wie ist das mit dem zen-buddhistmus und kalligraphie?

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2 Antworten

Ich selbst bin Zen-Buddhist und helfe gerne weiter.

Es geht im Zen darum, ganz im gegenwärtigen Moment zu sein, ohne Gedanken an Vergangenheit oder Zukunft.

Diese Geisteshaltung der meditativen Achtsamkeit fließt in verschiedene Tätigkeiten ein, die auf diese Weise selbst eine Form von Meditation werden.

Neben Zazen (Sitzmeditation) der Grundlage des Zen-Buddhismus, wurden somit auch andere Disziplinen zu Formen mit meditativem Charakter.

Zen und Kunst

Aus der reinen Technik wird durch diese Praxis ein ganzer Lebensweg, da diese Disziplinen eine lebenslange Übung erforderlich machen. Daher spricht man dann vom "Weg" (Dô).

So entstanden der "Tee-Weg" (Chadô), der "Blumen-Weg" (Kadô), der Schrift-Weg (Shodô) und weitere vom Zen beeinflusste Kunstformen.

Es geht also nicht so sehr um das Ergebnis, sondern um die Handlung an sich, die mit voller Achtsamkeit durchgeführt werden soll - Tee zubereiten, Blumen ästhetisch arrangieren, oder Kalligraphien schreiben.

Zen und Kampfkunst

Bis zum Jahr 1603 war Japan von ständigen Schlachten und Kriegen zwischen den verschiedenen Fürsten (Daimyo) geprägt.

Als nach der Schlacht von Sekigahara das Tokugawa-Shogunat die Militärregierung (bakufu) einführte, war plötzlich Frieden - und die alten Stile/Schulen (ryû) mit ihren tödlichen Techniken (jutsu) hatten nicht mehr die selbe Bedeutung wie zuvor.

Zu dieser Zeit wurden die Kriegskünste (Koryû) unter Einfluss des Zen zu Kampfkünsten (Budô), deren Hauptziel es nicht länger war, einen anderen zu töten.

Stattdessen wurden die tödlichen Techniken zum Teil eines Lebenswegs zur Charakterschulung und Persönlichkeitsentwicklung (dô).

So wurde aus den verschiedenen Stilen der Schwertkampfmethoden (Koryû-Kenjutsu) der philosophische Schwert-Weg (Kendô) geschaffen, aus dem dann später, im 19. Jahrhundert das moderne Kendô wurde usw.

Zen und Bushido

Die Philosophie vom "Weg des Kriegers" (Bushidô) entstand also eigentlich erst in einer Zeit, als die großen Auseinandersetzungen in Japan bereits vorbei waren.

Es war wichtig, den Kriegern (Samurai/Bushi) eine angemessene Bildung zukommen zu lassen, die ihrem bisherigen Denken entsprach.

Also wurde der Grundsatz des "bunbu ryôdô" - der Vermittlung von Schwertkunst und den "schönen Künsten" im Geist des Zen zum Konzept für die Erziehung der Samurai.

Ein Krieger musste nun nicht mehr lediglich gute technische Fähigkeiten im Kampf haben, sondern es wurde eine charakterliche Schulung durch traditionelle Kunst für ihn verbindlich

In die Philosophie des Bushido flossen neben dem Konfuzianismus, der die Loyalität der Untergebenen gegenüber Höherrangigen betonte, auch Konzepte des Zen ein.

Zen und Nationalismus

Während der Zeit des japanischen Militarismus wurden diese Ideale des Kriegers und die Lehre des Zen für nationalistische Propaganda und Indoktrination missbraucht.

Auch andere buddhistische Traditionen beteiligten sich an der Mobilisierung, wobei das Zen vermutlich den größten Einfluss hatte.

Aussagen aus Lehrschriften für Samurai wurden dafür verwendet, der Bevölkerung völlige Opferbereitschaft für Herrscher und Heimat einzuimpfen.

Lehren des Zen  wurden umgedeutet, um Kampfgeist, Durchhaltewillen und Disziplin zu stärken.

Die größte Perversion fand dann in den sinnlosen Selbstmordkommandos mit Flugzeugen (Shinpû Tokkôtai) und U-Booten (Kaiten) statt.

Hoffe, diese Überblick war interessant für dich. Wenn du noch Fragen hast, helfe ich gerne weiter.

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Kommentar von TakumiMisaki
16.02.2016, 17:32

vielen vielen dank!! das war sehr hilfreich

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Kommentar von TakumiMisaki
16.02.2016, 17:58

Wie lange machen Sie schon Zen-Buddhismus?

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