Frage von Geistreich82, 81

Wie kann ich eine Richtung im Buddhismus finden?

Hallo, ich hab mich jetzt schon etwas mit den Richtungen beschäftigt (einige Bücher dazu gelesen), ich mag eigentlich den Zen Buddhismus wegen seinem Minimalismus sehr, mir fehlt aber das Element Metta total. Ich empfinde die Metta-Meditation als sehr wichtig, ich hab auch gemerkt, dass wenn ich die weg lasse und nur Zazen praktiziere, ich im Alltag ganz anders mit den Menschen umgehe. Mir geht aber am tibetischen Buddhismus einiges auf die Nerven. Ich brauch z. B. die grüne Tara Meditation nicht und die Meditation auf einen Guru finde ich irgendwie unangenehm, weil das ja nur ein Mensch ist, von dem gesagt wird, er sei erleuchtet, aber ich kenne den Typen ja gar nicht (z. B. Diamantweg), mit dem Theravada hab ich mich jetzt noch nicht so auseinandergesetzt.

Mir ist die Metta-Meditation eigentlich am wichtigsten, sonst mag ich den Zen-Buddhismus weil er eben so gekürzt/minimalistisch ist, man kann einfach loslegen. Es interessiert mich jetzt eigentlich wenig, irgendwas über eine grüne Tara oder einen blauen Buddha zu lernen. Ich bin jetzt aber an einem Punkt, an dem ich mich sehr gerne einer Gruppe anschließen würde und weiß irgendwie nicht, was ich tun soll. =(

Außerdem bin ich ein spiritueller Mensch und der säkulare Buddhismus interessiert mich nicht.

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Buddhismus, 26

Ich bin Zen-Buddhist der Soto-Tradition und helfe dir gerne weiter.

Zunächst einmal etwas zur geistigen Haltung

Die Vorstellung, Zazen sei eine egoistische Übung, ist gar nicht so sellten und tatsächlich üben auch einige Menschen in der Hoffnung auf ihre Erleuchtung.

Aber Zazen ist keine egoistische Praxis. Tatsächlich geht es dabei überhaupt nicht um uns. Unsere Übung dient dem Wohle aller Wesen. Das ist das Ideal im Mahayana-Buddhismus.

Das zeigt sich auch in den Ritualen, die das Zazen begleiten

In vielen Dojo legen die Teilnehmer nach dem Morgenzazen ihr Gewand (Kesa/Rakusu) auf den Kopf und rezitieren den "Vers des Gewands":

  • Oh du wunderbares Gewand der Befreiung
  • Feld der Formlosigkeit, Feld der Segnungen
  • Wir kleiden uns in das Gewand/die Lehre des Buddha
  • Um alle  fühlenden Wesen zu retten

Wie man sieht, ist also Zazen selbst auch eine Praxis des Mitgefühls (metta) und nicht etwa egoistisch auf unsere eigene Befreiung ausgerichtet.

Auch an das Herzsutra, das häufig nach dem Zazen rezitiert wird, schließt sich eine Widmung (Fueko) an;

  • Möge der karmische Verdienst der Rezitation
  • Allen Wesen in allen Welten zugute kommen
  • So dass wir gemeinsam den Weg des Buddha verwirklichen können

Auch hier sieht man, dass es beim Zen nicht um das eigene Heil geht, sondern jede Anstrengung den Anderen zugute kommen soll.

Egal ob mit oder ohne Rezitationen - der Entschluss, Zazen zu üben, ist an sich vom Mitgefühl für andere Wesen motiviert.

Wer Zen "nur für sich selbst" übt, ist nach dem Standpunkt des Mahayana gründlich auf dem Holzweg. Man sollte dann vielleicht einmal prüfen, ob man sich möglicherweise "überlegen" fühlt - eine beliebte Falle.

Praxis der Metta Meditation

Viele Zen-Gemeinschaften betonen, Zazen sei die Essenz des Buddhismus, dies sei Buddhas Übung gewesen. Manche erklären sogar direkt, man solle sich von anderen Formen der Übung fern halten.

Allerdings gibt es auch Zen-Gemeinschaften, die beispielsweise die Metta-Meditation in ihre tägliche Mediationspraxis mit einbeziehen.

Man sollte Metta-Meditation auf alle Fälle nicht mit "positivem Denken" verwechseln, denn es geht nicht darum, sich die Welt schön zu denken, sondern die eigene Haltung zu verändern.

Sehen wir das mal historisch;

Buddha erkannte, dass nicht alle Schüler exakt seinem Weg folgen konnten. Also ersann er Formen der Übung, mit denen die eigentliche Praxis unterstützt werden könnte.

Wer etwa in dumpfem Selbsthass vor sich hinbrütet, oder anderen Menschen etwas neidet, hat vermutlich Probleme, Klarheit zu entwickeln.

Die Metta-Meditation ist also ein psychologisches Mittel, um Selbstakzeptanz und Mitgefühl für andere Wesen zu fördern, so dass man mit weniger Konflikten seine Praxis üben kann.

Die Nutzung verschiedener Ansätze als "geschickte Mittel" (Upaya) ist eine etablierte buddhistische Tradition im Mahayana, die den Menschen jeweils einen passenden Zugang zur Befreiung ermöglichen soll.

Gemeinschaft

Zum Zazen kommen Menschen unterschiedlicher religiöser Traditionen in das Dojo, die privat auch ihre eigene religiöse Praxis fortführen.

Ob du nun außerhalb des Dojo den Rosenkranz betest, oder Metta-Meditation übst, ist Teil deiner eigenen spirituellen Praxis. Es geht also eigentlich niemanden etwas an.

Wenn du regelmäßig zum Zazen in ein Dojo gehen willst und deswegen Bedenken hast, vereinbare mit dem Verantwortlichen für das Dojo ein Gespräch und erzähle von deinen Erfahrungen und Vorbehalten.

Es kann gut sein, dass er dir erklärt, du würdest eben zu sehr an dieser Form der Praxis haften und zu viele Erwartungen damit verbinden.

Möglicherweise hat er sogar Recht damit - ähnlich wie ein Junkie sein Heroin braucht, kann man auch eine Abhängigkeit von spiritueller Praxis entwickeln - insbesondere wenn sie die Emotionen anspricht.

Vielleicht hat er auch einen ganz anderen Rat.

Das beste ist also, einfach darüber zu sprechen, wenn du das Gefühl hast, es kollidiere irgendwie mit deiner Zen-Praxis.

Kommentar von Geistreich82 ,

Ich weiß, dass Zazen zum Wohle aller Wesen praktiziert wird. Ich merke nur, wenn ich die Metta-Meditation mache, ich im Alltag geduldiger mit Menschen bin und irgendwie auch besorgter, da ich halt das "Mögest du glücklich sein, Möge es dir gut gehen usw.." mitnehme, wenn ich Zazen praktiziere entwickle ich zwar Gleichmut, aber ich habe halt nicht so dieses Metta-Gefühl in mir. Metta Meditation hilft auch extrem das Ego abzubauen.

Welche Richtungen im Zen praktizieren denn Metta? Das ist mir ganz neu ...

Kommentar von Enzylexikon ,

Welche Richtungen im Zen praktizieren denn Metta? Das ist mir ganz neu

Es gibt in den USA einige Zentren die es in Kursen anbieten und auch selbst üben. Google dazu einfach mal nach  "zen center metta meditation".

Europäische Zentren, die sich an den dortigen Lehrern orientieren behalten diese Praxis möglicherweise ebenfalls bei.

Antwort
von Draggyblackdots, 15

Ich kopiere hier noch mal meine Antwort auf Verunglimpfungen des tibetischen Buddhismus die hier stehen:
 

 Der Varjayana ist eine Richtung des Mahayana-Buddhismus. Zentral im Mahayana-Buddhismus ist das Mitgefühl für alle fühlenden Wesen. Nichts anderes wird auch im Vajrayana gelehrt. Die Haltung, welche Boddhichitta genannt wird ( Mitgefühl mit allen fühlenden Wesen, aus diesem Grund die Erleuchtung anstreben) müssen Praktizierende des tibetischen Buddhismus zum Beginn ihrer Praxis mehrere tausend Mal wiederholen. Wir Deutschen haben da so unserer Probleme mit diesen Zahlen... man muss auch noch arbeiten...

Es wird auch Sutrayana gelehrt also die Sutren des historischen Buddha Shakyamuny.
Es gibt zwei Dinge die ausschließlich im Vajrayana gelehrt werden: 

Tantra und Dzogchen.

Die Dzogchen-Philosophie steht in engem Zusammenhang mit der Vipassana-Meditation des historischen Buddha.Siehe: "der Geist überwindet den Tod" von Dzogchen Ponlop Rinpoche. Dort das Kapitel: Vipassana ( vergleichen mit der Vipassana-Lehre des historischen Buddha.

Nur Mantren sagen wäre wirklich asiatischer Volksbuddhismus, das setzt sich hier nicht durch. Die tantrische Meditation geht immer auf die Ebene des Dzogchen.
Es stimmt schon dass manche tantrische Buddhisten gewaltige magische und hellsichtige Fähigkeiten haben. Diese dürfen aber nur verwendet werden, wenn es dem höchsten Ziel des Mahayana-Buddhismus dient, der Erlösung aller fühlenden Wesen aus dem Leid. Durch Erleuchtung. 

Momentan werden sogenannte niedere Siddhi, also Magie, Hellsehen usw eingesetzt, da die Tibeter ein Stammes-Volk sind, deren Land okkupiert ist und die ganze Welt schaut seit 60 Jahren zu. Ohne gewisse Fähigkeiten der hohen Meister würden sie untergehen und mit ihnen der Varjayana-Buddhismus. So wie es mit den spirituellen Kulturen anderer Natives auch passiert.
Die Natives auf der ganzen Welt werden nun mal angegriffen von den Mitgliedern der Industrienationen. Dazu gehört auch die Verunglimpfung des tibetischen Buddhismus.

Kommentar von Draggyblackdots ,

also @ Geistreich, du verpasst eben Dzogchen, da du eine Abneigung gegen Tantra hast. Puristisch ist aber eigentlich alles. Da die Objekte keine inhärente Existenz haben. Form ist Leerhheit und Leerheit ist Form. Die Natur des Geistes kann man schon puristisch nennen. Darum geht es in allen buddhistischen Richtungen.

Kommentar von Draggyblackdots ,

Hab mal geschaut, was du mit Metta meinst wird im Varjayana meditiert als Boddhichitta Gebete und Meditationen.

Antwort
von Xaero, 35

Eines der wichtigsten dinge im Buddhismus ist, nicht zu viel ins geschriebene Wort zu interpretieren. Im Buddhismus geht es nicht darum dich für eine Richtung zu entscheiden und diese zu "Lernen". Wichtiger ist das du verstehst was die Religion aussagt und dir zum ziel machen jeden Tag ein wenig ein besserer Buddhist zu werden. 

Die Regeln werden in Orden gerne angepasst oder ein wenig anders ausgelegt, aber sie beginnen mit "versuche" dies und das nicht zu machen oder "versuche" es zu machen ... Lerne die Buddhismus Richtungen, und vergiss sie wieder. Versuch in dich selbst zu gehen, und dein Wesen zu ergründen und du wirst erkennen welche Richtung zu dir passt. Denn die Wege der einzelnen Richtungen helfen dir bei deinem Weg und sind kein Gesetzt. Vielleicht passt auch keine zu dir und du findest deinen eigenen Weg. Niemand ist Buddhist weil er sagt das er einer ist. DU wirst nur jeden Tag etwas mehr Erkenntnis erlangen und ein besserer Buddhist werden. 

Antwort
von ArbeitsFreude, 1

Ich hätte Dir zwar gerne den Nichiren-buddhismus, nahegelegt, liebe(r) Geistreich82,

aber der ist Dir dann sicher zu säkular (m.E. ist der das säkularste, was ich kenne).

Die Gruppen der Soka Gakkai International, die ich kenne, sind aber sehr gut im Aufbringen und weitergeben von Mitgefühl sowie im gegenseitigen sich-Ermutigen und Sich-Unterstützen.

Kannst ja trotzdem mal anschauen, wie Tina Turna das Gongyo der Nichiren-Buddhisten macht:

bzw. erklärt (Kurz-Interview:)

Antwort
von NewKemroy, 20

Naja, ist doch nicht so schwer. Du versuchst eine seriöse Gruppe zu finden. Dann prüfst das Angebot gründlich. Und wenn es Dir zusagt nimmst Du an der Gruppe teil. - Wo ist jetzt das Problem?

Ich habe einige Erfahrung im Theravada-Buddhismus und gebe gerne weiter was ich weiß.

Kommentar von Geistreich82 ,

Das Problem ist, dass ich keine Ahnung hab, welche Richtung ich wählen soll.

Kommentar von NewKemroy ,

Orientiere Dich doch an den Meditations-Arten Zazen ist deutlich anders als Vipassana. Ich würde sagen Zazen ist mehr irrationaler. Vipassana ist strukturierter oder systematischer. Zazen ist viel wortloser und mysteriöser. Das ist gut, wenn man damit klar kommt. Im Theravada hingegen gibt es Kiloweise Literatur. Ich glaube als Künstler würde ich Zazen nehmen und als Wissenschaftler Vipassana. Hier ein sehr gutes Tutorial in 6 Teilen über eine bestimmte Form des Vipassana:

https://www.youtube.com/watch?v=hLvU7ppM4vE

Kommentar von Geistreich82 ,

Ich mein das nicht böse, aber hast du eigentlich gelesen, was ich oben geschrieben hab (also die Frage mein ich)?

Kommentar von NewKemroy ,

Wie finde ich eine Richtung? - Die beiden größten Schulen Zen und Theravada. Repräsentiert durch ihre jeweiligen Meditations-Methoden: Zazen und Vipassana. Hinweis: Unterschiede in den Methoden. Peng.

Die Meditations-Methoden sind das mit dem man am hautnahesten befasst ist. Deshalb riet ich die Entscheidung hierüber zu treffen.

Ich weiß jetzt nicht, wo ich da das Thema verfehlt habe. Vielleicht hilfst Du mir :-)

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