Frage von Hyzenthlay1994, 75

Wie kann ich Bulimie-kranker Freundin (20 Jahre alt) wirklich helfen?

Hallo.

In meinen Wissensthemen auf GuteFrage.Net habe ich (21 Jahre) zwar Essstörung und Magersucht angegeben, aber nicht konkret den Begriff Bulimie. Ich selbst litt vor ein paar Jahren unter Magersucht.

Meine Lehrzeit war von Ablenkung geprägt; ständig war ich damit beschäftigt, meine Essstörung vor den anderen zu verbergen und ihr zugleich jenen Raum zu geben, den sie brauchte. Ich zog mich komplett zurück, hatte nur noch meine Kontrolle und Zwänge im Kopf, Musik hören mit Freunden kannte ich nicht (mehr), auch kein Shoppen, Schminken...Obwohl ich nichts mehr fühlte und mich innere Müdigkeit überkam, trieb ich Sport bis zum Abwinken. Irgendwann zog ich die Reissleine!

Mit den Jahren gewann ich mehr und mehr ein besseres Körpergefühl zurück, übte Hobbys aus, nahm wieder an allen Familienfeiern teil, ging öfters vor die Tür und lernte somit neue wunderbare Menschen kennen...darunter meine Freundin, die seit einem Jahr an Bulimie leidet...Doch ihre Essstörung äussert sich in einigen Punkten anders, als meine Magersucht damals (und auch heute noch)

Und genau darum geht es in meiner Frage:

Meine Freundin kämpft einsam gegen die Bulimie. Obwohl wir erst seit einem Jahr befreundet sind, vertrauen wir uns schon sehr viele innere Gefühle an. Trotz hohem Druck, Perfektionismus und der Bulimie, die sich inzwischen mehr zu einer Magersucht entwickelt, macht sie hie und da Party, geht raus. Mich hat es berührt, als sie mich um Rat gefragt hat. Ich bewundere sie für ihren Mut, mir zu sagen, dass es ihr momentan gar nicht gut gehe. In meiner Antwort habe ich ihr angeboten, sie persönlich zu treffen, um ihre Situation einschätzen zu können, welche Tipps ich mir anmassen kann, und was ihr wirklich helfen könnte.

Nun werde ich sie am Sonntag auf einem Spaziergang mit ihrem Pferd (eine Art Therapie für sie) durch die Natur begleiten. Egal was sie mir erzählen wird, vor einer entscheidenden Situation fürchte ich mich: Wie kann ich ihr als Freundin beistehen und helfen? Wir haben Gespräche über unsere übereinstimmenden Gründe für die Essstörung geführt. Doch sie leidet anders, als ich damals gelitten habe. Sie verausgabt sich in Form von Arbeiten, rausgehen (um sich abzulenken), sich hübsch stylen, etc...

Am einen Tag ist sie völlig verzweifelt und sich der Krankheit sehr bewusst, und am anderen Tag postet sie stolz Vorher-Nachher-Fotos und wird von "Freunden" für ihre Figur gelobt...Sie spielt ein nahezu perfektes Spiel...Andererseits müsste jeder erkennen, dass die Proportionen längst nicht mehr stimmen und die Posen extrem gestellt sind! Ihr Zustand lässt mich langsam unruhig schlafen. In meiner schlimmsten Phase im KH hatte ich einen Puls von 22. Selbst meine Eltern waren überrascht und geschockt. Da war ich etwa so dünn wie meine Freundin jetzt ist. Sie friert ständig, ist müde und vergesslich/unberechenbar. Ich habe das Gefühl, niemand nimmt zu 100% Notiz davon!

Was kann ich zu ihr sagen? Was besser nicht? Was kann oder muss ich tun?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von yolose, 31

Aus der persönlichen Erfahrung kann ich dir nur sagen: Das lustig weiter "wegschweigen", oder so tun als ob es gar kein Problem gibt, macht die Situation nur noch schlimmer.

Ich habe damals meine Bulimiekranke Freunde gefragt, ob sie weiß, dass sie ein großes Problem hat und was sie gedenkt dagegen zu tun. Ich habe ihr signalisiert, dass ich sie unterstützen werden so gut ich kann, aber die entscheidenden Schritte müssen von ihr kommen.

Denn - du kannst niemanden ändern. Wenn sie ihre Probleme nicht angehen wollen, dann ist das traurig, aber ihr Weg.

Meine Freundin hat damals übrigens eine Therapie gemacht und ihre Krankheit mehr oder weniger gut im Griff (in extremen Stresssituationen wird sie manchmal rückfällig, kann sich dann aber gut fangen.)

Egal was du machst - wenn es dazu beiträgt das Thema anzusprechen - ist es super!


Liebe Grüße und toi toi toi!


Kommentar von Hyzenthlay1994 ,

Vielen Dank für diesen sehr persönlichen Erfahrungsbericht. So ist es: Letztens habe ich meiner Freundin übrigens gesagt, dass ich ihre aktuell geposteten "in-Szene-setz / Feiert-den-Erfolg-Fotos" bewusst nicht mit "Gefällt mir" markiert habe. Ich hätte es nicht fertiggebracht....Ich werde sie unterstützen in allem, was mit gesund werden wollen zu tun hat, und ich werde sie für keinen Schritt und keinen Rückfall belächeln oder gar verurteilen. Das werde ich ihr auf alle Fälle unmissverständlich zu verstehen geben.

Liebe Grüsse zurück...

Antwort
von Nordstromboni, 43

Ich würde an deiner Stelle gleich Nägel mit Köpfen machen.

Psychologen / Klinik mit ihr raus suchen und da gleich anrufen wegen einem Termin

Mit deiner Frage siehst du ja selber das du ihr eigentlich kaum "wirklich" helfen kannst

Benutze denn Schwung der bei dem Gespräch entsteht und lenke sie in die richtige Richtung

Gegeben falls du das du mit ihr gemeinsam das Gespräch mit denn Eltern suchst (falls das relevant wäre)

Kommentar von Hyzenthlay1994 ,

Danke für das Stichwort. Sie geht seit ein paar Monaten regelmässig zu einer Psychologin. Die übliche 1-Stunde-Sitzung halt...Doch ich verspüre da keinerlei positive Veränderung.

Ich hatte damals das "Glück", vor meiner ersten psychologischen Therapie ziemlich rasch so richtig in mir zusammengebrochen zu sein...Danach konnte es für mich nämlich nur noch besser werden. Meine Freundin hingegen hat den Tiefpunkt ihrer Krankheit (noch) nicht erreicht, und somit läuten bei niemandem die Alarmglocken, so hart das auch klingen mag. Aber selbstverständlich will ich es auf keinen Fall so weit kommen lassen...  

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