gefühle in solchen Situationen. Textet das Kind nicht zu. Straft nicht. 

Antwort
von kohoki666, 47

Naja da hat der kleine wohl eine Trotzphase. Du kannst nichts anderes tun, als ihn darauf hinzuweisen und ihm zu erklären versuchen, das es so nicht geht. Wenn nötig halt auch mit Konsequenzen

Antwort
von Goodnight, 16

Wenn ihr an das Kind eine Frage stellt, müsst ihr mit einer Antwort rechnen die euch nicht gefällt.

Offenbar senden die Erwachsenen versteckte Botschaften.

Wenn ihr wollt, dass das Kind den Tisch deckt müsst ihr das anordnen.

Wenn ihr fragt, lasst ihr ihm die Wahl. Wenn euch seine Wahl nicht gefällt, ist das euer Problem.

Kein Wunder ist das Kind überheblich und hält euch den Spiegel vor. Ihr seid nicht ehrlich aber fordert, dass das Kind auf eure versteckten Signale hören soll.

Elter die zu viel reden dürfen sich nicht wundern, wenn die Kinder so reagieren.

Salopp gesagt, selber schuld!

Antwort
von KevinLeLa, 38

Das ist normal bei kleinen kindern
Das ändert sich

Antwort
von Frangge, 30

Einfach ein halbes Jahr warten, dann ist diese Phase auch wieder vorbei.

Der probiert halt im Moment seine Grenzen aus, völlig normal. Gelassen bleiben und konsequent (hat nichts mit Strenge zu tun).

Antwort
von kiniro, 14

Ich halte weder etwas von Ge- noch von Verboten.

Du bittest um Hilfe und es gefällt dir nicht, dass dein Sohn "nein" sagt?
Bedenke, dass es in dem Fall keine echte Bitte war, sondern eine als Bitte getarnte Aufforderung.

Bitte nur, wenn du auch ein Nein ertragen kannst.

Einem kleinen Kind zu sagen, dass es kein Geschenk bekäme (und sei es nur zum Spaß), weil es ja die Frage nach dem Geburtstag verneint hat, finde ich fies.
Er hat noch nicht dieses Zeitgefühl wie Ältere und nimmt auch vieles wörtlich.

Anstatt ihn (gefühlt) ständig auf seine Fehler aufmerksam zu machen, würde ich mal schauen, welche du so machst.

Davon abgesehen vergesst Erziehung und überdenkt mal lieber eure Ansichten über gewisse Dinge, die respektlos dem Kleinen gegenüber sind.

Kommentar von JuliaHutarm ,

Öhm, vielleicht war ich nicht klar:

 Mir ist der Unterschied zwischen eine Frage und einer Aufforderung inklusive der möglichen Reaktionen durchaus bewusst und wenn ich frage, ob er hilft den Tisch zu decken, dann ist es auch nur eine Frage.

Glaube mir, er hat den Spaß an der Geburtstagsfrage verstanden und natürlich hätte er auch sonst etwas zum Geburtstag bekommen.

Ich habe hier lediglich zwei Bsp genannt um zu zeigen, das er gar nicht überlegt, warum er ablehnt.

Außerdem erwähnte ich, dass ich ihn nicht bestrafen will. 

Es ist auch völlig klar, dass Kinder die Verhaltensweisen der Eltern übernehmen, jedoch reden wir nicht derart miteinander!

Nur das zur Klarstellung! 

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