Frage von ruBek, 24

Wie ist das Mathe-Studium an einer Universität (Vergleich Mainz/Wien)?

Hallo,

ich habe vor Mathematik und Physik oder Erdkunde oder PoWi auf Lehramt (Gymnasium) zu studieren. Ich höre von vielen, dass ein Mathe Studium sehr schwer sei. Meine Fragen:

1.) Wie schwer ist ein Mathe Studium und verläuft es (Planung/Wann muss man in die Uni/Schwierigkeitsgrad)?

2.) Gibt es einen Unterschied ob man in Deutschland (Bsp: Mainz) oder in Österreich (Bsp: Wien) studiert?

3.) Tagesablauf als Student (Mathe-Lehramt).

Vielen Dank schonmal im Voraus, ich weiß, dass sich einige Fragen doppeln :)

Antwort
von claushilbig, 7

Hm - meine eigenen Erfahrungen mit dem Mathe-Lehramts-Studium ist nun schon ein paar Jährchen her, ich hoffe, es hat sich nicht allzuviel daran geändert ...

1.) Wie schwer ist ein Mathe Studium und verläuft es (Planung/Wann muss man in die Uni/Schwierigkeitsgrad)?

Den Stoff des gymnasialen Leistungskurses kann man (zumindest an manchen Unis) in einem "Vorkurs" in ca. 4 Wochen wiederholen. Dieser Stoff wird dann im eigentlichen Studium vorausgesetzt, das in etwa mit dem gleichen Tempo wie der Vorkurs weiter geht - SO schwer ist es ... ;-)

Der Ablauf ist in der Regel so, das man Grundstudium pro Semester jeweils etwa 2-3 "Kurse" besuchen muss, die dann aus Vorlesungen ("Frontal-Unterricht" durch den Professor für bis zu 1000 Studenten, meist reine Theorie, ca. 4 Stunden pro Woche) und Übungen ("praktische Anwendungen" der Theorie, teilweise als Fontal-Übung,  d. h. ein Assistent rechnet - u. U. auch für hunderte Studis - nur Aufgaben vor, teilweise als Gruppen-Übungen zu 10-20 Studis, d. h. z. B. eine(r) aus der Gruppe rechnet vor oder man diskutiert in der Gruppe über den Lösungsweg, ca 2-4 Stunden pro Woche) besteht. Hinzu kommen Hausübungen (also wie Hausaufgaben in der Schule), die dann zum einen die Grundlage fürs "Vorrechnen" in der Gruppenübung sind, und die zum anderen abgegeben und benotet werden und damit Einfluss auf das Bestehen des Kurses haben. Der andere Einfluss aufs Bestehen sind Klausuren (also so was wie Klassenarbeiten) in der Schule.

Anders als in der Schule muss man bei Nicht-Bestehen nicht das ganze Semester wiederholen, sondern nur die nicht bestandenen Kurse.

Weil es völlig normal ist, dass man einzelne Kurse nicht im ersten Anlauf besteht, mischt sich dadurch die "Belegschaft" der einzelnen Kurse in den nachfolgenden Semestern immer mehr.

Zu Anfang des Studiums ist noch relativ streng festgelegt, welche Kurse besucht werden müssen, nach und nach werden aber die Wahlmöglichkeiten größer (z. B. muss man dann oft nur noch bestimmte Teilgebiete abdecken, für die mehrere Kurse zur Verfügung stehen). Außerdem verlagert sich die Unterrichtsform dann mehr und mehr von "Vorlesung mit Übung" zum "Seminar". Ein Seminar ist eine Gruppen-Veranstaltung, in der im Wesentlichen die Teilnehmer Referate halten (also weniger "Aktion" vom Prof.), die dann gemeinsam diskutiert werden. (Der Prof ist hier aber nicht "arbeitslos", weil er die Vorbereitung der Referate betreut.) Auch in Seminaren gibt's oft Hausübungen, die bearbeitet werden müssen. Seminare haben auch meist einen geringeren Stundenansatz pro Woche (meist nur 2-4 Stunden), dafür macht man dann eben mehr verschiedene Kurse.

Wann man in die Uni muss, kann ich Dir nicht beantworten - das ist von Uni zu Uni und von Semester zu Semester verschieden. Du musst aber damit rechnen, dass es mal Veranstaltungen (also Vorlesungen oder Übungen)morgens um 8:00 gibt, aber vielleicht hast Du auch quasi den ganzen Tag "frei" - d. h. Zeit für die Hausübungen ;-) - und dann nur eine Veranstaltung von 19:30-21:00.

2.) Gibt es einen Unterschied ob man in Deutschland (Bsp: Mainz) oder in Österreich (Bsp: Wien) studiert?

Definitiv ja, es gibt sogar Unterschiede, ob man in Hessen, Bayern oder Baden-Württemberg (oder einem anderen Bundesland) studiert, ja sogar von Uni zu Uni. Das gilt für das Lehramts-Studium noch mehr als für andere Studiengänge, weil Schule allgemein Ländersache ist, also auch die Lehramts-Ausbildung.

Die Unterschiede liegen aber m. E. im wesentlichen in Details (z. B. welche Kurse in welchem Semester zu besuchen sind, welche Themengebiete mit benoteten Scheinen nachgewiesen (also "bestanden") werden müssen und welche nur mit "Teilnahme-Nachweis" u. a. m.). Die grundlegenden Anforderungen dürften aber an allen Hochschulen in etwa gleich sein.

 

3.) Tagesablauf als Student (Mathe-Lehramt).

Kann man pauschal nicht sagen, s. o. ("Wann man zur Uni muss...").

Das Problem beim Lehramts-Studium ist, dass Du ja noch ein zweites Unterrichtsfach und außerdem noch etwas Erziehungswissenschaft studieren musst.

Bei "gängigen" Fächerkombinationen könnte es sein, dass da de angebotenen Veranstaltungen irgendwie koordiniert sind und passend liegen. Ich hatte aber (mit meiner Fächerkombi Mathe-Bautechnik) immer das Problem dass Bau- und Mathe-Veranstaltungen, die ich nach Fachlehrplan im gleichen Semester besuchen sollte oder die ich gerne beide besucht hätte, zeitgleich lagen.

Dann muss man entweder tricksen, indem man Kurse in andere Semester schiebt, oder z. B. auf den Besuch einer Vorlesung verzichten und sich den Stoff (z. B.  anhand eines Scripts oder aus kopierten Mitschriften von Studienkollegen) selbst erarbeiten.

Sowieso gilt für alle Studiengänge: auf den ersten Blick sieht ein Uni-Stundenplan "leer" aus - im Grundstudium hatte ich nur ca. 30 Wochenstunden "Veranstaltungen", die locker und mit teilweise großen Lücken über die Tage verteilt waren -, aber dazu kommt noch mal mindestens die gleiche Zeit, die man zuhause (oder idealerweise mit Studienkollegen) mit Hausübungen, Nachbereitung der Vorlesungen, Recherchen in der Bibliothek, Üben für Klausuren etc. verbringt. Und diese Zeit muss man sich eben suchen und selber sinnvoll einteilen ...

 

 

Kommentar von claushilbig ,

Nachtrag:

Inzwischen wird auch das Lehramts-Studium von der alten "Staatsexamen"-Form (unter der ich studiert habe) auf Bachelor/Master umgestellt.

Ich habe aber mal auf die Studienverlaufspläne meiner alten Uni (RWTH Aachen) geschaut, zumindest da hat sich nicht so viel verändert, dass meine ja doch relativ allgemeinen Aussagen nicht mehr stimmen würden ...

Kommentar von ruBek ,

Ich hab gehört, dass das Studium in Österreich anders aufgebaut ist. Dort würde man schon viel früher den Kontakt mit den Schüler kennenlernen. Stimmt das? Wenn ja, ist das eher ein Vorteil?

Kommentar von claushilbig ,

Sorry, über konkrete Punkte in Österreich kann ich Dir nichts sagen :-(

In Deutschland (NRW) hat man zu meiner Zeit das erste Schulpraktikum irgendwann am Anfang des Hauptstudiums gemacht (also erst im 5., 6. Semester), wenn ich mich recht erinnere. (Und wen ich mir den Studienverlaufsplan der RWTH ansehe, hat sich das auch nicht geändert.)

Das fand ich im Nachhinein eigentlich schon arg spät - wenn man erst dann feststellt, dass der Job "doch nicht das Wahre" ist - z. B. weil man nervige Schüler gar nicht ausstehen kann ;-) -, hat man zwei Jahre (oder mehr) "in den Sand gesetzt".

Insofern fände ich persönlich einen früheren "Kontakt mit den Schüler" durchaus sinnvoll.

 

Kommentar von claushilbig ,

Nachtrag:

Allerdings müsstest Du Dich auch mal schlau machen, ob Du mit einem österreichischen Abschluss überhaupt (direkt) in Deutschland unterrichten könntest, oder ob Du da langwierige Anerkennungsverfahren oder sogar zusätzliche Prüfungen durchlaufen musst - schließlich erkennen schon die deutschen Bundesländer untereinander nicht alle Abschlüsse problemlos an ...

 

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