Frage von HansPeter7771, 77

Wie ist diese Aussage zu bewerten (Politik)?

Guten Morgen,

Bundespräsident Joachim Gauck soll sich nach Informationen der "Bild"-Zeitung gegen eine zweite Amtszeit entschieden haben.

Dort heißt es jedoch: "Auch militärisches Engagement dürfe nicht mit dem Hinweis auf die nationalsozialistische Vergangenheit ausgeschlossen werden, sagte er 2014 auf der Münchner Sicherheitskonferenz"

Was bedeutet das? Gauck hat also vor 2 Jahren gesagt, dass man "Krieg" führen sollte (gegen Russland) trotz seiner Nazi-Vergangenheit? Oder wie ist seine Aussage zu beurteilen?

Mfg

Antwort
von Maisbaer78, 50

Ja, im Grunde meint er, wir dürften uns, obwohl die deutsche Kriegsmaschine in der Vergangenheit schreckliches angerichtet hat, nicht davor scheuen, erneut militärisch aktiv zu werden. Also im Grunde genau deine Interpretation.

Und das aus dem Munde eines bekennenden Christen und vorgeblichen Menschenrechtlers.

Kommentar von HansPeter7771 ,

Sowas wollt ich eign hören, genau das mit dem Mund aus einen Christen (er war ja mal pfarrer) so lächerlich!

Kommentar von HansH41 ,

Wieso wundert dich das? Christen haben immer wieder mal Krieg geführt.

Kommentar von Maisbaer78 ,

Es geht hier nicht um Christen im Allgemeinen. Viele Christen sind überzeugte Pazifisten. Und nicht die Christenheit führte Krieg, es war die Kirche als selbsternannte Institution.

Es geht um Herrn Gauck persönlich, der nicht müde wurde, seine Regimekritische Haltung in der DDR zu betonen, aber heute militärische Interventionen für möglich erklärt, wo es einfache politische und wirtschaftliche Lösungen gäbe. Aber als CDU-Mitglied kann man natürlich nicht an wirtschaftlichen Grundpfeilern rücken, zu denen leider auch die enorme Ausbeutung anderer Nationen zählt.

Dann doch lieber unserer eigene Wirtschaft stärken und den "Verteidigungsetat" weiter anheben.

Kommentar von HansH41 ,

"Aber als CDU-Mitglied kann man natürlich nicht an wirtschaftlichen Grundpfeilern rücken, zu denen leider auch die enorme Ausbeutung anderer Nationen zählt."

Gauck ist parteilos, kein CDU-Mitglied.

Kommentar von LienusMan ,

Weißt du, Gauck ist Politiker und da muss man Kompromisse schließen. Der Unterschied zwischen dir und Gauck oder auch dem Papst und Gauck ist, dass es etwas ändert wenn Gauck etwas sagt, im gegensatz zu dir oder auch zum Papst

Kommentar von Maisbaer78 ,

Gauck ist Bundespräsi. Nichts was er sagt hat auch nur im geringsten Einfluss auf die gängige Politik. Er ist nicht Weisungsbefugt sondern lediglich ein Bote der die deutsche Fahne im In- und Ausland hochhalten soll.   Er muss auch keinerlei Kompromisse eingehen.

Aber in dieser Funktion wäre es ehrlich, wenn er die Dinge beim Namen nennt. Wir sind aussenpolitisch Heuchler und Betrüger. Wir nehmen was wir kriegen können und dafür lassen wir es auch mal auf einen Konflikt zb. in der Ukraine ankommen, in dem wir ein Streichholz in ein mit Pulver gefülltes Lagerhaus werfen. (Natomitgliedschaft usw)

Er sollte ein Beispiel für Deutschland sein, statt Frontex zu finanzieren sollten wir Rettungsboote entsenden. Auch ist es beschämend wenn ein Land wie Deutschland bei einer Epidemie nichtmal halb so viele Ärzte entsendet wie das kleine Kuba.  Es sind halt keine, für Deutschland "wichtigen" Menschen betroffen.

Als Bundespräsident hat er die Möglichkeit, der Bundesregierung Ratgebend zur Seite zu stehen, und wo angebracht, Kritik zu üben. Das ist seine Aufgabe. Nichts anderes.

Er tut all dies nicht, hat er nie getan, er heuchelt noch schlimmer als die wirtschaftstreue Regierung selbst.

Ein Köhler hat damals hingeschmissen, das zeugt von Rückgrat. Ein Gauck schwafelt von möglicher militärischer Präsenz. 

Vor ein paar Jahrzehnten hatten die Bundespräsidenten wenigstens noch Format und Prinzipien.

Antwort
von eccojohn, 11

Wie ist diese Aussage zu bewerten

Da sollter sich jeder etwas zurückhalten und erst einmal gründlich nachdenken und überlegen, ob man überhaupt werten und bewerten darf, möchte und sollte !

Die Kommentare hier machen mich teils ein wenig mehr wie nachdenklich. Jeder der hier geboren ist und sich Deutscher nennt ( bis auf teils Umsiedler und Neubürger mit Einbürgerung) haben Vorfahren, die allesamt in der damaligen Verantwortung standen - aber nicht zu ihr - und den selben Gemeinschaftsfehler gegangen haben - die Verlogenheit als Gesellschaft + der eigenen Verfehlung.

Bis auf ganz wenige Ausnahmen ist es immer GLEICH abgelaufen. Man hat sich selbst bemitleidet und dann seine "Schuld" vererbt - genau so selbstverständlich und eiskalt wie viele ihre Kinder in den Krieg geschickt haben - und die Erben haben sich gegen diese Verlogenheit nicht gewehrt - im Gegenteil, und dadurch haben sie sich irgendwie mitschuldig gemacht.

Auch stellt sich die Frage, wer denn göttlich genug ist, um dieses Amt BP zu übernehmen, ohne mit Dreck aus den eigenen Reihen beworfen zu werden.

Persönlich haben mir Gauck und auch etliche Vorgänger nicht gefallen - aber alle hatten irgendwie das gleiche Problem - sie wurden wegen Lapalien angefeindet und kritisiert. Der smarte Wulff (als BP für mich noch vor der Wahl schon die falsche Wahl ) sollte sogar erfolglos kriminalisiert werden. 

Niederträchtiger geht´s doch kaum noch. Fast jeder meint scheinbar, als erstes vor der Tür des Nachbarn fegen zu müssen, statt vor der eigenen Tür zu beginnen. Oft denke ich, das in Deutschland durch die damalige Verlogenheit bis heute jedes Maß an einer soliden politischen Grundehrlichkeit abdressiert wurde.

Jetzt wird´s wohl PRÜGEL und Tadel dafür hagenl, aber das kann ich ertragen !!!

Antwort
von HansH41, 48

"Gauck hat also vor 2 Jahren gesagt, dass man "Krieg" führen sollte (gegen Russland) trotz seiner Nazi-Vergangenheit?"

Da bringst du allerhand durcheinander.

1) Gauck hat keine Nazi-Vergangenheit.

2) Von "Krieg führen" hat er auch nicht gesprochen. Er findet lediglich militärisches Engagement genau so legitim, wie wirtschaftliches oder kulturelles Engagement.

Der Hinweis auf die nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands bezieht sich auf die jahrzehntelange Zurückhaltung Deutschlands bei militärischen Einsätzen.

Beispielsweise hat man jahrzehntelang geglaubt, unser GG würde Auslandseinsätze der Bundeswehr verbieten. Dann hat auf Antrag der FDP das Verfassungsgericht, genau diese Einschränkung aufgehoben.

Kommentar von HansPeter7771 ,

Doch Gauck hat ne Nazi-vergangenheit, indirekt! Mutter Olga und Vater Joachim waren beide bei der NSDAP!

Kommentar von HansH41 ,

Deine Vorfahren ebenfalls. So war es in Deutschland üblich.

Kommentar von HansPeter7771 ,

Eben nicht! Mein Opa war Bauer und hat ganze Regionen versorgt, mein Uroper war nur im 1. Weltkrieg und mein anderer Opa war noch zu jung! Keiner war bei der NSDAP wie Gaucks Vorfahren! Pauschalisiere nicht alle!

Kommentar von eccojohn ,

HansPeter 7771 - Die Parteimitgliedschaft sagt ja nun mal an sich nichts aus - für etliche Bereiche war dies seinerzeit eine verlogene Pflicht - sogar Hardliner die gegen das Regim gearbeitet haben waren teils Parteimitglied - allein schon um nicht so schnell in Verdacht zu geraten.

Hier dem BP Gauck dies anlasten zu wollen ist doch etwas mehr wie unfair. Wenn grobe Verfehlungen seitens der Eltern vorliegen würden, wäre dies ggf. gesondert zu betrachten - dennoch kann für Nachkommen darin keine eigene Schuld liegen, sondern lediglich eine größere Verantwortung, die dann aber ebenso schwer wiegt !

Diese Verlogenheit im Umgang mit der Schuld hat uns ja nun schon lange genug drangsaliert - wird Zeit mit der Märchenstunde mal ordentlich und ehrlich aufzuräumen.

Kommentar von HansPeter7771 ,

auf was läuft ein "militärisches Engagement" den raus? -> Krieg

Kommentar von HansH41 ,

Ja, so ein Krieg wie in Afghanistan oder Syrien. Nicht jedoch ein Krieg gegen Russland, wie du es formuliert hast.

Kommentar von Maisbaer78 ,

Gerade unser wirtschaftliches Engagement auf der Welt ist mit ursächlich für all die Krisen und Konflikte auf der Welt.

Wo ist denn Gaucks (bekennender Menschenrechtler und Christ) Einspruch gegen Freihandelsabkommen die zb. Länder in Afrika in die deutsche Knechtschaft zwingen. Wo sind denn die Sanktionen gegen die Türkei? Warum überdenken wir nicht unsere Handelsbeziehungen zu den USA, wenn diese grobe Menschenrechtsverletzungen begehen und Kriege beginnen?

Der Hinweis auf eine mögliche militärische Intervention ist aus dem Munde unseres derzeitigen Bundespräsidenten ob seiner angeblichen Position zu den Menschenrechten unüberbietbar grotesk.

Kommentar von LienusMan ,

Wir könnten auch sagen, dein Opa hat sich schuldig gemacht, weil er nichts gegen das Unrecht getan hat! Ich finde das aber genau so übetrieben wie, wenn man ein Kind in Geiselhaft für das nimmt, was die Eltern getan haben

Antwort
von DreiGegengifts, 35

Er wollte damit vermutlich suggerieren, das die Ablehnung von Militäraktionen auf die deutsche Vergangenheit zurückzuführen sei und lediglich emotionale Gründe habe.

In der politischen Rechten ist diese Argumentationsform weit verbreitet. Bei genauerer Betrachtung ist es natürlich keine Argumentation, sondern eine Unterstellung. Die Unterstellung, die Ablehnung von kriegerischen Auslandseinsätzen wäre nicht sachlich und überlegt begründet.

Antwort
von LienusMan, 14

Gauck meint damit, dass sich Deutschland nicht aus der Verantwortung stehlen soll, wenn es darum geht, dass unsere Verbündete uns um Hilfe bei Militäreinsätzen bitten.
Und dass man die NS Vergangenheit nicht als Vorwand für Untätigkeit nutzen soll.
Gauck selber hat keine NS Vergangenheit, er ist 1940 geboren, war also 5 als die NS Zeit vorbei war.

Antwort
von Juli277di, 7

Genauso wie die heuchlerische Aussage, Deutschland solle international mehr Verantwortung übernehmen. Zur EU, zur NATO und zum großen Bruder jenseits des Atlantiks legte der Bundespräsident ein Treuebekenntnis ab, wer hätte es anders erwartet. Jedoch mit nationalen Akzenten: Den USA müsse die Bundesrepublik einiges an Weltmachtarbeit abnehmen, und in der EU habe das ökonomisch starke Deutschland besondere "Verantwortung" zu tragen, also die Führung zu übernehmen auch in Sachen Globalpolitik. Der Bundeswehreinsatz in Afghanistan? Da ist Gauck ganz glaubensfest: Der war "notwendig", sagt er, mehr nicht. Kein Wort über die Motive und Folgen dieses militärischen Zugriffs, nichts darüber, welche Nöte denn dort gewendet wurden.

Während er mit seiner Gespielin auf Kosten der Steuerzahler von Festbankett
zu Festbankett reist, sich dabei ständig in unserem Namen für jeden
umgefallenen Sack Reis in China oder sonst wo auf der Welt entschuldigt
und somit das selbsternannte schlechte Gewissen der Deutschen personifiziert,
hat er anscheinend kein Problem damit, die Kinder anderer Leute in sinnlose
Kriege zu schicken, die uns überhaupt nichts angehen. Als Pfarrer sollte diesem Herrn eigentlich bekannt sein, dass Krieg im christlichen Glauben keinen Platz hat. Aber der Mann achtet ja nicht einmal die 10 Gebote, die er als Pfarrer eigentlich verinnerlicht haben sollte.

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