Frage von Mondmayer, 77

Wie kann es sein, dass 7,5 Millionen Deutsche nicht lesen können?

Wie kann es sein, dass 7,5 Millionen Deutsche nicht richtig lesen und schreiben können, wo doch Deutsche, wenn sie in einem Land leben die Sprache lernen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von landregen, 77

Hör dich mal um in den Hauptschulen in den Großstädten, wie wenige Jugendliche regelmäßig am Unterricht teilnehmen und wie leer die Klassen sind. Außerdem wächst nicht jedes Kind in einer heilen Welt auf und hat genug mit persönlichem Stress zu tun, so dass für das Lernen einfach keine Kapazität mehr da ist. Zum dritten ist Anaphabethismus kein Grund, jemandem die deutsche Staatsangehörigkeit zu verweigern - aber dieser Grund wird wohl nur verschwindend gering zum Tragen kommen.

Kommentar von Mondmayer ,

Es ist häufiger zu hören, dass sich im Allgemeinen in Deutschland über Ausländer oder "Ausländer" beschwert wird, welche die deutsche Sprache - vermeintlich - nicht richtig erlernen oder beherrschen; in diesem Zusammenhang ist die Frage nur logisch wie es nun dann möglich ist, dass so viele deutsche Staatsbürger nicht richtig schreiben können?

Kommentar von landregen ,

Die Frage ist durchaus berechtigt, das finde ich auch!

Die meisten derer, die in Deutschland nicht lesen und schreiben können, sind deutsche Muttersprachler.

Wobei allerdings in Deutschland auch solche Menschen Analphabethen genannt werden, die einfach nach Gehör schreiben, so wie ein Wort klingt, ohne die Rechtschreibung groß zu beachten. Ob das sein muss... ? Man nennt das hierzulande "funktioneller Analphabethismus".

Kommentar von landregen ,

... und auch Menschen, die zwar einen Text vorlesen können, aber nicht alles genau verstehen, was sie gelesen haben, fallen unter die Kategorie derer, die funktionell nicht lesen können. So betrachtet sind wahrscheinlich 90 Prozent der Deutschen Analphabethen, wenn es um Briefe vom Finanzamt geht ... (?)

Kommentar von Mondmayer ,

Soweit ich es verstanden habe, sind funktionelle Analphabeten, Menschen die in ihrer Schulzeit nur mit großen Schwierigkeiten schreiben konnten und dann als sie die Schule verließen, es einfach verlernten.
Sie können zwar vielleicht noch einen Satz mit großen Schwierigkeiten lesen, aber alles was darüber hinaus geht, dass ist zu viel.
Vor längerer Zeit habe ich einen Bericht über Analphabetismus gelesen und in diesem Zusammenhang wurde eben jener Umstand, dass es vielen Menschen an Textverständnis mangelt, ebenso bemängelt.

Antwort
von Kuhlmann26, 26

Aus dem gleichen Grund, aus dem Millionen Menschen nicht tanzen oder eine Wand anstreichen können. Aus dem gleichen Grund, aus dem Millionen Menschen nicht malen oder einen Bagger fahren können.

Sie hatten nie Gelegenheit es zu lernen und/oder hatten kein Interesse. Nur weil sie in der Schule in einem bestimmten Alter gezwungen wurden, sich mit dem Lesen- und Schreibenlernen zu beschäftigen, ist das nicht gleichbedeutend damit, es zu lernen. Es sind die angewendeten Methoden, die in aller Regel dazu führen, dass man es nicht kann.

Bei Menschen, die nicht gezwungen werden, Lesen und Schreiben zu einer ganz bestimmten Zeit und mit einer ganz bestimmten Methode zu erlernen, funktioniert es ganz anders.

Zunächst ist interessant zu beobachten, dass die Zeitspanne, in dem diese Kulturtechniken gelernt werden, sehr groß ist. Manche fangen mit 4 Jahren an und andere erst mit 12. Außerdem ist es kein Prozess, der, wenn er einmal begonnen hat, erst dann endet, wenn das Lesen und Schreiben beherrscht wird. UND - ganz wichtig - Lesen und Schreiben sind zwei völlig unterschiedliche Fähigkeiten; es ist ein Irrglaube, sie müssten zusammen gelernt werden.

Wichtigste Voraussetzung, damit etwas gelernt wird, ist ein Interesse oder die Einsicht in die Notwendigkeit. Es gibt bei Kindern die verschiedensten Gründe, weshalb sie lesen und schreiben lernen wollen und wie gesagt, taucht das Interesse oder die Einsicht zu ganz unterschiedlichen Zeiten auf.

DAS alles wird in der Schule negiert und ist der Grund, warum mehrere Millionen Menschen nicht lesen und schreiben können. Warum lernen wohl so viele Menschen in unseren Breitengraden Das Lesen und Schreiben, obwohl sie nie in der Schule waren?

Gruß Matti

Kommentar von Kuhlmann26 ,

Wenn Du mal etwas Grundsätzliches über das Lernen erfahren möchtest, empfehle ich Dir das folgende Interview. Dort wird jemand befragt, der keinen einzigen Tag in der Schule war und auch zuhause nie unterrichtet wurde. Er hat Zeit seines Lebens das gelernt, was ihn interessiert hat. Er ist Franzose, spricht mehrere Sprachen und hat verschiedene Berufe.

www.youtube.com/watch?v=EQDjOj4q6to

Lernen ist eine angeborene Fähigkeit. So, wie niemand auf die Idee käme, einem Fisch das Schwimmen beizubringen, muss man Menschen zwingen, wichtige Kompetenzen zu erlernen. Unser Problem in den Schulen ist, dass keiner der Kinder selbst entscheiden kann, was wichtig ist, gelernt zu werden. Das entscheiden immer andere.

Naturvölker können aus einem einzigen Grund nicht lesen und schreiben: Es ist für sie nicht wichtig! Sie wissen dafür hundert mal mehr über den Wald und die Wirksamkeit der Pflanzen als wir. Sie haben sehr stark ausgeprägte soziale Kompetenzen (weil davon ihr Überleben abhängt); etwas, was angeblich an unseren Schulen gelernt werden soll. Wird es das wirklich?

Antwort
von Fsalatgurke, 60

Hallo,

ich weiß nicht, woraus du diesen Wert genommen hat, aber ich kann mir vorstellen, dass damit vorallem Kinder gemeint sind, die noch zu jung sind und den älteren Menschen, die es nie gelernt haben (noch vor 2. WK usw.) und es deswegen nicht können.

LG und ich hoffe ich konnte dir helfen:)

Kommentar von Fsalatgurke ,

Okay, ich dachte, dass es sich vielleicht auf die gesamte deutsche Bevölkerung bezieht, dann würde das mit den Kindern etwa hinkommen.

Dann denke ich wird es sich eher auf die Schulen zurückführen lassen (die das sinnerfassende Lesen nicht so gut trainieren).

Das sind natürlich nur Vermutungen, aber ich gehe davon aus das das etwa stimmen sollte (und ich wohne in Österreich, also kenne ich mich mit eurem Schulsystem nicht so gut aus...)

Kommentar von Mondmayer ,

Ein Siebtel der erwerbsfähigen Bevölkerung kann laut einer Studie kaum lesen und schreiben – doppelt so viel wie bisher gedacht. Bildungsministerin Schavan will reagieren.

http://www.zeit.de/gesellschaft/2011-02/bildung-analphabetismus-studie

Also doch keine Menschen aus der Kriegsgeneration, sonst wären sie wohl schon im Rentenalter.

Antwort
von SamiKeeks, 55

Nicht jeder lernt das! Und genau deswegen kann es nicht jeder.

Antwort
von Marvin123qwe, 23

Ich habe diesbezüglich einen Beitrag im Internet gefunden.

http://www.helles-koepfchen.de/artikel/3500.html

Kommentar von Mondmayer ,

Ein wirklich sehr schöner Beitrag. Vielen Dank dafür :)

Antwort
von Delveng, 69

Bist du sicher, dass die Zahl stimmt?

Kommentar von Kuhlmann26 ,

Auch in Österreich sind es 15% der erwerbstätigen Bevölkerung.

Antwort
von starship12, 2

Vielleicht weil sie Kleinkinder sind?

Antwort
von FooBar1, 31

Die tummeln sich alle hier und fragen dumme Sachen :-) wo hast du die Zahl her?

Kommentar von FooBar1 ,

Naja die können schon lesen. Nur hallt einfach Sätze. Ziemlich genau das was bei RTL im Untertitel steht. "Sven- hat ne Hose an"

Dann lesen sie morgens noch den Titel der Bild und behaupten dann Zeitung gelesen zu haben. Kann ich mir recht gut vorstellen. Und die waren auch alle mal auf Haupt und gesamt Schule. Ist halt nur nichts hängengeblieben von den paar Brocken die man lernen kann.

Kommentar von Kuhlmann26 ,

@Foobar1:

Man spricht in diesem Zusammenhang auch von "funktionalen Analphabeten", also solchen Menschen, die es nur teilweise können.

Antwort
von Bestie10, 38

glaubst du das ?

bzw.

wenn man hier in gutefrage unterwegs ist, hat man den Eindruck es sind eher noch mehr

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