Frage von smileandhappy11, 20

Wie ist die Ethik von John Stuart Mill mit den Menschenrechten verknüpfbar?

Antwort
von berkersheim, 11

Die Ethik von John Stuart Mill und des von ihm vertretenen Utilitarismus ist eine konsequente Fortsetzung der Aufklärung, vor allem ihrer politischen und emanzipatorischen Ideen zum Individuum wie einer freien Gesellschaft, in der die Individuen nach selbst gegebenen Regeln kooperieren. Anders als zu Zeiten der Aufklärung, als man noch um Unabhängigkeit von feudaler und klerikaler Bevormundung kämpfte, lebt Mill bereits in einer Zeit, in der feudale und klerikale Kräfte auf dem Rückzug sind. Der Utilitarismus zielt zuerst nicht nur auf die individuelle Handlungsethik sondern auf die öffentliche Gesetzgebung und Ablösung von Verhaltensvorschriften, die in den angeblich göttlichen Gesetzen wurzeln, aber in Wahrheit das Diktat der Feudalherren und Feudalkleriker waren. Im Kern geht es darum, wie durch Wahlen installierte demokratische Institutionen im Miteinander der Menschen selbst Orientierung finden, Gesetze einer Bürgergesellschaft einzurichten. Dabei ist die Grundidee, dass ein Ausgleich zu schaffen sei zwischen den individuellen Freiheitsrechten der Bürger und den notwendigen staatlichen Ordnungen auch die Grundidee der Menschenrechte.

Zum Utilitarismus ist zu sagen, dass er in angelsächsischen Ländern anders und positiver aufgefasst wird als z.B. in Deutschland, wo er noch von Goethe, dem Fürstendiener!, verunglimpft wurde und sich ein demokratisches Verständnis freier Bürger und ihrer Verantwortlichkeit historisch nie richtig durchgesetzt hat. Deutschland ist ja im Prinzip von einem durch einen verlorenen Krieg (1. Weltkrieg) gestürzten Kaiserreich in eine missratene Demokratie gestolpert, um gleich wieder einem weiteren totalitären System zu weichen. Die Reife des Utilitarismus als demokratische Werteordnung ist den "unreifen" Deutschen und idealistisch geprägten Schwärmern nie aufgegangen. Entweder fehlinterpretieren sie den Utilitarismus als unvollkommenes Ideal oder können von ihren überkommenen halbgöttlichen Werten nicht ablassen. Dass der Utilitarismus in Wirklichkeit ein Diskussionsforum ist, in dem sich die reale Umsetzung von Werten einer Bürgergesellschaft durch Diskussion und nicht durch Stillstand fortentwickelt, mögen die deutschen Idealisten nicht. Selbst die Parteien, die sich demokratisch nennen, tun alles, um das deutsche Volk von direkten Entscheidungen fernzuhalten. Die halten läppische, nichtssagende Parteiprogramme für demokratisch und ungestraft gebrochene Wahlversprechen für normal. In England werden die Bürger zu Europa befragt, in Deutschland dürfen wir nur ungefragt zahlen. Solche Leute haben mit Stuart Mill nichts am Hut und Menschenrechte werden von ihnen nur als ideeller Abglanz interpretiert und nicht als Grundlage zur Gestaltung der eigenen Gemeinschaft. Im krassesten Fall werden idealisierte Menschenrechte so interpretiert, dass selbst die eigene Gesellschaft dabei "hops gehen" kann.

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