Frage von TemperaPainter7, 116

Wie ist der Name dieser Krankheitssymptomatik (Lichtempfindlichkeit, Unwirklichkeits- und Schwebegefühl, Schwindel, Kopf wie Granit)?

Guten Tag zusammen! Gegenwärtig bin ich 36 Jahre alt und habe mich inzwischen gut an diese Störung(en) gewöhnt. Vorweg sage ich gleich, dass durchaus einige Untersuchungen (u.a. EEG, CT...) durchgeführt wurden und daher geht's mir nur darum zu erfahren, ob jemand selber davon betroffen ist bzw. einen Betroffenen kennt und wie dieser damit zurecht kommt UND ob diese Krankheit(en) einen Namen hat (zwecks Recherche).

Schon als Kind konnte ich kaum gegen grelles Licht sehen. Lief daher immer mit gesenktem Blick durch die Welt. Das war ja noch relativ harmlos. Aber als ich als 17jähriger im Schulunterricht saß, dachte ich an die Abitur-Prüfung - und bekam innerlich massive Panik! Und ich merkte, dass ich einen Druck im Kopf bekomme und das Gefühl hatte zu schweben, wobei sich der ganze Kopf einerseits wie von Watte umgeben und gleichzeitig "wie aus Stein" angefühlt hat.

Diese Symptome brachen manchmal aus, auch wenn ich keine Panik vor dem bevorstehenden Abitur bekam. Allerdings begann ab dieser Zeit eine Odysee, die mich zu zahlreichen Ärzten führte (ich habe es zunächst für eine rein körperliche Krankheit gehalten). Allerdings wurden die Ärzte auf körperlicher Ebene nicht fündig.

Inzwischen habe ich mich relativ gut an die Störung gewöhnt, daher komme ich relativ gut damit zurecht (zumindest wenn man es mit den ersten Jahren seit dem Ausbruch vergleicht). Es äußert sich in einem Schwebegefühl und einer Art "Kranz" um den vorderen Kopfbereich sowie einer extremen Lichtempfindlichkeit und dem Gefühl der Unwirklichkeit (vor allem in der Dämmerung oder bei Neonlicht).

Auch brauche ich sehr viel Ruhe und lebe extrem zurück gezogen, da ich meine Umwelt als EXTREME Reizüberflutung empfinde. Muss dazu erwähnen, dass ich schon seit frühester Kindheit alles am selben Platz (nach meinem System) liegen habe und extrem nervös werde wenn irgendwas fehlt oder nicht am selben - eben dem gewohnten - Platz ist.

Kann mir Details über Jahre und Jahrzehnte merken (Halbedelsteine, Meteoriten, Schmetterlinge, Vögel, Uhrwerke und Schnitzereien sowie antike Gemälde sind seit der frühen Kindheit und Jugend mein Hobby, mit dem ich mich nahezu permanent beschäftige und solche Gegenstände sammle - bis heute).

Kritisiert wurde an mir sehr oft, dass ich in einer ganz anderen Welt leben würde und ich kaum Kontakt zu anderen Menschen haben würde (das stimmt, aber anders kann ich es nicht aushalten und ich fühle mich - ehrlich gesagt - am wohlsten wenn ich ganz alleine bin und es vollkommen ruhig ist und ich keinem grellen Licht ausgesetzt bin).

Innerlich spielen sich ständig Melodien verschiedener Lieder in mir ab (die mir mehr oder weniger gut gefallen), diese sind in mir wie aufgezeichnet (ebenso wie Details aus Gemälden usw.) Daher nehme ich meine Umgebung oft nicht richtig wahr.

Aussagen meiner Umwelt verstehe ich oft nicht (richtig). Ruckartig kann ich den Kopf nicht drehen oder bewegen, sonst wirbelt es mich manchmal herum (vor allem bei grellem Licht).

Vielen Dank!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von halbsowichtig, 39

Das Gefühl von Schwindel/ Migräne ist ein Zeichen von massivem Stress und Kreislaufproblemen. Dein Kopf ist dann überlastet und schaltet - bildlich gesprochen - "ein paar Funktionen auf Stand-by".

Was die Unwirklichkeit angeht, schau dir den Begriff "Dissoziation" an:

https://de.wikipedia.org/wiki/Dissoziation_%28Psychologie%29

Alles was du ansonsten beschreibst, klingt sehr nach einem Asperger-Syndrom:

www.autismus-kultur.de/autismus-spektrum

Kommentar von TemperaPainter7 ,

Vielen Dank für die Antwort! Seit ich Stress sehr reduziert habe (ich arbeite in 75% Teilzeit und lebe ganz alleine) haben diese Schwindel-Symptome nachgelassen. Allerdings fühlen sie sich keineswegs nach einem auf ein Kreislaufproblem basierenden pathologischen Zustand an, sondern viel mehr sind diese rein im Kopf: So als ob extreme Zentner-Massen aus Granit im Kopf gegeneinander drücken. Es sind keinerlei Schmerze, sondern so als ob sich die Kopfhaut nach innen drückt und als ob der Kopf an manchen Stellen steinhart wird und an anderen Stellen zerplatzt. Bekomme beim sprechen das Kinn oft nicht richtig auseinander und habe stottere daher oft. Meine Sprache ist deshalb oft sehr gestört und durch Aussetzer gekennzeichnet. Aber habe das UNUNTERBROCHEN seit dem Jahr 1997. 

Das Asperger-Syndrom wurde schon oft als auf mich (mehr oder weniger) zutreffende Diagnose genannt. Insoweit untermauert es Ihre Aussage bzw. bestätigt diese. 

Vielen Dank für die Verlinkungen. MfG TemperaPainter7

Kommentar von halbsowichtig ,

So klingt es wiederum nach starken Muskelkrämpfen oder Verspannungen in Nacken, Kiefer und Kopfhaut. Eine Kiefernfehlstellung hast du nicht? Dann passt wieder Stress/Angst.

Ich hab mal gelesen (aber sonst kein Ahnung davon), dass verdrängte Traumata sowas auslösen können. Das wäre dann eine Form von krankhafter Dissoziation. Vielleicht ist 1997 etwas passiert, an das du dich nicht erinnerst.

Kommentar von TemperaPainter7 ,

Mit meinem Kiefer stimmt tatsächlich etwas nicht (die Kiefergelenke knacken oft recht laut). 1997 ist zwar nichts passiert (außer der Panik vor dem anstehenden Abitur), aber es gibt sehr viele Begebenheiten (an die ich mich zwar leider noch erinnern kann), die ich nicht aushalte und SOFORT extrem stark zu verdrängen suche. Und zwar Begebenheiten, in denen ich das Gefühl habe mich blamiert zu haben oder überhaupt in irgendeiner Form aufgefallen zu sein (ich schäme mich im nachhinein EXTREMST dafür, dass ich im Alter von 12 - 14 Jahren oft mit einem Schäferstab und Tiroler-Hut herumgelaufen bin oder dass ich als Kind manchmal herumgealbert habe. Ich tröste mich dann immer damit, indem ich mir sage, dass andere Menschen das inzwischen vergessen haben). Ich kann es kaum aushalten wenn jemand meine Stimme hört, da diese für andere "irgendwie technisc" bzw. monoton klingt (sowie alters- und geschlechtslos). MfG TemperaPainter7

Kommentar von halbsowichtig ,

Diese monotone, geschechtsneutrale Stimme haben viele Asperger-Autisten. Die Mitmenschen gewöhnen sich daran. Im Endeffekt zählt schließlich was man sagt, nicht in welcher Tonlage man es sagt.

Aber wieso schämst du dich dafür, dass du als Kind kindisch warst? Jeder war mal Kind und alle Kinder sind kindisch. Vielleicht wäre es ganz gut, wenn du mit einem persönlichen Coach oder einem Therapeuten an deinem Selbstbewusstsein arbeiten könntest.

Antwort
von Magnetit, 29

Ich kenne das was sie beschreiben nur zu gut. Vor einem halben Jahr habe ich die Diagnose Autismus erhalten. Ich bin extrem Überempfindlich auf Licht, Geräusche, Gerüche, Berührungen... An manchen Tagen trage ich sogar Zuhause eine Sonnenbrille. Dieses Gefühl das der Kopf steinhart ist und alles in Watte... Ja das habe ich auch. Ehrlich gesagt weiss ich nicht wie man damit umgehen soll denn ich habe es selber noch nicht herausgefunden. Ich kann mich stark mit ihren Beschreibungen identifizieren. Ich würde mich an ihrer Stelle mal auf Autismus/ Asperger untersuchen lassen. Es muss natürlich nicht sein das sie ein Asperger Syndrom haben aber für mich hört es sich stark danach an.

lg  

Kommentar von TemperaPainter7 ,

Vielen Dank für Ihre Antwort! Immerhin handelt es sich bei Ihrer Antwort um die erste Antwort eines (Mit-?)Betroffenen. Und zwar insofern, als Sie offenbar auch dieses - oft undefinierbare - Gefühl des Druck im Kopfes sowie des Eingepackt-Sein-Gefühl des Kopfes in Watte kennen. Manchmal kommt es mir auch so vor als ob der Kopf zerplatzt oder als ob steinharte Objekte im Kopf gegeneinander drücken.  MfG TemperaPainter7

Kommentar von Magnetit ,

Ja es fühlt sich wirklich an als würde der Kopf gleich zerplatzen. Ich hasse dieses Gefühl. Falls sie weitere Fragen haben bin ich gerne dazu bereit sie ihnen zu beantworten.

lg

Antwort
von winnso, 64

Hey,
wurdest du auch schon in die Richtung Autismus untersucht? Ich studiere Psychologie und was du so beschreibst (alles muss wie gewohnt ablaufen, keine Veränderung, wenig Kontakt zu anderen Menschen) passt sehr genau auf die Symptome eines Asbacher-Autsisten.
Wie gesagt, ich bin mitten im Studium und das soll keine Diagnose sein, aber vielleicht ein Anstoß sich darauf nochmal untersuchen zu lassen, da man diese Form von Autismus durch eine Therapie unterstützten kann.
Alles Gute!

Kommentar von TemperaPainter7 ,

Vielen Dank für die Antwort! Nunja, eben in DIESE Richtung wurde ich nicht direkt untersucht (psychologisch, psychiatrisch und neurologisch grundsätzlich schon). Allerdings waren die Diagnosen sehr breit gefächert und von Arzt zu Arzt verschieden, wenngleich in eine übereinstimmend in eine ähnliche Richtung zumindest rein oberflächlich betrachtet: Schwere Persönlichkeitsstörung, Zwangsstörung mit wahnhaften Anteilen, Soziale Phobie, Agoraphobie etc... MfG TemperaPainter7

Kommentar von halbsowichtig ,

Asbacher-Autismus gibt es nicht.

Man unterscheidet nur Asperger-, Kanner- und atypischen Autismus.

Kommentar von winnso ,

Ach ja, natürlich, meinte auch den Asperger-Austismus, hab mich nur verschrieben...;)

Antwort
von user8787, 56

Hier Diagnosen zu stellen wäre unseriös, für Fachleute sogar strafbar. 

Such bei deinen umfangreichen Störungen bitte einen Spezialisten vor Ort auf. 

Kommentar von TemperaPainter7 ,

Vielen Dank für Ihre Antwort! Das kann ich nachvollziehen! Der rechtliche Aspekt ist natürlich klar zu beachten. Allerdings geht es mir auch darum, ob diese Symptome ein "eigenes" Krankheitsbild darstellen bzw. ob jemand von etwas Ähnlichem betroffen ist. Leider habe ich das stellenweise sehr schlecht formuliert. MfG TemperaPainter7

Kommentar von user8787 ,

Es geht mir nicht um die Formulierung. Dei Problem gehört in reale Hände. 

Individualisierte Diagnostik ist eine durch und durch reale Angelegenheit und erfordert viele persönliche Daten und Analysen. 

So etwas darf niemals anonym ablaufen....

Antwort
von konstanze85, 49

Ein paar Absätze wären schön gewesen. Es ist viel erwartet von uns, das alles leicht durchzulesen.

Spontan dachte ich an eine schwere Form der Mogräne.

Kommentar von TemperaPainter7 ,

Vielen Dank für Ihre Antwort! Leider fand ich nichts zum Stichwort Mogräne. Spontan vermute ich, dass Sie ursprünglich "Migräne" gemeint haben. Absätze waren erst geplant, aber aus Platzmangel wegen zu langem Text dann entfernt! MfG TemperaPainter7

Kommentar von konstanze85 ,

Ja, ich meinte Migräne und habe mich vertippt.

In dem Fall könnte man den Text kürzer fassen oder eine Fortsetzung als Antwort formulieren. Das brächte sicher auch mehr als 3 Antworten. Als Anregung für die nächste Frage.

Kommentar von TemperaPainter7 ,

OK, danke für den Tipp! Das ist erst meine 2. Frage auf GutefragePunktNet. Aber eigentlich sind 3 Antworten in so kurzer Zeit für mich sogar recht viel (meine erste Frage auf gutefragePunktNet vom Januar 2016 hat bisher nur 1 Antwort erhalten). Aber jetzt weiß ich ja die Gründe dafür! MfG TemperaPainter7

Kommentar von TemperaPainter7 ,

Übrigens: Die Absätze wurden erst nach einigen Tagen sichtbar. Mich hat nämlich auch gewundert, dass der Text unmittelbar nach der Veröffentlichung nicht mehr untergliedert war (wahrscheinlich lag es daran, dass keine verbleibende Zeichen mehr frei waren und ich erst den Text dadurch "quetschen" musste). Habe mit dieser Internet-Plattform eben noch nicht genug Erfahrung.

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