Frage von SCFuchs, 96

Wie ist mein Schreibstil?

Hallo! Was könnte ich an ihm noch verbessern?

Unsere Reise begann hinter den Räumen der Bibliothek von Madam Kassandé. Von dort aus wählten wir einen langen ausgestorbenen Korridor, der sich mit seinen unnachahmlichen Windungen einmal quer durch das ganze Waisenhaus bahnte. An der Seite von A. betrat ich einen Saal, dessen Höhe bis zu einer gigantischen Kuppel hinaufreichte, die ganz dem Anschein nach die Zentrale der Vila darstellte. Aus ihrer gläsernen Mitte, durch die der matte Schein des Vollmondes gebrochenes Licht in den hohen Saal warf, hing ein gewaltiger, kristallener Kronleuchter, bespickt mit den Miniaturen tausender kleiner Drachen und Zaubernixen, in luftiger Höhe des Saals und tauchte ihn mit seinen flackernden Kerzen in einen mystischen Glanz aus schummrigem Licht und unentdeckter Magie. Wir schritten unter einem verrosteten Torbogen hindurch, der mit tausend Schnörkeln in den Formen von teuflischen Gesichtern konzentriert worden war, und standen vor einem verschlossenen Ebenholzportal, von dem uns auf mittlerer Höhe ein messingener Türklopfer aus einem Wolfskopf listig aus seiner starren Silhouette heraus anstarrte. Hinter dieser Türe erstreckte sich der geheime Teil der Villa und nicht nur die bombastische Aufmachung und Größe des Portals ließen den Besucher erahnen, was für eine unnachahmliche Geometrie sich hinter ihr verbarg.

Vielen Dank für eure Antworten!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Hoegaard, 47

Sorry, das ist zwar rechtschreibmäßig gut, strotzt aber von unfreiwillig komischen Stilblüten und falsch verwendeten Fremdworten. Am Inhalt fehlt es auch, sondern der Text ähnelt eher der sehr attributreichen Sprache eines Groschenromans.

der sich mit seinen unnachahmlichen Windungen einmal quer durch das ganze Waisenhaus bahnte

Unnachahmliche Windungen? Ein sich den Weg bahnender Flur?

bespickt mit den Miniaturen tausender kleiner Drachen

Gespickt. Miniaturen von kleinen und solche von großen Drachen dürften überdies etwa gleichgroß sein, eben mini.

mystischen Glanz aus schummrigem Licht und unentdeckter Magie

Wenn es unentdeckte Magie ist- woher weiß man dann von deren Anteil in dem Glanz?

der mit tausend Schnörkeln in den Formen von teuflischen Gesichtern konzentriert worden war

In der Form. Du weißt, was konzentrieren bedeutet?

aus seiner starren Silhouette heraus anstarrte

Zweimal starr nacheinander. Eine Silhouette ist ein Profilbild. daraus lässt es sich schlecht starren.

Und Geometrie ist was mit Geraden, Kreisen und Dreiecken. Ebensogut könntest du von unnachahmlicher Chemie oder einzigartiger Mathematik schreiben.



Kommentar von SCFuchs ,

Vielen Dank für deine Anmerkungen/ Korrekturen. Zu deinen Sachen:

Unnachahmliche Windungen soll deutlich machen, dass das Innere dieser Villa einem Labyrinth aus Gängen und Treppen gleicht, dessen Wege und Korridore eben - unnachachmlich sind.

Bespickt gibt es als Ausdruck. Was du mit den Miniaturen nicht verstehst, kann ich leider nicht herauslesen. Könntest du mir das nochmal erklären?

Die unentdeckte Magie und deren Glanz ist - das gebe ich zu - vielleicht eine Floskel zuviel...

Konzentrieren habe ich eingesetzt, weil es in dieser Redewendung -  zwar eigentlich nicht benutzt - aber am besten verständlich macht, was ich ausdrücken möchte. Damit meine ich nicht das Verb konzentrieren, sondern eine Sache oder ein Gegenstand, der auf einen Punkt oder eine Form konzentriert ist.

Das Starren ist unumstritten, da hast du vollkommen Recht.

Sorry, ich wollte nicht alle deine Korrekturen zurückweisen, aber das passiert halt schnell. Ich lasse mir die Sachen durch den Kopf gehen, die Handlung fehlt, unumstritten, ist dafür aber in den davoriegen Abschnitten enthalten.

Nochmals - DANKE, für diese mutigen Anmerkungen!

Kommentar von Hoegaard ,

Schön, dass du das so verstehst, wie es gemeint war, also als eine Art Lektorat :)

  • Miniaturen sind schon was sehr kleines. Miniaturen kleiner Drachen ist eine unnötige Doppelung.
  • Dann vielleicht besser konzentrisch als konzentriert.
  • Vielleicht besser unberechenbare Windungen?
Kommentar von SCFuchs ,

Damit meinte ich, dass man sonst eigentlich (was ja schön und gut ist, einem aber nicht weiterhilft) fast immer nur gute Rückmeldungen bekommt. Damit meine ich die Richtung Eltern, Großeltern..;-). Um sich aber richtig weiter entwickeln zu können, braucht es diese aber vorallem auf negative Art und Weise, da man nur so sehen kann, was andere störend finden/verbessern würden.

Das mit den Miniaturen habe ich, denke ich, jetzt verstanden. Es war also eine, ja, unnötige Verdoppelung in diesem Sinne... Konzentrisch ist ein guter Vorschlag, ja! Das andere überdenke ich alles nochmal, aber es ist auf jeden Fall IMMER gut, wenn man zu hören bekommt, an welchen Stellen es denn noch "hackt".

SCFuchs

Ps. Schreibst du auch? Wie alt bist du?

Antwort
von Deponensvogel, 22

Tut mir leid, hab aber beim ersten Lesedurchgang den Inhalt nicht ganz verstanden. Die Adjektive und Adverbien haben mich wortwörtlich erschlagen, ich habe ohne Spaß ein blaues Auge.

Wurde ja bereits angemerkt. Zu viel Pathos, außerdem zu viel Vergleich und zu viel metaphorisches Gewäsch. Das alles für sich allein ist ja lieb und nett, aber so gebündelt hat es eben eine sehr … schlagkräftige Wirkung.

Wenn du etwas beschreiben willst, konzentriere dich auf eine Atmosphäre, die du übermitteln willst, und versuch nicht, das exakte Bild deiner Vorstellungen in den Kopf des Lesers zu  projizieren – da scheiterst du immer. Nackte Beschreibungen langweilen meistens. Lass sie beiläufig fallen und schreibe nicht um der Beschreibungen willen. 

Schau stattdessen auf deinen Protagonisten: Was fühlt er, was denkt er, was tut er, wie geht es ihm, wenn er das alles erlebt. Das ist wichtig und überbrückt Stellen von Handlungsvakuum in deiner Geschichte.

Kommentar von Jerne79 ,

und versuch nicht, das exakte Bild deiner Vorstellungen in den Kopf des Lesers zu  projizieren


So pauschal würde ich das gar nicht verurteilen. Die Geschmäcker sind verschieden. Es gibt durchaus Leute (auch wenn ich nicht zu ihnen gehöre), die seitenlange Beschreibungen toll finden und Autoren, die sie gerne liefern. Sie dürfen aber dann eben nicht aussehen wie hier. ;)

Kommentar von Deponensvogel ,

Ja, das schon. Eine gute Beschreibung versucht aber nicht, minutiös jedes Detail festzuhalten. Oft werden ein paar davon herausgepickt, aber es dreht sich eben mehr um das Erschaffen einer Atmosphäre. 

Eine gute Beschreibung versucht nicht alles zu erklären, sondern liefert dem Leser gerade so viel, dass er den Rest mit seiner Imagination füllen kann. Du würdest überrascht sein (oder auch nicht); je weniger man weglässt, desto genauer wird das Bild im Kopf, je mehr man versucht zu beschreiben, desto getrübter wird die Vorstellungskraft.

Das ist jetzt tatsächlich etwas pauschal, aber so ähnlich funktioniert es bzw. ist es das, was ich so im Laufe meiner Leseerfahrungen festgestellt habe.

Noch ein letztes Beispiel, um zu veranschaulichen, was ich hier versuche rüberzubringen. Wenn man eine Kampfszene schreibt, dann wird die im besten Fall nicht so aussehen: 

James vollführte eine 360-Grad-Drehung um seine eigene Achse und zielte mit einem waagrecht in der Luft stehenden Bein direkt auf eine Stelle unter Johnnys Brustkorb. Der aber machte einen Schritt zur Seite und schlug mit der flachen Hand auf James' Oberarm, was James wiederum mit einem linken Haken auf Johnnys Schläfe quittierte.

Das ist Hyperbeschreibung und das will keiner lesen. Wir wollen wissen, wie sich James (oder Johnny) dabei fühlt, was er spürt etc.


Antwort
von Jerne79, 21

Für meinen Geschmack ist das alles etwas überzogen, vor allem mit etwas zuviel Pathos, zu vielen Superlativen.

Teilweise entgleitet dir die deutsche Sprache an auch, z.B. beim "messingenen" Türklopfer.

Der Text ist überladen mit Adjektiven. Viele davon könnte vermeiden und den Leser die Umgebung selbst erfahren lassen.

Aus ihrer gläsernen Mitte, durch die der matte Schein des Vollmondes
gebrochenes Licht in den hohen Saal warf, hing ein gewaltiger,
kristallener Kronleuchter, bespickt mit den Miniaturen tausender kleiner
Drachen und Zaubernixen, in luftiger Höhe des Saals und tauchte ihn mit
seinen flackernden Kerzen in einen mystischen Glanz aus schummrigem
Licht und unentdeckter Magie.

Zähl allein hier einmal die Adjektive. Das sind einfach zu viele.

Positiv: Du versuchst, Stimmung aufzubauen und deinem Leser die Umgebung zu beschreiben.

Antwort
von woflx, 13

Grundsätzliches Problem bei Deinem Stil: Du schreibst aus der Perspektive eines Ich-Erzählers, der aber in dieser Passage gar nicht vorzukommen scheint: Er spricht kein Wort, läuft nur (ziellos?) in der Gegend herum und ist anscheinend absolut unbeeindruckt von den überbordenden Schilderungen - und verwendet trotzdem jede Menge subjektiv wertende Begriffe: unnachahmlich, gigantisch, gewaltig, mystisch, unentdeckt (woher weiß der Erzähler das?), listig, bombastisch.

Die "tausend Schnörkel" scheinst Du also auch in Deiner Sprache unterbringen zu wollen. Laß dem Leser mehr Zeit, zusammen mit dem Erzähler/Protagonist diese ganze Vielfalt von Eindrücken zu entdecken und auf sich wirken zu lassen! Etwa so: "...Meine Augen wanderten zur Decke dieses Saales, und der Anblick verschlug mir regelrecht die Sprache. Über uns wölbte sich eine Kuppel gigantischen Ausmaßes..."

Antwort
von Michipo245, 51

Ein Korridor kann nicht ausgestorben sein. Ich würde menschenleer schreiben.Statt konzentriert würde ich verziert schreiben. Allgemein sind deine Sätze sehr lang. Und im letzten Satz schreibst du... nicht nur die bombastische usw.... da wartet man auf ein sondern auch. Hoffe du verstehst was ich meine ;) 

Ansonsten schöner Text 👍🏼

Kommentar von SCFuchs ,

Danke für deine - in Ermangelung eines anderen Wortes - Korrektur-Ideen! Verziert ist eine gute Idee, die werde ich mit aufnehmen. Als ich den Text geschrieben habe, war der richtige Ausdruck irgendwie aus meinen Kopf - pust -weg...;-)

Antwort
von OchWellenteim, 27

Wow. Beeindruckend! Wenn du Geschichte fortsetzt, würde ich noch mehr persönliche Gefühle einbauen. Sowie. "Beim Anblick der Villa lief mir ein kalter Schauer über den Rücken." etc.

Kommentar von SCFuchs ,

Dankeschön für deine Antwort! Was die Gefühle angeht, kann ich noch sagen, dass dies nur ein Ausschnitt von vielen Kapiteln und Seiten ist, da sind noch viele Gefühle drinn! Aber DANKE - an denen arbeite ich noch!

Kommentar von Deponensvogel ,

Du bist aber ein Schlingel. Bitte mehr Konstruktivität! 

Antwort
von gabriel118122, 38

Wow du schreibst wirklich toll!!
Viele sagen ich schreibe sehr tolle Geschichten aber deine wow das hat mich umgehauen!Von dir könnte ich noch lernen!:)

Kommentar von SCFuchs ,

Vielen Dank für deine Antwort - und das meine ich ernst!

Schön, dass du auch schreibst. Ich mag Menschen, die gerne Geschichten schreiben und sich mit Literatur beschäftigen.  

Kommentar von SCFuchs ,

Sorry, der Kommentar hatte sich irgendwie von selber abgeschickt...?! Zu welchen Themen schreibst du gerne und welche Bücher magst du?

Kommentar von gabriel118122 ,

Ich schreibe gerne Fantasie-Geschichten oder Abenteuer

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