Frage von Nuwas, 61

Wie kam es zur "Erfindung" der Zeit, des Datums,des Jahres und der Jahreszeiten?

Abend,

Tag und Nacht konnte man ja denke ich, schon immer unterscheiden. Genau wie die Unterschiede der Jahreszeiten. Vielleicht hat man den Jahreszeiten damals einen Namen gegeben.

  • Wie kommt es denn z.B. zur Anzahl der Tage im ganzen Jahr? 
  • 365? 
  • Oder 12 Monate? 
  • Oder wie kam man darauf, dass eine Woche 7 Tage hat? 
  • Wer hat es "erfunden"?

Wie gesagt bei Jahreszeiten kann ich es nachvollziehen. 

  • Aber bei Tagen? 
  • Wochen? 
  • Monaten? 

(Naja Monate kann ich ebenfalls teils nachvollziehen). 

  • Oder z.B. die Jahre?

Man hätte ja mit irgendeiner Zahl anfangen können und dann weiter Tag 1, 2, 3, ...

Klar, dass heutige Datum ist leichter und "verständlicher". 

Man kann es nachvollziehen aber wir sind ja damit aufgewachsen.

Danke im Voraus.

Expertenantwort
von uteausmuenchen, Community-Experte für Universum, 27

Hallo Nuwas,

letztendlich ist die Frage nach dem Kalender eine der interessantesten der Wissenschaftsgeschichte, weil es sehr wahrscheinlich diese Beobachtungen waren, die die ersten wissenschaftlichen Beobachtungen der Menschheitsgeschichte überhaupt waren.

Die Menschen der Frühzeit waren abhängig von ihrer Umwelt. Es war lebensnotwendig, die Umwelt genau zu beobachten. Und mit der Zeit entdeckte man eben Gesetzmäßigkeiten.

Zum Beispiel, dass die Sonne ihren Tagbogen nicht immer gleich hoch bestreitet, sondern in einem gewissen Rhythmus mal höher, mal tiefer am Himmel steht. Oder dass bestimmte Sternformationen in einem wiederkehrenden Rhythmus für eine bestimmte Zeit nicht beobachtet werden konnten.

Und man beobachtete bestimmte - regional unterschiedliche - Wetterveränderungen oder andere Ereignisse nach diesen rhythmisch stattfindenden Vorgängen am Himmel. So wussten bestimmte Indianervölker, dass es Zeit für die Bisonjagd war, wenn die Plejaden erstmals wieder im Osten aufgingen. (Tierwanderungen!)

Die Menschen damals verstanden nichts von den Ursachen dieser Rhythmen. Aber weil es wichtig war, zum richtigen Termin auszusäen oder zur Jagd zu gehen, beobachtete man die Veränderungen der Natur genau.

Wir finden schon in sehr frühen Hochkulturen immer wieder Gebäude - oft Teile von Tempeln - an denen die Sonne nur am Mittsommertag zur Mittagszeit z.B. durch eine bestimmte Öffnung scheint.Diese Gebäude haben als die ersten Kalender gedient. Und sie sind viel älter als Schriftzeichen.

Zum Beispiel scheint der aus dem 9. Jahrtausend vor Chr. stammende Turm von Jericho auf die Sonnenwende ausgerichtet zu sein. Ein anderes, etwas jüngeres Beispiel wäre hier:

http://www.spektrum.de/news/am-dreizehnten-ist-mittsommer/866965

Den Menschen war also schon recht früh die Dauer des Jahres recht genau bekannt - einfach über die Beobachtungen der Sonne und der Sterne.

Die Frage nach dem Kalender ist dann eine kulturelle: Wie teilt man die gefundene Anzahl Tage eines Jahres ein?

Und hier unterscheiden sich ja auch die Ergebnisse. Unser Kalender beruht darauf, dass man beobachtete, dass die Sonne im Laufe des Jahres eine bestimmte Folge von Sternbildern durch"wanderte". Es lag nahe, diesen "Tierkreis" in 12 einigermaßen gleichmäßige Abschnitte zu unterteilen - und diese als Untereinheit des Jahres zu verwenden. Andere Kulturen richteten sich nach dem Mondlauf, im vollen Bewusstsein, dass sich bestimmte Ereignisse dann durch den Kalender schieben.

Die allererste Voraussetzung für einen genauen Kalender ist aber die Beobachtung der Gestirne. Je genauer die Messungen, desto genauer der Kalender.

Und diese - zunehmend genaueren Beobachtungen - waren es dann auch, die zur gregorianischen Kalenderreform führten. In den knapp 1600 Jahren waren die Fehler des julianischen Kalenders groß genug geworden, dass man sie durch Beobachtung der Sterne nachweisen konnte.

Die Woche - als 7 Tages-Einheit - hat ebenfalls kulturelle Ursachen. Sie entstammt letztlich dem babylonischen Kulturkreis, in dem man die 7 bekannten Wandelsterne (Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn - damals natürlcih anders benannt) Göttern zuordnete und jedem Gott einen "Tag" zur Ehre spendierte.

Dass sowohl 7 als auch 12 in etlichen Kulturen als Glückszahlen gelten (eben wegen der geschilderten Vorgänge am Nachthimmel), hat bei der Entstehung der Kalender bestimmt eine Rolle gespielt. Andere Kulturen mit anderen Glückszahlen haben auch andere Kalender entwickelt.

Grüße

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