Wie kann es sein, dass manche Chlorverbindungen die Oktettregel nicht erfüllen?

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5 Antworten

Es geht nicht um "Haben" oder "Nichthaben".

Auch ein Wasserstoffatom "hat" alle Orbitale, nur haben die Elektronen nicht die Energie, sie zu "betreten".

Und auch Chlor "hat" keine Orbitale, oder alle.
Aber wenn schon mal 4 Orbitale der dritten Schale befüllt wurden, kann man die Frage stellen, warum die restlichen 5 d-Orbitale der dritten Schale nicht befüllt werden (können).

Zumal sie 4 Elemente weiter, beim Sc, offensichtlich die energetisch günstigste Lösung sind.

Die Lehrbücher der physikalischen Chemie sind sich da einig, aufgrund von "energetischen Berechnungen".
Habe auch erst "kürzlich" davon erfahren, dass die "Oktettaufweitung" falsch ist. Vor einigen Jahren also.

Mach dich mal über Schwefelhexafluorid schlau, das wäre das Paradebeispiel für eine d²sp³-Hybridsierung,
Oder auch für eine 7zentrische s-sigma-Bindung, und 6 Halbbindungen mit einzelnen Keulen eines p-Orbitals, zu je 2 F-Atomen.
Macht zusammen 4 Bindungen.

Vielleicht schickt ja jemand einen Link zum Schwefelhexafluorid.

Inzwischen tröste dich damit, dass Schule, Schulbücher, GuteFrage-Experten und andere gern auch mal Jahrzehnte hinter neuesten Forschungsergebnissen zurückliegen.

Ich bin damit auch nicht glücklich oder zufrieden, aber wer bin ich denn, sie zu bezweifeln?

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Kommentar von PeterJohann
25.11.2016, 00:09

Die gängigste Erklärung heutzutage wäre eventuell über die MO Theorie:

Cl-Atomorbitale wären 3s und 3p und bilden ein tetraedrisches sigma Gerüst (ich bin mir nicht mehr sicher ob das echte sp3-Hybride sind) = 4 sigma-Bindungen durch Linearkombination dieser Hybride mit Orbitalen (4*2p) der O-Atome.

Dazu kommen 3 antibindende sigma*p-Orbital die mit 3 besetzten 2p-pi-Orbitalen der Sauerstoffatome über eine Linearkombination 3 schwache pi-Bindungen ergeben -> d.h. durch Hyperkonjugation wird Ladung in die bindenden pi-Orbitale übertragen und es entstehen drei delokalisierte pi-Bindungen.

Das kann man über eine Lewis-Formel mit mesomeren Grenzstrukturen auch darstellen.

Ich glaube die Details sind im neuesten Riedel (Riedel/Janiak-Anorganische Chemie) beschrieben, darauf habe ich aber im Moment keine Zugriff.

PS:Ich vermisse die Oktettregel und die erweiterte Oktettregel - früher war alles einfacher, ALLES! 

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Sehe Dir auf dem beigegebenen Bild die Strukturformel der Perchlorsäure an.

Das Cl-Atom hat 7 Außenelektronen. Zur Bindung zu den O-Atomen sind je zwei Elektronen vom Cl und vom O beteiligt. Das 7. Elektron vom Cl geht zum O, an das auch das H gebunden ist.

Für Cl ist also wie auch für O die Oktettregel erfüllt. Der H hat sein eines Elektron in die Bindung zum O eingebracht.

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Kommentar von ThomasJNewton
24.11.2016, 21:57

Laut dem Bild hat es aber 14.

Und das Bild entspricht nicht wirklich deinen Worten.

Du weißt, dass Elektronenpaare nicht getrennt gezählt werden, bei der Umgebung eines Atoms.

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Wie kann es sein, dass manche Chlorverbindungen die Oktettregel nicht erfüllen?

Die Oktettregel ist eine grobe Verallgemeinerung, gröber als die Edelgasregel. Was durch die Edelgasregel erklärt werden kann existiert, meines Wissens. Der Umkehrschluß ist nicht zulässig. Auch Sachen, die sich mittels Edelgasregel nicht erklären lassen, können existieren.

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Perchlorsäure erfüllt doch die Oktettregel?

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Kommentar von freddie123
24.11.2016, 20:47

Es geht doch sieben Bindungen ein und hat somit quasi 14 Elektronen (anstatt 8 nach der Oktettregel)

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Kommentar von ThomasJNewton
24.11.2016, 22:52

Nicht ohne weiteres.

Du kannst natürlich vier Sigma-Einzelbindungungen von sp³-Hybriden annehmen.
Dann hätte das Cl allerdings eine fomale Ladung von +3.

Passt auch nicht wirklich. Zum Gefühl.

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