wie kam es zur machtergreifung der nationalsozialisten?

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4 Antworten

wie kam es zur machtergreifung der nationalsozialisten?

Darüber wurden ganze Bücher geschrieben...

Im Wesentlichen lief es aber so ab:

  • Nach dem gescheiterten Putschversuch der Nazis 1923 hatten sie sich vorgenommen, fortan auf legalem Weg an die Macht zu kommen.
  • Die Macht-Besessenheit von SPD und den Vorläufern von CDU (Zentrum) und CSU (Bayerische Volkspartei) führte dann dazu, dass Hitler zahlreiche verschiedene Lücken nutzen konnte. So nutzte er beispielsweise die Machtgier der SPD und deren Angst vor der KPD in mehrfacher Hinsicht aus: Erst das KPD-Verbot, dann die Isolierung der SPD. Auf diese Weise hatte er - mit Unterstützung von Zentrum (CDU) und Bayerischer Volkspartei (CSU) beide aus dem Weg geschafft. 
  • Trotz allem reichte es nicht für die letztendliche Macht. Deshalb ließ er sich das Ermächtigungsgesetz einfallen, das ihm "die ultimative Macht. eines Diktators" gab.
  • Das war nicht neu, denn schon 1930 hatte Hitler öffentlich gesagt: "Die Verfassung schreibt uns nur die Methoden vor, nicht aber das Ziel. Wir werden auf diesem verfassungsmäßigen Wege die ausschlaggebenden Mehrheiten in den gesetzgebenden Körperschaften zu erlangen versuchen, um in dem Augenblick, wo uns das gelingt, den Staat in die Form zu bringen, die unseren Ideen entspricht." Es war also für jedermann offensichtlich, was er vorhatte.
  • Dieses Gesetz war praktisch das letzte "demokratische Gesetz". Und es wurde von der Vorläufer-Partei der CDU (Zentrum) sowie der Vorläufer-Partei der CSU (Bayerische Volkspartei) akzeptiert. Die SPD lehnte es zwar ab, doch sie war mittlerweile kaltgestellt und nutzlos geworden. Es war die typische "SPD-Geste", die sie bis heute immer macht, wenn sie in der Opposition ist: Dann entdeckt sie auf einmal das "kleine Volk", das zu vertreten sie ja beauftragt wurde.
  • Damit war die Demokratie der Weimarer Republik Geschichte und die Diktatur der Nazis konnte beginnen.

WICHTIG: Tatsächlich lief es natürlich nicht so geradlinig ab. Vielmehr ging es - wie meist in der Politik - deutlich verschlungenere Pfade. Deshalb habe ich versucht, den aus heutiger Sicht bedeutsamen "geraden Weg" nachzuzeichnen.

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All das hätte leicht und an verschiedenen Stellen vermieden werden können:

  • Als beispielsweise die Wahl zum Reichspräsidenten anstand, gab es drei wesentliche Kandidaten: Hindenburg, Hitler und Thälmann. ( https://goo.gl/bkBZCr)
  • Einzig die KPD warnte damals davor, jemand anderen als Thälmann zu wählen: "Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler. Wer Hitler wählt, wählt den Krieg.
  • Doch die SPD war - wie stets seit 1914 - bereit, alles zu tun, was die Reichen und Mächtigen von ihr verlangten. Sie hielt die Arbeiterschaft von einem Generalstreik ab, um klar zu demonstrieren, dass man gegen Hitler war. Und sie rief ihre Wähler und Mitglieder auf, für Hindenburg zu stimmen, was letztlich dazu führte, dass Hitler Reichskanzler werden konnte. ( https://goo.gl/y45vs9 )
  • Und auch bei der letzten demokratischen Abstimmung zum Ermächtigungsgesetz hätte man es noch verhindern können: Zwar stimmte hier die SPD gegen die Ermächtigung, doch es war, dank der großzügigen Hilfe der SPD für die NSDAP, längst zu spät. CDU und CSU (genauer: deren Vorläufer-Parteien) stimmten dafür. Und damit reichte es, um die Ermächtigung zu ermöglichen.

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tl;dr:

Hitler hätte außer einem Bierglas gar nix "ergreifen" können, wenn ihm CDU, CSU und SPD nicht an allen möglichen erdenklichen Stellen dabei geholfen hätten.

Hitlers "Machtergreifung" war keine "Machtergreifung", sondern die systematische Beugung der Demokratie. Dabei halfen ihm die Vorläufer-Parteien von CDU (Zentrum) und CSU (Bayerische Volkspartei) in besonderer Weise. Auch die SPD spielte bei der Hilfe für Hitler eine tragende Rolle.

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Wie kam Hitler in Deutschland an die Macht?

Im Mai 1924 hatte die Nationalsozialistische Partei 32 Sitze im deutschen Reichstag. 

Bis zum Mai 1928 war die Anzahl der Sitze auf 12 zurückgegangen. Doch 1930 brach die Weltwirtschaftskrise herein. 

Die Nationalsozialisten erlebten daraufhin einen bedeutsamen Aufschwung, und die NSDAP erhielt bei den Wahlen in Deutschland im Juli 1932 von 608 Sitzen 230. 

Bald danach kam Franz von Papen, ehemaliger Reichskanzler und Päpstlicher Kammerherr, den Nationalsozialisten zu Hilfe. 

Gemäß Historikern dachte er an ein neues Heiliges Römisches Reich. Da er in seiner kurzen Amtszeit als Kanzler versagt hatte, hoffte er, durch die Nationalsozialisten zu Macht zu gelangen. 

Bis zum Januar 1933 war es ihm gelungen, von den Industrieführern für Hitler Unterstützung zu erhalten, und durch boshafte Intrigen bewirkte er, daß Hitler am 30. Januar 1933 deutscher Kanzler wurde. 

Franz von Papen wurde Vizekanzler; mit seiner Hilfe gewann Hitler die Unterstützung der katholischen Teile Deutschlands. Zwei Monate nach Hitlers Machtübernahme löste dieser das Parlament auf, ließ Tausende von führenden Parteigegnern in Konzentrationslager bringen und startete einen offenen Unterdrückungsfeldzug gegen die Juden.

Am 20. Juli 1933, dem Tag, an dem Kardinal Pacelli (später Papst Pius XII.) in Rom das Konkordat des Vatikans mit dem nationalsozialistischen Deutschland unterzeichnete, wurde das Interesse des Vatikans an der aufsteigenden Macht des Nationalsozialismus offenkundig. 

Franz von Papen unterzeichnete die Urkunde als Hitlers Vertreter, und Pacelli verlieh von Papen ein hohes päpstliches Ehrenzeichen: das Großkreuz des Piusordens. 

Tibor Koeves schreibt diesbezüglich in seinem Buch "Satan in Top Hat": 

"Das Konkordat bedeutete für Hitler einen großen Sieg. Es war die erste moralische Unterstützung, die er von der Außenwelt erhielt, und zwar aus höchster Quelle." 

Das Konkordat verlangte vom Vatikan, der katholischen Zentrumspartei Deutschlands seine Unterstützung zu entziehen, wodurch er Hitlers Einparteienstaat, den "totalen Staat", sanktionierte. 

Außerdem lautete Artikel 14: "Die Bulle für die Ernennung von Erzbischöfen, Bischöfen, eines Koadjutors cum iure successionis oder eines Praelatus nullius wird erst ausgestellt, nachdem der Name des dazu Ausersehenen dem Reichsstatthalter in dem zuständigen Lande mitgeteilt und festgestellt ist, daß gegen ihn Bedenken allgemein politischer Natur nicht bestehen." 

Gegen Ende des Jahres 1933 (das von Papst Pius XI. zum "Heiligen Jahr" ausgerufen worden war) war die Unterstützung des Vatikans in Hitlers Streben nach Weltherrschaft zu einem wesentlichen Faktor geworden.


Zwar protestierten eine Handvoll Priester und Nonnen gegen Hitlers Greueltaten — und litten auch dafür —, aber der Vatikan und die katholische Kirche sowie ihr Heer von Geistlichen haben die Nazityrannei entweder aktiv oder passiv unterstützt, die sie als ein Bollwerk gegen das Vordringen des Weltkommunismus betrachteten. 

Papst Pius XII., der es sich im Vatikan gutgehen ließ, sah der Judenvernichtung und der grausamen Verfolgung der Zeugen Jehovas und anderer kritiklos zu. 

Es ist eine Ironie, daß Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch in Deutschland im Mai 1987 die regimefeindliche Haltung e i n e s aufrichtigen Priesters lobend hervorhob. 

Was taten die anderen Tausende von deutschen Geistlichen während Hitlers Terrorherrschaft? 

Ein Hirtenbrief, den die deutschen katholischen Bischöfe im September 1939, beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, herausgaben, wirft Licht auf diesen Punkt. 

Er lautet auszugsweise: "In dieser entscheidenden Stunde ermutigen und ermahnen wir unsere katholischen Soldaten, aus Gehorsam zum Führer ihre Pflicht zu tun und bereit zu sein, ihre ganze Person zu opfern. Wir appellieren an die Gläubigen, sich in innigen Gebeten zu vereinen, damit Gottes Vorsehung diesen Krieg zu einem gesegneten Erfolg . . . führen möge."

Diese katholische Diplomatie veranschaulicht, welche Rolle die Religion bei ihrem Buhlen um die Gunst des politischen Staates gespielt hat, um Macht und Vorteile zu erlangen.

Diese religiös-politischen Beziehungen haben in großem Umfang Kriege und Verfolgungen geschürt sowie sehr zum Elend der Menschen beigetragen.

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Hi,- die bisherigen Antworten sind so leider nicht richtig. Googel mal unter "Ermächtigungsgesetz". Eine Mehrheit als Mehrheit der Wählerstimmen hat es für die NSDAP nie gegeben. In der letzten freien Reichstagswahl hatte die etwas mehr als 40%. Sie war damit zwar die stärkste Fraktion aber die Mehrheit war das nicht.

Entscheidender war

1. das Ermächtigungsgesetz

2. die daraus resultierenden Handlungsmöglichkeiten Hitlers

3. Im Vorlauf zu 1/2 die Förderung Hitlers durch überwiegend nationalistische Kreise in Politik- und Wirtschaftseliten.

4. die dümmliche Zerstrittenheit der anderen Parteien.

5. die scheinbar ewige Gültigkeit von Einsteins Feststellung: "Zwei Dinge sind unendlich - das Universum und die menschliche Dummheit. - Beim Universum bin ich mir nicht so sicher."

Ein weiteres interessantes Stichwort zu 3 ist der Begriff Kamarilla. Hier würde ich dir als sachliche und fachliche Empfehlung: https://jungefreiheit.de/wissen/geschichte/2008/das-system-der-kamarilla/ vorschlagen und als erste Ausnahme mal nicht Wiki empfehlen (Habe vorher nicht für möglich gehalten, dass bei Wiki so ein eindeutiger "Tendenzbeitrag" möglich sein könnte).

Darüber hinaus wäre natürlich alles nicht möglich gewesen ohne die Dumpfheit einer massenpsychologischen ("massenpsychotischen") Dimension der 40% "Pegidazombies" in der Weimarer Republik.

Gruß


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Kommentar von Grautvornix16
24.11.2016, 19:21

Ach so, noch was: bei dem obigen Link-Hinweis wirst du ein AFD-Banner finden. Ich bin jedoch der Meinung, dass auch Idioten in schlechter Absicht aus Versehen etwas Richtiges sagen können - frei nach dem Motto: ein blindes Huhn trinkt auch mal n Korn. %-)

Hatte übersehen, dass das ggf. für einen falschen Zusammenhang sorgen könnte da mich nur konkrete Inhalte interessieren.

Aber zur Klarstellung dann hier: http://www.spiegel.de/panorama/zeitgeschichte/abschied-auf-raten-wie-preussen-unterging-a-500856-2.html - vielleicht sogar noch etwas besser. ;-)

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Die wiege warum die NSDAP an die macht gekommen ist wurde 1918 gelegt mit dem Friedensdiktat,schau mal in die Türkei rüber so hat es auch angefangen.

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