Frage von AsiaFlower, 42

Wie jemanden überzeugen, Antidepressiva zu nehmen?

Hallo zusammen,

ich habe mir ein neues Konto angelegt, da es mir in diesem Punkt sehr wichtig ist, anonym zu bleiben.

Bei meiner Mutter wurde vor kurzem eine Depression diagnostiziert, die vor etwa drei bis vier Monaten ihren Anfang nahm. Nach einem Termin bei einem Psychologen ist sie zu einem Psychiater gegangen, alles allerdings nicht aus Eigeninitiative, sondern organisiert von meinem Vater und mir (ich bin 17). Der Psychiater hat ihr Antidepressiva verschrieben, die innerhalb von vier Wochen von 5 auf 20 Milligramm erhöht und dann regelmässig eingenommen werden sollen.

Allerdings möchte meine Mutter diese Tabletten nicht nehmen. Das kann ich gut verstehen, allerdings hat es der Arzt verschrieben und - ganz ehrlich - ich bin mittlerweile wirklich am Ende meiner Nerven und verzweifelt mit der ganzen Situation.

Gestern und heute konnte ich sie überzeugen, die morgendliche Dosis zu nehmen, indem ich wieder und wieder auf sie eingeredet habe. Ich habe gesagt, wenn sie es jetzt regelmässig nimmt und die Anordnungen des Arztes befolgt, desto besser wird die Therapie auch anschlagen und desto eher können die Medikamente auch wieder abgesetzt werden. Nach sehr langen Mühen hat sie es schliesslich genommen, wenn auch sehr widerwillig.

Ich glaube, sie hat noch nicht verstanden, wozu die Medikamente gut sind. Sie meint, es hat doch sowieso keinen Sinn und die Medikamente lösen schliesslich nicht die Probleme.

Meine Frage ist: Ich weiss wirklich nicht, wie ich sie jeden Morgen dazu kriegen soll, die Medikamente zu nehmen. Würde ich gar nichts sagen, würde sie sie mit Sicherheit nicht nehmen. Ich kann doch auch nicht jedes Mal dasselbe sagen. Hat jemand Tipps und/oder Erfahrung in der Hinsicht?

Antwort
von PolluxHH, 22

Das Problem dürfte sein, daß sie sich mit den Nebenwirkungen auseinandersetzt, nicht die positiven Effekte berücksichtigt und dann auch noch einen depressionstypischen Fatalismus an den Tag legt. Hinzu kommt, daß "Depressionen" immer noch gesellschaftlich als Krankheit "belächelt" und nicht ernst genommen werden, was noch psychisch verstärkend wirkte gemäß "Ich bin nicht krank/depressiv, nur überfordert, weil ich nicht weiß, wie ich die Probleme anpacken soll, doch dabei können mir auch Pillen nicht helfen, im Gegenteil". Da sie noch ansprechbar ist und antwortet, nehme ich höchstens eine mittelschwere Depression an, was Du leider vergessen hast zu nennen, da der Grad der Depression entscheidend wäre, um hier zu antworten. Wenn die Depression schon selber so ausgeprägt sein sollte, daß sie selbst das Einnehmen der Tabletten überforderte, dann wäre ein vollständig anderes Vorgehen erforderlich.

Sollte ich damit Recht haben, wären vier Punkte zu durchlaufen:

  1. Emotionale Akzeptanz des Umstandes, krank / depressiv zu sein (auch daß Depressionen eine physische Komponente besitzen wie mangelnde Verfügbarkeit von Neurotransmittern).
  2. Erkenntnis, wohin dies, auch für Familienmitglieder, führen kann.
  3. Einsicht darin, daß hier Antidepressiva wirklich gute Hilfe leisten können.

Dies kannst Du aber nicht leiten, sondern hier wäre der Psychiater gefragt. Günstig wäre, wenn er Gruppentherapien anböte. Aber vielleicht kann er Dir noch andere Wege aufzeigen, die er bei Deiner Mutter für sinnvoll halten könnte.

Kommentar von AsiaFlower ,

Stimmt, es tut mir leid, das habe ich vergessen, zu erwähnen. Es ist nur eine leichte Depression, das bedeutet, sie steht morgens auf, ist den Tag über (verhältnismäßig) aktiv und geht abends schlafen. Sie KANN die Tabletten nehmen, sie WILL allerdings nicht.

Kommentar von PolluxHH ,

Bei einer leichten Depression ist eine medikamentöse Behandlung oft nicht angezeigt, sondern hier reichte eine Therapie. Zeige ihr auf, wie es sich entwickeln könnte, aber frage zuerst den Psy nach Möglichkeiten einer Therapie ohne Antidepressiva. Dann kannst Du Deine Mutter vor die Wahl stellen: entweder Therapie oder Tabletten, denn wenn es so weiterginge wie jetzt, litte darunter die gesamte Familie und die Probleme würden nicht gelöst, sondern nur zusätzlich verstärkt werden.

Manchmal ist das Problem auch einfach, daß man die Entwicklungen im Bereich der Antidepressiva der letzten Jahre nicht realisiert und von schweren Nebenwirkungen ausgeht, die keinesfalls mehr mit den Tabletten in dem Maße verbunden sein müssen wie noch vor 20 Jahren. Doch auch das kann der Psychiater weit besser erläutern als Du, insbesondere die Wirkungsweise des speziellen Präparats und weshalb er genau das verordnet hat.

Kommentar von Midlife16 ,

Bei leichten Depressinen haben die AD in der Regel null Effekt, abgesehen vom Placebo-Effekt, der ja wahrscheinloch bei Deiner Mutter auch nicht da sein wird, da sie die Tabletten ja ablehnt.

Hier wäre tatsächlich eine Psychotherapie hilfreich und nebenwirkungsfrei...denn , auch die "neuen" AD wie SSRI usw haben massive Nebenwrikungen...nicht bei jedem, aber bei sehr vielen!

Das geht von Suizidgedanken bis zu Herzproblemen...

Behaltet sie gut im Auge, wenn sie die Tabletten weterhin nimmt...

Kommentar von PolluxHH ,

Das meinte ich mit "nicht angezeigt", auch abhängig von den verabreichten ADs. Herz- und Kreislaufprobleme sind mir vornehmlich von trizyklischen AD bekannt, bei SSRI sind mir eher Übelkeit, Erbrechen und Schlafstörungen, besonders zu Beginn der Verabreichung, geläufig.

Insgesamt aber stimme ich dahingehend zu: bei einer leichten Depression sollte tunlichst auf eine Medikation verzichtet werden. Wenn nicht ein Psychiater hier die ADs verschrieben hätte, sondern der Hausarzt o.ä., hätte ich es wohl etwas schärfer formuliert, aber bei einem Psychiater gehe ich davon aus, daß die Verschreibung wohlüberlegt erfolgt sein dürfte.

Kommentar von Midlife16 ,

Leider musste ich selbst erfahren, dass auch erfahrene Fachärzte wenig Ahnung haben...und die möglixhen Absetzsymptome weiterhin nicht wahrhaben wollen...Leider!

Kommentar von PolluxHH ,

Das stimmt mit meinen Beobachtungen überein, aber auf einer Plattform wie dieser und bei minimalsten Infos ist es eher angezeigt, auf die Versiertheit zu vertrauen, als ggf. unnötig zu verunsichern. Ich bin nicht Psychologe und selbst wenn ich einer wäre, könnte ich keine Ferndiagnose stellen. Auch weiß ich nicht um das Grundwissen des Fragenden und was ich mit einer deutlichen Formulierung anrichte.

Deshalb belasse ich es gerne auf der Ebene, zwar die mutmaßlich richtigen Fragen in den Mund zu legen, aber nicht unnötig Pferde scheu zu machen.

Antwort
von psychosocial666, 24

Ich bin selbst gegen antidepressiva es macht deine Mutter nicht glücklicher sondern macht sie zu einem Roboter. Sie hat immer noch ihre beweg Gründe weswegen es ihr so geht xd antidepressiva stoppt einfach for Produktion eines Hormons....angesehen davon kenne ich genug die antidepressiva abgesetzt haben. Bei den meisten ist dadurch alles schlimmer geworden. Warum sollte man einen Menschen slso dazu zwingen es ist ihr körper.... das menschen sowss nich verstehen

Antwort
von Helli01, 31

Also 5-20 mg sind eine wirkungslose Dosis und nur dazu da den Körper schon einmal daran zu gewöhnen.

AD's wirken erst nach zwei bis drei Wochen regelmäßiger Einnahme und die Probleme selbst werden dadurch nicht gelöst sondern nur Symptome behandelt 

Kommentar von psychosocial666 ,

und deswegen finde ich AD's unnötig... man hat immer noch die Probleme

Kommentar von Midlife16 ,

Was für eine Aussage...Du kennst nicht einmal den Wirkstoff und redest von wirkungsloser Dosis...20 mg von Escitalopram z.B. Wären schon die tägliche Höchstdosis...

Antwort
von Biberchen, 23

du kannst sie nicht gegen ihren Willen zur Einnahme zwingen, auch wenn es ihr hilft und gut für sie ist. Sag ihr, wenn sie die Medis nicht regelmäßig und pünktlich nimmt, muß sie in die geschlossene Abteilung der Psychiatrie. Das hilft meistens,

Kommentar von psychosocial666 ,

Erwachsene sind nicht dumm.. ohne Gerichts Beschluss muss sie da nich rein und das wird sie sicher wissen. abgesehen davon muss man nich wegen sowss in die klapse.... erst wenn man eine Gefährdung für andere oder sich selbst darstellen

Kommentar von Biberchen ,

Bitte lies meine Antwort, Wort für Wort. Wenn du sie nicht verstehst dann melde dich! 

Antwort
von snowyloveyou, 27

Deine Mutter sieht anscheinend keinen sinn mehr im Leben. Jeder Mensch kommt einmal an diesem punkt wo man sich fragt wozu man diese täglichen Schmerzen ertragen muss. Mein tipp ist sich mit den Religionen zu beschäftigen und alle vergleichen. Wichtig ist,dass du dann auch daran glaubst,weil deine mutter es dir sonst bestimmt nicht abkaufen wird. Ich habe diesen Prozess schon hinter mir und es ist wirklich die einfachste lösung seine Depression hinter sich zu lassen. Und wenn sie den wahren sinn gefunden hat, wirst du sie auch nicht mehr zu Tabletten überreden müssen. Ich wünsche dir/euch viel glück.

Kommentar von psychosocial666 ,

Was hat das damit zu tun das sie keinen Sinn mehr in ihrem Leben sieht? aus was schließt du das?

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