Frage von WotansAuge, 41

Wie ist die Gesellschaft früher in sozialistischen Staaten (als es diese noch gab) mit dem Problem des Islamismus umgegangen?

Antwort
von FreundGottes, 40

In den sozialistischen Staaten forderte der Islamismus zwar wenig Opfer, wenngleich der Islam in der damaligen UdSSR sehr stark verbreitet war, aber der sozialistische Umgang mit dem Islam kann für eine Demokratie die sich persönlicher Freiheitsrechte verschrieben hat, kein Vorbild sein. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Islam_in_Russland

Die stalinistische Nationalitätenpolitik sollte jede Einheit oder Verbundenheit zwischen den muslimischen Völkern der Sowjetunion zerstören: Dutzende kleiner Autonomiegebilde (ASSR) wurden geschaffen und gegeneinander ausgespielt. Unter dem Vorwurf der Kollaboration mit Hitlerdeutschland ließ Stalin noch 1944 die Mehrheit der Krimtataren, Tschetschenen, Inguschen, Kumyken, Balkaren und Karatschaier („Bergtataren“) deportieren (nach Mittelasien und Sibirien), erst 1957 wurden diese Völker rehabilitiert (die Krimtataren erst 1967) und erhielten ihre Autonomien zurück (abgesehen von den Krimtataren, denen lediglich ein Rückkehrrecht gewährt wurde sowie den Tscherkessen und Karatschaiern, die in einem gemeinsamen Autonomiegebiet zusammengefasst wurden). Dem staatlich verordneten Atheismus fielen Tausende Moscheen zum Opfer, von 25.000 (davon 1.700 in Dagestan) vor der Revolution (1917) existierten 1989 nur noch 500 (davon 27 in Dagestan), muslimische Stiftungen wurden enteignet. Muslimische Geistliche wurden ausschließlich vom kommunistischen Staat ausgebildet und eingesetzt, so. ab 1944 z. B. die Muftis (Großmuftis) von Machatschkala bzw. Buinaksk (verantwortlich für den Nordkaukasus bzw. das europäische Russland) und Ufa (sibirisches Russland). Starken Einfluss auf das Islamverständnis der KPdSU hatte beispielsweise der Islamwissenschaftler Lucian Ippolitowitsch Klimowitsch. Ende der 1980er Jahre ging von den Tataren eine islamische Rückbesinnung aus. Sie war während der Perestroika bzw. dem Ende der Sowjetunion zunächst Teil der Demokratiebewegung in Russland.

Erst mit der Perestroika öffnete KP-Chef Gorbatschow seine Partei 1987 auch für Muslime.

Kommentar von webschamane ,

Ich wollte ergänzen, dass vor allem Kalmyken im Normalfall Buddhisten sind, also vielleicht nicht das aller kriegerischste Volk, das man finden kann.

Antwort
von webschamane, 41

Die DDR hatte zu besten Zeiten, etwa 100 türkische Staatsbürger auf ihrem Gebiet, davon sicher ein Teil politisch verfolgte, aufgrund ihrer sozialistischen Weltanschauung. In der UdSSR gab es nur "neue Sowjetmenschen" und natürlich war der Obermullah gleichzeitig frommer Gläubiger und informeller Mitarbeiter des Komitees für Staatssicherheit. Gegen Ende waren die islamistischen Tendenzen in den südlichen Republiken, schon sehr sichtbar und bspw. Tadschikistan ging nach den Zusammenbruch direkt in den Bürgerkrieg zwischen Kommunisten und Islamisten. Die Geschichte Tschetscheniens ist hinreichend bekannt.

Antwort
von Viktor1, 23

Den gab es so nicht als "Problem", wie wir es kennen.

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