Wie ist das Drama entstanden?

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3 Antworten

Drama (δρᾶμα bedeutet wörtlich „Handlung“) ist ein Oberbegriff für verschiedene literarische Gattungen. In der griechischen Antike sind diese Gattungen:

  • Tragödie
  • Komödie (einschließlich von Possenspiel [παίγιον (paignion)] und Mimos [μῖμος; lateinisch: mimus)
  • Satyrspiel

Die Ursprünge sind nicht genau bekannt. Das Drama hatte anscheinend mehrere Wurzeln, aus religiösen Kulten mit Tanz und Gesang und aus volkstümlichen Bräuchen. Bei rituellen Handlungen sind Masken getragen wurden, zur Verwandlung und zur schützenden Verhüllung.

Das antike Theater ist aus als Tänzern maskierten Chören hervorgegangen, die im Kult des Gottes Dionysos auftraten.

Die Gattungen hatten Vorstufen, aus denen sich eine kunstvolle literarische Gestaltung in Theaterstücken entwickelte. Die Gattungen hatten Verbindung mit Festen des Gottes Dionysos.

Die Entstehung in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr. war den antiken Autoren, die später darüber geschrieben haben, nicht genau bekannt. Sie haben Rekonstruktionsversuche unternommen, ohne für alles ein sicheres Wissen zu haben.

Die früheste Rekonstruktion geschah im 4. Jahrhundert v. Chr., also ungefähr 200 Jahre nach der Entstehung: Aristoteles, Poetik (Περὶ ποιητικῆς [Peri poietikes]; Über Dichtkunst; lateinisch: De arte poetica), Kapitel 1 – 5

Aristoteles nimmt ein Vergnügen an Nachahmung/Darstellung, einen angeborenen Nachahmungstrieb und eine Anlage für Harmonie und Rhythmus als eine anthropologische Wurzel des Dramas an.

Weitere antike Theorien stammen hellenistischer Zeit.

Tragödie

Nach einer Deutung ist die Tragödie (τραγῳδία) „Gesang der Böcke/Bocksgesang“ und ein Satyrdithyrambos mit mimetischen (nachahmenden) Elementen wird angenommen, dessen Erfindung Arion aus Methymna (7. Jahrhundert v. Chr.) zugeschrieben wird.

Nach einer anderen Deutung ist Tragödie „Gesang anläßlich eines Bocksopfers“, von einer Gruppe maskierter Sänger durchgeführt, der Ursprung sind Opferriten.

Urspünge derTragdödie sind insbesondere a) Improvisationen/Stegreifspiele (jemand trägt spontan etwas vor und andere fallen als Chor ein/wiederholen es) im Zusammenhang des Dityhrambos (eine frühe Form der Chorlyrik, in enger Verbindung mit dem Gott Dionysos, zu desen Ehren Dithyramben von einem Chor aufgeführt) und b) Satyrhaftes, das dann allmählich ernsthafter/würdevoller/erhabener wurde.

Satyrn sind mythologische Mischwesen mit tierischen Bestandteilen, ursprünglich Fruchtbarkeitsdaimonen, wild und naturhaft. Sie treten im Gefolge des Gottes Dionysos auf.

Anscheinend ist auch eine Beeinflussung durch Heroenkult geschehen, indem von einem Chor statt Dionysos ein Heros (Held) geehrt wurde, mit Klagen über seine Leiden (nach Herodot 5, 67 geschah dies in Sikyon in Bezug auf Adrastos, aber Kleisthenes, Herrscher/Tyrann von Sikyon gab die tragischen Chöre an Dionysos zurück und die übrige Opferhandlung ehrte den Heros Melanippos).

Die Tragödie könnte durch Anstimmer/Vorsänger (ἐξάρχοντες [exarchontes]) des Dithyrambos entstanden sein (diese Theorie vertritt Aristopteles).

Thespis aus Ikarion im attischen Demos (Bezirk) Ikaria galt nach einer antiken Überliefrung als Erfinder der Tragödie, nach einer anderen als sechzehnter oder zweiter Tragödiendichter nach Epigenes von Sikyon. Thespis hat aus der ursprünglich improvisatorischen Darstellung eines Anstimmers/Vorsängers und eines antwortenden dionysischen Chores ein mythisches Spiel allgemeineren Charakters mit einem zugrundeliegenden Text gemacht.Thespis, so wird erzählt, hat zwischen 535/4 und 532/1 v. Chr. die erste Tragödie an den Großen Dionysian in Athen aufgeführt. Schauplatz dieser frühen Aufführungen war offenbar das Lenaion auf der Agora.Thespis hat dem Chor einen Schauspieler gegenübergestellt und einen Prolog (πρόλογος [prologos], Vorrede) und eine Rede (ῥῆσις [rhesis) eingeführt. Die Tragödie wurde in den Dionysoskult eingebettet. Diese Institutionalisierung stand wohl in einem Zusammenhang mit der von Peisistratos betriebenen Religionspolitik.

Der Dichter Aischylos (525 – 456 v. Chr.) hat einen zweiten Schauspieler eingeführt. Spätestens damit kam Dialog in die Stücke hinein.

Der Dichter Sophokles (497/496 - 406/405 v. Chr) hat einen dritten Schauspieler eingeführt, womit ein gewisser Endpunkt erreicht war.

Vollständig erhaltene griechische Tragödien geben außer von diesen beiden Dichtern noch von Euripides (zwischen 485 und 480 – 406 v. Chr.)

Komödie

Ursprünge lagen in phantastische Chören in (zum Teil an Bauch und Gesäß ausgestopften) Trikots und Tierkostümen, Spottliedern und Umzügen (κῶμοι [komoi]; Singular: κῶμος [komos]. In einer vorübergehenden rauschhaften Ausnahme wurde einer Ausgelassenheit freies Spiel gegeben. Dinge wurden ins Überdimensionale gesteigert. Es gab eine Vorstellung von einer Art Schlaraffenland mit Genießen von reichlich Essen und Trinken. Vorgesetzte/Autoritäten konnten verspottet/verhöhnt werden.

Nach Aristoteles ist die Komödie durch improvisierende Anstimmer/Vorsänger (ἐξάρχοντες [exarchontes]) der Phalloslieder entstanden (Leute trugen bei Umzügen/Prozessionen einen umgebundenen künstlichen Phallos).

Die wohl chorlosen Komödien (δράματα) des Epicharmos auf Sizilien haben vielleicht als eine Beeinflussung dazu beigetragen, Gesänge zu einer abgeschlossenen Handlung weiterzuentwickeln.

Komödien wurden in Athen als ein festes Wettbewerbprogramm an den Großen Dionysien seit 486, an den Lenaia (Lenäen) seit ungefähr 440 v. Chr. aufgeführt.

Ein Dichter der Alten Komödie, vom dem Komödien vollständig erhalten sind, ist Aristophanes. Kratinos und Eupolis waren weitere herausragende Dichter der Alten Komödie.

Satyrspiel

Das Satyrspiel verbindet eine Darstellung mythischer Ereignisse mit einem witzigen/spaßhaften/Heiterkeit auslösenden Auftreten der Satyrn als Chor.

Nach antiker Tradition galt Pratinas aus Phleious als Erfinder des Satyrspiels, was wohl bedeutet, der erste bekannte Dichter zu sein, dem die Abfassung zugeschrieben wurde.Zwischen 520 und 510 v. Chr. wurde das Satyrspiel in das Programm der Großen Dionysien in Athen eingeführt. Es war satyrhaft, burlesk, mit scherzhafter Sprache und anfangs tänzerischer als später.

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Kommentar von Albrecht
16.12.2015, 07:47

Literatur:

Horst-Dieter Blume, Theater III. Kulturgeschichte des antiken Theaters. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 12/1: Tam – Vel. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2001, Spalte 266 – 274

Hans Rupprecht Goette, Drama : 1.1 Einleitung ; Die Architektur des klassischen Theaters unter besonderer Berücksichtigung Athens und Attikas. In: Handbuch der griechischen Literatur der Antike. Band 1: Die Literatur der archaischen und klassischen Zeit. Herausgegeben von Bernhard Zimmermann unter Mitarbeit von Anne Schlichtmann. München : Beck, 2011 (Handbuch der Altertumswissenschaft ; Abteilung 7, Band 1), S. 474 – 483

Rebecca Lämmle, Drama : 3. Das Satyrspiel. In: Handbuch der griechischen Literatur der Antike. Band 1: Die Literatur der archaischen und klassischen Zeit. Herausgegeben von Bernhard Zimmermann unter Mitarbeit von Anne Schlichtmann. München : Beck, 2011 (Handbuch der Altertumswissenschaft ; Abteilung 7, Band 1), S. 611 - 663

Joachim Latacz, Einführung in die griechische Tragödie. 2., durchgesehene und aktualisierte Auflage. Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht, 2003 (Uni-Taschenbücher : Altertumswissenschaft ; 1745), S. 51 – 65

Albin Lesky. Die tragische Dichtung der Hellenen. 3., völlig neubearbeitete und erweiterte Auflage. Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht, 1972 (Studienhefte zur Altertumswissenschaft ; Heft 2), S. 17 - 64

Christian Mueller-Goldingen, Griechische Tragödie : Autoren, Themen, Perspektiven . Berlin ; Münster : Lit (Aktuelle Antike ; Band 4), S. 13 - 30

Heinz-Günther Nesselrath, Komödie I. Griechisch A. Anfänge. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 6: Iul - Lee. Stuttgart ; Weimar, Metzler, 1999, Spalte 692 – 700

Gustav Adolf Seeck, Die griechische Tragödie. Stuttgart : Reclam, 2000 (Universal-Bibliothek : Literaturstudium ; Nr. 17621), S. 27 - 43

Bernhard Zimmermann, Satyrspiel A. Ursprungsprobleme. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 11: Sam - Tal. Stuttgart ; Weimar, Metzler, 2001, Spalte 125 – 126

Berhard Zimmermann, Tragödie I. Griechisch A. Begriff, Ursprung, Vorformen. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 12/1: Tam – Vel. Stuttgart ; Weimar, Metzler, 2001, Spalte 734 – 735

Bernhard Zimmermann, Drama : 1.1. Einleitung ; Urspungsfragen; Vor-und Frühformen, Organisation. In: Handbuch der griechischen Literatur der Antike. Band 1: Die Literatur der archaischen und klassischen Zeit. Herausgegeben von Bernhard Zimmermann unter Mitarbeit von Anne Schlichtmann. München : Beck, 2011 (Handbuch der Altertumswissenschaft ; Abteilung 7, Band 1), S. 451 – 473

Bernhard Zimmermann, Drama : 2. 1. Die attische Tragödie ; Einleitung. In: Handbuch der griechischen Literatur der Antike. Band 1: Die Literatur der archaischen und klassischen Zeit. Herausgegeben von Bernhard Zimmermann unter Mitarbeit von Anne Schlichtmann. München : Beck, 2011 (Handbuch der Altertumswissenschaft ; Abteilung 7, Band 1), S. 484 – 554

Bernhard Zimmermann, Drama : 4. Die außerattische Komödie. In: Handbuch der griechischen Literatur der Antike. Band 1: Die Literatur der archaischen und klassischen Zeit. Herausgegeben von Bernhard Zimmermann unter Mitarbeit von Anne Schlichtmann. München : Beck, 2011 (Handbuch der Altertumswissenschaft ; Abteilung 7, Band 1), S. 664 - 670

Bernhard Zimmermann, Drama : 5. Die attische Komödie ; 5.1 Einleitung. In: Handbuch der griechischen Literatur der Antike. Band 1: Die Literatur der archaischen und klassischen Zeit. Herausgegeben von Bernhard Zimmermann unter Mitarbeit von Anne Schlichtmann. München : Beck, 2011 (Handbuch der Altertumswissenschaft ; Abteilung 7, Band 1), S. 671 - 714

Bernhard Zimmermann, Die griechische Komödie. Vollständig überarbeitete und erweiterte Fassung. Frankfurt am Main : Verlag Antike, 2006, S. 30 - 35

Das griechische Satyrspiel. Herausgegeben von Ralf Krumeich, Nikolaus Pechstein und Bernd Seidensticker. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1999 (Texte zur Forschung ; Band 72 ), S. 1 – 73 (Philologisch-literarische Einleitung und archäologische Einleitung)

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Sehr einfach. Es entstand, weil die klassischen Dramatiker sagenhafte oder erfundene Konflikte aufschrieben und als Vorlagen für Schauspiele nutzten oder nutzen ließen.

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Kommentar von Montrum
15.12.2015, 23:04

Wenn ich mal fragen darf, wer waren die klassischen Dramatiker zum beispiel ?

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Nach Griechenland fahren und bei einer Seance die alten Dramatiker um eine Antwort ersuchen.

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Kommentar von Montrum
15.12.2015, 12:17

Brauche es für eine Powerpoint Präsentation und das möglichst schnell

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