Frage von dagurbenny, 75

Wie ist die Stromverkabelung in einem Gebäude aufgebaut?

Liebe Hobby-Elektriker,

in einem Gebäude gibt es ja Starkstrom-/Drehstrom-Kabel/Anschlüsse und einphasige Kabel/Steckdosen. Große Verbraucher wie Herd oder Lüftungsanlagen sowie Erzeuger (PV, BHKW) werden an die 3 Phasen (400 V) angeschlossen. Soweit richtig?

Aus welcher Phase werden denn dann die 230 V-Steckdosen versorgt? Alles aus einer Phase wäre ja unsymmetrisch und nicht gut, oder? Werden die Phasen dann auf verschiedene Stromkreise aufgeteilt?

Besten Dank

Expertenantwort
von Peppie85, Community-Experte für Elektrik & Elektrotechnik, 40

ich bin zwar kein hobbyelektriker, aber ich möchte mich dennoch einreihen, die fragen möglichst kompetent zu beantowrten:

in einem Gebäude gibt es ja Starkstrom-/Drehstrom-Kabel/Anschlüsse und einphasige Kabel/Steckdosen. Große Verbraucher wie Herd oder Lüftungsanlagen sowie Erzeuger (PV, BHKW) werden an die 3 Phasen (400 V) angeschlossen. Soweit richtig?

so weit FAST richtig. es gibt, wenn auch wenige große verbraucher, die auf 2 Phasen bei 400 volt betrieben werden. in der regel sind das schweißgeräte etc. PV wird nicht immer auf 3 Phasen betrieben, manchnmal ebenfalls nur auf 2. wenn man 2 große wechselrichter hat. dann wird einer auf L1 und der andere auf L2 betrieben.

Aus welcher Phase werden denn dann die 230 V-Steckdosen versorgt? Alles aus einer Phase wäre ja unsymmetrisch und nicht gut, oder? Werden die Phasen dann auf verschiedene Stromkreise aufgeteilt?

es teilt sich auf alle 3 Phasen gleichmässig auf. in unserem Netz haben wir neben den 3 Außenleitern, einen Mitteleiter. den sogenannten PEN. zwischen den einzelnen Phasen sind es 400 volt.zwischen jeder Phase und dem PEN 230 Volt.

damit die sache "rund" läuft, muss nur dafür gesorgt sein, dass die Belastung auf allen 3 Phasen annähernd gleich ist. so 20% unterschied sind da überhaupt kein Problem. d.h. wenn bei einer 690 kVA Trafostation mal auf einer Phase 200 Ampere mehr oder weniger sind, juckt das nicht...

damals, als "starkstrom" noch keine selbstverständlichkeit in Wohnhäusern war, hat man das Problem eben so gelöst, dass man jedes haus an eine andere Phase angeschlossen hat....

im Hausanschlusskasten, bis in diesen hatte JEDES haus auch damals schon starkstrom, hatte man dann z.b. in Hausnummer 15 die reihenfolge R, S, T, in Hausnummer 16 die Reihenfolge S, T, R, und in 17 die reihenfolge T, R, S. in Hausnummer 18 wars dann wieder R, S, T.

Wenn sich nun die Eleketriker an die Anschlussbestimmungen gehalten haben, und überall NUR die ganz rechte Sicheurng (L1) als Hautpsicherung verwendet haben, dann passte das auch so ungefähr...

so stand das auch mal das hat mir der Altmeister mal erzählt auch tatsächlich in den alten Anschlussbestimmungen.  übrigens, in mehrfamilenhäusern wars dann so, dass jeder zähler an eine andere Phase angesclossen wurde. also z.b. das erdgeschoss an L1, der 1. stock an L2 usw...

heute steht nur noch in den anschlussbestimmungen: es ist für eine möglichst gleichmässige aufteilung der Last auf alle 3 Phasen zu sorgen.

wie genau das zu geschehen hat, und wie weit abzuweichen ist, das steht nirgendwo geschrieben.

lg, Anna

Kommentar von Chefelektriker ,

Den Ausflug mit RST hättest Du dir besser sparen sollen,die meisten hier waren noch nicht mal geboren,als das noch konkret war.Das verwirrt die jungen Leute bloß,sonst ist es korrekt.:)

Antwort
von Spezialwidde, 75

Genau wie du vermutet hast. Jede Phase gegen Neutral ergibt 230V. Man teilt die 230V Kreise auf die einzelnen Phasen auf.

Kommentar von dagurbenny ,

Ah, alles klar. Besten Dank. Wenn die 3 Phasen dann nicht perfekt gleich belastet werden, macht das nichts, weil das vorgelagerte Verteilnetz das dann schon ausgleicht, oder?

Und gibt es dann eigentlich für jede Phase einen FI-Schalter oder nur einen Drehstrom FI-Schalter für die gesamten 3 Phasen + Neutralleiter?

Kommentar von Spezialwidde ,

Man versucht natürlich die 3 Phasen möglichst symmetrisch zu belasten, ganz schafft man das natürlich nie. Aber im Mittel gleicht sich das bei den ganzen Hausanschlüssen weitgehend aus. Der FI-Schalter deckt immer alle 3 Phasen einen Hausanschlusses ab. Was der ja macht: Er vergleicht wieviel Strom in die Hauskreise fließt und wieviel wieder zurück ins Netz fließt. Wenn mehr Strom rausgeht als wieder reinkommt weiß er es geht Strom per Erdschluss verloren, beispielsweise über eine Person, die eine Phase berührt. Dann löst er aus.

Kommentar von dagurbenny ,

Eine Nachfrage ist mir gerade doch noch gekommen. Werden Schaltnetzteile für Computer, Laptops, Bildschirme eigentlich mit dem Schutzleiter verbunden? Die haben ja äußerlich eigentlich nichts berührbares, leitendes an sich, oder? 
Bei Handy-Netzteilen bin ich mir sicher, dass sie nur an Phase und Neutralleiter und nicht zusätzlich an PE angeschlossen werden. 

Kommentar von Spezialwidde ,

Geräte mit schutzisoliertem gehäuse, bei denen eine Berührung spannungsführender Teile ausgeschlossen ist weil zb komplett verkapseltes Plastikgehäuse benötigen keinen Schutzleiter. Der Schutzleiter sorgt ja dafür dass im Falle einer verbindung von Phase und berührbaren teilen ein Kurzschluss entsteht der sowohl Sicherung als auch FI sofort auslösen lässt. bei manchen Anschlusskabeln von Laptopnetzteilen (Kaltgeräte) ist zwar der Schutzleiter vorhanden wird aber nicht genutzt.

Kommentar von Chefelektriker ,

Standart ist ein 4pol.FI (RCD),also 3 Phasen+Null.

Antwort
von mojo47, 69

ich glaube jede sicherung und somit jeder kreis (z.b. alle steckdosen aus einem zimmer, außer küche) bekommen eine eigene phase, oder etwa nicht?

Kommentar von Spezialwidde ,

Muss nicht sein. Hat man in einem Raum mehrere Gerät emit hohem Stromberarf, zb Waschmaschinen,Trockner,...) teilt man die Stromkreise auf.

Kommentar von mojo47 ,

j richtig, deshalb hat man für die küche ja in der regel mehrere sicherungen. alleine der herd bekommt schon 3, wenn man ihn mit drehstrom betreiben will (L1-L3).

Kommentar von dagurbenny ,

"Sicherung" ist Überstrom-Schutz, richtig?

Kommentar von mojo47 ,

ja richtig. damit dir nicht die bude abfackelt, wenn die Leitungen glühen.

Kommentar von Spezialwidde ,

Ja in der Küche ist das Standard aber auch zb in Waschräumen, da werden dir Steckdosen auch an unterschiedlichen Sicherungen betrieben, zb für jede Waschmaschine und für jeden Trockner eine separate. Teilweise auch an unterschiedlichen Phasen wobei das nicht unbedingt sein muss. Wird aber gerne gemacht.

Kommentar von Chefelektriker ,

Cool,eine Frage mit einer Frage beantworten.:D

Überlege mal,wieviele Steckdosen Du in der Wohnung hast.Wenn Du jede einzeln absichern würdest,bräuchtest Du einen großen Schaltschrank.:D

Standart in einer Mietwohnung:

Natürlich werden die Stromkreise aufgeteilt.

Alle Steckdosen in einem Zimmer werden zusammen mit einer Sicherung abgesichert.

Licht wird meist  von 1-2 Zimmern + Badlicht+Badsteckdose mit einer Sicherung abgesichert. Restliche Zimmer + Küchenlicht laufen auch über eine Sicherung.Das hat den Vorteil das bei einem Kurzschluß  nicht alle Zimmer gleich dunkel sind.

Waschmaschine,Kühlschrank,Geschirrspüler und Arbeitssteckdosen in der Küche bekommen jeweils eine eigene Sicherung.

Der DLH und der Herd bekommen jeweils 3pol.Sicherungsautomaten,beim Herd 3xB16A,beim DLH meist 3xB32A.

Zudem sitzt vor allen Sicherungen,ein 4pol.FI(RCD) 63A.

Die Steigeleitung wird im Zählerschrank mit 3xB50A abgesichert,meist sitzt da noch ein abschließbarer 3pol.Hauptschalter,falls die Stromrechnung nicht bezahlt wird.



Kommentar von mojo47 ,

das haste falsch verastanden ^^ meinte, dass jedes zimmer (wohnräume) eine eigene sicherung hat, wie oben schon mehrfach erleutert.

Antwort
von nordseekrabbe46, 45

es gibt Richtlinien und Vorschriften, abe es wird sich leider nicht immer dran gehalten, habe es schon erlebt das der Steigestrang zur Wohnung drüber unter Putz durch das Badezimmer verlegt wurde, also nur mit Prüfgerät vor dem Bohren

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten