Frage von smartguy11, 62

Wie kam es zum Dreißigjährigen Krieg?

Hallo zusammen, ich arbeite momentan an einem Referat für meinen Geschichtsunterricht, welches sich auf Glaubenskämpfe in Europa beziehen soll. Somit ist auch der 30. Jährige Krieg ein sehr bedeutungsvoller Bestandteil. Was mir nur momentan einfach noch nicht ersichtlich ist, ist wie/warum er überhaupt ausgelöst wurde und wieso nun der laube damit im Zusammenhang steht . (Mir ist bereits bewusste, dass der Auslöser der Prager Fenstersturz war, dennoch würde ich mich über die Hintergründe gerne mehr informieren, damit ich das Thema auch gut erklären kann.)

Über hilfreiche Antworten wäre ich sehr Dankbar!

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte, 27

Zum Glauben: Es standen sich drei Konfessionsparteien gegenüber, nämlich Katholiken, Lutheraner und Reformierte (Calvinisten). Die Reformierten selbst zählten sich zwar zu den Evangelischen, aber offiziell galten sie nicht als vom Augsburger Religionsfrieden (1555) im Reich erlaubte und anerkannte Konfession. Sie - unter maßgeblicher Beteiligung der Kurpfalz - waren es daher, die gegen die katholischen Bestrebungen besonders des Kaisers und einiger katholischer Reichsfürsten, die evangelischen Reichsfürsten und Städte im Reich politisch zu entmachten, ein Verteidigungsbündnis schufen: die Union (1608). Als Antwort darauf gründeten die Katholiken unter dem maßgeblichen Einfluss des bayerischen Herzogs die Liga (1609) als Gegenbündnis.

Zum Politischen: Mit der Gründung der Union und der Liga wurden die Grundlagen für einen machtpolitischen Konflikt gelegt, der mit dem Glauben nicht mehr viel zu tun hatte. Es ging den Reichsfürsten beider Bündnisse darum, die Vormacht im Reich zu werden. Besonders Habsburg sah seine Kaiserherrschaft bedroht, wenn die Evangelischen im Reich, besonders aber im Kurfürstenkollegium, die Vorherrschaft erringen würden. Drei von sieben Kurfürsten waren bereits evangelisch: Kurpfalz, Kursachsen und Kurbrandenburg. Nur eine Stimme fehlte noch!

Zum Dreißigjährigen Krieg: Der "Prager Fenstersturz" wird gerne als Anlass des Kriegsausbruches genannt. Das ist falsch! Er war zwar spektakulär, aber unwichtig. Wesentlich war die Opposition der böhmischen Stände, die gegen ihren König Ferdinand (kurz danach als Ferdinand II. auch Kaiser des Heiligen Römischen Reiches) rebellierten und ihn absetzten. Zum neuen König von Böhmen wählten sie den Kurfürsten von der Pfalz, der entgegen dem Ratschlag der Unionsmitglieder, die keinen Krieg im Reich wollten, den Thron annahm. Damit wäre das Kurfürstenkollegium mehrheitlich evangelisch gewesen, weil der böhmische König auch Kurfürst des Reiches war. Aber Ferdinand ließ sich das verständlicherweise nicht bieten, und das bedeutete Krieg, wenn auch zunächst nur in Böhmen. Im Bündnis mit der Liga wurde der pfälzische König von Böhmen militärisch besiegt. Aber Kaiser Ferdinand und der bayerische Herzog waren damit nicht zufrieden, und so ging der Krieg weiter. Aber das ist eine andere Geschichte.  :-)

MfG

Arnold


Kommentar von smartguy11 ,

Zunächst einmal vielen Dank für die umfangreiche Antwort. Hättest du auch noch eine Quelle die ich verwenden/zitieren könnte ?

Gruß

Kommentar von ArnoldBentheim ,

Gewiss.

Hier der Text des Vertrages der Union:  http://www.kloster-auhausen.de/d_union_gesch_1608.html

Antwort
von fuji415, 31
Antwort
von ThomasAral, 45

Durch die Kirchentrennung waren große Städte nicht mehr unter dem Truppenschutz der katholischen Kirche. Die Evangelischen Städte haben zwar untereinander ein Verteidigungsbündnis geschlossen, doch das hielt nicht was auf dem Papier stand. Soll heißen die Städte haben keine Unterstützung geschickt und so haben Nachbarländer anch Herzenslust reiche Städte überfallen und geblündert und keiner hat ihnen Einhalt geboten.

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