Wie ist die Seelenvorstellung im Christentum und was ist eigentlich eine Seele im Christentum?

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5 Antworten

Hallo stylemix,

in den meisten christlichen Kirchen und Glaubensgemeinschaften herrscht der Glaube vor, der Mensch habe eine unsterbliche Seele. Diese sei ein unstofflicher Teil des Menschen, der den Tod des Körpers überdauert und danach im Jenseits weiterlebt. Die Bibel hingegen lehrt über die Seele etwas anderes.

Das Wort "Seele" ist eine Übersetzung des hebräischen Wortes néphesch und bezieht sich in der Bibel auf den Menschen, auf Tiere oder auf das Leben selbst. Niemals jedoch beschreibt die Bibel "Seele" als einen unstofflichen Teil des Menschen, der nach dem Tod weiterlebt.

In Bezug auf den ersten Menschen sagt die Bibel: "So steht auch geschrieben: ,Der erste Mensch, Adam, wurde eine lebendige Seele" ( 1. Korinther 15:45). Es heißt hier nicht, dass der Mensch eine Seele bekam, sondern dass er eine Seele wurde. Das ist ein großer Unterschied. Wir Menschen sind also die Seele, sie ist  kein Teil von uns. In diesem Sinne können Seelen natürlich auch sterben. In der Bibel heißt es daher: "Die Seele [oder der Mensch], sie sündigt, wird sterben" (Hesekiel 18:4).

Auch in unserem heutigen Sprachgebrauch wird von "Seelen" als von ganzen Personen gesprochen; so hat sicher jeder schon einmal den Satz gehört oder gelesen: Die Gemeinde besteht aus ... Seelen. Damit will man ja nicht sagen, aus wie vielen "unsterblichen Seelen" die Gemeinde besteht, sondern aus wie vielen Personen. In diesem Sinn steht das Wort "Seele" als ein Synonym für das Wort "Person".

Dass in der Bibel auch Tiere als "Seelen" bezeichnet werden, zeigen folgende Bibeltexte: "Gott sprach weiter: ,Die Wasser sollen ein Gewimmel lebender Seelen hervorwimmeln . . .‘ Und Gott ging daran, die großen Seeungetüme zu erschaffen und jede lebende Seele, die sich regt, die die Wasser hervorwimmelten, nach ihren Arten und jedes geflügelte fliegende Geschöpf nach seiner Art. . . . Und Gott sprach weiter: ,Die Erde bringe lebende Seelen nach ihren Arten hervor . . .‘ Und Gott ging daran, die wildlebenden Tiere der Erde zu machen nach ihrer Art und das Haustier nach seiner Art und jedes sich regende Tier des Erdbodens nach seiner Art" (1. Mose. 1:20, 21, 24, 25). Nach der Bibel bedeutet "Seele" also nicht anderes, als "Lebewesen" oder "das Leben als solches".

Dass die Seele kein unsichtbarer Teil des Menschen ist, wird auch in mehreren Enzyklopädien bestätigt:

„Im A[lten] T[estament] [gibt es] keine Dichotomie [Zweiteilung] in Körper und Seele . . . Der Israelit sah die Dinge konkret, in ihrer Gesamtheit, und sah deshalb Menschen als Personen und nicht als etwas Zusammengesetztes an. Der Ausdruck nepeš [néphesch], obgleich mit unserem Wort Seele übersetzt, bedeutet nie Seele im Unterschied zum Körper oder zur Einzelperson. . . . Der Ausdruck [psychḗ] ist das entsprechende Wort für nepeš im N[euen] T[estament]. Es kann das Lebensprinzip, das Leben selbst oder lebendes Wesen bedeuten“ (New Catholic Encyclopedia, 1967, Bd. XIII, S. 449, 450).

„Der hebräische Ausdruck für ‚Seele‘ (nefesch, das Atmende) wurde von Moses gebraucht . . ., bezeichnet ein ,belebtes Wesen‘ und ist gleichermaßen auf nichtmenschliche Wesen anwendbar. . . . Die neutestamentliche Anwendung von psychē (,Seele‘) war mit nefesch vergleichbar“ (The New Encyclopædia Britannica, 1976, Macropædia, Bd. 15, S. 152).

„Die Ansicht, daß die Seele ihre Existenz nach der Auflösung des Körpers fortsetzt, ist eher eine Sache philosophischer oder theologischer Spekulation als eine Sache des einfachen Glaubens, und sie wird daher nirgendwo ausdrücklich in der Heiligen Schrift gelehrt“ (The Jewish Encyclopedia, 1910, Bd. VI, S. 564).

Wenn diese Lehre also nicht in der Bibel zu finden ist, woher stammt sie dann? Nun, ihre Wurzeln lassen sich bis ins alte Babylon zurückverfolgen. So heißt es in dem Buch "The Religion of Babylonia and Assyria" : „Im Altertum . . . verspürten Ägypten, Persien und Griechenland den Einfluß der babylonischen Religion. Angesichts der frühen Kontakte zwischen Ägypten und Babylonien, wie sie durch die El-Amarna-Tafeln offenbart werden, gab es gewiß vielfältige Gelegenheiten für das Eindringen babylonischer Ansichten und Bräuche in die ägyptischen Kulte. Der persische Mithrakult weist eindeutig babylonische Vorstellungen auf . . . Daß sowohl die frühe griechische Mythologie als auch griechische Kulte stark mit semitischen Elementen durchsetzt waren, wird heute von den Gelehrten allgemein zugegeben, so daß es keines weiteren Kommentars bedarf. Diese semitischen Elemente sind großenteils eigentlich mehr babylonisch". Philosophen wie Sokrates und Platon (5. Jahrhundert), griffen die Vorstellung einer unsterblichen Lehre dann später auf und wandelten diese in eine philosophische Lehre um. So fand diese Lehre also Eingang in andere Kulturen und hat sich bis in unsere Tage gehalten.

Dass wir nach der Bibel keine unsterbliche Seele haben, braucht uns jedoch nicht zu beunruhigen. Deswegen ist ein Mensch, wenn er stirbt, nicht für immer verloren. An mehreren Stellen spricht die Bibel von einer Auferstehung der Toten, das heißt, Gott erinnert sich ganz genau an jeden einzelnen Verstorbenen und er besitzt die Macht, ihm wieder neues Leben zu geben (siehe z.B. Johannes 5:28,29). Um das tun zu können, ist Gott weder auf eine unsterbliche Seele, noch auf irgendwelche stofflichen Überreste eines Verstorbenen angewiesen. Wenn wir Menschen uns das mit unserem begrenzten Verstand auch nicht ganz vorstellen können, haben wir wegen der grenzenlosen Macht Gottes dennoch Grund, daran zu glauben. Daher sagte Jesus Christus einmal: "Bei Menschen ist dies unmöglich, bei Gott aber sind alle Dinge möglich" (Matthäus 19:25).

LG Philipp

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Die Seele ist das, was dich als Person ausmacht. Der Mensch besteht aus Leib, Seele und Geist.  Die Seele und der Geist des Menschen sind unsterblich, weil Gott sie so kreiert (erschaffen hat) Siehe 1. Mose 7 Und Gott, der HERR, bildete den Menschen, Staub von dem Erdboden, und hauchte in seine Nase den Odem des Lebens; und der Mensch wurde eine lebendige Seele.

Man darf aber die Unsterblichkeit der menschlichen Seele nicht mit Gottes Unsterblichkeit gleichsetzen. Er ist der Ewige, wir seine Geschöpfe.

http://www.bibelkommentare.de/index.php?page=qa&answer_id=553

lg

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Kommentar von CalicoSkies
17.01.2016, 18:34

Die Seele ist das, was dich als Person ausmacht

Wenn das tatsächlich so ist, wieso führen dann Eingriffe in die Biochemie des Gehirns zu Charakterveränderungen? :)

Wenn die Seele die "Person" und den "Charakter" festlegt, dann dürfte sowas ja keine Auswirkungen haben, oder?

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Die Seele ist unsichtbar, doch äußert sie sich durch deinen Charakter.

Der Charakter beinhaltet deine Gefühle, die du zum Ausdruck bringst: Freude, Mut, Ängstlichkeit, Trauer etc.

Man kann diese Zustände nicht anfassen, aber sie sind ein ständiger Begleiter. (ob im Christentum, als Atheist oder Moslem oder sonstenwer)

lg

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Der Mensch ist Geist (nicht: Gespenst oder so), hat eine Seele und lebt in einem Körper. Der Geist (mit Seele) überlebt den irdischen Tod (da er nur an den Körper gebunden ist, aber nicht davon abhängig).

Wenn also umgangssprachlich von "Die Seele kommt in den Himmel" die Rede ist, ist also eigentlich das Geist-Wesen gemeint (mit einer Seele).

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Kommentar von blumenkanne
17.01.2016, 16:29

sag ich doch, der mensch stirbt, er wird zum gespenst und geht zum gespensterboss. was für ein dämliches märchen.

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