Frage von CountDracula, 126

Wie kann ich dafür sorgen, dass ich als Mann wahrgenommen werde?

Hallo,

ich bin ein Transmann. Mein Problem: In der Öffentlichkeit werde ich noch immer von vielen als Frau wahrgenommen. Was kann ich tun, um mehr als Mann wahrgenommen zu werden? Welche Verhaltensweisen sind da hilfreich, welche eher nicht?

Antwort
von EinNarr, 47

Ich hoffe ich trete dir damit nicht direkt zu Beginn auf die Füße aber - ich kann Begriffen wie Transmann nichts abgewinnen.

Du bist ein Mann. Du bist keine Frau, die sich spontan entschied heute mal ein Mann zu werden und du bist auch keine Frau, die nun ein Mann werden will oder was für, stellenweise wahnwitzige, Beschreibungen sich finden lassen. Ich hoffe es ist also okay, wenn ich weiterführend diese Haltung beibehalte und in dem nachfolgenden Text dich als das sehe, was du bist - ein Mann.

Die Wirkung in der Öffentlichkeit ist enorm schwer. Viele Faktoren werden als feminin oder maskulin erachtet und es gibt immer noch viele, die meinen eine sexuelle Orientierung an der Kleidung und an der Frisur erkennen zu können - selbiges auch bei politischen Haltungen, der bevorzugten Musikrichtung, dem Intellekt und dem Erfolg, egal in welche Richtung. 

Am Ende versteifen sich viele darauf, jemanden nicht als das wahrzunehmen was er eigentlich ist, sondern ihn als das wahrzunehmen, was sie meinen, dass dieser Mensch sein muss aufgrund der äußeren Erscheinung. 

Das Unterfangen, als das wahrgenommen zu werden was man ist, gestaltet sich in diesem gesellschaftlichen Kontext also denkbar schwer.

In erster Linie gilt jedoch, dass sich verstellen nicht lohnt. Sobald man sich verstellt und anfängt Dinge zu tun oder zu tragen, die man eigentlich nicht möchte, hört man schlicht auf man selbst zu sein. Es ist an der Stelle seltsam - um als das wahrgenommen werden zu wollen, was man ist, müsste man also Dinge tun/tragen/et cetera die eigentlich nicht zu einem gehören. 

An der Stelle muss man sich entscheiden: Das sein was man ist und falsch wahrgenommen werden oder sich verstellen und "richtig" wahrgenommen werden?

Jeder findet Dinge an sich, die ihm nicht gefallen. Sie sind nicht [adjektiv einfügen] genug und daran kann man natürlich auch etwas tun - vielleicht tut sich dann auch etwas in der Wahrnehmung des Umfelds. Im Endeffekt besteht also, so meine Auffassung, die Arbeit darin möglichst die Maßnahmen zu ergreifen, damit man sich selbst gut oder sogar besser fühlt. 

An der Stelle schlägt sich ein Bogen zum Anfang. Wenn deine Umgebung dich als Frau wahrnimmt, also als nicht maskulin und männlich genug, dann wird sich das sicherlich auch ändern, wenn du eben diese Stellen, die dir noch nicht gefallen "ausbesserst" beziehungsweise zu kaschieren lernst. 

Bis dahin bleibt aber stehen:

Du bist nicht das, was andere sehen, du bist das, was du in dir siehst - dementsprechend ein Mann.

Als Mann musst du auch keine männlichen Verhaltensweisen einstudieren oder vermeiden. Das ist dein Geschlecht, nicht mehr. Man muss nicht breitbeinig sitzen um ein Mann zu sein oder im stehen urinieren - das wäre schlichtes abarbeiten von gängigen Klischees. Es mag abgedroschen klingen aber sei du selbst und nicht das, was andere in dir sehen sollen. Mit dem Abbau der "Problemzonen" wird sich womöglich die Wirkung eh ganz von alleine einstellen aber das ist eine Veränderung, die dir entspricht - dem was du bist.

Ich wünsche dir alles Liebe und Gute auf deinem weiteren Weg. 

Liebe Grüße.


Kommentar von CountDracula ,

Wow, danke für die Antwort :) "Du bist ein Mann" - es tut wirklich gut, das zur Abwechslung mal zu hören :)

Kommentar von EinNarr ,

Wer bin ich, dass ich mich über dich stellen darf und dir, einem Herren gleich, zu habe was du bist und was nicht? Klar, wenn du versuchen würdest verständlich zu machen, dass du ein Goldfisch seist, dann hätte ich wohl doch eine handvoll berichtigte Einwände aber in diesem Fall - sicher nicht. 

Ein guter Freund, ein gerade von der Optik (Kleidung, Frisur et cetera) sehr wechselhafter Mensch, wurde in meiner Gegenwart schon als vieles bezeichnet. "Schwu**t*l", "Nazi", "H*rtzer", "Hipster", "Linksradikaler", "B*nkenh*ini" und so weiter - mit der Liste ließe sich ein Buch füllen, welches einen sicher über den Winter brächte.

Wenn man wirklich wissen will was und wer jemand ist, es einen auch wirklich interessiert, dann spricht man mit ihm und hört sich an, was er zu sagen hat. Du sagst von dir selbst, dass du ein Mann bist, also bist du auch einer und das ohne Prä- oder Suffix, die stellvertretend ein "aber" symbolisieren, dass es nicht geben sollte, da es trennt, was nicht zu trennen ist.

Es ist hart aber an einem gewissen Punkt muss man aufhören, der Wertung des Umfelds eine zu große Betrachtung zu schenken. Es lohnt nicht dem, der viel meint und wenig weiß, es noch recht zu machen, nur um ihm eine Selbstverständlichkeit zu entlocken - nämlich das der optische Eindruck nie die endgültige Meinung sein sollte, wenn es um einen Menschen geht und das was er ist.

In diesem Sinne eine gute Nacht und

Liebe Grüße.

Kommentar von CountDracula ,

Du kannst Dich gut ausdrücken :)

Antwort
von Attagus, 9

Bist du nun biologisch gesehen ein Mann oder eine Frau? Wenn du biologisch weiblich bist, aber als komplett männlich erkannt werden möchtest, da gibt es in letzter Konsequenz nach "männlicher" Kleidung und "männlichem" Verhalten nur noch die Hormontherapie und eine Geschlechtsumwandlung. Aber selbst danach würdest du weiterhin eine biologische Frau sein, nur halt mit einem umoperierten primären und sekundären Geschlechtsteil und einem manipulierten Hormonhaushalt.


Dabei gibt es jedoch den Sonderfall der Geschlechtsdysphorie, bei welchem dein Gehirn Hormonell bedingt auf "Mann" programmiert ist und du damit auch "männlich" bist, aber der Körper nicht dazu passt aus genetischen Gründen. Soweit ich weiß ist das behandelbar. Abermalls durch eine Hormontherapie und Operationen, um den Körper anzupassen.

Kommentar von CountDracula ,

Danke für die Antwort. :)

Laut Neurowissenschaftlern ist dieser "Sonderfall" wahrscheinlich bei jedem Transgender vorhanden...

Kommentar von Attagus ,

Das habe ich bislang noch nicht gehört. Was ich gelesen habe ist, dass Geschlechtsdysphorie äußerst selten ist, da es sich dabei um eine Art Fehlentwicklung handelt, so wie das Wachstum eines dritten Beins am Menschen eine Fehlentwicklung ist. Geschlechtsdysphorie muss als solche diagnostiziert werden, woraufhin dann eine Behandlung beginnen kann, um die Diskrepanz entsprechend auszubessern.

Antwort
von TheeUnicoorn, 25

Ich kenne mich da echt nicht aus, aber man kann doch Hormone "schlucken" oder? Für eine tiefere Stimme etc...vielleicht hilft dir das ja ein bisschen weiter
Vergiss aber niemals, dass du der Mensch bist für den du dich selber hälst und du niemandem irgendetwas beweisen musst!

Ganz liebe Grüße:)

Kommentar von CountDracula ,

Um eine Hormontherapie anfangen zu können, muss man mindestens ein Jahr im Zielgeschlecht gelebt haben und mindestens ein Jahru ununterbrochen Psychotherapie gehabt haben. Dann schreibt der Therapeut eine Empfehlung für eine Hormontherapie, mit der man zum Endokrinologen ("Hormonarzt") geht. Und dann erst bekommt man die Hormone.

Antwort
von gottesanbeterin, 29

Es ist doch egal, wie du von anderen wahrgenommen wirst, entscheidend ist doch, wie du dich selbst wahr- und annimmst!

Kommentar von CountDracula ,

Es ist aber unangenehm, wenn ich zum Frisör gehe und durch den ganzen Laden gebrüllt wird: "Die Dame bitte!"

Kommentar von gottesanbeterin ,

Eben, es ist dir unangenehm; ich weiß, es ist schwer, doch nimms einfach nicht persönlich, sieh es mit Humor und verzeihe denen, die dich absichtlich oder unabsichtlich verletzten. Du wirst doch deinen Gemütszustand nicht von der "Öffentlichkeit" abhängig machen. Du hast dich entschieden; du solltest dann auch lernen, damit umzugehen ohne zu leiden; oder leidest und lamentierst du etwa gerne?

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