Frage von Mascada, 49

Wie kann ein Ich-Erzähler unbemerkt eine Multiple Persönlichkeit haben?

Hallo,

ich bin Hobbyautorin und plane gerade ein neues Schreibprojekt, in dem die Hauptprotagonistin eine dissoziative Identitässtörung/ multiple Persönlichkeit hat. Nun bin ich noch am rätseln, wie ich dies am besten so integrieren kann, dass der Leser nicht sofort durchschaut, dass diese Frau 7 unterschiedliche Persönlichkeiten hat.

Meine Überlegungen sehen bislang wie folgt aus: die Protagonistin bestreitet ihren Alltag je nach Situation in den verschiedenen Persönlichkeiten, die teils extrem unterschiedlich sind und sich an viele Tätigkeiten der anderen Persönlichkeiten nicht erinnern können. Nach und nach wird dies dem Leser wahrscheinlich immer mehr zu denken geben, und das ist gut so.

Aber: die meisten Multiplen hören ja auch Stimmen. Sie wissen aber, dass dies keine realen Stimmen sind, sondern Diskussionen im eigenen Kopf. Wie kann ich das denn so darstellen, dass der Leser vielleicht stutzig wird, aber nicht sofort erfährt, dass das "anormale Stimmen" sind?

Ich hoffe, jemand hat eine Idee und kann mir helfen. Wer mag, kann auch gerne ein paar andere Ideen oder Bedenken äußern, die ich bei diesem recht komplexen Projekt beachten sollte.

Danke im Voraus!

Antwort
von TorDerSchatten, 18

Ich würde es ganz anders anlegen. Ich würde etliche Nebenfiguren auftauchen lassen, die sich komisch verhalten, sich auf Unterhaltungen und Begegnungen beziehen, die für die Protagonistin nie stattgefunden haben.

(Nachbarn, Freunde, Verwandte, Lehrer usw.)

Gleichzeitig würde ich dann immer Einschübe machen, daß sie "Anrufe bekommt" und dringend "telefonieren" muß. Die Gespräche würde ich dann auch in Dialogform beschreiben, und auch in ihnen muß so ein Stücken Unrealität stecken.

Am Ende soll es so sein, daß Nebenfiguren teilweise nicht existieren, weil es Teile der multiplen Persönlichkeit waren, oder daß Begegnungen mit realen Nebenfiguren stattgefunden haben, sie sich aber natürlich nicht erinnern, weil es eine andere Persönlichkeit übernommen hat.

Am Ende stellt sich dann heraus, daß die ganzen "Anrufe" nicht real stattfanden, sondern nur in ihrem Kopf passiert sind - es waren die Stimmen.

Man kann hier den Leser absolut super langsam aufs Glatteis führen und in den Wahnsinn treiben.

z.b. beschuldigt die ältere Nachbarin die Protagonistin, sie hätte Müll vor die Haustür geworfen. Sie geht hin und schaut - natürlich liegt da kein Müll! Somit hat sie Streit oder Mißgefühle gegen diese Figur, da sie zu Unrecht beschuldigt wird.

In Wirklichkeit (eventuell wird dies später über die zufällige Videoaufnahme eines anderen Nachbarn aufgeklärt), daß eine Persönlichkeit den Müll da hingestreut hat und eine andere Persönlichkeit hat diesen wieder entfernt.

Ich hoffe, du verstehst wie ich das meine und ich würde mich freuen, wenn ich dir etwas Ideen liefern konnte.

Antwort
von cookiekillaa, 24

Da ich diese Krankheit selbst habe kann ich dir ein paar Tipps geben..
Man erinnert sich nicht mehr daran was die andere Person macht.
Ich habe herausgefunden dass Lisa in meinem Kopf wohnt indem sie mir einen Brief geschrieben hat an mich selbst adressiert. Aber für ein Buch ist es echt schwer umzusetzen. Kennst du das Buch ,,Scherbenmädchen?" Wenn nicht les es dann lernst du eine mänge darüber. Mit freundlichen Grüßen

Kommentar von Mascada ,

Danke für deine Antwort. Wie genau lief das denn mit dem Brief ab? Hast du auch Stimmen im Kopf und wenn ja, wie genau nimmst du sie wahr? Das Buch kenne ich bereits.

Kommentar von cookiekillaa ,

Ich habe einen Brief auf meinem Schreibtisch gefunden und den hatte Lisa an mich geschrieben.. Lisa ist meine zweite Person sie ist 14. Ich habe einen ständigen inneren Dialog mit ihr..ich sehe sie am Schreibtisch sitzen in meinem Kopf. Sie schreibt mein Gedanken und Gefühle auf. Ich sehe nur schwarze Umrisse von ihr. Damals gab es noch Olaf, dieser wurde schnell agressiv sodass ich zb in der Klinik mit Stühlen um mich geworfen habe und es aber danach nicht wusste..manchmal kommen einzelne Bilder hoch..aber zb manchmal finde ich mich auf einmal im nächsten Zimmer wieder und wundere mich wie ich dahin gekommen bin..es ist so komplex. Hoffe konnte helfen.

Antwort
von lillian92, 14

Jetzt einfach mal ins Blaue: Könnte man es eventuell wie diese "Heinzelmännchen auf der Schulter" aufziehen? Innere Dialoge mit sich selbst, wenn zB Herz und Verstand oder Vernunft und Abenteuerlust im Konflikt stehen. Könnte mir vorstellen, dass so etwas – wenn sich die Persönlichkeiten sehr stark voneinander abgrenzen – gut funktionieren könnte.

Also es als eine Art inneren Monolog schreiben und alles, was von einer anderen Persönlichkeit stammt mit Absätzen trennen.

Oder vielleicht die Figur wirklich in sich gehen lassen und die Dialoge der Stimmen vor ihrem inneren Auge ablaufen lassen. Quasi als Illustration ihres eigenen Gedankengangs (falls du Naruto kennst: warum auch immer habe ich hier Sakuras innere Stimme im Kopf), und durch reale Geschehnisse oder Erinnerungen/Nichterinnerungen, die Frage aufwerfen, ob an diesen Stimmen nicht doch mehr dran ist, weil zB etwas getan wird/wurde, obwohl sich dein Charakter eigentlich klar dagegen entschieden hat.
Das muss allerdings sehr gut gemacht sein – gerade bei einem Ich-Erzähler – weil man sonst schnell das Gefühl der Inkonsistenz bekommen könnte…

Antwort
von Harkness1995, 20

Guck den Film "Fight Club"!

Da wird es ziemlich genau gezeigt ;)

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