Frage von DukeWellington, 39

Wie kann es sein, dass Deutschland sich im ersten Weltkrieg fast 5 Jahre lang behaupten konnte?

Wie kann es sein, dass Deutschland im ersten Weltkrieg fast 5 Jahre gegen eine massige Übermacht ankam und fast sogar vor dem Sieg stand?

Schließlich kämpften sie gegen 3 Mächte und waren noch dazu gezwungen, an zwei Fronten zu kämpfen. Viele sagen ja auch, wenn die USA nicht noch eingetreten wäre, hätte Deutschland gewonnen. Aber wie ist das möglich? Ich meine gegen drei Großmächte, fast alleine. Schließlich musste man ja Österreich meistens noch helfen, sie waren also keine wirkliche Unterstützung.

Antwort
von RheumaBaer, 26

Ich denke,Deutschland hatte große technische und industrielle Möglichkeiten,Artillerietechnik,auch gab es wohl nach dem gewonnenen Krieg 1870/-71 viel Zustimmung und Zuversicht in der Bevölkerung,ich habe ein Buch über die Zeit in meiner Stadt gelesen,da war doch einige Begeisterung in der Luft. Das und die aggressive Strategie scheint doch erstmal verfangen zu haben-und leider sind wir auch im Erfinden von Grausamkeiten ziemlich weit vorne-Bombenangriffe auf Wohngebiete mit Zeppelinen,dann der erste massierte Bomberangriff auf ein ziviles Ziel in England mit frühen "Langstreckenbombern",die Gasangriffe,das brutale Vergeltungsverhalten in Belgien nach Angriffen von Widerständlern,"The Rape of Belgium". Das wird wohl auch dazu beigetragen haben,ist aber nicht sehr ruhmreich.

Antwort
von Hegemon, 16

Es waren 4 Jahre und 3 Monate. Zudem gehörten neben Österreich-Ungarn auch das Osmanische Reich und Bulgarien zu den Mittelmächten. Rußland hat die Reichsleitung 1917 ausgeschaltet, indem sie Väterchen Wladimir Iljitsch samt anderen Berufsrevolutionären und 'ner Kiste Gold nach Petrograd schickte.

Ich zitiere mal aus der Wikipedia:

"Deutschland verfügte zu Kriegsbeginn allerdings über mehr moderne schwere Artillerie als seine Gegner zusammen,[9] was vor allem im – allgemein nicht erwarteten – Grabenkrieg einen erheblichen Vorteil brachte. Die Infanteriebewaffnung war qualitativ (bezogen auf die Schussleistung) ausgeglichen, [...] Deutschland und Österreich-Ungarn hatten den geostrategischen Vorteil der Inneren Linie, wodurch die zahlenmäßige Überlegenheit der Entente zunächst nicht zum Tragen kam.[10]"

Daß Deutschland verlieren würde, war bereits mit dem Scheitern des Schlieffenplanes (Marneschlacht 1914) klar. Es war halt nur die Frage, wie lange man die erstarrte Front halten konnte, bis die Ressourcen erschöpft waren. Und das waren eben 4 Jahre.

Kommentar von DukeWellington ,

Das Deuschland verlieren würde, war mal ganz sicher nicht klar!!! Da gab es schon mehr als eine Situation.

Kommentar von Hegemon ,

Die Anzahl der Ausrufezeichen hat keinen Einfluß auf die
Gültigkeit einer Behauptung.

Was sagte der Chef des Großen Generalstabes Generaloberst
Helmut von Moltke (der Mann, der jahrelang akribisch den Aufmarsch und die Umsetzung des Schlieffenplanes geplant hatte - also jemand, der es genau wußte) unmittelbar nach der verlorenen Marneschlacht 1914 zu Wilhelm II.?

  "Majestät, wir haben den Krieg verloren!"

Warum sagte er das? Weil er als Planer des Krieges eben sehr
genau wußte, daß Deutschland schlicht und ergreifend die Ressourcen fehlten, einen langwierigen Stellungskrieg gegen einer Entente zu gewinnen, die im Gegensatz zum Deutschen Reich über etliche Kolonien verfügte und damit über Zugriff auf wesentlich mehr Steinkohle, Eisenerz, Erdöl usw. usf. Das Kräfteverhältnis an Wehrfähigen stand zudem 33 Millionen zu 179 Millionen.

Genau deshalb war der Krieg als eine Art "Blitzkrieg" geplant (Schlieffenplan). Man konnte an West- und Ostfront gegen diese Übermacht entweder den Krieg schnell gewinnen - oder gar
nicht.

Was war General Erich von Falkenhayns erste Amtshandlung,
nachdem er 1914 die Nachfolge Moltkes angetreten hatte? Er bat Reichskanzler von Bethmann Hollweg um WAFFENSTILLSTANDS-VERHANDLUNGEN, was jener zurückwies. Warum? Weil Falkenhayn wie sein Vorgänger genau wußte, daß der Krieg nicht mehr zu gewinnen war.

Daß die 3. OHL dann zwei Jahre dem Reich vorgauckelte, man
könne den Krieg doch noch gewinnen, sicherte ihre eine Machtposition, die de facto einer Militärdiktatur gleich kam und punktgenau in dem Moment endete, als die Niederlage nicht mehr zu verheimlichen war. Ihre Aussagen waren also genauso "glaubwürdig" wie die spätere Rechtfertigungsliteratur.

Kommentar von DukeWellington ,

Auch wenn wir gerade einen kleinen Disput führen, sehr gute Antwort

Gute Argumente, die ich selbst noch nicht kannte.

Ich meinte nur, nachdem man an der Ostfront gesiegt hatte, war ein Sieg nocheinmal kurz in greifbare Nähe gekommen, nur schlug der Durchbruch dann doch fehl

Kommentar von Hegemon ,

Ach was. Wir führen keinen Disput, wir tauschen nur Wissen aus. :-)

Antwort
von annokrat, 18

ist noch die frage, ob österreich-ungarn so bedeutungslos war, wie du es darstellst. die österreicher hatten die front in italien weit nach süden getrieben und standen wohl kurz vor genua.

ausserdem dürfte die türkei damals ein starker verbündeter gewesen sein.

dann betrachte mal die grenzen dieser länder vor dem 1. weltkrieg. das waren grosse reiche in europa. dementsprechend wird die wirtschaftskraft dieser länder gewesen sein.

russland dürfte zudem durch die revolutionsbewegung geschwächt gewesen sein.

annokrat

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte, 13

Es war ja nicht so, dass Deutschland ganz allein einen Mehrfrontenkrieg geführt hätte!

Es war mit Österreich-Ungarn, Bulgarien und dem Osmanischen Reich verbündet. Die eroberten Länder, z. B. Belgien, Serbien oder das spätere Polen, wurden den Kriegszwecken Deutschlands und seiner Verbündeten dienstbar gemacht.

Deutschland und seine Verbündeten haben den Krieg an der Ostfront sogar siegreich beendet, den Frieden von Brest-Litowsk erzwungen.

Mit seiner fortschrittlichen Ubootwaffe brachte Deutschland den Kriegsgegnern hohe Verluste bei. Der Stellungskrieg begünstigte u. a. mit seinen Maschinengewehren die Verteidiger. Im Laufe des Kriegsgeschehens mussten alle Kriegsgegner die Erfahrung machen, dass Offensiven den Angreifer erheblich mehr Opfer kosteten als den Verteidiger. So konnten über Jahre an der Westfront hüben wie drüben keine Ergebnisse erzielt werden.

Erst 1918 waren die westlichen Alliierten mit Hilfe der USA so stark und in der Lage, dass sie im Westen den Krieg gewinnen konnten. Das Deutsche Reich und seine Verbündeten konnten weder waffentechnisch noch von der Mannschaftsstärke her weiter mithalten und die Verluste im Kampfgeschehen ersetzen, die durch unnötige und im Ergebnis vergebliche Offensiven 1918 noch entstanden waren.

MfG

Arnold

Antwort
von hutten52, 12

1. Industrielle und militärische Stärke Deutschlands

2. Gut ausgebildete Soldaten und Offiziere, hohe Kampfmoral und Disziplin

3. Zusammenbruch des rückständigen Russlands 1917 

4. Österreich-Ungarn beschäftigte Italien und z. T Russland bis 1917

Kommentar von napoloni ,

Naja, in gewisser Weise hat Österreich-Ungarn am meisten Deutschland beschäftigt. Die Italienfront wurde passabel gehalten, während die Marine in der Adria weniger erfolgreich war. Aber wenn du die frühen Aufeinandertreffen der K.u.K.-Armee mit dem rückständigen Russland verfolgst, stellst du fest, dass Österreich-Ungarn noch rückständiger war und horrende Verluste erleiden musste.

Antwort
von wfwbinder, 20

Deutschland war stehend KO.

Durch den Stellungskrieg, der beide Seiten in ihren Schützengräber festgenagelt hatte, passierte an den Fronten nichts, ausser das im Geschützfeuer der Gegner massenhaft gestorben wurde.

Antwort
von JBEZorg, 11

Wie wär's damit GEschichtsbücher zu bemühen bevor man solche Fragen stellt? Der 1.Weltkrieg jheisst nicht umsonst Weltkrieg.

https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Weltkrieg#B.C3.BCndnissystem

Also kenen Blödsinn über das tapfere eine Deutschland das sich gegen "eine Übermacht" behauptet hatte.

Kommentar von Sagittarius1989 ,

die meiste arbeit hatte aber Deutschland da wir immer aushelfen mussten,die Türken wurden in Osten zurückgeworfen,die KUK auch,nur Deutschland konnte den Zusammenbruch der Ostfront verhindern,das ist fakt

Kommentar von JBEZorg ,

Auf der anderen Seite hatten Franzosen die meiste Arbeit. Und?

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