Frage von JackySmith, 49

Wie kann ich denn so ein Gespräch führen, wenn ich gar nicht recht weiß, was mich an ihr stört?

Ich mach im Moment Praktikum und bin im Unternehmen schon in mehreren Abteilungen eingesetzt gewesen. Bisher hatte ich keine Probleme und kam soweit auch gut mit den Kollegen zurecht.

Am Empfang ist kürzlich eine Kollegin ausgefallen, sodass ich jetzt am Empfang sitzen und dadurch auch eng mit der Hausleitung zusammenarbeiten muss, die durch den Ausfall sehr unter Stress steht.

Ich war erst vier Tage am Empfang und habe tatsächlich meine Probleme damit, mit der Leiterin zusammenzuarbeiten. Ich habe am vierten Tag weinend das Haus verlassen. Vom Charakter ist sie eher schwierig. So viel kann ich sagen. Und ich denke, soweit liege ich damit nicht verkehrt, weil das Feedback auch vermehrt aus anderen Abteilungen kommt. Und diese mir schon ihre Hilfe angeboten haben, falls Probleme auftreten, wobei noch nichts konkret passiert ist. Es keinen Anlass gab.

Am kommenden Mittwoch kommen meine Lehrer vorbei um zu sehen, wie es läuft. Ich möchte nicht, dass sie dann aus allen Wolken fällt und in diesem Gespräch damit überrascht wird, dass ich nicht so klar komme. Deswegen dachte ich daran, vorher nochmal ein (wohlwollendes) Gespräch mit ihr zu führen. Da könnt man ja dann auch besprechen, was ich selber noch besser machen kann und wo sie vielleicht noch Tipps für mich hätte.

Problematisch ist, ich kann nicht genau greifen, wo nun genau meine Probleme mit ihr liegen. Es ist auch nichts Grobes vorgefallen, woran ich das festmachen könnte. Ich will jetzt nicht hingehen und sagen: "Irgendwas in ihrer Art ist schwierig. Das blockiert mich". Im Prinzip kann man mit dieser Information ja nicht wirklich arbeiten. Und konstruktiv ist's auch nicht.

Habt ihr irgendwelche Tipps für mich, wie ich doch noch ein konstruktives Gespräch zu Stande bringen kann? Oder ist das ohne vernünftige Grundlage eigentlich sinnlos?

Antwort
von Lichtpflicht, 28

Naja, wenn du schon einmal weinend aus dem Haus gerannt bist, kann ja nicht nichts das Problem sein.

Wenn du nicht sachlich aufzählen kannst, welche konkreten Punkte du an ihrer Art nicht magst, dann zähle Situationen auf. Zum Beispiel die, bei der du geweint hast. Warum hast du geweint? Was ist vorher passiert? Was hat sie gesagt/getan? Warum hat dich das angegriffen?

Ich lese aus deiner Frage auch heraus, dass du dich bereits bei Kollegen darüber beklagt oder Andeutungen gemacht hast... Das ist eine ganz, ganz schlechte Idee, damit macht man sich ausschliesslich Probleme, denn natürlich wird die Leiterin davon erfahren. Bei jeder Art von Lästerei oder Klage auf Arbeit sollte man sich komplett heraus halten, es fliegt einem irgendwann um die Ohren.

Schwierige, unsympathische Menschen wirst du im Arbeitsleben immer wieder treffen. Mit diesen muss man ebenso auskommen lernen, und sollte dabei das Arbeits-Ich vom Privat-Ich trennen... So dass dich dieser Kollege nie auf einer persönlichen Ebene angreifen kann.

Wenn du mit der Leiterin sprichst, mach keine vagen Vorwürfe, sondern schildere konkrete Situationen, die dich auf welche Art auch immer angegriffen haben.

Da ansonsten jedoch nicht viel passiert ist, wirst du ja auch deinen Lehrern nicht viel zu berichten haben. Ich würde auch nicht anfangen, dich zu beklagen wenn du nicht vorher mit der Leiterin gesprochen hast.

Kommentar von JackySmith ,

Ein Wechsel zwischen nett und streng, freundlich und abgewandt, Hilfe geben und Hilfe eher nicht gebend wollend, verständnisvoll und nicht verstehen, Entscheidungen treffen (je nachdem wie ihr spontan so ist). Das ist, was mir auffällt, was für mich aber nichts konkretes ist, was man anprangern könnte.

Nein, beklagt habe ich mich nicht. Das ist tatsächlich etwas, was von den Kollegen selber kam. Und Lästereien gibt es da schon ganz ohne mein Zutun. Ich beteilige mich auch nicht daran. Nur dass ich mich dort unwohl fühle, das kann durchgeschimmert sein.

Nur wie gesagt, würde ich das gerne vorher mit ihr klären, bevor ich zu jemand anderem gehe. Das erscheint mir am Sinnvollsten.

Antwort
von MarkusGenervt, 33

Wieso weinst Du, wenn nicht Konkretes vorgefallen ist?!?

Das macht jetzt irgendwie keinen Sinn …

Aber vielleicht formulierst Du trotzdem einmal aus, warum genau sie so schwierig ist.

Kommentar von JackySmith ,

Ich bin da sehr empfindlich. Wenn jemand von seiner Art her nicht einheitlich ist, komme ich damit in der Regel nicht so gut klar. Ist druchaus ein Problem bei mir. Im Prinzip müsste ich drüber stehen und weiter gehts. Das kann ich aber noch nicht so gut. Deswegen wollte ich jetzt nach meinen Möglichkeiten einen Weg finden, um mit dem jetzigen Problem umzugehen.

Ich würde die Dinge konkret benennen, wenn ich könnte. Ist aber nicht so einfach. Um jetzt Situationen zu schildern, fand ich den Platz hier nicht wirklich ausreichend. Und es ist ja, wie gesagt, auch noch nichts Schlimmes vorgefallen.

Kommentar von MarkusGenervt ,

Wenn nichts Schlimmes vorgefallen ist weint man auch nicht. Also ist FÜR DICH etwas Schlimmes vorgefallen. Darüber solltest Du dir dann auch mal Gedanken machen.

Allerdings denke ich, wenn Du so super-sensibel bist und mit solchen Menschen gar nicht klar kommst, dann hat es auch wenig Sinn, mit solchen Menschen zu arbeiten.

Der Arbeitsalltag ist oft stressig und dann reagieren die Kollegen/Chefs bevor sie Zeit finden können, sich erst mal um Deine Befindlichkeiten Gedanken zu machen. das ist nicht böse oder absichtlich, das ist einfach so.

Entweder Du findest einen Weg – für Dich –, solche Menschen zu nehmen, wie sie sind, oder Du solltest Dich um ein Praktikum/Beruf kümmern, in dem so etwas nicht vorkommt. Das wird aber schwierig.

Setz Dich nochmal hin, gehe die ganze Situation im Kopf nochmal durch und analysiere, was es genau war, was Dich so aus der Fassung gebracht hat. Ignoriere dabei aber, was Andere dazu sagen würde. Es geht jetzt nur um dich und wie es bei Dir rüber kommt. Wenn Dir das klar wird, ist der nächste Schritt, herauszufinden, warum es so ist, um im letzten Schritt zu erkennen, dass das alles völliger Mumpitz ist und Du Dich völlig umsonst selbst fertig gemacht hast.

Ich bin hier, wenn Du noch Hilfe brauchst.

Kommentar von JackySmith ,

Doch es macht Sinn mit diesen Menschen zusammenzuarbeiten. Nur so kann ich lernen, zukünftig gut mit ihnen auszukommen. Bin ja nicht nur sensibel, sondern auch lernfähig :-)

So'n völliger Mumpitz, wie du denkst, ist das nicht. Aber dass man sich deswegen normalerweise nicht fertig machen brauch, das hab ich schon längst begriffen. Trotzdem ist die Situation für mich da. Und ich würde sie gerne so gut klären, wie es geht.

Kommentar von MarkusGenervt ,

Das ist ja auch durchaus lobenswert! Aber VOR dem Klären mit Anderen solltest Du unbedingt SELBST im Klaren sein, wo genau Deine Schwachstelle liegt. Wenn Du mit der Ansage kommst, dass Du Probleme hast, aber nicht genau weißt was es ist, dann wird Dich jeder erst mal zum Gedankensortieren nach Hause schicken – im besten Fall.

Das wird es nur noch schlimmer machen, wenn Du Dich einer unangenehmen Situation zwangsweise aussetzt, ohne zu wissen, warum es unangenehm ist. Erst wenn Dir das klar ist, kannst Du damit anfangen, Dich dem auszuliefern, um zu lernen, damit umzugehen.

Kennst Du instrumentelles Konditionieren (Pawlow)?

Das ist der Effekt – nur eben negativ – den Du mit Deinem Weg erzeugst. Irgendwann gehst Du zur Arbeit und hast Schmerzen oder fühlst Dich krank, OHNE dass tatsächlich überhaupt etwas vorgefallen ist.

Deshalb nimm Dir die Zeit und analysiere Deine Stress-Situationen, um sie zu begreifen, bzw. erst einmal zu benennen.

Kommentar von JackySmith ,

Spätestens bis Mittwoch muss aber etwas passieren. Wenn ich nämlich in dem 5-Personen-Gespräch sitze und mein Unwohlsein nicht verbergen kann, spätestens dann werde ich gefragt, was los ist. Und dann gibt es ein Gespräch, ob ich möchte oder nicht.

Ich finde deinen Rat gut. Ich bin da überwiegend bei dir. Hätte ich vielleicht noch eine Woche, könnte ich nochmal gucken in der Arbeit mit ihr, was eigentlich los ist und mir darüber besser klar werden. Nur so ist das zeitlich sehr knapp.

Kommentar von MarkusGenervt ,

Ja, das ist schon alles ziemlich knapp. Selbsterkenntnis lernt man leider auch nicht über Nacht.

Aber 5 Tage sind 5 Tage, die du noch Zeit hast und diese Zeit solltest Du nutzen.

Im übrigen wäre ich auch immer vorsichtig mit "Kollegen". Die reden erst nett und freundschaftlich und hinter Deinem Rücken nageln sie Dich an die Wand.

Aber das wirst Du auch noch kennen lernen.

Soll aber nicht heißen, dass alle so sind. Man sollte sie halt erst mal richtig gut kennen lernen, bevor man sich ihnen "ausliefert".

Doch ein Schritt nach dem Anderen.

Kommentar von JackySmith ,

Kollegen meine ich doch nur beruflich,  nicht Freundschaftlich oder ähnliches^^

Genau genommen sind es zwei Tage.

Kommentar von JackySmith ,

Ach so meinst du das mit den Kollegen. Ok, hab's verstanden^^

Kommentar von JackySmith ,

Ich versuche natürlich trotzdem, es für mich zu konkretisieren.

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