Frage von mscxbae, 89

Wie ist das genau bei der Stellung beim Reiten?

Also vor ein paar Tagen in meiner Reitstunde sollten wir unsere Pferde nach links bzw. rechts stellen und ich hatte es noch nicht ganz verstanden. Wann stellt man ein Pferd nach links und wann nach rechts wenn man ganz normal auf dem ersten Hufschlag reitet? Und wie funktioniert das nochmal also ich hab schon etwas verstanden das man beim links stellen den Zügel bei der linken Hand etwas kürzer fassen soll und bei der rechten etwas nachgeben. Aber kann das mir jmd. nochmal genauer erklären? Und bei der einfachen Schlangenlinie hab ich noch nicht verstanden was da passiert ist, weil wir sollten irgendwie unser Bein etwas zurück nehmen und dann wechselte man irgendwie. Und meine letzte Frage ist, wofür das gut ist?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von MissDeathMetal, 40

Das Stellen lockert das Pferd und regt es dazu an durchs Genick zu gehen. Außerdem hilft es beim Geraderichten des Pferdes. 

Beim Stellen reicht es voll aus wenn du von oben aus den äußeren Nüsternrand auf der Innenseite des Pferdes schimmern siehst. Korrektes Stellen ist also nur eine kleine Gradwanderung. Wenn du das komplette Auge des Pferdes siehst ist es viel zu viel und der gymnastizierende und lockernde Sinn des Stellens geht verloren. 

Beim Stellen bleibt die äußere Hand ruhig stehen (nicht nachgeben, du reitest und fährst nicht Fahrrad!). Die Innere hand wird ein ganz klein wenig nach schräg-hinten eingedreht. Wenn du die geschlossenen Fäuste korrekt hälst siehst du ja nur den Daumen von oben. Kippst du die Hand um zu Stellen, so siehst du die vier anderen Finger (die Faust bleibt geschlossen). Nicht ganz Jugendfreundlich aber verständlich: Die Handfläche der inneren Faust zeigt zur Brustwarze der äußeren Seite. D.h. wenn du nach links stellst (das Pferd guckt ganz minimal nach links in die Mitte), dann zeigt die Handfläche der linken Hand zu deiner rechten Brust. Ich habe dir mal drei Bilder angehängt wie es aussehen sollte bzw wie es nicht aussehen sollte. 

Um die Beine und das Gewicht musst du dich gar nicht kümmern, wenn du einfach da hinschaust wo du hinwillst, dann legen die sich von selbst korrekt hin :) Wenn du Bahnfiguren reitest musst du immer da hingucken wo du hinwillst, dann verschiebt sich die Hüfte (und mit ihr die Beine und das Gewicht) von selbst in die richtige Position. D.h. wenn du einfache Schlangenlinien reitest, dann guckst du erst in die Ecke hinein bis du tief durch die Ecke geritten bist. Wenn du dann am Punkt abwendest guckst du zum X (der Bahnpunkt direkt in der Hallenmitte) da reitest du dann hin. Sobald du den Buckel der Schlangenlinie überwunden hast und zurück zur Bande reitest guckst du wieder den Punkt an, wo du ankommen willst und dann in die Ecke. So sind deine Schenkel- und Gewichtshilfen richtig eingestellt und du musst nichts tun außer hinschauen wo du hinwillst ;) Aufs Pferd glotzen oder die Hände beobachten ist deshalb sehr kontraproduktiv. 

Gestellt wird das Pferd immer in die Richtung der inneren Hand. In der Bahn ist das meistens die innenseite zum X hin. Außenstellung wäre es dann, wenn das Pferd nicht nach innen, sondern nach außen zur Bande guckt. Du sorgst aber dafür, dass es ganz leicht nach innen guckt. Im Gelände hast du ja keine Bande und kannst selbst entscheiden, in welche Richtung du stellen willst. 

Das sogenannte "Umstellen" kommt dann zustande, wenn sich das Pferd anders biegen muss. Bspw bei der einfachen Schlangenlinie. Dabei muss sich das Pferd 2x umstellen. Angenommen du reitest linksrum: Du wendest am Bahnpunkt ab um den Bogen zu reiten. Dabei schaut das Pferd nach links. Auf der Höhe des Zirkelpunktes musst du umstellen, d.h. das Pferd guckt nicht mehr leicht nach links, sondern nach rechts zur Bande hin. Das Pferd guckt nach rechts bis du wieder auf Zirkelpunkthöhe bist, dann stellst du wieder auf links um. D.h. du hast bei den Zirkelpunkten umgestellt, das Pferd guckt nach links dann nach rechts und dann wieder nach links. Wichtig ist, dass der äußere Zügel immer stehen bleibt. Er ist wie eine Wand, an der sich das Pferd entlang hangeln kann, also muss er ruhig stehen und die Faust ist gerade. 

Das benötigt ein bisschen Übung :) Am ehesten versteht man das ganze, wenn man sich entsprechende Bilder dazu anschaut und weiß, wie das Pferd aussehen muss wenn es gestellt oder gebogen ist. Wohlgemerkt: Es gibt ein Stellen ohne Biegen, aber kein Biegen ohne Stellen ;) Guck mal ob du den Spruch verstehst, wenn ja, dann hast du es im Grunde begriffen :) Beim Reiten muss man es ein bisschen üben bis man das Gefühl dafür hat. 

Kommentar von mscxbae ,

Dankeschön, das hat mir sehr geholfen. Ich hoffe ich werde es in meiner Reitstunde in 2 Tagen korrekt andwenden könne.

Kommentar von MissDeathMetal ,

danke für den Stern :) 

Antwort
von Dahika, 19

Beim normalen Reiten stellt man das Pferd nach innen. Das ist beim normalen Reiten meist da, wo der RL steht. ;-)  also meist (nicht immer) die Hallenmitte.
Man stellt also ein Pferd nach links, wenn man auf der linken Hand reitet (also linksrum) und nach rechts, wenn man auf der rechten Hand reitet. D.h. man zieht den Kopf natürlich nicht herum, man sollte so das halbe innere Auge sehen können. (Es sei denn man reitet in Konterstellung. ;-) )
Schlangenlinie ist nicht so ganz einfach zu erklären, da die innere und äußere Hand wechselt. Hierbei kannst du die Eselsbrücke mit der MItte der Halle nicht anwenden. Ehrlich gesagt, ist mir das zu kompliziert, jetzt zu erklären. Dafür sind Reitlehren und Reitlehrer da.

Antwort
von Emilia21, 38

Also Stellung ist ein Form von Körperhaltung gemeint (vor allem Kopfhaltung bei Stellung, bei Biegung ist der ganze Körper wichtig) es geht darum ein Pferd (normalerweise) in die Richtung zu stellen in die man reiten will. 

Auf dem 1. Hufschlag an der langen Seite wird ein Pferd grundsätzlich nicht in eine bestimmt Richtung gestellt, sondern in den Ecken (da geht es aber auch um Biegung, ich weiß jetzt nicht inwiefern eure Reitlehrer das trennen. 

Wenn du dein Pferd stellen willst hälst du normalerweise deine äußere Hand (die die näher an der Bande ist) tiefer & hast eine relativ gleichmäßige Anlehnung(Verbindung zum Pferdemaul), das heißt du gehst so viel wie nötig geschmeidig in der Bewegung des Pferdes ist, versuchst aber einen gleichmäßigen Druck beizubehalten. Die innere Hand nimmt immer wieder ganz leicht den Zügel auf und gibt dann immer wieder nach. Das heißt: du nimmst den Zügel immer wieder ein wenig an, am besten einfach deine Faust etwas fester zudrücken & wieder ein bisschen öffnen, das reicht meist schon. 

Eine einfach Schlangenlinie ist eine gute Übung um das Stellen in verschiedene Richtungen zu üben. 

Beispiel: wir sind auf der rechten Hand, also deine recht Hand ist innen & die linke Hand ist außen. Du reitest ganze Bahn und nach der zweiten Ecke der kurzen Seite stellst du dein Pferd nach rechts. Du solltest also mit deiner linken Hand eine stabile Verbindung haben, die rechte Hand nimmt den inneren Zügel kurz an & dein Äußeres Bein (links) geht eine Handbreit nach hinten, um das Pferd zu begrenzen. Dein Pferd weiß jetzt: die linke Hand & der linke Schenkel begrenzen mich, ich soll nach rechts. Und dann reitest du auf X zu, dabei musst du dein Pferd umstellen, denn es soll ja nun einen Bogen zurück zur Bande laufen, also alles in der entgegengesetzten Richtung, auf Höhe des Zirkelpunkts richtest du es kurz wieder gerade & stellst es dann wieder nach rechts ein (Angaben vom Anfang) 

Kommentar von Baroque ,

Im Prinzip korrekt erklärt. Ergänzen würde ich:

Stellung ist nur im Genick (hat auf die restliche Wirbelsäule keine Einwirkung) ein bisschen den Kopf nach innen oder außen genommen - es heißt, dass man dann grade so das Auge hervorspitzen können so als Anhaltspunkt, wann es genug ist. Durch einen Wechsel von Außen- und Innenstellung kann man auch zum Lösen der Pferde beitragen. Vorsichtig muss man hier sein, dass man nicht rhythmisch umstellt, sondern das Pferd keine Regel erkennen lässt. Es darf einem nichts abnehmen. Man sollte auch nicht mit Kraft rechts-links-rechts stellen, also nicht einfach hinziehen die Stellung ... das geht dann in Richtung des unguten Riegelns.

Stellung kann sowohl auf der geraden als auch auf der gebogenen Linie gegeben werden. Auf der geraden Linie bleibt dann der Pferderumpf in sich gerade, auf der gebogenen bleibt der Rumpf weiterhin im zum Bogen passenden Maß gebogen, lediglich das Genick noch ein wenig weiter. Die Ecke ist ja nichts anderes als eine kleine Viertelvolte, d.h. auch hier gebe ich nur zusätzlich Stellung, wenn ich etwas damit erreichen möchte. Das ist NICHT Ziel des Reitens, sondern Mittel zum z.B. Lösen. In einer Prüfungsaufgabe oder Vorführung sollte dies abgeschlossen sein und keine Stellung zugegeben werden.

Innen kürzer nehmen den Zügel für die Stellung wäre fatal. Wie Emilia21 schon beschrieben hat, hat die äußere Zügelfaust geschlossen stehen zu bleiben, sonst driftet Dir das Pferd von der Linie weg. Das bogenäußere Bein wird, wie sie auch beschrieben hat, zurückgelegt. Es begrenzt den Pferderumpf nach außen, der sogenannte verwahrende Schenkel, eine Handbreit (und Achtung, eine Hand ist nicht breit, viele knicken da im Knie ab, das ist völlig falsch. Lieber hat man nur eine halbe Handbreit, als im Knie zu winkeln) hinter dem Gurt.

Bei der einfachen Schlangenlinie such Dir ein Bild, sieh es Dir an und setze dann einfach die Bögen zusammen. Wer das erst beginnt zu üben, darf ruhig sehr langsam umstellen. Dann wird die Figur vielleicht anders, aber lieber gut überlegen, was man tut als das Pferd irgendwie rumreißen.

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