Frage von Lisapeacelise, 135

Wie kann ich die Bindung mit meinem Pferd wieder aufbauen?

Hallo, Damit ihr alles verstehen könnt erstmal wie es zu der jetzigen Situation kam: Vor ca. 2 Jahren hab ich den Stall gewechselt und bin in den "Beritt"gegangen.Ich ritt an dem neuen Stall verschiedene Pferde, 2 von denen sind mir besonders ans Herz gewachsen. Dann stellte sich aber zeitig heraus dass ein Pferd mich auf gut Deutsch durchgehend verarscht hat. Es schaukelte sich immer weiter hoch und ich hatte wirklich eine Heiden-Angst vor dem Pferd. Am Ende wurde es sogar so schlimm das ich das Reiten an den Nagel hängen wollte. Nach 2 Monaten Reitpause meinerseits sollte das Pferd verkauft werden und ja ich wollte immer schon ein eigenes Pferd und ich hab das Pferd auch gekauft, wohl eher aus Mitleid als aus Liebe. Das Pferd war das einzige das zur Auswahl stand und ich war wohl mehr in das eigene Pferd verliebt als in das Pferd das mir schon immer Sorgen gemacht hat. Aufjedenfall schienen die Probleme und die Angst im neuen Zuhause erstmal weg zu sein und es war alles gut. Schnell stellte sich aber heraus dass das Pferd nicht meinen 'Vorstellungen eines eigenen Pferdes'entsprach. Auf Turnieren war das höchste vielleicht eine 6.0, was sehr deprimierend war weil ich bemerkte dass meine Traüme viel zu hoch angesteckt waren. Naja, jetzt zu den richtigen Problemen. Irgendwie ist das mit dem täglichen ein Teufelskreis. Mal klappt es sehr gut und mal gar nicht. Mal steig ich lächelnd ab und mal weinend weil ich mittlerweile echt ratlos bin. Das Pferd sehr sensibel und sehr nörgelig, eine falsche Bewegung und es rennt leider sofort los. Es heizt sich immer extrem schnellst auf. Die Harmonie fehlt wir sind kein Team, so langsam aber sich hab ich den Spaß verloren und ich glaube das Vertrauen ist auf beiden Seiten nicht so wie es sein sollte. Der Respekt fehlt, die Motivation und die Routine. Versteht mich nicht falsch ich will mein Pferd eigentlich nicht verkaufen. Ich will uns noch eine Chance geben. Ich hab nur leider keine Ahnung wie. (Nebenbei das Pferd ist 22)

Antwort
von Unwissend123321, 81

Das Pferd ist 22 - da jetzt noch an eine Turnierkarriere zu denken, ist wohl müßig (weiß nicht ob du das tust, mein nur, weil du auch was über Wertnoten schriebst).

Ansonsten, du willst es ungern verkaufen - würde ebenfalls in dem Alter schwer.

Ich weiß nicht, wie du eine Bindung WIEDER aufbauen kannst, die nie da war. Du sagst doch selber, dass es eigentlich nie das Pferd war, was du dir vorgestellt hast. Ihr wart kein Team, seit keins und ich glaube nicht, dass ihr jemals das Traumduo werdet. Ein Pferd in dem Alter polt man vom Verhalten her auch nicht mehr mal eben so um. Hut ab wenn du die Motivation hast, daran zu arbeiten, ich hätte sie nicht, aber ich denke, man kann da allenfalls was machen insofern, alsdass es bei falschen Bewegungen oä. nicht sofort losschießt oder so, aber ich glaube nicht, dass jemand dir helfen kann, daraus DEIN Once-in-a-lifetime Pferd zu machen. Ihr könnt euch miteinander arrangieren, das sollte das Ziel sein. Aber mit mehr Erwartung zu starten, würde eher Enttäuschung bringen.

Expertenantwort
von MissDeathMetal, Community-Experte für Pferde, 63

Klingt jetzt ein bisschen komisch, aber: Geh auf Wanderritt mit ihr. Keine sehr bekannte oder anerkannte Art, aber wenn euch was zusammenschweißt, dann das. Voraussetzung ist allerdings, dass du das überhaupt willst. Mit ihr/ihm zusammenwachsen. Ist dir dein Pferd überhaupt noch sympathisch? Ich meine damit nicht "ganz nett" sondern dass dir das herz aufgeht wenn du es auf der Weide siehst. Willst du das überhaupt noch? Wenn nicht, dann verkaufe das Pferd. Es hat keinen Sinn, für euch beide nicht. Und dann hat es das Pferd ggf bei jmd besser, der es wirklich mag. Ich unterstelle dir hier nichts, du musst ehrlich zu dir sein. 

Das Problem der meisten Pferd-Reiter-Paare ist, dass sie sich nicht ausreichend gut kennen. Ich darf mich da gar nicht ausnehmen, meistens bin ich 2-5 Stunden im Stall. Wenn man nicht gerade einen Selbstversorgerstall betreibt und die Pferde hinterm Haus hat, dann sieht man das Pferd nur in bestimmten Phasen des Tages: Auf der Weide oder dem Paddock oder der Box wenn man es holt, wenn es am Putzplatz steht, wenn man spazieren geht oder reitet und vllt noch wenn es frisst. Sachen wie das Schlafverhalten, Morgenrituale, lieblingspipiplätze usw usf bekommt man da so gut wie nicht. Mit Glück ein paar Mal, aber oftmals zu selten um die Routine darin zu sehen. Auf Wanderritt verbringt man 12-16 Stunden mit dem Pferd, wenn nicht sogar 24h. Da lernt man sich dann richtig kennen. Man reitet nicht nur, sondern rastet gemeinsam, isst gemeinsam, schläft gemeinsam. Nicht selten passt man sogar aufeinander auf und Pferde fangen an ihre Reiter zu beschützen und zu verteidigen. Unruhige Pferde werden ruhiger, spannige Pferde die zum Rennen und Durchgehen neigen laufen plötzlich langsam und hören zu, weil sie merken, sie müssen sich die Kräfte einteilen. Psychisch ermüdete Pferde wachen wieder auf, weil sie sich um sich kümmern müssen und raus aus der Box sind. Ich kann es dir ans Herz legen, denn so wie es jetzt ist, kommt ihr offensichtlich nicht weiter. Lern dein Pferd erstmal kennen und lerne sie einzuschätzen. Werdet miteinander vertraut (an Vertrauen brauchst du noch lange nicht denken, das kommt in frühestens 5 Jahren...). Und wenn du dein Pferd dann verstehst und es dich, dann könnt ihr gemeinsa weitermachen. 

Kommentar von Unwissend123321 ,

Ich habe keine besondere Ahnung oder Erfahrung von Wanderreiten, das maximum an Ausritt waren bei mir 9 Stunden, aber hört sich logisch an. Werden Pferd und Mensch auf nette Art "gezwungen" (nicht negativ gemeint) sich mal wieder auf sich selbst zu konzentrieren.

Kommentar von MissDeathMetal ,

Tagesritte bringen auch schon was, Wanderritte sind noch besser. Man erlebt Situationen, die für andere kurios und wertlos erscheinen, für Pferd und Reiter aber ein Klickmoment sind. Bsp: Mein Pferd hatte immer wieder so Zickigkeitsanfälle wo sie meinte mitten im Wald stehen bleiben zu müssen und so zu tun als würde der Grashalm sie auffressen. Die ist nur mit Gerteneinsatz weiter, dafür aber mit gesenktem Kopf und völlig entspannt. War reines Gezeter und Geteste das Getue. Als wir dann mal in einen Starkregen gekommen sind bin ich abgestiegen und hab mich mit ihr unter einem Baum untergestellt. Mein Pferd hasst nasswerden nämlich... und das war schon echt richtig heftig. Sie ist auch kein Pferd, das gerne stehenbleibt. Aber dieser Moment, der total lächerlich klingt, zu zweit bei strömenden Regen unter dem Baum... das war ein Klickmoment für uns. SIe ist noch nie so ruhig und dicht neben mir gestanden. Seitdem ist sie nie wieder einfach irgendwo stehengeblieben und hat gezickt. Ich habe das nicht kalkuliert, dass das so läuft, das war ein Nebenprodukt der eig blöden Situation und hat uns näher zusammengebracht. Man erreicht mit 10000 Stunden Bodenarbeit nicht so viel wie wenn man einfach alle Situationen des Lebens mit Pferd durchsteht. 

Antwort
von LoveDancing, 74

Ich denke, dass du dir einen professionellen Trainer suchen solltest. Alleine würde ich Beichte mehr an dem Pferd rumprobieren ;)

Antwort
von Isipulli, 6

Hallo Lisapeacelise,

steht zwar schon allerhand da, trotzdem will ich bestätigen und noch ein bisschen was Neues hinzufügen.

Nicht neu: Pferde sind Herden- und Fluchttiere. Es gibt einen Herdenchef und der bist Du!!! Auch nicht neu, doch kennst Du die Eigenschaften des vierbeinigen Herdenchefs? Er strahlt Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit aus.

Bodenarbeit: die bringt nur was, wenn du "Chef" mit den entsprechenden Eigenschaften bist.

Die beschriebenen Erfahrungen beim Wanderreiten in einer erfahrenen Gruppe kann ich nur bestätigen. Das Pferd lernt und Du auch.

ad Turnierreiten: würde ich mit einem Pferd in dem Alter auch lassen. Wobei 6,0 eine ganz tolle Note ist.

ad eigenes Pferd: ein Pferd kauft man mit dem "Hintern". D.h. man fühlt sich wohl drauf. Also auch hier Bestätigung: überleg, ob Du das Pferd verkaufst oder veschenkst, dann noch mal (auch psychologisch) guten Unterricht nimmst und dann ein Pferd kaufst wie eben beschrieben.

Viel Weisheit und Erfolg bei der Findung Deiner ganz persönlichen Lösung!

Antwort
von StandingStill, 24

Also ich würde sagen mit 22 kannst du Turniere vergessen, wenn es das noch nicht gewöhnt ist, wird das in dem alter auch nichts mehr, mit meinem Pferd ist es die gleiche Situation, obwohl sie 'erst' 11 ist. Aber bei meinem Pferd hilft bodenarbeit, weil man da klare regeln aufstellt aber trotzdem geduldig bleibt, ich würde dir das mal empfehlen (also nach parelli) lg j :)

Antwort
von krizzyyy, 63

Das klingt alles etwas schwierig & kompliziert... hast du jetzt das Pferd gekauft, das dich früher verarscht hat ?

Antwort
von engelsliebe, 62

Probier es mit bodenarbeit

Wenn du dich traust und das pferd nichts macht setz dich mit auf die koppel und ja hab futter leckerlies oder so dabei. Erstmal rein körperlich da sein und dem pferd zeigen hey da gibts fressen 

Falls du die zeit und den aufwand und es dir nicht in die hand beißt füttere es aus der hand nur noch bissel was in den trug aber sons nur über dich 

Wenn du hn reitest zeig ihm du bist der herr und nicht das pferd es muss auf dich gehorchen auch wenn er links lang will nimm rechts

Geh mit ihm viel spazieren unternehm viel mit dem pferd und ganz wichtig das putzen! Nicht nur für die fellpflege es ist eine massage für das pferd und auch sehr gut für die bindung. Pferde die sich mögen knabbeln an dessen anderen also nimm die hand und knabbel an ihm er wird dich dann mit dem mund am arm oder so knabbeln abschlabbern streichel ihn und versuch dich zu überwinden immerhin wollt ihr freunde werden der den einen trägt und der andere der ihn leitet

Ich wünsche euch viel glück falls mir noch was einfällt kommentiere ich es

Kommentar von MissDeathMetal ,

ich komm nicht mit. Wozu mit Futter auf die Weide? Sehr gefährlich wenn andere Pferde aufdringlich werden. Unnötig Rangkämpfe provozieren finde ich nicht gerade verantwortungsbewusst... warum dauernd aus der Hand füttern? Soll das Pferd in ihr einen wandelnden Futterspender sehen oder wie genau soll das wirken? Fellpflege ja, allerdings sehe ich es etwas kritisch dauernd am Pferd rumzumassieren wenn es einen eh nicht ernst nimmt. Kraulen ist eine freundschaftliche Leistung, und wenn mich ein Pferd dauernd anrempelt und nicht akzeptiert, dann gibts das einfach nicht. 

Kommentar von engelsliebe ,

1. Pferd logischerweise alleine auf der weide haben

2. Damit das pferd lernt sie ist nichts gefährliches und vor ihr muss man keine angst haben 

3. Sie soll selbst lernen hey das pferd kann auch friedlich sein und mich mögen und vertrauen aufbauen

4. Das siehst du so und man muss es ja nicht 24/7 machen

Kommentar von Urlewas ,

Sich zu einem Pferd auf die Weide zu setzen ist ziemlich gefährlich. Besonders, wenn das Pferd so ist, wie oben beschrieben.

Kommentar von MissDeathMetal ,

warum logischerweise? Artgerechte Pferdehaltung ist immer eine Herde, die Pferde einzeln verpackt auf kleine Weidestückchen zu stellen ist unsinnig. Daher ist das Pferd logischerweise mit anderen Pferden auf der Weide. Und was interessiert das Pferd so n blöder Apfel o.ä. wenn überall Gras wächst? Wie sagt man so schön? Pädagogisch nicht wertvoll diese Idee.... 

Das Pferd verarscht die liebe FS, das Tier hat wohl keine Angst vor ihr sondern respektiert sie nicht. Sich mit Futter und Kraulen einschleimen macht sie höchstens noch rangniedriger als sie eh schon ist. Wenn es hart auf hart kommt wird künftig nur noch grob geputzt damit die Sattellage sauber ist. Ein Pferd, welches arschig zu mir ist braucht sich keine Krauleinheiten wünschen... 

Wie baut man Vertrauen auf wenn man mit Futter auf der Weide hockt?? 

Antwort
von liquorcabinet, 60

Ist dein Pferd mit 22 Jahren nicht schon viel zu alt für den Reitsport?

Kommentar von engelsliebe ,

Wenn das pferd fitt ist kann man es noch reiten nur man sollte ihm längere pausen zwischen trab Schritt und galopp lassen. Ihn nicht ganz so viel triezen und an langen zügeln reiten. Und sich quasie dem pferd anpassen mit dem alter gehen und nicht denken ach der ist erst 6 oder so. Je nach pferd kann es auch kommen das er nur noch schritt laufen kann aber immerhin etwas.

Auf nem anderen hof haben wir eine 34 jährige islandstute und die wurde bis ca 26 oder so voll geritten also die gang arten. Wurde aber eher für kleine kinder verwendet da sie die ruhe selbst hat und auch damit umgeht wenn sie nicht richtig im sattel sitzen. Zum schluss ritt sie nur noch schritt aber mitlerweile ist sie beistell und führpferd weil man ihren alten knochen die last nicht antuen möchte. Sie ist auch sehr dünn da sie schlechte zähne hat bekommt spezielles futter aber sie WILL leben. Es sah die letzten winter schon oft aus als müsste man sie erlösen aber sie ist jeden winter wieder aufgestanden. Aber alle wissen es ist bald vorbei mit ihr. Unser kleiner süßer schatz, wir haben immerhin ihre kinder noch ;)

Kommentar von MissDeathMetal ,

Kenne Pferde die laufen mit 22 besser als manch 8 jährige... das kommt immer auf das Pferd und seinen Gesundheitsstatus an. Generell ist ein Pferd mit 22 aber absolut nicht alt! 

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