Frage von Klausikeyboard, 62

Wie kann ich bei fertigem Mix, Schlagzeug (Becken) nochmals mastern, Klang verändern, im Heimstudio?

Folgendes Problem besteht: Ich möchte einen fertrigen Mix,Quelle ist eine CD nochmals mastern, d.h. den Klang verändern. Die CD klingt insgesamt etwas dumpf , ohne jegliche Brillanz und mit wenig Auflösung, Klang ist irgendwie "zermatscht". Ich habe nun versucht mit Anhebung der Frequenzen ab 4000 Hz. die ganze Geschichte zui verbessern , mit dem Effekt, dass ich zwar eine Brillanz erreicht habe, aber immer dann, wenn vom Schlagzeug (Drums) , die Becken ungedämpft, d.h. nicht abgestoppt zum Einsatz kommen (ähnlich wie bei einem Tusch) klingen die Schlagzeugbecken unsauber, wie wenn bei einem Tonbandgerät das Band nicht richtig am Kopf anliegt, zischend und ohne klare Abgrenzung, wie Zischlaute die nicht korrekt gesprochen werden, klingt eventuell wie übersteuert. Wurde aber alles auf 0 dB eingestellt. Was kann ich tun ? Wo liegt das Problem ? An Technik sind vorhanden: Equalizer dbx231 (31 Band Stereo) Mixer Phonic 640 D USB mit Regelung für Höhen, Mitten und diese in der Frequenz regelbar, und Bässe. Kompressor Computer mit Windows 8.1 und Software NERO Platinum und NERO Wave Editor, Audacity, Magix Audio Cleaning Lab CD Player Onkyo C7030 abgehört wird mit einem Kopfhörer vom Typ Beyerdynamik DT860.

Im Voraus vielen Dank

Antwort
von TheStone, 34

Es ist nicht möglich, dir das genaues zu raten, ohne das Problem beim mastering der CD oder deinen Verbesserungsversuch gehört zu haben. 

Was ich dir sagen kann, ist, dass mastering ein gebiet ist, das ein ausführliches tontechnisches Wissen, ein (nicht nur im musikalischen Sinne) gutes gehör und sehr viel Erfahrung erfordert.

Was ich dir sagen kann, ist, dass dein Equipment für diese Aufgabe ehr ungeeignet ist. Mit deinem qualitativ minderwertigen Mixer und EQ wirst du nichts besser machen. 

Grundsätzlich brauchst du bei niedrigem Budget einen Softwaresequencer, in den du Plugins einbinden kannst (VST, Plugins, AU-Plugins, etc.)und dann eben einen guten EQ (am besten einen, mit dem du nicht nur die rechte und linke Seite getrennt bearbeiten kannst, sondern einen, der auch das Stereosignal in ein Mitten- und ein Seitensignal aufteilen kann und dich diese Signale getrennt bearbeiten lässt.

Zum EQing sei noch gesagt, dass es normalerweise effektiver ist und besser klingt, Problemfrequenzen abzusenken, statt andere zu boosten. Du solltest also versuchen, herauszufinden, welcher Frequenzbereich dafür sorgt, dass du den Mix als dumpf empfindest und ihn absenken. Erfahrungsgemäß solltest du da irgendwo bei 500Hz suchen...

 Auch ein gut klingendes Kompressorplugin ist nötig.

Außerdem kann ein Multibandkompressor nützlich sein. Ein Multibandkompressor regelt ein (oder mehrere) bestimmte(s), einstellbare Frequenzbänder herunter,sobald sie einen einstellbaren Pegel überschreiten. Mit diesen Tools kannst du versuchen, die Probleme in der Stereospur möglichst isoliert zu bearbeiten (also nichts anzufassen, was eigentlich gut klingt.) Für dein Problem scheint mir auch noch relevant zu sein, dass du im Hinterkopf behalten solltest, dass du nicht jeden Teil des Musikstückes mit den selben Einstellungen bearbeiten musst, sondern z.B. für jeden Formteil andere Filtereinstellungen benutzen kannst oder sogar ganz spezielle Einstellungen extra für bestimmte Problemstellen benutzen kannst. Außerdem solltest du drauf achten, dass die Plugins nicht übersteuern. Wenn du mit einer Aussteuerung von 0db in den EQ gehst und irgendwas boostest, übersteuert der EQ zwangsläufig. Also vor dem Master erstmal den Pegel runterdrehen um genug headroom für deine Bearbeitungen zu haben.

Nach dem du das so weit hinbekommen hast, solltest du nochmal zuerst mit Lautstärkeautomation und dann mit Kompressor und Limiter die Lautstärke der verschiedenen Teile des Stückes wieder angleichen und das Stück wieder auf 0db bringen.  

Kommentar von Klausikeyboard ,

Herzlichen Dank für die klasse Antwort.

Ich muß ergänzend noch mitteilen, dass ich nicht ganz unerfahren in der Tontechnik bin, aber als ehem. DDR -Bürger waren die Möglichkeiten nicht so groß, so dass ich erst in den letzten Jahren mich näher damit beschäftigen konnte, allerdings hauptsächlich in der Theorie.

Auch die musikalischen Kenntnisse sind vorhanden. Ich spiele selbst Keyboard und Gitarre.

Nun zu meinen ergänzenden Fragen:

Warum sind der Equalizer und der Mixer relativ minderwertig ? Von entsprechenden Händlern wurden mir die Geräte als gut und für meine Zwecke, Homerecording und Mastering zu Hause für mich privat und einige Musikerfreunde als ausreichend und geiiegnet empfohlen. Ich hatte eigentlich keinen Grund dem nicht zu glauben, denn man hätte mir ja auch noch teueres Equipment anbieten und verkaufen können, da hätten die Händler ja mehr davon gehabt. Welches Equipment würdest du denn für meinen Fall empfehlen. Wie gesagt der Einsatz erfolgt zu Hause als Amateur für den hausgebrauch und einige Freunde.

Weiterhin die Frage: Bringt das Absenken der Frequenzen um 500Hz nicht Probleme mit dem Gesang. Da der Kammerton "A" bei 400Hz liegt und somit anzunehmen ist, dass der Hauptanteil des Gesanges in diesem Bereich liegt, besteht die Befürchtung das der Gesang zu leise wird , bzw. nnoch weiter in den Hintergrund rückt, als er schon ist, denn es handelt sich um Liveaufnahmen, die ich mastern will. In der Literatur habe ich irgendwann einmal gelesen, wenn Aufnahmen zu dumpf und matschig klingen, sollte man Frequenzen um 4500 Hz und um 15000 Hz anheben. Ist das nicht richtig ?

Viele Grüße und nochmals herzlichen Dank

Kommentar von TheStone ,

"Von entsprechenden Händlern wurden mir die Geräte als gut und für meine Zwecke, Homerecording und Mastering zu Hause für mich privat und einige Musikerfreunde als ausreichend und geiiegnet empfohlen." Erstmal ist zum mastern ein parametrischer EQ geeigneter, da du durch dessen Einstellmöglichkeiten Probleme sehr viel gezielter angehen kannst. Außerdem sind in dieser Preisklasse ungenauigkeiten bei den einzelnen Frequenzbändern zu erwarten, so wie eine minderwertige Vorstufe, die speziell Probleme verursacht, wenn du Frequenzen boostest statt cuttest.  

"Welches Equipment würdest du denn für meinen Fall empfehlen. Wie gesagt der Einsatz erfolgt zu Hause als Amateur für den hausgebrauch und einige Freunde." In diesem Fall würde ich unbedingt Softwarelösungen bevorzugen. Damit lässt sich sehr sauber und präzise arbeiten.

"Weiterhin die Frage: Bringt das Absenken der Frequenzen um 500Hz nicht Probleme mit dem Gesang. Da der Kammerton "A" bei 400Hz liegt und somit anzunehmen ist, dass der Hauptanteil des Gesanges in diesem Bereich liegt, besteht die Befürchtung das der Gesang zu leise wird , bzw. nnoch weiter in den Hintergrund rückt, als er schon ist, denn es handelt sich um Liveaufnahmen, die ich mastern will. " Das musst du ausprobieren. Wie schon geschrieben: Konkrete tipps kann ich nicht geben ohne das Material zu hören.

Allerdings kann ich sagen, dass die Frequenzen, die für Sprachverständlichkeit sorgen und dafür, dass der Gesang klar und deutlich Hörbar ist, nicht in dessen Grundtonbereich liegt sondern eher bei 1000Hz aufwärts. Die Frequenzen, die dafür sorgen, dass ein Signal nah klingt sind sogar noch weit höher (das sind die, die am ehesten geschluckt werden, je weiter die Schallquelle sich entfernt und die liegen zwischen 8 und 20 kHz) Einen Versuch wäre es also durchaus wert...

Du könntest auch versuchen, die 500Hz etwas abzusenken und den Frequenzbereich zu finden, der speziell die Stimme die du aufgenommen hast, etwas präsenter macht und hoffen, dass der Bereich nicht der Selbe ist, auf dem die Schlagzeugbecken hauptsächlich zu hören sind. (also gezielt vorgehen und nicht einfach mal pauschal einen high shelf filter über 4,5kHz setzen.)

Daher auch mein Tip mit dem EQ der das Mitten und Seitensignal getrennt bearbeiten kann und dem Multibandkompressor, denn wenn du, wie das bei dir offensichtlich der Fall ist, beim mastern nochmal in den Mix eingreifen willst, kannst du alles gebrauchen, was dir dabei hilft, die problematischen Dinge zu isolieren, bevor du sie bearbeitest.)

Wie gesagt, ein Pauschalrezept gibts eigentlich nicht.  

"wenn Aufnahmen zu dumpf und matschig klingen, sollte man Frequenzen um 4500 Hz und um 15000 Hz anheben." So pauschal ist das nicht richtig. Erst recht, weil der Frequenzbereich sehr groß gewählt ist. Darin befinden sich die Becken des Schlagzeugs, die oft problematischen Zischlaute des Gesangs, Anteile der Anschlagsgeräusche diverser Instrumente, etc. 

Kommentar von Klausikeyboard ,

Ich bedanke mich nochmals recht herzlich für diese Antwort. Dabei habe ich auch einiges dazu gelernt.

Klausikeybaord

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