Frage von Erakeyana, 110

Wie kann ich diese Sucht bewältigen?

Hallo,

wie die Headline schon sagt, bin ich süchtig, aber nicht nach irgendwelchen Drogen - sondern nach meinem eigenen Blut. Diese Sucht nennt man Hämatophilie, was mir auch von einem Psychologen bestätigt wurde.

Bei dieser Blutsucht kommt es nicht selten vor, dass die Betroffenen sich ritzen (ich habe das mal gemacht, mittlerweile nicht mehr. Bin seit Januar clean). Auch können die Betroffenen sexuell auf Blut reagieren. Bei mir ist es etwas anders. Ich trinke mein eigenes Blut, dass heißt ich nehme mir selber Blut ab, wie beim Arzt mit einer Spritze. Mittlerweile ist es wirklich zu einer Sucht geworden, die mir mein Leben durchaus erschwert.

Mit meiner festen Freundin (ja, bin lesbisch und stolz darauf ^^) habe ich da schon drüber geredet. Sie hat das etwas abgeschreckt, was ich vollkommen verstehen kann. Ihr zu liebe würde ich gerne damit aufhören, weil es mich auch sehr belastet. Nur momentan weiß ich nicht wie. In einer Klinik konnte man mir diesbezüglich nicht helfen.

Wie schaffe ich es, diese Sucht zu überwältigen und mir und meiner Freundin einen Gefallen zu tun?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von musenkumpel, 32

Hi,

also mir fällt da jetzt nicht viel ein. Aber wenn es ne Sucht ist, macht man es aus irgendeinem oder eigentlich aus vielen kleineren verästelten Gründen, die ließen sich auf ein paar Ereignisse zurückführen, aber darauf wollte ich garnicht hinaus.

Alles Theorie:
Bei Sucht soll man den Belohnungskreislauf ersetzen. Die Tätigkeiten, die man sich angewöhnt hat geben einem dann Befriedigung verschiedener Art.

(Ob einem Suchtdruck nachgeben oder nicht keine Ahnung. Unterdrücken führt ja auch zu 'Rückfällen' weil man nicht immer alles unterdrücken kann)

Also damit der Druck dazu und das Unterdrücken als Reflex nicht auftritt, müsste man dem ein anderes 'Ventil' geben. Das funktioniert zwar über Ablenkung, aber dann wird der Kreislauf erweitert und herausgezögert, aber nicht besiegt.

Der Druck wird mehr oder weniger durch Reize ausgelöst, aber eine andere Sache ist, ob du den Reiz überhaupt auf die Weise verarbeiten willst, dass er dich reizt.

Nehmen wir mal an ich sehe irgendwas, meinetwegen Werbung in einem Magazin, das mich normalerweise immer daran erinnert, dass ich eine bestimmte Sache will. Dann kann ich mir das aussuchen, aber dahinter ist dann z.B. Hektik, Zeitdruck, mich vom Erfolgsdruck ablenken...

Also mit Achtsamkeit und Gelassenheit kann man da (ich sag extra) ein wenig die Weichen verstellen.

Wie es garnicht erst zu dem Druck kommen kann ist die Frage. Also würde ich mir eine Liste machen, immer dann wenn du daran denkst, schreibst du auf a) was du gerade gesehen oder gehört hast und b) woran du gerade gedacht hast.

Nach so etwa ein paar Wochen bis Monate solltest du auf jeden Fall genug haben um ein paar dieser Dinge zu entsorgen, sofern es was physisches ist. Dann weisst du auf welche Inhalte du extrem ansprichst. Und lässt diese weg, bestimmte weiß nicht Bücher?, Menschen und Orte.

Das alles eigentlich nur um Abstand dazu zu gewinnen. Damit du dich später auf diese Inhalte wieder (anders) einlassen kannst. Auch zeitlichen Abstand.

Vielleicht, wenn du das Ganze aus mehr Ferne beurteilen kannst, und wenn man andere Wege und Zusammenhänge erkennt, vielleicht auch nur bis zum nächsten Aha-Erlebnis, damit nicht die Schwelle dahin zurück wieder übergangen wird. Nach einem Aha-Erlebnis einfach wieder was anderes.

Tja, was nach, also das sind eigentlich nur Beispiele. Alles was hilft den Kreislauf zu vergrößern und sich umgewöhnen...

Auf der einen Seite Ablenkung, auf der anderen Seite auch Probleme lösen. Mal ein paar Stunden alle paar Tage überlegen was man so tun könnte.
Dann aber auch jeden Tag ein paar kleinere Dinge tun oder was erledigen, alle paar Tage nicht mehr als einen Tag hintereinander nichtstun.

Auch nicht die Zukunft oder Vergangenheit schwarzmalen. Manchmal die Zukunft auf später verlegen und Vergangenheit abgehakt. Und zumindest keine Angst vor altem oder neuem. Oder sich alle paar Tage morgens sagen 'Heute nicht', z.B. heute das nicht, morgen das nicht. Also auch vorwärts denken und handeln.

Und Sport, Handwerk, musische Künste, irgendwas wo Körper und Kopf gleichzeitig in Bewegung sind und was machen. In erster Linie zum trainieren des Belohnungssystems. Neue Lösungen werden auf andere Art verinnerlicht. Auf der anderen Seite sollte es nicht ausufern.

Immer wissen ob du das willst was du tust. Ob du das bist was du tust oder ob das zu deiner Identität gehören soll oder nicht...

Kommentar von Erakeyana ,

Hey,

erst mal danke. Dein Rat ist durchaus hilfreich.

Allerdings gibt es ein kleines Problem und zwar, wenn ich die Spritze ansetze oder einfach nur den Drang verspüre, dann denke ich an gar nichts, sondern merke einfach nur ´ja, jetzt ist es wieder so weit.´

Trotzdem werde ich deinen Rat einfach mal befolgen.

Vielen Dank. ^^

Kommentar von musenkumpel ,

Kurz gesagt: genau, nur Drang (Gefühl) hab ich mit 'Wollen' umschrieben.

Lange Version und teilweise Nachtrag:

Wenn dir auffällt 'jetzt/bald ist es wieder soweit', dann versuche mal zu sehen wo das herkommt, dann ist es wohl eher ein Gefühl als ein Gedanke, aber auch Gefühle kommen von irgendwoher.

Im Gefühl ist immer so viel enthalten, da weiss man nie wirklich alle Einzelheiten, woher das momentane Gefühl kommt, man hat aber auch so eine Ahnung, wenn man sich fragt woher ein Gefühl kommt.

Und damit es nicht so kompliziert wird schreibst du die Liste, also für die Liste wirst du einiges finden. Manche Dinge tauchen dann aber bestimmt auch häufiger auf.

(Achso, was auch helfen könnte, überlegen warum, in welcher Lage/Situation du damit angefangen hast. Dann merkst du vielleicht, z.B. Gefühle oder Gedanken, die dich an die Situation erinnern?)

Genau, die Sachen die den Drang auslösen überdenken und aufschreiben, und dann umgehen oder vermeiden.

Dem nachzugeben/nachzugehen ist ja dann mehr oder weniger automatisch um das Aufgeladene wieder loszulassen. (also wie ein Reflex, klar, dass man dann nicht mehr groß nachdenkt(en will))

(Also kannst du erstmal versuchen es hin und wieder ein bischen einzudämmen. (z.B. vielleicht einen Tag herauszögern, usw.) ((Oder mal sofort, wenn der kleinste Drang da is und dann merken, dass es garnich so toll war..?)))

Aber wenn es soweit ist, alles zu beseitigen und so, dann brauchst du auch starken Willen um es auch zu unterdrücken. Damit das Belohnungssystem weiss, ah nein, damit nicht mehr :)

Und dann kommen auch ein paar auf und ab Phasen, da darfst du dann auch nicht nachgeben, bis sich das Belohnungssystem umstrukturiert hat (Reize und Drang gehören ja auch in das System).

(Wenn es so ist, dass oft wenig bis garnichts fühlen solltest, versuch vielleicht im Gegensatz auch wieder Fühlen zu lernen?! Vielleicht hast du dir absichtlich irgendwie ein/die Gefühl(e) blockiert und versuchst die Blockade aufrecht zu halten..?

(Gibt bei Amazon ein Buch, das kommt allerdings aus der Esoterik-Ecke und ich habs auch noch nicht gelesen(!).
http://www.amazon.de/Wieder-f%C3%BChlen-lernen-selbst-heilen/dp/3453702530 ))

Ok, und ich hoffe das war nicht zu verwirrend. So, na dann..

Antwort
von loveBTK, 37

Es wäre nicht schlecht wenn deine freundin dich unterstützt. Spritze und das ganze "werkzeug" etc. würde ich entsorgen. Versuch dir einzureden das du das nicht brauchst, wenn du daran denkst und es wirklich brauchst dann beschäftige dich so das du keine zeit dazu hast. Gehe zum Beispiel mit deiner freundin lange spazieren, wenn du zuhause bist dann, putze oder koche, esse was, erledige sachen die du vllt schon länger machen wolltest. Und das immer wenn du den drang verspürst.

Antwort
von herja, 39

Hi,

du brauchst auf jeden Fall ein Selbsthilfegruppe als Hilfe. Ohne hast du sicherlich keine Chance, aber ich denke mal, dass du das auch genau weißt.

http://www.haemophilie.org/Service/Selbsthilfegruppen/index.html

Antwort
von GuterRat1031927, 32

Hm also ich weiss nicht so recht du solltest vielleicht zunächst deine Spritze in den Mülleimer werfen. Dann gibt es vielleicht ja auch einen Blutersatz zu kaufen extra für so eine Sucht.

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