GustavGans01 am 20.07.2007 um 10:20 Uhr
Mir scheint es heute so abwegig an irgendetwas übersinnliches wie Gott zu glauben, dass ich mich wundere wie und warum das Ganze überhaupt angefangen hat und wie so viele Menschen einfach so anfangen konnten daran zu glauben.
Stell Dir vor, Du seist ein neolithischer Landwirt. Dein Schicksal und das Deiner Familie hängt von Dingen ab, die Du nicht beeinflussen kannst ( Wetter, Hagel, Missernten, zu viel oder zu wenig Regen etc. ) Deine Welt scheint sich überhaupt in einem ziemlich präkären Gleichgewicht zwischen Gut&Böse, Sommer&Winter, Leben&Tod und ähnlichen Gegensätzen zu befinden. Da ist es doch naheliegend, sich mächtige Verbündete zu suchen, die dieses Gleichgewicht zu Deinen Gunsten verschieben können.
Deshalb hat der Mensch Gott erfunden.
Kabark am 20. Juli 2007 10:57 Das kenn' ich. Ich krieg' schon noch raus, wo Du da geklaut hast, Jana. :-))
Da kannst Du lange suchen, mein haariger Freund ;-) Die Idee ist nicht unbedingt original, aber der Text stammt 100% von mir.

Der mensch suchte schon immer, seitdem er abstrakt denken kann, nach seiner Dasaeinsberechtigung und nach einer Erklärungsvariablen für Dinge, die er nicht versteht und sich nicht anderweitig erklären kann.
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Diese Antworten bietet die Religion und Gott ist jene Erklärungsvariable.
krueschahn am 20. Juli 2007 10:32 Sehr interessant Indy72, ich hatte grade unabhängig v. Deiner Antwort zu diesem Thema, eine in etwa ähnliche Anwort auf die GF-Umfrage v.2.März: "gibt es wirklich einen Gott" gegeben.
Indy72 am 20. Juli 2007 10:35 Deine Frage kann ich leider nicht definitiv beantworten. Es wäre mehr oder weniger ein Glaubensbekenntnis. Hier war das nur eine durchaus gängige Hypothese.
GustavGans01 am 20. Juli 2007 10:42 Interessante und einleuchtende Antwort

Viele der ersten Menschen haben selbst Erfahrungen mit Gott gemacht, z.B.: Adam&Eva - Gott gab ihnen persönlich Anweisungen, was sie tun und nicht tun sollten ("Seid fruchtbar und füllt die Erde", "Esst nicht vom Baum des Lebens"), nach dem Sündenfall sprach er das Urteil über sie und ließ sie aus dem Garten Eden vertreiben.
Moses - Gott beauftragte ihn persönlich, das Volk Israel aus Ägypten hinauszuführen, gab ihm Anweisungen für das Volk (u.a. die 10 Gebote), und wirkte durch Moses viele Wunder.
Das gleiche gilt für andere bekannte Patriarchen und Propheten.
Nicht zu vergessen, was Jesus auf der Erde mit der Hilfe seines Vaters tat (Wunder/Heilungen...) und lehrte.
Seitdem spricht Gott zwar nicht mehr persönlich zu den Menschen, doch diese Erlebnisse dieser Personen sind bis heute nicht in Vergessenheit geraten, trotz der vielen Irrlehren, die sich im Laufe der Jahrtausende verbreitet haben.
Sobald der Mensch existierte, hat er nach dem letzten - transzendenten - Grund und Ziel der geschaffenen, gewirkten, geordneten, kontingenten Wirklichkeit gefragt und damit den Namen "Gott" verbunden. Religion ist also der Bezug des Menschen auf den Wesens-, Existenz- und Sinngrund seiner selbst. Dieser Bezug umfasst ein Erkennen und Anerkennen, ein totales, existentielles Sich-Einlassen und sieht diesen Grund als "unwelthaft" und "heilig" an. Die Frage "Wann ist die Religion entstanden?" ist also so zu beantworten: Als der Mensch "entstanden" ist. In der Erläuterung zur Frage ist davon die Rede, dass es "abwegig (sei,) an irgendetwas Übersinnliches wie Gott zu glauben". Das halte ich für eine vertretbare, aber nicht zu belegende Behauptung. Religion gehört zum Menschsein, ist davon nicht zu lösen; sie ist eine ursprüngliche Wesensrelation, ein Existential des Menschen und stellt dessen höchste Möglichkeit dar, kann also nicht Selbstentfremdung sein.
Anthropologisch muss man zugeben, dass in den meisten Kulturen der Glaube an einen Gott sehr früh vorhanden war. Die Frage ist aber letztlich, ob Gott den Menschen oder der Mensch Gott erschaffen oder erdacht hat. Und das ist eine Glaubensfrage, weshalb ich fürchte, dass die Antworten auf deine (gute!) Frage das Potenzial eines erneuten virtuellen GF-Religionskrieges beinhalten (den wir hier - so wie gestern, mit der Tendenz zur Eskalation - vermeiden sollten).

Ursache für die Entstehung der Religion ist das Denken des Menschen. Religion hat ihren Ursprung im Wesen des Menschen, das durch die Unendlichkeit des Bewusstseins bestimmt ist. Demnach ist Religion das Verhalten des Menschen zu seinem eigenen unendlichen Wesen. Das Wesentliche im christlichen Glauben besteht in Herzenswünschen der Menschen. Die Grunddogmen des Christentums sind erfüllte Herzenswünsche. So wünschen sich die Menschen z.B. ein Wesen, das von allen Schranken und Übeln gereinigt ist. Sie finden es in Gott. Weiterhin wünschen sie sich ein Diesseits, das von allen Schranken und Übeln gereinigt ist. Sie denken, sie finden es im Jenseits. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Auferstehung Christi, in der das Verlangen nach Unsterblichkeit steckt. Feuerbach legt einen Schwerpunkt auf die Hypostasierung. Der Mensch sieht Gott als absoluten Geist, dabei ist der Glaube nur eine idealisierte Projektion des Verstandes des Menschen. Genauso ist es mit Gott als absolut Gutes, sozusagen dem Besten auf Erden und mit der Liebe Gottes. Dahinter stehen wieder Projektionen menschlicher Moralität und Liebe.
"Der einzige Gott des Menschen ist der Mensch selbst" (Ludwig Feuerbach)
Um das Ganze einmal psychologisch zu betrachten: Das im Gebet apostrophierte DU Gottes ist das andere ICH des Menschen, der verwirklichte Wunsch des menschlichen Herzens und Gemüts.
Aus :http://ema.bonn.de/reli/welt/Homepage/Christentum%20-%20Kritik.htm
...von wievielen Menschengruppen weltweit hat nicht jede in ihrer Zeit ihren eigenen Gott ?
Alle und ihre Vorfahren haben daran gearbeitet und glauben daran.
Jede und Jeder behaupten an den Richtigen zu glauben...,
Haben nicht alle Recht ?
Ganz nach dem Grundsatz, egal wie wir es nennen, es ist ein und dasselbe - gute Aussage. Solange jeder mit seinem Glauben glücklich sein kann und nicht versucht ihn anderen aufzudrücken, stimme ich Dir voll zu.