Wie ist das mit der sogenannten "Komfortzone" bei Euch. Hab ihr schon mal beobachtet, wann ihr beschließt diese Zone zu verlassen Oder bleibt ihr einfach darin?

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12 Antworten

Ich bin von Natur aus neugierig, von daher verlasse ich gern meine kleine Komfortzone und begebe mich in die Experimentierzone (wie ich sie nenne). Am liebsten natürlich in den Bereich, wo ich mich immer noch halbwegs wohl fühle.

Da ich mich besser fühle, wenn ich hier was geschafft habe, und hier meistens auch was schaffe, bin ich motiviert, diese Zone regelmäßig zu betreten.

Dadurch gewöhne ich mich an diese Bereiche und nach einiger Zeit gehören sie dann auch zur Komfortzone.

Dann gibt es noch die Herausforderungszone (nennen wir sie mal so - hab im Internet nichts auf die Schnelle hierzu gefunden), hier weiß ich nicht, wie es ausgeht, aber es fällt mir noch nicht schwer, hier hinein zu gehen (wenn es auch eine merkliche Anstrengung darstellt). Vorausgesetzt, in der Komfortzone stimmt alles.

Schwierig wird es in der Langeweile-Zone, aus naheliegenden Gründen. Da hilft, wenn ich vor kurzem eine Herausforderung in der Experimentier- oder Herausforderungszone gemeistert habe, und es hilft auch, wenn ich mir sage "es muss nun einmal getan werden". Und besonders, wenn ein Ende absehbar ist und ich nicht befürchten muss, dass z. B. nachdem ich einen Stapel Wäsche gebügelt habe (hm, dazu fällt mir ein - äh, nix), mir gesagt wird, dass noch ein weiterer im Keller wartet.

Am schwierigsten ist die Panik-Zone (die nenne ich nach dem panikartigen Angstzustand, den ich erlebe, wenn ich daran denke, diesen Bereich zu betreten). Das ist ähnlich wie, aber noch etwas schwieriger als, das Überwinden eines Suchtverhaltens. Für den Einzelfall am besten funktioniert das Entgegensetzen einer noch größeren Angst. Hat den Nachteil, dass ich dann die Grenze der Panikzone an dieser Stelle etwas weiter nach innen setze. Auf Dauer hilft am besten, oft in diese Richtung zu gehen, aber meistens nur bis in die Experimentierzone, und regelmäßig, aber nicht zu oft, in die Herausforderungszone. Ist natürlich schwer zu realisieren, Problem von innen: innerer Schweinehund, von außen: Augenmaß

Ein Beispiel: Als Kind hatte ich panische Angst, vor einer unbekannten Menschenmenge zu sprechen.

Versicherungen wie "Die beißen doch nicht" halfen nichts - wie auch, kognitiv war mir das ja alles klar.

Von Lehrern in der Schule aufgefordert zu werden, vor der Klasse etwas vorzutragen, habe ich auch als kontraproduktiv empfungen - jedenfalls bis ich mich an das Reden vor gut bekannten Menschen halbwegs gewöhnt habe, danach war es förderlich.

Geholfen hat, dass ich erst meinen Geschwistern Märchen vorgelesen habe, dann in einer Gruppe von guten Bekannten mitdiskutiert habe (als Schüler/Student), dann auch mal selbständig einen kleinen Vortrag vor einer solchen Gruppe gehalten habe (und gemerkt habe, dass ich damit gut ankomme), später vor einer Gruppe von ca. 150 großenteils flüchtig bekannten Leuten (von denen sich viele auch "blamiert" haben bei ihren Reden, aber das war überhaupt kein Problem), und schließlich auch vor 100 bis 250 Leuten, die mir teilweise gut, teilweise nur vom Sehen, teilweise überhaupt nicht bekannt waren.

Heute kann ich mir vorstellen, vor 100 unbekannten Leuten spontan etwas in der Art einer kurzen spontanen Stand-Up-Comedian-Rede zu halten, wenn ich in entsprechender Laune bin.

Zusammengefasst: Die wichtigste Voraussetzung ist, dass ich mir ziemlich sicher sein kann, dass die Angelegenheit nicht in die Panikzone kommt, die zweitwichtigste, dass ich das Gefühl habe, in der Komfort-Zone genügend aufgetankt zu haben (wobei die beiden Dinge zusammenhängen).

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Kommentar von PWolff
21.11.2016, 14:56

Grafische Darstellung:

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+-----------------------------------------+

K = Komfortzone
E = Experimentierzone
H = Herausforderungszone
P = Panikzone

(Wenn jemand bessere/gebräuchlichere Namen weiß, bitte nennen)

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Kommentar von kiwikiwitt
21.11.2016, 15:10

wow, das hast du wunderbar erklärt und auch die Beispiele gefallen mir sehr gut. Grad auch das Beispiel mit dem "erst Märchen vorlesen". Auch, dass die Komfortzone erst wirklich als Anker vorhanden sein muss, bevor man sich weiter raus trauen kann. Alles sehr einleuchtend. Also wenn man es als Experimentierfeld betrachtet, selbst weiter zu kommen und nicht drauf zu waren, bis einen das Leben von alleine aus der Komfortzone raus schubbst (was ja bisweilen auch geschieht :) )

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Ui - jetzt musste ich erstmal überlegen, was Komfortzone für mich bedeutet. Ich erkenne darin vertraute Gewohnheiten und Bequemlichkeiten, also Bereiche, in denen ich mich wohl fühle. Bei mir hat das Leben dafür gesorgt, dass ich Komfortzonen verlassen habe - aber auch Bedürfnisse, für die ich bereit war, mit alten Gewohnheiten zu brechen. Schon mein Bedürfnis, meinem Leben einen Sinn/Wert zu geben, reißt mich aus manchen Bequemlichkeiten heraus, aber mit dem Gefühl von Sinnlosigkeit bleibt eine Komfortzone ja keine Komfortzone, weil sich dann ein Gefühl der Unzufriedenheit in mir ausbreitet und ich mich einfach nicht mehr wohl fühle.

Aber es gibt natürlich auch äußere Zwänge, denen ich nachgeben möchte oder auch nicht - es kommt halt drauf an, was ich erreichen will. Im Grunde kann ich diese Frage garnicht genau beantworten, weil es wirklich von Fall zu Fall verschieden ist. Wie gesagt, es kommt immer drauf an, was ich erreichen möchte, was ich hinzunehmen bereit bin und für was ich mich wieweit einsetzen möchte. Eine allgemein gültige Antwort kann ich auf diese Frage einfach nicht geben :)

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Unter der Komfortzone verstehe ich ein mir gut vertrautes Areal, in dem ich viele Leute kenne bzw mich auskenne und mich deshalb gezielt und sicher bewegen kann. Jack the Rippers Komfortzone zum Beispiel war Whitechapel. Man wird im Leben unweigerlich mit Situationen konfrontiert, die es notwendig machen, seine Komfortzone zu verlassen. Es kann sich ja nicht alles in der eigenen Wohnung und der näheren Umgebung abspielen. :)

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Leicht fällt das wahrscheinlich niemandem. Aber es hat viel mit Übung zu tun. Menschen sind Gewohnheitstiere und es fällt uns allgemein schwer, davon Abstand zu nehmen.

Ja ich hatte sowas schon mehrmals und eigentlich immer durch ein Ereignis von außen. Meine Erfahrung ist: Nicht zu viel drüber nachdenken und einfach machen. Ängste überwinden macht uns stark. Mir hilft inzwischen in soclhen Situation meist, dass ich weiß, dass ich es wahrscheinlich bereuen würde, es nicht getan zu haben.

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Der Einfluss dies zu tun kommt vermutlich meistens von Aussen obwohl man diesen Prozess danach selbst auslöst.

Ich begann mitten im Leben nochmals bei Null....mein Mann hatte mich betrogen, was ich noch wegstecken hätte können aber wie so oft geht das Lügen mit dem Betrügen Hand in Hand...

Mein Vertrauen war weg und somit auch ich...26 Jahre Aufbau, wir planten gerade unser inzwischen zu grosses Haus zu vermieten und uns eine Villa für das Alter zu bauen...

Nun ja, ich ging verlor im gleichen Moment meinen Job ( dubiose Uebernahme der Firma und der neue Chef floh mit unseren Löhnen ins Ausland) und so stand ich mit etwas Geld aber ohne Perspektive da.

Ich die vorher wie die Made im Speck gelebt hatte, da auch wieder zurück gekonnt hätte....aber ich ging vorwärts...

Heute habe ich drei Häuser, weil ich Bitcoins gekauft hatte als sie noch vollkommen unbekannt waren...also ich hatte einfach Glück oder die Nase im Wind...

Aber wie gesagt vor 8 Jahren hatte ich wirklich Existenzängste, denn ohne Job mit zwar 300 000.-- in der Tasche....das klingt im ersten Moment nach viel, ist es aber nicht wirklich ohne Fundament ist dieses Geld schnell weg.

Trotzdem wäre es nicht ehrlich gewesen zurück zu gehen...und so ging ich einfach ins Ungewisse, fand schnell wieder einen Job und eben investierte mein Geld, die Mehrheit in mein erstes Haus und dann kaufte ich jeden Monat von dem was übrig blieb Bitcoins, die dann plötzlich extrem im Wert stiegen...

Wie gesagt ich hatte Glück, die Geschichte war damals nicht absehbar

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Wenn man nicht selbst den Hintern hochbekommt, tut es auch sonst keiner für einen. Von daher muss man sich selbst bewegen, wenn man etwas (für sich) tun oder haben möchte. Ich mache das regelmäßig, sonst wird wie gesagt nichts.

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Unter Komfortzone verstehe ich eine Möglichkeit, vor allen Verpflichtungen zu flüchten und es bequem zu haben.

Das kann in den eigenen vier Wänden sein, ein anderer stellt einfach für 24 Std das Handy ab.

Das man sowas nicht kontinuirlich geniessen kann ist logisch. Bei mir selber sogar fast undenkbar(leider). Meine Komfortzone ist höchstens mein kleiner Schrauberschoppen in dem ich bei guter Musik Motorräder restauriere. Möglichst ohne Handy in der Nähe :-)

Manche gönnen sich ihre Komfortzone öfter als nötig. Da kann man sagen: sich verkriechen und faulenzen - heute nennt man es chillen, das hört sich ja cooler an.

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Kommt drauf an in welchem Bereich. Es gibt Bereiche, da darf ich mich gehenlassen und es gibt Bereiche (Schule, Beruf) da sollte man es tunlichst vermeiden. Letztlich sind die Grenzen ja von der Gesellschaft vorgegeben (Noten, Kündigung...).

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Ich habe "ohne Not" meinen sicheren Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst gekündigt. Ich hatte einen etwa vierminütigen Fußweg zur Arbeit, ein sicheres Einkommen, nette Kollegen, musste gegen meine innere Überzeugung mit 35 Jahren den Führerschein machen, fast durch die ganze Stadt gurken, um an meinen neuen Arbeitsplatz zu kommen usw.

Trotzdem wollte ich bei meinem alten Arbeitgeber weg.

Gruß Matti

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Kommentar von kiwikiwitt
21.11.2016, 14:14

Gab es einen Grund, dass du da "weg" wolltest? Oder war es eher der Grund "woanders" hin zu wollen? Was hatte das "woanders" für Reize, die dir deine bisherige Position nicht bieten konnte?

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Meinst du mit meiner Komfortzone z.B. dass ich früher nie aufgeräumt habe und mitlerweile alles immer sofort wegtue, damit es ordentlich und Sauber bleibt?

Das hab ich geschafft, als wir ein Zimmer zuhause renoviert haben. Also Komplett mit Tapete, Decken und Bodenleisten, Wände verputzen, sogar ein Hochbett haben wir selber gebaut.

Während dieses Vorhabens sah die Bude immer schlimmer und schlimmer aus. Irgendwann konnte man vor lauter Schutt und Werkzeug und Tapetenmüll nicht mehr normal durch die Wohnung rennen (Wir waren im Zeitdruck und außerdem war ich zu faul zum Aufräumen).

Der bloße Anblick dieses Saustalls hat mich dazu verleitet, nach der Renovierung alles aufzuräumen und zu putzen. Damit das nie wieder so krass ist räume ich seit dem alles immer sofort weg.

Das mag für die meisten ein normales Vorgehen sein, aber ich war früher echt stinkendfaul und das ist für mich quasi eine 180° Drehung gewesen

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Ich gehe jeden Tag zur Arbeit...

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Jeder hat eine solche Zone, die man nicht gerne bereit ist, zu verlassen.

Festgestellt, dass die Jeans vom Frühjahr etwas eng geworden ist..?
Fitness-Studio ist irgendwie nervig und kostet auch noch Zeit + Geld..?

Der Dachboden ist mit Gerümpel vollgestopft - ja, da muss ich mal beigehen....?

Solche Sachen meinst du?

Abhilfe:
Mach einen Plan.

Einen richtigen Plan, schreibe dein Vorhaben auf und zwar mit Datum, an dem du anfangen willst oder etwas konkret erledigen.

Unterschreibe diesen Plan wie einen Vertrag.

Diesen heftest du an die Pinwand oder den Kühlschrank, so dass du diese immer im Blick hast.

Somit hast du nicht nur eine vage Aussage in de Raum geworfen, an die du dich nicht wirklich gebunden fühlst, sondern ein "echtes Dokument", welches dich erinnert und zum Handeln zwingt.

In Sachen Sport / Fitness:
Am besten mit einer Freundin / einem Freund zusammen aktiv sein.
Das spornt an und du hast Gesellschaft.

Auch gut: sich Belohnungen einrichten für erledigte Sachen.
"Wenn der Dachboden entrümpelt ist, fahre ich shoppen und gönne mir diese super-coolen Schuhe". Ruhig mit auf "den Vertrag" setzen".

Wenn es um alltägliche Dinge geht, die du immer wieder aufschiebst (sauber machen, aufräumen, bügeln, Papierkram...): Manches erledigt sich besser, wenn man den Rahmen etwas anders gestaltet.

Hausputz z.B. geht bei mir nur mit Musik an, dann ist es fast schon eine "Nebenbei-Angelegenheit", ebenso bügeln oder anderer lästiger Kram.

UND: nimm dir nicht zu viel vor! Wer sich Ziele setzt, die nur schwer erreichbar / durchführbar sind, scheitert oftmals und verliert früh die Lust. Also besser realsitische Ziele, um den Erfolg zu spüren und Ansporn zu finden, weiter zu machen.

Und jetzt: runter vom Sofa !  :-)

)(

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